Kundenrezension

265 von 305 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, allerdings ohne Tiefgang., 27. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Broschiert)
Jonas Jonassons "Der Hundertjährige ..." ist ein Gute-Laune-Buch, ein Buch für einen Strandurlaub. Ein Buch, welches man in zwei Tagen durchlesen kann, allerdings auch jederzeit ohne Spannungsbruch zur Seite legen könnte. Ohne Zweifel ein Buch das Lesespaß garantiert, von dem allerdings auch wenige Tage nach dem Lesen der letzten Seite nichts zurückgeblieben ist. Gewissermaßen ein Jugendbuch für Erwachsene, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Allan Karlsson wird 100 Jahre alt, seine Tage im Altersheim und seine Privatfede mit Schwester Alice sind nicht dazu angetan, Allan von der Teilnahme an der anberaumten Feierlichkeit mit dem Bürgermeister zu überzeugen. Allan zieht es vor durch das Fenster reißaus zu nehmen. In Hausschuhen macht er sich auf den Weg und entwendet am nahegelegenen Busbahnhof dem Mitglied einer Rockerbande einen Koffer, in dem sich allerings nicht die erhoffte Kleidung, sondern einige Millionen Kronen aus Geschäften mit der Russenmafia befinden.

Ehe Allan sich umsehen kann, ist nicht nur die schwedische Polizei und diverse Journalisten hinter ihm her, sondern auch die "Never Again" Rocker auf der Suche nach ihrem Geld. Allan bleibt nicht lange allein, ihm schließt sich zunächst ein Gelegenheitskrimineller an, dann ein Imbissbudenbesitzer und ehemaliger Dauerstudent und schließlich "die schöne Frau" mit ihrem Hund und ihrem zugelaufenen Zirkuselephant. Dass unterwegs noch ein paar Rocker auf der Strecke bleiben sei hier nur am Rande erwähnt, da schnell klar wird, dass sich in diesem Roman sowieso immer alles zum Guten wendet. Und so ist auch früh absehbar, dass am Ende alle Freunde sein werden, Rocker, Flüchtige und Polizisten. Soweit ist Jonas Jonassons Roman tatsächlich ein Kinderbuch mit Schmunzelgarantie, welches auch sprachlich den Leser mit seinem naiv-kindlichen Erzählstil nicht zu überfordern droht.

Erfreulicherweise beläßt es Jonasson aber nicht bei dieser rosaroten Roadmovie-Parodie, sondern verdoppelt den Umfang des Romans dadurch, dass er reichlich Seemannsgarn einflechtet. Allan Karlsson ist schließlich nicht durch Nichtstun 100 Jahre alt geworden. So hat er reichlich zu erzählen und tut dies auch mit großer Begeisterung. Schließlich hat Karlsson nicht nur die Entwicklung der amerikanischen Atombombe entscheident vorangebracht, sondern wenig später auch die wesentlichen Details an die Sowjets verraten. Er hat abwechselnd mit Franco, Trueman, Stalin, Lyndon B. Johnson, Mao, den koreanischen Kims und diversen anderen Staatsmännern um die Wette gesoffen und dabei das Weltgeschehen mehr als einmal beeinflußt. Nebenbei hat er noch Wladiwostok niedergebrannt, ist über das Himalaya gewandert, hat eine indonesische Politikerkarriere angestoßen, die 68er Unruhen in Paris beendet und anderthalbe Jahrzehnte als CIA Spion dem Weltfrieden gedient.

Jonas Jonasson erschafft mit Allan Karlsson einen zweiten Forrest Gump und führt seine Leser durch das zurückliegende Jahrhundert. Ähnlich der berühmten Roman und Filmvorlage erschließen sich dem Leser ganz neue, ersponnene Hintergründe für scheinbar bekannte Weltereignisse. Jonasson reduziert seine Romanfigur allerdings auf den Schmunzelaspekt und vermeidet jegliche tragischen Züge. So bleiben alle Figuren Jonassons in der bloßen Liebenswürdigkeit stecken, es fehlt jegliche Vielschichtigkeit. Aber wie zu Beginn bereits beschrieben ist das auch offensichtlich nicht Karlssons Anspruch. "Der Hundertjährige ..." ist ein Buch für beschwingte Lesestunden, kein nachdenkliches Buch, einfach ein guter Unterhaltungsroman. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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11-20 von 27 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.11.2012 18:14:04 GMT+01:00
Peter Krauß meint:
Ich fand die Rezension gut aber Sie haben zu viel aus dem Inhalt erzählt.. wenn ich das Buch noch nicht gelesen hätte dann würde ich mich ärgern ..normalerweise sollten sie dann wenigsten sowas einfügen wie "Achtung Spoiler"

