4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nicht nur für Afrikafans, 18. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: TGV Express - Der schnellste Bus nach Conakry (OmU) (DVD)
Denkt man an Afrika, fallen einem wahrscheinlich zuallererst Dinge ein wie Hungersnöte, Korruption oder Rebellionen. Manches davon wird auch hier kurz angesprochen. Zum Beispiel sagt einer der Fahrgäste zu den einzigen Weißen an Bord, als sie unterwegs eine Leiche (sieht man nur andeutungsweise) finden: "Darüber regt ihr euch auf. Wir selber mussten schon tausende tote Kinder sehen, über denen die Geier kreisten." Damit ist das Thema allerdings schon so gut wie abgehakt. Diese Dinge spielen hier nicht die wesentliche Rolle. Genauso wenig, wie dass der Bus durch ein Gebiet Aufständischer fährt. Wobei diese Angelegenheit die Reise etwas spannender macht, ein wenig Salz in die Suppe bringt. Aber jetzt ganz von vorne: Die Geschichte handelt von einem klapprigen Bus. Rambo, sein stolzer Besitzer und Kleinunternehmer, transportiert Fahrgäste von Dakar, Senegal nach Conakry, Guinea. Dass er seinem Bus den Namen TGV Express gegeben hat, zeigt ein gewisses Augenzwinkern, das sich durch den ganzen Film zieht. Nach dem Motto: Mit ein wenig Gelassenheit lassen sich die Probleme leichter lösen. Auch mit einer dicken Portion Zweckoptimismus. Als Rambo einmal von der Französin Sylvia gefragt wird, wann denn der Bus nun endlich in Conakry ankommt, antwortet er: "Der TGV kommt immer an." Wie das bei Roadmovies meistens der Fall ist, ist die Geschichte schnell erzählt (kein Spoiler): Eine Reisegesellschaft startet von Punkt A und kommt an ihrem Ziel, Punkt B, an. Das ist aber auch nicht das Wesentliche. Es sind die Portraits der Menschen, die sich, genau wie wir, mit ihren Lebensbedingungen auseinandersetzen. Diese sind natürlich anders geartet als unsere und geben einen guten Einblick in die Lebensbedingungen dort. Die meisten ... Dass eine der Frauen auf der Flucht vor einer Zwangsheirat ist, kommt bei uns wohl eher selten vor. Dass hingegen eine andere, wie man erst ganz am Schluss erfährt, auf dem Weg zu einem Feministinnentreff ist, passiert natürlich genauso bei uns. Einen skurrilen Regenmacher werden wir wohl kaum irgendwo als Fahrgast finden. Einen "Drogentypen", hinter dem eine Menge Leute her sind, weil er Schulden hat, schon eher. Und dann war da noch der gefeuerte Minister, dessen Frau ihm immer wieder erzählt, er sei lächerlich ... Usw. usw. Das Schönste am Film: Wie eingangs erwähnt, lässt er die Probleme Schwarzafrikas nicht außen vor. Aber er bewertet nicht. Er beschreibt das Leben aus der Sicht der Menschen, die in Senegal bzw. Guinea leben. Wie sie mit ihren Problemen umgehen. Nicht mehr und nicht weniger. Und so erhält man einen anschaulichen Einblick - ganz anders als durch die sterilen Nachrichten in Fernsehen und Presse. Die Menschen Schwarzafrikas zum Anfassen, sozusagen. Dass die Tonspur lediglich in Originalsprache (am Anfang Wolof, später fast ausschließlich Französisch) ist, ist kein wirklicher Nachteil. Sie macht den Film noch authentischer. Außerdem stehen Untertitel in Englisch, Deutsch und Französisch zur Verfügung. Diese hätten allerdings an manchen Stellen etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Auch verschwinden sie gelegentlich so schnell, dass man mit dem Lesen kaum nachkommt. Gut, wenn man etwas Französisch kann. Die Dialoge sind nicht sehr anspruchsvoll, und man erspart sich das mühsame Lesen. Alles in allem ein Film nicht nur für Afrikafans sondern für alle die, die ein wenig über den eigenen Tellerrand hinaussehen möchten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
TGV Express - Der schnellste Bus nach Conakry (OmU) B00133A9QS
Moussa Touré
Kairos-Filmverleih GbR
TGV Express - Der schnellste Bus nach Conakry (OmU)
Alle Produkte
Nicht nur für Afrikafans
Denkt man an Afrika, fallen einem wahrscheinlich zuallererst Dinge ein wie Hungersnöte, Korruption oder Rebellionen. Manches davon wird auch hier kurz angesprochen. Zum Beispiel sagt einer der Fahrgäste zu den einzigen Weißen an Bord, als sie unterwegs eine Leiche (sieht man nur andeutungsweise) finden: "Darüber regt ihr euch auf. Wir selber mussten schon tausende tote Kinder sehen, über denen die Geier kreisten." Damit ist das Thema allerdings schon so gut wie abgehakt. Diese Dinge spielen hier nicht die wesentliche Rolle. Genauso wenig, wie dass der Bus durch ein Gebiet Aufständischer fährt. Wobei diese Angelegenheit die Reise etwas spannender macht, ein wenig Salz in die Suppe bringt.
