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Kundenrezension

67 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seit wann sind Vergewaltigungen erotisch?, 19. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die verbannte Braut (Kindle Edition)
Liebe Leser,

1. Vorwort in eigener Sache:
Ich habe gestern hier eine Rezension für dieses Buch geschrieben, dass mir wirklich überhaupt nicht gefallen hat. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde eine meiner Rezension vom Autor des Buches kommentiert.
Dieser Kommentar veranlasst mich dazu, die Rezension unter einem Pseudonym neu zu formulieren. Gleichzeitig möchte ich mich dafür entschuldigen, falls ich einem Leser zu nahe getreten sein sollte, weil ihm das Buch gefallen hat und mir nicht.

Außerdem möchte ich davor warnen, dass ich hier SPOILE.

2. Zum Buch
a) Mein Standpunkt ändert sich durch die neue Rezension nicht. In diesem Roman wird aufgrund eines Irrtums ein junges Mädchen entführt, das noch nicht einmal debütiert hat (in der damaligen Zeit war es also etwa 16-18 Jahre alt). Sie wird zur Ehe gezwungen und dann in der Hochzeitsnacht mit Gewalt genommen.
Mir ist durchaus bewusst, dass es unzählige Romane gibt, bei denen man darüber diskutieren könnte, ob der Mann die Frau vergewaltigt hat und ich denke, dass es eine Fall-zu-Fall-Frage ist. Fakt ist aber, dass es sich hier NICHT um einen Fall von männlicher Dominanz handelt, die aus Leidenschaft geboren wurde. Es handelt sich hier auch nicht um einen Fall, in der der Ehemann das Recht einfordert, seine Frau zu gebrauchen (was heute auch als Vergewaltigung zählt in Deutschland, damals aber noch bestand und deshalb im historischen Kontext ok gewesen wäre). Nein, hier liegt brutale Gewalt vor, weil der männliche Prota durch Wut, Hass und lodernde Rachegelüste motiviert wird. Er hält sie (irrtümlicherweise) für eine amoralische Frau (man könnte fast sagen Hure), weil sie seinen Bruder (ihren Verlobten) betrogen und diesen damit in den Selbstmord getrieben hat.
Dass genau diese Motive sein Handeln bestimmen, hat die Autorin übrigens sehr gut dargestellt (dafür einen halben Stern). Welcher normal denkende Mann würde sich an einer Frau rächen, indem er sie heiratet (sie nach dem Tod seines Vaters zur Countess macht, weil er den Titel erbt) und dann auf seinem riesigen, reichen und wunderschönen Landgut abstellt, wo sie sogar ihre Eltern besuchen kommen? Auf einen so hirnrissigen Plan kann nur ein Mann kommen, der unfähig ist klar zu denken, weil Wut, Hass und Rache seinen Verstand beherrschen. Ein weiterer Beweis dafür ist, dass er wirklich jeden Zweifel, der auch nur irgendwie in ihm aufkeimt (z.B. ihr unschuldiges Verhalten in bestimmten Situation) einfach wegfegt und sich so zurecht biegt, dass es in sein Bild von der Hure passt. Ihre Unschuld ist gespielt, ihre Erklärungen, dass sie nicht Henrietta wäre, sind Lügen. Jemand, der so blind für die Wahrheit ist, muss von seiner Wut wirklich zerfressen sein. Durch Einschüchterung und einen (wohl sehr festen) Handgriff verhindert er deshalb, dass sie bei der Hochzeit dem Pfarrer gegenüber die Wahrheit ausplaudert. Himmel, muss das Mädchen Angst gehabt haben, wenn sie einen solchen Kerl heiratet anstatt die bereits begonnenen Worte zu Ende zu sprechen. Wie kann man bei einem solchen Plot und Hintergrund nicht von einer Vergewaltigung sprechen?
Dass der männliche Protagonist seinen Fehler nach der Entjungferung erkennt und das durch einen weiteren (zärtlichen) Akt wieder gut zu machen versucht, beschwichtigt mich dabei in keiner Weise. Ich finde es sogar empörend, dass in dem Roman das Bild vermittelt wird, man könne unmittelbar nach der Vergewaltigung durch bloße Zärtlichkeit den Schmerz und die Angst des Mädchens wieder wegpusten und alles ist gut. Noch schlimmer finde ich, dass das sogar gelingt, weil das Mädchen den zweiten Akt so toll findet. Genau deshalb halte ich das alles für eine Banalisierung einer Vergewaltigung.

