Kundenrezension

77 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Stoff, aus dem Bestseller sind, 13. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman (Gebundene Ausgabe)
Marcus Goldman ist gerade mal dreißig und schon ein gefeierter Literaturstar. Gleich von seinem ersten Roman hat er eine Millionen Exemplare verkauft. Er zieht in ein New Yorker Loft, datet ein TV-Sternchen, flaniert über rote Teppiche und wird auf der Straße erkannt. Als sein Verlag jedoch noch einen Nachfolge-Hit erwartet, erwischt Marcus eiskalt die Schriftstellerkrankheit: Er bringt keinen vernünftigen Satz mehr auf’s Papier. Verzweifelt wendet er sich an seinen alten Mentor Harry Quebert. Der eremitierte Uniprofessor hat selbst in jungen Jahren einen modernen Klassiker verfasst und wird seitdem als „Die Feder Amerikas“ verehrt.

Doch bevor er Marcus aus seiner Krise helfen kann, sitzt Harry plötzlich selbst in der Patsche. Auf seinem Anwesen Goose Crove in der neuenglischen Kleinstadt Aurora wurden die sterblichen Überreste von Nola Kellergan gefunden. Ein 15-jähriges Mädchen, das im Sommer 1975 verschwunden ist. Als dann auch noch rauskommt, dass Harry damals eine Affäre mit dem blutjungen Teenager hatte, ist der Skandal perfekt. Harry droht die Todesstrafe. Aber was ist vor 33 Jahren wirklich geschehen? Marcus macht sich auf Spurensuche in dem verschlafenen Nest Aurora, um die Wahrheit im Fall Harry Quebert herauszufinden. Ein Fall, der den perfekten Erzählstoff für seinen neuen Bestseller liefert.

“Harry Quebert” ist eine gewitzte Buch-im-Buch-im-Buch-Inszenierung, die ganz wunderbar ineinander greift. Auf dem Rückumschlag steht in großen Lettern: “Niemand kannte ihn, und dann schrieb er das erfolgreichste Buch des Jahres”. Bewusst wird dabei offen gelassen, ob sich diese Aussage nun auf Joël Dicker, Marcus Goldman oder Harry Quebert bezieht. Das geschickte Spiel mit den Metaebenen wird auch auf dem Buchcover fortgesetzt. Eine weiße Fläche hinter deren Riss sich eine zweite Welt auftut, die einen Ausschnitt aus dem Gemälde “Portrait of Orleans” von Edward Hopper zeigt. Jener Künstler, der berühmt für seine Darstellungen amerikanischer Alltagsszenen ist, in denen sich die Einsamkeit des modernen Menschen widerspiegelt. Auch in Dickers Roman sind die Figuren unglückliche Einzelgänger, allen voran Marcus und Harry, die besessen von Ruhm und Anerkennung vergessen haben, zu leben. Aber auch die anderen Bewohner von Aurora kämpfen mit ihren inneren Dämonen und verstecken ihre ganz eigenen Leichen im Keller. Mit dem Blick hinter die saubere Fassade wird aus dem Kleinstadtkrimi gleichzeitig ein satirisches Amerika-Portrait.

Man merkt, dass sich Joël Dicker mit jeder Faser seines Könnens der Zufriedenstellung seines Publikums verschrieben hat, ohne sich dabei anzubiedern. Dafür hat er seinen Schreibstil ganz bewusst an die Kritiken und Anregungen angepasst, die er von Lesern für seinen ersten Roman bekommen hat, schreibt er auf dem Verlagsblog. Auf diese Weise ist es ihm tatsächlich gelungen, einen flüssigen, locker-flockigen Erzählton zu treffen, der sowohl anspruchsvolle als auch weniger anspruchsvolle Leser zufrieden stellen sollte. Dadurch ist “Harry Quebert” im allerbesten Sinne ein Buch für die Massen geworden, das es sogar noch schafft, sich selbst aufs Korn zu nehmen, indem es immer wieder die Bestseller-Manie des Literaturbetriebs parodiert, vor allem in Marcus Telefonaten mit seinem New Yorker Verleger: “Schreiben heißt abhängig sein. Abhängig von denen, die Ihre Bücher lesen oder eben nicht. Freiheit ist gequirlter Schwachsinn! Niemand ist frei.” Durch so viel ironische Selbstreflexion hat Joël Dicker sein Werk beinahe unantastbar gemacht.

Beinahe. Denn auch wenn ich tief beeindruckt bin von so viel taktischem Geschick und Beschwingtheit, gibt es ein paar sehr unschöne Baustellen im Roman, wo Dicker vor den Augen der Leser an seine erzählerischen Grenzen stößt. Die Passagen, die sowohl aus Harrys als auch Marcus angeblich so brillanten Bestsellern zitieren, sind grottig. Zudem finden sich im Mittelteil so viele inhaltliche Redundanzen, wie man sie sonst nur aus Dan Brown-Büchern kennt. Dafür gibt's leider einen Stern Abzug! Das spannende Finale mit seinen blitzschnellen Drehungen und Wendungen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, macht den Wehmutstropfen jedoch schnell wieder wett. Chapeau, Monsieur Decker!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.09.2013 10:59:14 GMT+02:00
Gunilde Doble meint:
danke für die Bewertung.Ich habe das Buch schon vor Weihnachten gelesen,es war ja hier in der Westschweiz so viel Aufhebens gemacht worden.Kurz nach 'Dicker' las ich Philip Roth (Indignation) und dachte,jetzt weiss ich,welches Vorbild 'Dicker' hat.Im Mittelpunkt steht ein krankes,junges Mädchen.Seitdem bin ich dem Buch gegenüber kritisch und bin neugierig,wie 'Dicker' in Deutschland aufgenommen wird.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent