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Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Der Titel des Buches verweist in der Ableitung auf den Inhalt des Buches. „Angstblüte“ ist das was ein Baum oder ein anderes bedrohtes Gewächs austreibt, wenn der Tod naht. Es steigen noch einmal die Lebenssäfte und ein schönes Äußeres wird produziert. Walser hat einen Roman über das Alter, die Vergänglichkeit, Bedeutungslosigkeit, Zuversicht und Sehnsucht geschrieben.„Nur die Dummen glauben, dass Geld dazu da ist Dinge zu kaufen, Geld ausgeben ist eigentlich banal. Der Könner vermehrt Geld um seiner selbst Willen“, meint Walser und unterstreicht damit seine pekuniäre Vorliebe. Brillant seine Ausflüge in die Welt des Aktienhandels, der nicht echten Geldströme, der Portefeuilles, doch leider etwas strapazierend überbordend. Erzählt wird die Geschichte eines alternden Vermögensberaters. Karl von Kahn, Walsers siebzigjährige Roman Ego ist begnadeter Künstler der Geldvermehrung. Geld macht zwar nicht glücklich, aber es schenkt Freiheit. Seine Überzeugung ist es, dass man von anderen Menschen nur durch Geld unabhängig werden kann. Schwer enttäuscht wird Karl von Kahn, als ihn sein Freund der Kunsthändler Diego Trautmann, mit einem ausgeklügelten, äußerst raffinierten Finanzdeal übervorteilt. Sein Weltbild scheint zu zerbrechen. Dann erhält er auch noch einen lebensbejahenden Abschiedsbrief von seinem erfolglosen Bruder Erewein, der verarmt in einer Höhle, seinem Leben ein Ende setzt. Jetzt taucht plötzlich Joni auf, eine Filmschauspielerin aus einem von Kahn finanzierten Film. In sie verknallt sich Karl von Kahn hoffnungslos. Und nun erleben wir einen Walser wie wir ihn bisher nicht kannten. Der prüde Walser schildert mit überaus deutlichen Worten einen verliebten Kahn, der hingerissen wird von ausufernder Sexualität, von Liebe, Lug und Betrug. So stolpert dann der arme Kahn von Illusion zu Illusion, weiß über sich nicht mehr Bescheid, weil für ihn alles Illusion ist. Auch die Theorien seiner Frau Helen, einer engagierten Paartherapeutin lösen sich im Nichts auf. Schließlich bekommt Kahn eine riesige Verlustrechung präsentiert. Er reflektiert und kommt doch noch zu der weisen Erkenntnis: Aufhören können will wahrhaft gelernt sein, die Sehnsucht muss damit nicht verloren gehen. Ein starkes Buch, gerade auch dort wo die Passagen in der Wirtschaft spielen, sehr kundig, ausgezeichnet gemacht. Walser schreibt in „Angstblüte“ vehement gegen den schwachsinnigen Alterstarrsinn in unserer Gesellschaft an, setzt sich radikal mit den Themen Alter, Sex und Unabhängigkeit auseinander und somit gehört dieses Buch zu Recht auf die Short List zum Deutschen Buchpreis. Walser hat einen Roman über das Alter und gleichzeitig ein wahres Alterswerk vorgelegt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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EUR 22,90
Rezensentin / Rezensent
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