b) Ich halte sein Verhalten aber auch aus anderen Gründen für unverzeihlich, wobei dies auch daran liegt, dass mir bestimmte Handlungen nicht einleuchten. Auf dem Landgut lebt eine Geliebte. Er hat sie dort abgestellt, weil sie vom Rang her zu niedrig war, um sie sich als echte Mätresse zu halten. (das habe ich inhaltlich nicht verstanden - wieso kann sie keine echte Mätresse sein, sondern muss als Hausmädchen arbeiten? - aber egal.) Nach der Hochzeitsnacht reist er umher und schläft mit jedem Rock, den er finden kann, um die Frau zu vergessen, die offenbar alles mit sich machen lässt und die er trotz seiner Hassgefühle attraktiv findet. Aber warum versucht er das "Loch in seinem Herzen" oder seine Triebe nicht mit seiner Geliebten zu füllen? Dafür ist sie doch eigentlich da und er hat sie doch sicherlich erwählt, weil sie ihm einmal gefallen hat?! Die einzige logische Erklärung ist, dass er wollte, dass diese Geliebte das Leben seiner Frau zur Hölle macht, sie versucht umzubringen und sogar dafür sorgt, dass Eve das Kind verliert. Warum sonst setzt er eine eifersüchtige Geliebte ins selbe Haus wie seine Frau? Warum nimmt er die Geliebte nicht in sein Bett, damit sie das tut, wofür er sie bezahlt? Ist das nicht unverzeihlich? Eve hat ihr Baby verloren, wäre selbst fast gestorben!
Dass er das nicht gewollt hat, wird später im Roman deutlich und ich bezweifle auch, dass die Autorin diesen Gedankengang gehabt hat. Ich halte diesen Aspekt des Romans deshalb für eine inhaltliche Schwäche.

c) Der Mann hatte schon keine Sympathien mehr bei mir. Aber sollte da noch ein winziges Fünkchen bestanden haben, dann ist es mit seinen Aktionen danach erloschen. Er kehrt nämlich nach seiner einjährigen Reise und der Erkenntnis, dass er seiner Frau Unrecht getan hat, zu ihr zurück. Aber ganz unehrenhaft betritt er nicht einfach sein Haus und entschuldigt sich, sondern beobachtet sie, verfolgt sie bis zum Friedhof und besucht dann lieber eine Woche lang jeden Tag das Grab seines toten Kindes anstatt sich mit seiner Frau zu befassen, die noch lebt und vor allem leidet. Als sie ihn dann schließlich sieht und erkennt, schreit sie ihn an, rennt weg und jagt ihn zum Teufel und was tut er? Er geht wirklich!!!! Er kämpft nicht um sie, versucht nichts zu erklären oder Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Er geht und verschwindet eine lange, lange Zeit.

Liebesromane sind unrealistisch. Das weiß ich, und deshalb fand ich gerade diese Handlung in Anbetracht der übrigen in dem Roman erschreckend realistisch. Es gibt diese feigen Männer, aber ich hatte in ihm nichts Derartiges vermutet. In einem Liebesroman möchte ich aber eigentlich von einem starken Mann lesen, einem Mann, der zu seinen Fehlern steht, der Buße tut und eben zeigt, dass er die Verantwortung übernimmt. Was ist das für ein Kerl, der nach Ägypten verschwindet und seine Frau zurücklässt in ihrem Leid wegen des verlorenen Kindes? Durch das, was dann in Ägypten geschieht, wird sie (irrtümlicherweise) vorzeitig zur Witwe erklärt. Sie muss noch einmal Trauer und dann monatelang Halbtrauer tragen.