Veröffentlicht am 13.11.2012 14:21:52 GMT+01:00
Flora123 meint:
Habe das Buch gerade erst zu Ende gelesen. Glücklicherweise hatte ich keine Ahnung vom Inhalt und wurde so immer wieder überrascht. Diese Rezension hätte mir einiges an dieser Freude verdorben - Sie verraten einfach zuviel.

Mal abgesehen davon habe ich persönlich bei der Lektüre kein "Kinderbuch mit Schmunzelgarantie" entdeckt - vielleicht bin ich für solche Erkenntnisse aber auch einfach zu kindlich-naiv. Jedenfalls gehören Storys über Arbeitslager und Atombomben aus meiner Sicht nicht zum Kinderbuch-Genre.

Die Naivität und Teilnahmslosigkeit, mit der die Hauptperson derlei Geschehnisse betrachtet, sowie ihr mangelndes Mitgefühl sind vielmehr geniale Stilmittel, um die Bösartigkeit des ganzen Treibens besonders plakativ darzustellen. Der Kontrast zu Allans Perspektive ("Hauptsache Schnaps") skizziert all die menschlichen Dramen und politischen Despoten um ihn herum noch mal ganz besonders scharf, vielleicht sogar noch besser, als eine politisch korrekte Dokumentation. Diese Methode hat schon bei Forrest Gump sehr gut funktioniert und wird hier noch mal auf die Spitze getrieben (Apropos: Forrest Gump ist meiner Einschätzung nach ebenfalls kein „Kinderbuch mit Schmunzelgarantie“, auch wenn der Hauptdarsteller dumm wie Brot ist).

Mir ist jedenfalls beim lesen dieses Buches unser gesamtes letztes Jahrhundert mit all seinen Schrecken regelrecht um die Ohren geflogen, was mich ganz massiv nachdenklich gemacht hat. Und gleichzeitig ist das Buch urkomisch. Wenn ein Autor diese Mischung hinbekommt, dann verschafft er dem Leser meiner Auffassung nach deutlich mehr als ein paar "beschwingte Lesestunden".

Aber da kann man mal sehen, wie grundverschieden zwei Menschen ein und dasselbe Buch empfinden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 17:34:22 GMT+01:00
Dieter HODANN meint:
Sie sprechen mir aus der Seele ! Wieso muß ein Buch unbedingt Tiefgang haben, um gut sein zu können ? Absurd !

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 17:46:56 GMT+01:00
Dieter HODANN meint:
Sie meinen, daß die 400 Seiten inhalts- und substanzlos sind, nur weil es ein "Schelmenroman" ist ? Hatten Sie einen schwedischen Hegel oder Kant erwartet ? Seien Sie doch nicht so verbissen ;-))

Veröffentlicht am 02.03.2013 09:41:41 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.03.2013 10:05:08 GMT+01:00
doggo-doggo meint:
Vielen herzlichen Dank für die kritische Rezension und Ihr Durchhaltevermögen ob des (zu erwartenden) Sturmes der Entrüstung derer, die, haben sie erst einmal einen Kauf getätigt, diesen unisono für "great" zu erachten scheinen, HAT dieser doch einfach toll zu sein? ;-)

(Irgendwie erinnern mich die überwiegenden Lobeshymnen in den amazon-Rezensionen an jene Kollegen, die, obwohl die Welt nicht so ausschaut, IMMER einen tollen Urlaub hatten, IMMER glücklich sind mit ihren Familien und Käufen und selbstvertändlich IMMER erfolgreiche Kinder mit ganz tollen Schwiegertöchtern und -söhnen haben... ;-) - Gähn.)

