Kundenrezension

119 von 136 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit 66 Jahren ...., 8. März 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Next Day (Deluxe Edition) (Audio CD)
Bitte in den folgenden Zeilen keine objektive (was auch immer das ist) Meinung erwarten. Hier ist jemand mit David Bowie Klängen aus den 70ern aus dem Nachbarzimmer seines Bruders aufgewachsen, und ist diesen Sound, diese Stimme nie wieder losgeworden. Und so ging es mir wie wahrscheinlich vielen Fans, eigentlich hatte ich mich schon abgefunden damit, dass sich Bowie würdevoll in den Ruhestand zurückgezogen hat. Würdevoll und mit einem Vermächtnis, einer Fülle unvergessener Lieder, von denen man weiß, dass sie bleiben werden. Umso überraschend dann die erste Januarwoche, morgens noch im Internet vom 66 Geburtstag gelesen, mit eben jenem sentimentalen Gedanken an den Ruhestand und dann diese überraschende Veröffentlichung von WHERE ARE WE NOW, sondern auch die Ankündigung des Albums.

In einem Satz: ‚The Next Day‘ ist grandios geworden, textlich immer spannend, ansprechend und tiefgründig, musikalisch voller Verweise, überraschender Ideen und wunderbarer Melodien.

THE NEXT DAY eröffnet das Album mit einer sehr schönen Reminiszenz in Form eines schmutziges Velvet Underground Riffs und erzählt die Geschichte eines Kriminellen, der um sein Leben rennt. Was aber auch gleich ins Auge (Ohr ;-) fällt ist der erste von vielen Verweisen auf die eigene Sterblichkeit, ‚My body left to rot in a hollow tree‘

Auch der zweite Song DIRTY BOYS ist ein Verweis an die eigene Vergangenheit und kommt daher wie ein entfernter Verwandter von „Ashes to Ashes“ mit schauerlichen Gitarren, Bariton Saxophone und verwaschenen Gesangslinie. Düster, aber auf eine sehr britische nette Art.

THE STARS (ARE OUT TONIGHT) ist einer der einfachsten, leichtesten und zugänglichsten Songs, mit einem fantastischen Chorus. Auch hier steht das Thema Altern im Vordergrund.

LOVE IS LOST ist ein absolutes Albumhighlight. Bewegend und beschwörend, die Orgel lässt Übles schwanen, die Gitarren scheinen sich immer wieder im Raum zu verirren. Die Jugend scheint ihm bedrohlich, neue Dinge und Sichten sind im Überfluss vorhanden, nichtsdestotrotz …. „your fear is still old“. Hier wird deutlich, dass es sich nicht nur um einen verklärten, romantisierenden Rückblick eines älteren Herren handelt.

WHERE ARE WE NOW? Das unerwartete Geburtstagsgeschenk, wahrscheinlich hätte Bowie auch Weises Rauschen rausbringen können, es wäre ihm aus den Händen gerissen worden. So aber ist es ein introspektiverm majestätischer Song geworden, der in der Stimmung an ‚Thursday's Child‘ erinnert. WHERE ARE WE NOW? ist einerseits eine Reminiszenz an seine Berliner Jahre, andererseits aber auch eine Ode an Älterwerden. Das Video dazu ist wunderschön, wenn auch etwas traurig. Erst mit der Zeile „As long as there is fire...“ verschwindet die bedrohliche melancholische Enge.

VALENTINE’S DAY ist Ambivalenz pur, direkt beim ersten Hören ist der Song geradezu süß, geradezu einladend, mit seinem bedeutungsvollen Riff und der ansprechenden Chorus. Aber halt, das besungene „tiny face” ist das eine Teeny Psychopathen, der kurz vor einer Tat steht …

IF YOU CAN SEE ME ist vielleicht der experimentellste Song des Albums. Über einen desorientierten, rumpelnde Rhythmus folgt eine Wirrwarr aus Noten und Worten, die Wut des letzten Songs bleibt …. „I will slaughter your kind“

I’D RATHER BE HIGH bleibt in dieser düsteren Gedankenwelt, über einem psychedelischen wunderbaren Riff wird die Geschichte eines jugendlichen Soldaten und seinen grässlichen Umständen erzählt. Vielleicht oldfashioned, aber ja, ein Antikriegsong, dem es gelingt seine schaurige Nachricht zu transportieren.

BOSS OF ME läßt Gail Ann Dorsey etwas Spielraum, mit einer feinen kleinen funkigen Bassline, Bowie darf auch wieder sein geliebtes Bariton Saxophone auspacken.

DACING OUT OF SPACE beginnt schon fast mit einem “Lets’s dance“ snare drum geht aber dann natürlich in eine andere Richtung, das immer wieder abschweifende Riff gibt dem Song die Leichtigkeit eines Brit Pop Shuffles.