Für einen kurzen Moment habe ich gedacht: Vielleicht übernimmt er Verantwortung, indem er sich vollkommen aus ihrem Leben zurückzieht und auf Titel und Geld verzichtet, damit sie sich mit einem neuen (und vernünftigeren Mann) ein glückliches Leben aufbauen kann. Vielleicht will er ihr einen Schlussstrich unter ihre Leiden ermöglichen und verzichtet daher auf alles, was ihm rechtmäßig zusteht. DAS hätte mich ehrlich beeindruckt. Aber dass dem nicht so ist, erfahre ich fünf Jahre später. Nicht nur, dass er unerkannt nach London zurückkehrt! Nein, er schleicht sich auch sogleich in ihr Bett und schläft mit ihr. Der einzige Grund, warum es in diesem Moment zum Akt kommt, ist jedoch nicht eine gegenseitige Aussprache mit Vergebung und Liebesschwüren. Nein, der Grund ist, dass sie glaubt zu träumen und gegen einen schönen Traum ja nichts einzuwenden ist. Himmel, was denkt dieser Mann sich eigentlich? Er weiß, dass ihn die Welt für tot hält und geht einfach so zu ihr ins Bett und nimmt sich, was ihm gefällt? Vielleicht wusste er nicht, dass sie nur glaubte zu träumen, aber irgendwie finde ich trotzdem, dass dieses Verhalten vollkommen inakzeptabel ist. Ich finde das nicht romantisch oder gar erotisch. Ganz gleich, was ich für diesen Mann gefühlt hätte - ich wäre auf jeden Fall beklommen gewesen, weil er so selbstverständlich über mich verfügt. Dazu kommt, dass er ja offiziell tot war. Hat er sich auch nur mit einer einzigen Frage damit befasst, ob sie sich vielleicht in einen anderen Mann verliebt hat? Zeit genug hatte sie dafür und frei war sie ja (offiziell) auch. Nein, es hat ihn nicht einmal interessiert. Dabei hätte der Ton-Klatsch ihm vermutlich sofort mitgeteilt, dass es da einen Mann gab, der um ihre Hand anzuhalten gedachte. Der männliche Prota hätte (wenn er rücksichtsvoll gewesen wäre) zumindest diese Frage mit ihr klären müssen.

d) Tja und dann kam der Punkt, an dem ich aufgehört habe zu lesen. Nicht die Existenz einer solchen Satans-Sekte hat mich gestört. Mich hat gestört, dass er ihr nach dem Wiedersehen erklärt, er befände sich (noch immer) auf dem Rachefeldzug, weil er neue Erkenntnisse hinsichtlich des Todes seines Bruders gewonnen hätte. Nach inzwischen sechs Jahren hat er das Thema für sich noch immer nicht abschließen können, nennt Eve sogar noch immer Henrietta (offenbar hat er sich überhaupt NIE danach erkundigt, was in der Gesellschaft so vorgefallen war und welche Wirkung seine Entführung gehabt hat, die ja in Henrietta immerhin eine sehr reiche Tochter aus sehr gutem Hause hätte treffen müssen). Aber ihm fehlt nicht nur der Schlussstrich unter sein eigenes Leid, er zieht auch Eve mit hinein und setzt sie neuen Gefahren aus. Ich kann keine Romantik darin erkennen, eine Frau, die man schon über so lange Zeit geplagt hat, schon wieder zu belasten und zu gefährden. Warum konnte er seinen Satanskram nicht allein abschließen und DANN zurückkehren und glücklich sein? Das ist so verantwortungslos, wie ich es mir von einem Romanhelden in einem Liebesroman einfach nicht wünsche.

Ich habe das Buch hier abgebrochen. Ich weiß also nicht, wie genau die Satanssache gelöst wurde und ich weiß auch nicht, ob überhaupt geklärt worden ist, ob die Ehe besteht oder ob Eve nicht eigentlich total entehrt ist. Immerhin wurde er ja mit Henrietta getraut, die gar nicht anwesend war. Der Vollzug der Ehe allein begründet diese ja nicht, wenn die rechtlichen Voraussetzungen nicht vorliegen. Aber das zu klären wäre vermutlich zu viel verlangt für einen Liebesroman.

