Kundenrezension

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine schizophrene Rezension, 30. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: THX 1138 (Director's Cut) [2 DVDs] [Special Edition] (DVD)
Der Film ist ein Medium, das aufgrund seiner Beschaffenheit alles zeigen kann. Ganz im Gegensatz zum Text, sieht der Zuschauer ein Bild, das ihm gleich schon alles verrät, alles mitteilt, jeden Hintergrund offen legt und jede Erklärung immer auch mitliefert. Wir, die wir gewohnt sind, Filme zu sehen, sind es gleichermaßen auch gewohnt, alles geliefert zu bekommen, jeden Sinn in Häppchen präsentiert und mit Humor und Action garniert zu wissen. Der Film als Medium hat dazu seinen Beitrag geleistet, weil er eben aufgrund seiner Medialität perfekt dazu geeignet ist, uns mit eben jenen Häppchen zu beliefern. So funktioniert der Film.

Die »Cineasten« hier behaupten übrigens das Gegenteil und proklamieren den Film als Medium mit ursprünglich künstlerischer Ausrichtung. Das stimmt keineswegs. Der Film hat als Jahrmarktattraktion begonnen und diesen Einschlag eben wegen Mainstream-Filmen nie verloren. Zum Glück, ich meine, wer sieht sich denn den ganzen Tag Kunstfilme an?

Aus der Film-Perspektive gesprochen ist »THX 1138« ein schlechter Film, da gibt es, denke ich, keinen Zweifel. Er entzieht sich der Logik, der Hintergründe, weitestgehend sogar dem Plot. Alles scheint sinnfrei, ohne Belang. Die Welt, die uns präsentiert wird, ist langweilig; sie dreht sich im Kreis und will sich jedes Mal, wenn man als geneigter Zuschauer glaubt, einen Strohhalm des Sinns gefunden zu haben, wieder entziehen und eine neue, seltsame Szene vorspielen. Und das Schlimmste: Alles endet an der Oberfläche. Wo Orwells »1984« tief in die Psychologie seiner Figuren eindringt, wo Matrix uns mit in die Tiefe des Kaninchenbaus nimmt, da scheitern wir bei »THX 1138« schon bei den glatt rasierten Kahlköpfen, bei den bizarren Zahlenspielen und bei Wachmännern, die gegen Wände laufen. Wir kommen nicht rein in dieser Welt - und ganz ehrlich, der Film will doch auch gar nicht, dass wir hineinkommen.

Und Achtung, jetzt kommt doch wieder das Kunstgeschwafel. »THX 1138« ist ein - meiner Meinung nach - großartiger Film, weil er von uns verlangt, unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Er löst sich aus dem Mainstream-Film heraus und durchbricht das, was Filme eigentlich qua ihrer Beschaffenheit tun sollten. Er erklärt nicht alles und verweigert oftmals die Erklärung sogar ganz mutwillig. Und das ist doch schon mal eine Leistung. Man muss es auch erst einmal schaffen, einen Film zu drehen, den wir gleichzeitig sehen und doch wieder nicht sehen können. Lucas muss das Bild des Films bis zum Äußersten entstellen, damit er den Film an seiner eigenen Funktion hindern kann - und schafft dies in »THX 1138« ganz bewundernswert. Dadurch wird mir erst klar, wie ich Filme schaue, warum ich Filme schaue und was ich daran so mag, weil »THX 1138« sich dem so gekonnt verwehrt.

Und dann diese Optik. Ja, ja, die Effekte sind altbacken, alles ist steril, sieht gleich aus, etc. Und doch ist da etwas, das mich so sehr reizt. Diese geschwungenen Gänge, die weißen Figuren vor den weißen Hintergründen. Die Art, wie die Kamera positioniert ist, wie THX im ersten Drittel des Films immer mit den Wegen dieser seltsamen Welt geht, um dann ab dem zweiten Drittel genau gegen diese Wege zu laufen. Das alles sagt mir, dass ich es hier mit einem interessanten, wenn auch fordernden Film zu tun habe, der mir auch ganz bewusst nicht das gibt, was ich haben will. Man muss also schon einen Hang zum Masochismus mitbringen, wenn man »THX 1138« sehen will - und damit meine ich nicht die Art von Masochismus, die einem in Horrorfilmen abverlangt wird (das ist Voyeurismus). Es ist vielmehr ein »Sich-Selbst-Quälen«, eine mit Belanglosigkeiten und Oberflächen gespickte Langeweile, die bei mir immer in Faszination umschlägt, weil es so verdammt simpel gemacht ist. Denn: THX hatte nie ein großes Budget. Die Bauten sind keine Studiobauten, sondern reale Gebäude, die so (oder ähnlich) aussehen. Der Film aber ist so anders, sieht so anders aus und auch das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung. Er nimmt die Realität, beugt diese in der Kamera und gaukelt uns vor, dass das alles total komisch und seltsam ist, was da passiert.

Freilich: Wer hier gute Abendunterhaltung sucht, ist fehl am Platz. Ich habe diesen Film sicher schon viele Male gesehen, aber nie bei Popcorn, mit Freunden oder an einem Samstagabend. Davon würde ich sicher abraten. Ich habe ihn immer allein gesehen, manchmal auch in Etappen. Dann sehe ich mir diese Bilder an, die mich abstoßen und zugleich auch wieder einnehmen. Dann sehe ich die Belanglosigkeit kapitalistischer Gesellschaftssysteme und erlebe einen Film, der mich in meiner tiefsten Befürchtung anspricht, doch nur ein Amazon-Kunde zu sein, der dem Kapitalismus frönt und nur ein Teil der Masse sein will. Dann konsumiere ich also, um mein Konsumverhalten zu reflektieren. Und das ist meiner Meinung nach der größte Verdienst dieses Filmes: Die Kreisläufigkeit, die haarsträubende Unlogik der filmischen Welt direkt bei mir Zuhause spürbar zu machen. Und genauso schizophren, wie es ist, eine Kundenrezension über einen kapitalismuskritischen Film bei einem Online-Kaufhaus zu schreiben, genauso schizophren ist diese Rezension, die einen schlechten Film mit fünf Sternen bewertet.

Man muss kein »Cineast« sein, um diesen Film zu mögen. Dieser Film ist auch nicht kultig. Er macht keinen Spaß und will auch nicht gefallen. Und ich glaube, dass er mit zunehmenden Alter auch nicht unbedingt besser wird. Aber das ist sein größter Verdienst: Einfach nur eine Oberfläche zu sein, auf der ich mich spiegeln kann. Zeitlos und anders.

»Alternate ... Plastic«.

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P.S: Ich finde es unfassbar, wie die negativen Kritiken hier in den Kommentaren runtergemacht werden. Ich meine: Hallo? Dass der Film den Leuten nicht gefällt, zeigt nur, dass er eine Reaktion hervorgerufen hat. Das ist seine Aufgabe als Kunst! Er muss nicht gefallen, sondern er muss bewegen - auch zum Negativen.
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