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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was Fußball über Männer UND das Leben lehrt, 20. August 2013
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Zwölfte Mann ist eine Frau: Mein unerhörtes Leben als Fußball-Fan (Gebundene Ausgabe)
Gerade eben schlagen die Wellen hoch bei meinem ortsansässigen Traditionsverein, der genau wie der "große Bruder" aus der 1. Bundesliga in gelb-schwarz aufläuft. Jedenfalls legte die Mannschaft am Wochenende schon ihr zweites unterirdisch schlechtes Heimspiel in Folge hin. Das "Gepeppel" auf dem Rasen glich eher einer gewerkschaftlich organisierten Arbeitsverweigerung, als leidenschaftlichem Kampfeswillen, worauf die Fans ihre ansonsten stets hochgejubelten Goldjungs gnadenlos auspfiffen und schlussendlich (wieder einmal) der Trainer beurlaubt wurde. Und trotzdem.... Trotzdem hält man zu diesem Verein. Man wird sich erneut beim nächsten Match geduldig in die langen Schlangen vor den Toren des hübschen, neuen Stadions einreihen und um Einlass bitten. Und alles nur, um letztendlich erneut zu leiden (und vielleicht auch wieder zu lieben oder - ich wage kaum daran zu denken -, auch wieder zu feiern).

Ja, Frau Porombka, ich kann Sie so gut verstehen. Denn auch ich bekenne mich zu diesen "verrückten Weibsbildern", über die der ehemalige Präsident des 1. FC Köln und Weltmeisterteam-Kicker (1974) Wolfgang Overath bemerkte: "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als schreiende Fußballbräute auf der Tribüne." Da habe ich mir Ihre Lektüre "Der zwölfte Mann ist eine Frau" gerade zur rechten Zeit vor den Fuß gelegt. Vortrefflich unterhalten habe ich mich (und vielleicht auch ein wenig Trost gefunden). Nicht nur, weil ich mich so gut identifizieren konnte, sondern weil Sie es auch exzellent verstanden haben, jede Abseitsfalle gekonnt zu umgehen und dadurch ein vorzügliches literarisches "Tiki-Taka" aufs Papier zu bringen. Sie kehren mit Ihrem Buch keineswegs den großen Zampano heraus, sondern setzen auf gekonnte Dribblings, eine sichere Abwehr, ein gut organisiertes Mittelfeld und Stürmer, die eine treffsichere Wuchtel schießen. Nun beschreiben Sie zwar Ihren Werdegang als treuer Werder Bremen-Fan, aber das tut dem ganzen Spiel keinen ungewollten Abbruch, da sich den Fan-Schal wohl oder übel jeder (weibliche) Fußballbegeisterte anziehen kann. Bei Ihnen muss man heute nicht mehr befürchten, dass Ihr großer Bruder erneut seine gefürchtete Blutgrätsche startet, wenn Sie "mit süffisant gehobener Augenbraue das Spielgeschehen" kommentieren, denn aus Ihren Ausführungen sprechen nicht nur Leidenschaft und Engagement, sondern vor allem Sachverstand und Kompetenz. Zudem alles verpackt in einem dramatischen Schlussspiel mit Verlängerung....

"Was macht es mit dir, wenn du Fußball-Fan bist?" Und wie "will man das komplett Irrationale dieser Wahrheit erklären?", sind nur einige Fragen, die Sie, liebe Frau Porombka (darf ich Sie Wiebke nennen?) zu beantworten trachten. Sie fragen sich, warum Fußball Heimat ist, erklären, warum es vor dem Spiel (fast) am schönsten ist oder man Fußball nur allein gucken sollte. Auch untersuchen Sie Abseits, Aufstellung und Konter, analysieren die verschiedenen Phasen einer Fußballfan-Karriere oder plaudern charmant über Wadenbeißer und Stiernacken. Anschaulich erläutern Sie das wohldurchdachte Ritual des Ankleidens vor einem Spieltag, begründen durchaus nachvollziehbar Ihre Abneigung für den bayrischen Erfolgsverein und erkennen treffsicher, was uns Fußball über Männer lehrt. Letztendlich fragen nicht nur Sie sich, liebe Wiebke, was es mit dem Geist einer Mannschaft auf sich hat, mit dem man Woche für Woche konfrontiert wird und für den man seine ganze Leidenschaft aufwendet. "Muss es dann nicht auch Einfluss auf deine Art zu Denken haben?", konstatieren Sie folgerichtig.

Aller Wahrscheinlichkeit wird wohl doch etwas dran sein an Ihrer Aussage: "Mit dem Fußball-Fan-Sein ist es ähnlich wie mit dem Kinderglauben, dass die Eltern immer da sein werden. Womöglich ist das eine sogar der Ersatz für das andere, der Fußball für die Eltern, denn man weiß doch ziemlich schnell, dass das mit den Eltern ein Trugschluss ist." Eines wird zumindest recht deutlich klar, dass Fußball gerade daher solch einen Reiz ausübt, weil dieses Spiel eine (sonderbare) Mixtur aus "Alles ist möglich" und "der Einsicht in die Vergänglichkeit des Moments, das Wissen um die Chance, die sich kein zweites Mal eröffnet. Das Wissen um den entscheidenden Schritt zu spät, der alle Hoffnungen zunichtemacht." Dass Sie sich, liebe Wiebke Porombka, allerdings fragen, ob Ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn Sie das Schicksal an eine andere Mannschaft gebunden hätte und ob Sie dann erfolgreicher und zielstrebiger wären bzw. einen geregelten Tagesablauf oder vielleicht sogar ein Bügeleisen hätten, nehme ich nicht ganz so ernst. Einen eventuellen Zusammenhang konnte ich jedenfalls nicht erkennen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Bügeleisen habe (wenn ich es auch nur sehr, sehr ungern im regulären Spielbetrieb einsetze). Aber: Ich bin auch nicht Fan von Werder Bremen.

Fazit: Mit ihrem Buch, liebe Wiebke Porombka haben Sie einen absolut sauberen Pass geschlagen. Ich bin fast geneigt, Ihnen die höchste fußballerische Ehre zukommen zu lassen. Welche das ist? Na die Zuerkennung des Status eines "Fußballgottes" natürlich!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.08.2013 18:57:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.08.2013 18:59:01 GMT+02:00
Ein herrlicher Text!
Dass man, obwohl man oft so sehr an dem nicht immer ganz so optimal kickendem Herzens-Verein leiden muss, einen so Fußball begeisterten Text schreiben kann, hat schon selbsttherapeutische Qualität. Das ist die Kunst Kraft aus der Tragödie zu ziehen!
Ein Bayern Münschen Fan, pardon, eine Bayern München Fännin, würde wohl kaum eine solche Rezension in die Tasten gedrückt bekommen.

Vielleicht hilft ja eine ausführliche Beschilderung mit Wegweisern zum gegnerischen Tor das Elend beim nächsten Heimspiel ein wenig abzumildern? Und ein Skunks-Gehege am eigenen Tor, was die Gegner durch unsichtbare Geruch-Argumente vom zu nahe kommen abhält. Nur so ein paar spontane Gedanken eines totalen Fußball-Laien.

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.08.2013 19:45:24 GMT+02:00
HeikeG meint:
Ich leide immer noch ;-)

ledergebundene Grüße zurück
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