Fazit: Ich denke, niemandem ist entgangen, dass mich der Roman furchtbar geärgert hat. Warum sonst sollte ich so viel Zeit für eine Rezension verplempern, die mir eigentlich nur einen halben Stern wert ist? Mir ist natürlich klar, dass ich bei Romanen wie diesen keinen Anspruch erwarten darf. Boy meets Girl, Konflikt, Liebe, Konflikt, sie finden sich. Das ist es eigentlich. Liebesromane sind oberflächlich. Das sind sie immer und ich erwarte es eigentlich auch gar nicht anders. Und natürlich müssen die Chars schön sein. Aber wenn einer Frau so Grausames angetan wird, dabei aber dennoch immer mitschwingt: "Aber er ist so toll und was er mit seinem Finger gemacht hat, war sooo toll.", dann ist mir das einfach zu viel Oberflächlichkeit. Dann wird nicht nur jedes Denken und Handeln ausschließlich von der Optik der Protagonisten bestimmt, sondern auch jede Konsequenz. Denn wenn außer "er sieht gut aus und sein Finger weiß, was er tut" nichts Zwischenmenschliches im Raum steht (keine Gespräche, kein Lachen, keine gemeinsamen Interessen) und die Optik und die sexuelle Erfahrung der Chars die einzigen Motive für Vergebung, Liebe und Sehnsucht sind, dann heißt das mit anderen Worten: Wärst du hässlich, würde ich dich hassen. Und derartige Oberflächlichkeit gefällt mir ebenso wenig wie die Banalisierung von Vergewaltigungen.

Wenn ich deshalb jetzt sage "Finger weg!", dann ist das kein Befehl. Natürlich kann jeder tun, was er möchte. Ich sehe es als eine deutlich hervorgehobene Empfehlung im Sinne von "Finger weg, du wirst dich am heißen Kochtopf verbrennen." Wer sich dennoch an dem Buch versuchen möchte, der sollte darüber nachdenken, die Amazon-Leihbücherei in Anspruch zu nehmen. Das war es nämlich, was ich getan habe.

LG

Liebe Frau McAllister,
ich weiß, dass diese Rezension sehr hart ist, weil ich kaum ein gutes Wort für ihr Werk übrig habe. Kritik tut immer weh und man fühlt sich schnell beleidigt. Deshalb ist es aber noch keine Beleidigung. Ich habe das Werk kritisiert und ich halte auch weiterhin den männlichen Protagonisten für feige und dumm. Aber alles ist Geschmackssache und wenn sie Fans haben, dann ist das schön für Sie. Immerhin hatten Sie den Mut, etwas zu veröffentlichen. Ich kenne genug Hobbyautoren, die nicht einmal versuchen, mit ihren Werken (ganz gleich, ob gut oder schlecht) in die Öffentlichkeit zu treten. Meinen Respekt verdienen Sie auch, weil Sie mir nach meiner letzten Rezension die Stirn geboten haben. Das hat zwar meine Meinung über ihr Werk nicht geändert, aber meine Meinung über Sie als Autorin. Immerhin haben sie Mumm in den Knochen. Lassen Sie davon etwas auf ihre Protas abfärben (sowohl männlich als auch weiblich). Womöglich haben Sie dann noch viel mehr Fans als jetzt.
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 22 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.02.2013 12:02:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.02.2013 12:04:22 GMT+01:00
Lieber Rabenvogel24,

da Sie jetzt unter Pseudonym geschrieben habe und ich mir Ihren Namen nicht gemerkt habe, kann ich Sie leider nur mit Ihrem Pseudonym ansprechen. Sorry for that!

Zu Ihrer Rezension. Es freut mich, dass sie sich die Zeit genommen haben, Ihre Rezension zu überarbeiten und noch dazu so ausführlich. Auch wenn ich als Kundin (denn ich lese selbst ja auch) noch mehr als als Autorin Spoiler in Rezensionen nicht leiden kann, haben Sie es zumindest als Spoiler gekennzeichnet.

