ARRAY(0xb6de96fc)
 
Kundenrezension

42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Sterben einer radikalen Sozialistin, 1. September 2008
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rosa Luxemburg (DVD)
1985 drehte Margarethe von Trotta diese Filmbio über die deutsch-polnische Sozialistin Rosa Luxemburg (1870-1919). Die Rahmenhandlung spielt im 1. Weltkrieg, in dem Luxemburg (Barbara Sukowa) überwiegend in Breslau inhaftiert ist. In Rückblenden erinnert sie sich an ihren politischen Kampf an der Seite ihres Mitstreiters und Geliebten Leo Jogiches (Daniel Olbrychski, "Die Blechtrommel"), an ihre Gefangenschaft in Warschau, an die Auseinandersetzungen mit führenden deutschen Sozialdemokraten über die Position der SPD zur Revolution (Hintergrund bildet die russische Revolution von 1905). Ihre radikal-pazifistische Haltung macht sie weit über die Grenzen der SPD bekannt - und zur Zielscheibe des Hasses rechtsgerichteter Kreise. Nach ihrer Haftentlassung im November 1918 bleiben ihr nur noch wenige Wochen, ihre Ziele voranzutreiben. Zusammen mit Karl Liebknecht (Otto Sander) wird sie am 15.1.1919 nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes von Freikorpssoldaten ermordet und anschließend in den Landwehrkanal geworfen.
Die unaufdringliche Regie von Trottas verlässt sich vollkommen auf die herausragende Darstellerin Barbara Sukowas. Dass sie der realen Luxemburg nicht besonders ähnlich sieht, hat man aufgrund ihres nuancierten Spiels bald vergessen. Sie zeigt nicht nur die politische Agitatorin, sondern auch eine humorvolle und leidenschaftliche Frau. Ihre Albereien mit ihrer besten Freundin Louise Kautzky gehören ebenso zu ihr wie ihre spätere Einsamkeit nach dem Zerwürfnis mit Jogiches und dem Tod mancher Mitstreiter. Die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten untergräbt auch ihr vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem ehemaligen Mentor Karl Kautzky.
Der Film ist weder chronologiosche Geschichtsstunde, noch "Heldinnenverehrung".
Die Filmhandlung ist sehr verschachtelt, so dass Zuschauer ohne ungefähre Kenntnisse der deutschen Geschichte sich mit dem Film schwertun könnten. Es gibt auch keine erklärenden Zwischentitel oder eingestreuten Jahreszahlen. Die Handlung spielt überwiegend von 1900 bis 1919. Durch ihre z.T. sehr poetischen Briefe erzeugt die Darstellung Luxemburgs zwar sehr viel Wärme, aber auch ihre Unduldsamkeit, ihr beißender Spott (in einer Szene erklärt sie dem entgeisterten Bebel, sie und Clara Zetkin seien die letzten Männer der deutschen Sozialdemokratie) und ihre manchmal fehlende Kompromissbereitschaft werden dargestellt.
Bis in die kleinsten Rollen ist der Film hervorragend besetzt: Jan-Paul Biczycki (Bebel), Doris Schade (Clara Zetkin), Jürgen Holtz (Kautzky) und Charles Brauer (in einer kleinen, aber feinen Rolle als Gefängniswärter in Breslau) um nur einige hervorzuheben.
Der Film ist überwiegend in gedeckten Farben gehalten. Rot taucht selten auf. Der Teppich, über den Luxemburg kurz vor ihrem Tod geführt wird, ist fast wie eine Blutspur, die das 20. Jahrhundert durchziehen wird, das eben nicht das Jahrhundert der Erfüllung werden würde, wie es Bebel in seiner Neujahrsansprache 1900 hoffte. Luxemburg glaubt, lediglich ins Gefängnis gebracht zu werden, als sie erschossen wird. Eine Umkehrung einer Anfangsszene, in der sie eine Scheinhinrichtung in Warschau durchlebt. In der letzen Einstellung ruht die Kamera lange auf dem Landwehrkanal. Die "rote" Rosa ist tot, die Geschichte geht weiter.