In HOW DOES THE GRASS GROW / APACHE reflektiert Bowie den ethnischen Genocid mit alptraumhafter Verzweifelung und konterkariert mit einem la la la Chorus.

In (YOU WILL) SET THE WORLD ON FIRE lässt Bowie den inneren Rocker von der Leine, eine gelungene Verneigung vor der Tin Machine Phase unseres Helden. Erinnert sich noch jemand? Bowie war einer der ersten, der Ende der 80er wieder die schmutzigen Gitarren auspackte, damals ging das ja fast unter, obwohl er damit trendtechnisch wieder die Nase vorn hatte.

YOU FEEL SO LONELY YOU COULD DIE ist ein weiterer epischer Höhepunkt und ein üppiger Verweis auf den guten alten Ziggy und seinen „Rock’n’Roll Suicide“, aber vor allen auch voller boshafter Bemerkungen anstelle von Mitgefühl.

Der Schlusssong HEAT ist ein angemessener Schlusspunkt und ein brillantes Beispiel, warum es gut ist, solche Musiker wie Bowie zu haben. Überirdische Gesangsparts, eigenartiges Geräuschen, wehklagenden Streichern und impressionistischen Texten. „I am a seer, I am a liar“ fasst Bowie seine Karriere in einem Satz zusammen, immer noch ausweichend und gerissen, nach all den Jahren und Jahrzehnten.

Das Album ist undurchsichtig und liefert auch keine einfachen Antworten, die man von einem in Würde gealterten Künstler wie David Bowie erwarten kann. Aber gerade in dieser Undurchsichtigkeit ist „The Next Day“ ein Triumph geworden, den wahrscheinlich viele nicht mehr erwartet haben: Ein innovativer, düsterer, gewagter und kreativer Triumph, wie ihn neben Bowie wahrscheinlich nicht viele Musiker dieser Generation mehr hinbekommen werden.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 19 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.03.2013 12:29:41 GMT+01:00
Dirk Beinhorn meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2013 14:13:20 GMT+01:00
Tja Dirk, das ist eben Gott sei Dank Geschmackssache. :-)

Veröffentlicht am 08.03.2013 17:01:03 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 14.03.2013 22:29:56 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2013 17:03:22 GMT+01:00
buhmann meint:
Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, Herr Beinhorn. Wann immer ich von heute an der Meinung bin, dass ich manchmal etwas undifferenziert urteile oder ich einfach keinen ausreichenden kulturellen Background habe, künstlerisches Schaffen zu beurteilen, werde ich Ihren Kommentar lesen und mich gleich viel, viel besser fühlen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2013 22:08:47 GMT+01:00
HansWerner meint:
das das album als lärm epfunden wird kann nur daraus resultieren das die platte loudness war verseucht ist. ich hatte mir das album komplett über den itunes stream angehört und musste fest stellen das das album sau laut und kompremiert klingt aber immer noch ein bisschen dynamik enthält und so etwas von den heutigen gemasteten platten etwas abhebt in sachen klang aber audiophil ist es nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.03.2013 01:29:54 GMT+01:00
Tja, HansWerner, das kommt davon, wenn man tatsächlich versucht, sich Musik auf diese Art und Weise anzuhören. Es geht doch eben nichts über "the real thing", sprich: in den Laden gehen, die Platte (oder CD) kaufen, sie in eine GUTE Anlage stecken und dadurch das gesamte Klangspektrum mitbekommen. Streaming über die iTunes-Seite ist nunmal Mist. Das ist beinah so, als würde man sich über die Klangqualität von Musik über YouTube beschweren...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2013 00:14:12 GMT+01:00
HansWerner meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2013 00:16:03 GMT+01:00
HansWerner meint:
und für die anderen hier die werte bestätigen das was ich weiter oben geschrieben habe:

http://www.dr.loudness-war.info/details.php?id=34565

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2013 19:54:06 GMT+01:00
no-one meint:
Dass der Rott mit seiner undifferenzierten Lobhudelei wieder ganz oben dabei sein würde stand völlig ausser Frage. Wieviele gefühlte Alben des Jahres hat er schon rezensiert? Im Ernst, würde diese Platte von einem x beliebigen Nobody kommen, würde kein Hahn danach krähen. Das ist alles nicht schlecht, aber aufhorchen muss man an keiner Stelle. Völlig überzogener Hype. Ich wette, dass das Interesse an dieser Platte ganz schnell abflachen wird. ...und dieses Cover ist ein ganz schlechter Witz. Ich dachte eigentlich, es sei ein Platzhalter für ein noch nicht fertiges Artwork.

Veröffentlicht am 11.03.2013 09:34:01 GMT+01:00
Grossartige Rezension, alles gut (und nachdem ich das Album endlich gehört habe: treffend) beschrieben. Sehr hilfreich, Danke!
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Rezensentin / Rezensent

ROTT
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