Vielen Dank, wenn Sie meinen, ich hätte "Mumm in den Knochen" ;)
Ich habe den, weil man mich mit schlechten Rezensionen nicht beleidigen oder treffen kann, denn ich kann sehr wohl mit Kritik umgehen und ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Bücher nie allen Lesern gefallen können. Mir gefallen auch nicht alle Bücher, nur weil sie viele 5* Rezis haben. Meinungen sind halt unterschiedlich und für Ihre Meinung habe ich Sie auch nicht kritisiert.
Nach wie vor ist es jedoch etwas verdreht, was Sie da von sich geben und Sie widersprechen sich in einigen Punkten meiner Meinung nach. Ich habe aber nicht die Lust und Zeit für eine Diskussion darüber und werde es mir daher ersparen und nur ein paar der wichtigsten Punkte ansprechen.
1. Es ist keine Vergewaltigung gegeben, deswegen muss ich das hier klarstellen um damit durch Ihre Rezension kein falsches Bild entsteht. Lediglich hat der H nicht mit ihrer Jüngfräulichkeit gerechnet und war daher nicht so vorsichtig, wie er gewesen wäre, hätte er es gewusst. Aber Sie haben "vergessen" zu erwähnen, dass er sie durchaus nicht kalt gelassen hat und sie nur als unerfahrene Frau ein klein wenig mehr Zeit gebraucht hätte. Eine Situation die durchaus in vielen Liebesromanen vorkommt. H und h im Rausch der Gefühle, H weiß nicht, dass h noch unberührt ist, ist zu schnell und schon wird es ungewollt schmerzhaft. Das ist keine Vergewaltigung! Sofort, als er bemerkte, dass er zu grob war, hat es ihm leid getan. Das zeigt, dass er durchaus nicht so ein Arsch ist, wie Sie ihn dastellen. Viele Männer der Zeitperiode hätten einfach weitergemacht, da sie sich nicht drum geschert hätten.
2. Jeder Liebesroman lebt davon, dass sich sowohl H als auch h nie objektiv verhalten. Sie als Leser sehen die Sache mit Abstand und sagen, warum sagt er nicht dies, macht er nicht das. Aber würden sich alle Protas immer rationell denkend verhalten, wären sie a) unrealistisch b) langweilig, weil perfekt und c) würde keine Spannung aufkommen.

Alles was sie geschrieben haben ist nur zweidrittel wahr. Das ist wie vor Gericht, ein Zeuge erzählt einen Hergang aus seiner leicht verdrehten Sicht und ein vollkommen anderes Bild ensteht, als die Realität. Deswegen halte ich Ihren Spoiler für irreführend und schwer nachvollziehbar. Meine beiden Beispiele oben sind nur ein kleines Beispiel.

Zum Schluß, auch wenn es nicht so wichtig ist: Ich bin keine Hobbyautorin, nur weil ich selbst publiziere. Ich habe bereits unter anderem Namen Bücher mit großen Verlagen verlegt. Doch ich habe mich entschieden, den Indie Weg zu gehen und bereue den Entschluss nicht. Viele meiner Indie Kollegen haben oder könnten mit Verlagen verlegen, haben sich jedoch für den Indie Weg entschieden. Indies sind nicht automatisch Amatuere!

Mit besten Grüßen aus UK
Cathy McAllister

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.02.2013 16:25:07 GMT+01:00
Rabenvogel24 meint:
Hallo,

ich finde es eigentlich selbstverständlich, etwas als Spoiler zu kennzeichnen. Allerdings ist es auch eigentlich unmöglich eine echte Rezension zu schreiben, ohne etwas über Schlüsselszenen oder Inhalte preiszugeben. Man würde bei einem "ja, hat sich gut gelesen" oder "langweilig" bleiben und das ist legitim und ok aber wiederum auch nichtssagend, weil es keine Begründung enthält und man als Neukunde daraus nichts gewinnen kann außer: diesem Leser hats gefallen.