Dass der Film so authentisch wirkt, hängt mit der außerordentlich guten Quellenlage zusammen. Über 2300 Briefe sind von Luxemburg erhalten, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht alle veröffentlicht worden waren. Als einer der wenigen Westdeutschen war es von Trotta vergönnt, im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED zu recherchieren. Glücklicherweise konnte sie eine von der DDR gewünschte Coproduktion vermeiden. Dann wäre es wohl ein ganz anderer Film geworden.

Der Film erhielt zwei Filmbänder in Gold (bester Film, beste Darstellerin), bei den Filmfestspielen in Cannes 1986 erhielt Sukowa den Preis für die beste Darstellerin.

Bild und Ton (deutsches Original mit optionalen Untertiteln) sind sehr gut. Als Extras gibt es ein paar Informationstafeln zu Regisseurin, Produzent und Darstellerin Karin Baal, einige Trailer, Bildgalerien zum Film und zu den Dreharbeiten, sowie zwei Interviews mit von Trotta und Sukowa (20 bzw. 5 min).

Sehr empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.09.2008 15:23:02 GMT+02:00
Daggi meint:
Ich war Anfang der 80er in einer Münchner Buchhandlung und habe nach Literatur über Rosa Luxemburg gefragt. Mit einer Mischung aus Empörung und Verachtung wurde ich darauf hingewiesen, dass sie solch eine Art von Literatur nicht führen würden. Ich denke, seitdem hat sich viel in den Köpfen getan u.a. dank Margarethe von Trotta und Barbara Sukowa, die die Luxemburg wieder "salonfähig" gemacht haben. Ich finde es immer wichtig, dass solche mutigen Frauen nicht in Vergessenheit geraten. Deine Rezension finde ich sehr, sehr gut und informativ.
Ich habe mir dann später die Briefe aus dem Gefängnis von R.L. zugelegt ("Ich umarme Sie in großer Sehnsucht"), die ich sehr empfehlen kann. Die gibt es auch als Kurzausgabe im Klaus Guhl Verlag. Von Helmut Hirsch gibt es eine Biographie über Rosa L.

Veröffentlicht am 01.09.2008 15:26:01 GMT+02:00
Don Alegre meint:
... nothing, really nothing to add !!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.09.2008 19:03:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.09.2008 19:07:23 GMT+02:00
Helga König meint:
Liebe Christine, eine wunderbare Rezension zu einem schwierigen Film über eine sehr intelligente, sehr engagierte, überaus komplizierte Frau.
Es stimmt Daggi , in der 80er gab es noch wenig Literatur über diese Dame.
Ich habe "Rosa Luxemburg. Im Lebensrausch, trotz alledem (Taschenbuch) von Annelies Laschitza irgendwann mal gelesen. Es ist auch auf meinen Lieblingslisten aufgeführt. Das Buch ist leider kein Spaziergang. Ein ziemlich umfangreicher Wälzer. Dicke Schwarten sind nicht mein Ding.
Trottas Filme liebe ich. Habe einige im Programmkino gesehen.
Einen schönen Abend.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2008 11:25:20 GMT+02:00
christine meint:
Vielen Dank für Eure Kommentare und Literaturhinweise. Ich schmökere auch gerade in einer Auswahl ihrer Briefe ("Herzlichst Ihre Rosa", auch von Frau Laschitza herausgegeben). Meine Luxemburgbioausgabe muss wohl bei einem meiner Umzüge das Nachsehen gehabt haben. Da weiß ich ja jetzt, wo ich zugreifen kann. Liebe Grüße!

Veröffentlicht am 06.09.2008 16:07:37 GMT+02:00
Mathias meint:
Wunderbare Rezension, liebe Christine, und wieder einmal großes SEUFZ über die Tatsache, dass Frau Sukowa so selten in der Filmlandschaft zu sehen ist, wir sprachen bzw. schrieben ja schon darüber. Tolle Ecken und Kanten, die Frau, und so eigen in Spiel und Aussehen... mehr davon!! Liebe Grüße von Mathias

Veröffentlicht am 08.06.2011 21:48:44 GMT+02:00
Chris meint:
Eine hervorragende Rezension zu einem hervorragenden Film!
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

3.6 von 5 Sternen (5 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (3)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
EUR 11,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Ort: BaWü

Top-Rezensenten Rang: 866