Aber jetzt ganz von vorne: Die Geschichte handelt von einem klapprigen Bus. Rambo, sein stolzer Besitzer und Kleinunternehmer, transportiert Fahrgäste von Dakar, Senegal nach Conakry, Guinea. Dass er seinem Bus den Namen TGV Express gegeben hat, zeigt ein gewisses Augenzwinkern, das sich durch den ganzen Film zieht. Nach dem Motto: Mit ein wenig Gelassenheit lassen sich die Probleme leichter lösen. Auch mit einer dicken Portion Zweckoptimismus. Als Rambo einmal von der Französin Sylvia gefragt wird, wann denn der Bus nun endlich in Conakry ankommt, antwortet er: "Der TGV kommt immer an."
Wie das bei Roadmovies meistens der Fall ist, ist die Geschichte schnell erzählt (kein Spoiler): Eine Reisegesellschaft startet von Punkt A und kommt an ihrem Ziel, Punkt B, an. Das ist aber auch nicht das Wesentliche. Es sind die Portraits der Menschen, die sich, genau wie wir, mit ihren Lebensbedingungen auseinandersetzen. Diese sind natürlich anders geartet als unsere und geben einen guten Einblick in die Lebensbedingungen dort. Die meisten ... Dass eine der Frauen auf der Flucht vor einer Zwangsheirat ist, kommt bei uns wohl eher selten vor. Dass hingegen eine andere, wie man erst ganz am Schluss erfährt, auf dem Weg zu einem Feministinnentreff ist, passiert natürlich genauso bei uns. Einen skurrilen Regenmacher werden wir wohl kaum irgendwo als Fahrgast finden. Einen "Drogentypen", hinter dem eine Menge Leute her sind, weil er Schulden hat, schon eher. Und dann war da noch der gefeuerte Minister, dessen Frau ihm immer wieder erzählt, er sei lächerlich ... Usw. usw.
Das Schönste am Film: Wie eingangs erwähnt, lässt er die Probleme Schwarzafrikas nicht außen vor. Aber er bewertet nicht. Er beschreibt das Leben aus der Sicht der Menschen, die in Senegal bzw. Guinea leben. Wie sie mit ihren Problemen umgehen. Nicht mehr und nicht weniger. Und so erhält man einen anschaulichen Einblick - ganz anders als durch die sterilen Nachrichten in Fernsehen und Presse. Die Menschen Schwarzafrikas zum Anfassen, sozusagen.
Dass die Tonspur lediglich in Originalsprache (am Anfang Wolof, später fast ausschließlich Französisch) ist, ist kein wirklicher Nachteil. Sie macht den Film noch authentischer. Außerdem stehen Untertitel in Englisch, Deutsch und Französisch zur Verfügung. Diese hätten allerdings an manchen Stellen etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Auch verschwinden sie gelegentlich so schnell, dass man mit dem Lesen kaum nachkommt. Gut, wenn man etwas Französisch kann. Die Dialoge sind nicht sehr anspruchsvoll, und man erspart sich das mühsame Lesen.
Alles in allem ein Film nicht nur für Afrikafans sondern für alle die, die ein wenig über den eigenen Tellerrand hinaussehen möchten.
Markus Frost
18. Juli 2011
- Insgesamt:
5

|
Details
Top-Rezensenten Rang: 24.956
|