zu Punkt 1:
Ihr Charakter wäre sogar ganz sicherlich vorsichtiger vorgegangen, wenn er gewusst hätte, dass sie eine Jungfrau ist. Davon bin ich überzeugt. Das Problem hier ist nur, dass es ihn überhaupt nicht interessiert hat. Alles, was sie sagt, und alles, was sie tut wird ja von ihm komplett unreflektiert weggewischt. Sie weint, als sie zur Hochzeitsnacht geführt wird, sie versteckt sich unter der Decke, sie zittert, sie rollt sich zusammen, als er sie mit nur einem greifenden Reißen entkleidet und selbst kurz vor dem Akt versucht sie ihm noch einmal zu sagen, dass sie nicht Henrietta ist. Aber es interessiert ihn nicht. Er ist vor Wut und Hass vollkommen blind (bis er dann die Wahrheit erkennt). Und selbst danach denkt er eigentlich nie wirklich darüber nach. Sonst wäre er schon längst auf die Idee gekommen, dass sein Fehler viel weitreichender war als "nur" der, sie für ein Luder zu halten. Er hält sie ja auch noch nach sechs Jahren für Henrietta und
Es gibt leider sehr viele Autoren, die glauben, dass es keine Vergewaltigung ist, wenn sie Sätze hineinschreiben wie "sie war schon feucht" oder "sie erwiderte den Kuss". In vielen Fällen ist das auch ok. Aber gerade in ihrem spezielle Fall (aufgrund der Motivation des männlichen Chars, der eben gerade NICHT im Rausch leidenschaftlicher Gefühle sondern im Rausch von Wut und Hass handelt), sind diese Sätze nichtssagend. Sie nehmen auch nur ganze 10 % der Hochzeitsnacht ein bis der Mann seinen Fehler erkennt und sie "heile-heile-liebt".
Und dann folgender Absatz NACH der Vergewaltigung und NACH dem 2. Sex: (Zitat: "Auch, wenn er sie verabscheute, so war er kein Mann, der Gefallen daran fand, eine Frau mit Gewalt zu nehmen. Das schlechte Gewissen fraß ihn auf, als er daran dachte, wie barbarisch er sie beim ersten Mal genommen hatte. Er recht, wenn er daran dachte, mit wie viel Leidenschaft sie gerade eben auf ihn reagiert hatte.") Das sagt mir als Leser: Ok, er hat keinen Spaß an Vergewaltigungen, aber er sieht, dass er Gewalt verwendet hat. Er sieht sogar, wie barbarisch er gewesen ist. Sein schlechtes Gewissen wäre aber geringer gewesen, wenn sie sich ihm beim 2. Akt nicht so hingegeben hätte. Wieso soll ich als Leser sein Handeln als nicht barbarisch und gewaltvoll sehen, wenn er selbst es sogar tut? Und wie soll ich Sympathie entwickeln, wenn er sein schlechtes Gewissen daran misst, wie sehr sich die Frau beim 2. Mal hingegeben hat?
Ich glaube, ich wäre besser mit ihrem Roman zurecht gekommen, wenn der weibliche Char sich GERADE durch die Gewalt erregt hätte (im Sinne von Sado-Maso). Noch besser wäre ich zurecht gekommen, wenn die einwöchige Reise nach Frankreich mit einer Entwicklung verbunden gewesen wäre. Nach der Entführung nur Hass und Wut, aber auf der Reise lernt er sie kennen und lieben. Eine Tendenz glaubte ich mal kurz auf dem Schiff zu sehen, aber die war dann weggewischt und nie mehr relevant. Sie hätten "normalen" Sex haben können aber dann kommen ihm aufgrund irgendeiner Sache Zweifel (z.B. weil einer der Satanisten ihm eine wiederholt falsche Info zuspielt) und dann kann es weitergehen wie in Ihrem Roman. Auf jeden Fall hätte der Plot viel besser erklärt, warum der weibliche Char auch nach JAHREN noch Sehnsucht und Liebe empfindet. Das ist nämlich im Moment überhaupt nicht nachvollziehbar, nachdem sie ihn nur eine Woche kannte und nichts von ihm erfahren hat außer seiner Wut, seinem Hass und ein bisschen Sex (und natürlich, dass er gut aussieht).

zu Punkt 2:
Es geht nicht darum, dass ein Charakter objektiv richtig handelt. Das tun Charaktere nie, wenn sie nicht gerade Spock sind oder sonst überaus vernünftig. Es geht darum, dass ich mich als Leser in einen Charakter hineinversetzen können muss. Ich muss - auch wenn ich im realen Leben NIEMALS so handeln würde - es nachempfinden können muss, wie und warum ein Charakter so und nicht anders handelt. Ich habe schon Geschichten aus der Sicht von Mördern gelesen oder von Frauen, die abgetrieben haben, von Kriegshetzern und ja sogar einmal von einem Kinderschänder (Lolita). Ich würde selbst in deren Situation niemals so handeln, teilweise finde ich es sogar verwerflich. Aber ich kann mich trotzdem in sie hineinverstetzen und nachvollziehen, warum diese Personen das anders gesehen haben. Das ist der Knackpunkt und bei Ihren beiden Protas kann ich das nicht (ganz besonders bei dem Mann nicht).
Dazu spielt hinein, dass es sich hier um ein Genre handelt, in welchem natürlich eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber den Charakteren besteht, die nichts mit Realität zu tun haben muss. Deshalb (und nicht, weil es objektiv richtig gewesen wäre) vermisse ich auch die innere Stärke des männlichen Protas, der zu seinen Fehlern steht. Bei einem Liebesroman will man doch eigentlich ein bisschen schmachten und lechzen und ich kann bei einem Mann nicht schmachten, der feige davonläuft und verantwortungslos handelt.

Zu guter letzt: Es tut mir leid, dass ich mich unklar ausgedrückt habe. Ich halte Sie nicht für einen Hobbyautor. Meine Formulierung war missglückt, weil der erste Schritt zum Profi-Autor der ist, dass man zuvor als Hobby schreibt und dann in die Offentlichkeit tritt und versucht Geld zu verdienen. Diesen Schritt meinte ich. ;)

Mit freundlichen Grüßen aus Deutschland
Rabenvogel24

P.S. Ich verstehe übrigens zwei Dinge nicht in dem Roman (ich erwarte aber nicht, dass Sie mir noch einmal antworten, weil Sie definitiv Besseres zu tun haben, als hier mit mir zu diskutieren und ich eigentlich auch ;) )
a) Wieso wird Eve ständig als Lady Hewitt bezeichnet? Ihr Mann ist doch Ronan Hewitt mit dem Titel Lord Stoneborough. Damit ist sie doch (sofern man von einer gültigen Ehe ausgeht) Eve Hewitt mit dem Titel Lady Stoneborough?!
b) Nachdem er sie noch nach sechs Jahren als Henrietta bezeichnet und erst dann versteht, dass es diesen Tausch gab - wie kommt er dann im Gespräch danach darauf, dass die Cousine in okkulten Kreisen verkehrt? Er ist sich da so sicher! Ich meine, wenn er erst zu diesem Zeitpunkt von dem Personentausch erfahren hat, was hat er denn dann bis zu jenem Moment geglaubt, wer seinen Bruder in die Kreise eingeführt hat?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2013 10:38:58 GMT+01:00
patricia meint:
Hallo rabenvogel24,
DANKE, dass endlich einmal eine Rezensentin klare Stellung bezieht gegen Vergewaltigung im Liebesroman, die oft viel zu positiv vom Autor/in verkauft wird, nur damit die alles verzeihende "Liebe" der Heldin den Widerling reformieren kann ...
Bezüglich des SPOILERN bin ich ebenfalls deiner Meinung - ohne etwas über den Roman zu verraten kann man Kritik o Lob ja nicht begründen und dann kann ich auch nichts mit einer Rezension anfangen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.03.2013 19:17:10 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.03.2013 23:12:14 GMT+01:00
shinobia meint:
Es ist ein heißes Eisen, diese Gratwanderung zwischen einvernehmlichen Sex und Vergewaltigung. Fakt ist aber, dass dabei keineswegs "Gewalt" im Spiel sein muss. In dem Moment, wo ein Partner auf irgendeine verbale oder non-verbale Weise verdeutlicht, dass er nicht will, und es wird darüber hinweggegangen, ist es eine Vergewaltigung. Die kann extrem zärtlich sein, auch liebevoll "gemeint", das Opfer mag dabei zum Orgasmus kommen, weil der Körper die Reaktionen übernommen hat. Entscheidend ist der Wille und die Äußerung desselben. Klar, man kann von niemanden Hellsehen verlangen, wenn also kein Zeichen gefunkt wird, dass man nicht will, hat man leider Pech gehabt ...
Noch mal zur Verdeutlichung: Mit "nicht wollen" meine ich nicht so ein "och nöööö, Schatz, heut' mag ich nich'", bei dem man sich durchaus vom Gegenteil überzeugen lassen kann. Sondern ein deutliches: "Nein, hör auf!"
Wenn Eve weint, sich versteckt und mit Gewalt ihrer Kleidung entrissen wird, ist der Fall so klar wie irgendwas, es ist eine Vergewaltigung. Man kann hier historische Gepflogenheiten vorschieben und sich darauf berufen, dass man das früher nicht einmal halb so eng gesehen hat.
Da beginnt dann die nächste Gratwanderung zwischen: Muss es "realistisch" an die Zeit angepasst werden oder dem Rechtsempfinden der heutigen Leserschaft?

Veröffentlicht am 08.05.2013 15:17:22 GMT+02:00
Regina S. meint:
Lieber Rabenvogel24.

Ich kann mich Deiner Rezension zu 100 % anschließen. Hätte ich sie vorher nur gelesen. Scheiß auf Spoiler!!!

Das Buch hab ich nach der Hälfte imaginär (sonst wäre mein Kindle kaputt) in die Ecke gepfeffert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2013 15:59:07 GMT+02:00
Rabenvogel24 meint:
Hallo Regina S.,
oh, das Problem kenne ich. Ich eiere auch immer um Rezensionen mit Spoilern herum, aber es war mir schlicht nicht möglich, ohne Spoiler etwas zu dem Buch zu sagen. :(
LG
Rabenvogel24

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.05.2013 23:00:02 GMT+02:00
Eine Kundin meint:
Hallo, ich habe sowohl das Buch als auch die Rezension gelesen und kann nur zustimmen, die hier genannten Punkte sind mir auch alle negativ aufgefallen und es gefiehl mir auch nicht. Vielleicht ist es noch interessant zu wissen (Achtung Spoiler ;) ), dass sich Henrietta als die Böse herausstellte..
LG

Veröffentlicht am 12.06.2013 09:02:11 GMT+02:00
HanibalXL meint:
Lieber Rabenvogel
Ganz herzlichen Dank für deine Rezension und alles was dadurch ausgelöst wurde! Du hast mich definitiv davor bewahrt, dieses Buch zu kaufen und zu lesen! Betreffend Vergewaltigung ja/nein stimme ich vollkommen mit dir überein, eine Story mit einem solchen Macho-Vergewaltiger könnte ich niemals mit Vergbügen lesen, und das sollte ja eigentlich der Sinn der Sache sein, oder :) ?

Veröffentlicht am 20.06.2013 20:59:03 GMT+02:00
Rebell meint:
eine rezension!!! GENIAL!!!...nur schade das die autorin nicht fähig war den inhalt zu begreifen...tja ich habe zwei bücher gelesen, das zweite um zu prüfen ob das erste ein ausrutscher war... nein dem war nicht so...möchte sagen das die bücher von ihr extrem sexlastig sind....selbstverständlich bescheren ihre männlichen figuren den frauen bis zu 5 orgasmen hintereinander....hahaha...
wenn ich porno lesen will suche ich das nicht unter romantik....also lieber rabenvogel24....ich ziehe meinen hut...und übrigends bei ihrem schreibstil sollten sie romane schreiben... mc allister wär was für beate u... shops...es grüßt REBELL

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 20:40:35 GMT+02:00
Kleiny meint:
Hallo Rebell,
auch ich kann Ihnen nur zu stimmen weil ich mich vor kurzen in einer ähnlichen Situation befand wo diese genannte Autorin auf einmal meine Rezension kritisierte und mich ziemlich in die enge getrieben hatte so das ich daraufhin alles gelöscht habe und ich total geplettet war überhaupt eine Antwort von einem Autor zu bekommen . Ich war nicht so mutig und habe unter anderen Namen geschrieben darum auch von mir Hut ab lieber Rabenvogel24 hätte ich dies eher gelesen hätte auch ich den Mut gehabt dieser Autorin so die Stirn zu bieten
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