Vermutliche sehen wir es ähnlich: Ich bringe als Leser Arbeitskraft (für den Kaufpreis) und (nochmal ein Vielfaches an) Lebenszeit zum Verfolgen der Gedanken des Autors ein. (Und gerade Bestseller-Autoren sammeln ob riesiger Auflagen dadurch Vermögen.)

Mir persönlich ist dafür und als Gegenleistung für diesen meinen Einsatz Berieselung und Unterhaltung zu wenig. Viel zu wenig. Dafür ist mir mein Leben zu kurz. Aus diesem Grund schaue ich auch grundsätzlich kein vor "Verbraucherinformation" nur so trotzendes und die Handlung ständig unterbrechendes Privatfernsehen. - Auch, wenn ein Millionenpublikum genau hiermit ganz zufrieden zu sein scheint?

Die Bezeichnung "Bestseller" (= best seller...) macht mich mittlerweilie grundsätzlich skeptisch. (Wie entsteht so ein Bestseller?) Und an den Wellen der Lobeshymnen vorbei fahnde ich aus diesem Grund zuerst nach kritischen Rezensionen.

Ich bin zwar noch keine 100 Jahre alt, habe aber schon viele für so manches applaudieren sehen. Der Lerneffekt hielt sich dabei für mich in Grenzen. Differenzierte Auseinandersetzung ist mir lieber.

Deshalb nochmals danke für Ihre Mühe und Ihren Einsatz!

Und an die Entrüsteten: Was mich nicht davon abhalten wird, einen Blick in das (geschenkt bekommene) Buch zu werfen. Eher sogar im Gegenteil, um mir zwischen den verschiedenen Standpunkten selbst ein Bild machen zu können.

Carpe diem

P.S.: Aber zuerst werde ich, Ihrem Hinweis auf den "Lavagänger" folgend, mich in eben diesen versenken. Auch, wenn es kein Best-seller ist und ich daher kaum werde annehmen können, auf den Fluren von Supermarkt oder Arbeitsplatz "mitreden" zu können.

Als Dankeschön für Ihre Mühe der Hinweis auf ein ungewöhnliches Leseexperiment: Klaus Böldl, "Der nächtliche Lehrer".

Veröffentlicht am 03.04.2013 08:17:10 GMT+02:00
Thomas LA meint:
Ich finde dies ist auch ein spannender Roman, über das Leben am Anfang des 20. Jh.
vom Vater des Wunschkonzerts, "Heinz Goedecke" von Paul Collmann.

Als eBook Trilogie hier der erste Teil:
Die kleine Hallig: Roman (Heinz Gödecke)

oder die Printausgabe alle drei Bände in einem Buch:
Heinz Gödecke

Veröffentlicht am 05.04.2013 22:45:11 GMT+02:00
Porter Ricks meint:
Vielen Dank für die Rezension! Definitiv kein Buch, dass ich lesen werde.

Eine Anmerkung zur Rettung der deutschen Sprache, (laut Jean Paul die Orgel unter den Sprachen):

"...dass er reichlich Seemannsgarn einflechtet."
"...dass er reichlich Seemannsgarn einflicht."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.04.2013 21:55:13 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2013 16:16:46 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.11.2013 16:23:08 GMT+01:00
Hallo Herr Öschelbrunn,
ich will niemand zu nahe treten, aber versteckte Botschaften enthielt dieser Roman gerade durch seine "Oberflächlichkeit". Es enthält eine durchgehende Kritik am Perfekten und Organsierten. Der Wiederspruch zwischen Freiheit und Sicherheit sollte schon klar werden. Und der Spott an jedweder Weltenplan von Weltverbesseren.
Gruß Lindermayr

Veröffentlicht am 01.02.2014 09:59:12 GMT+01:00
Danke für die Rezension. Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Ich habe das Buch angefangen, da es ja so hochgelobt wird und mich nach der Hälfte gewundert ob nicht jemand gerade "Lauf Forrest! Lauf!" im Hintergrund ruft...
Dann kommt bei mir immer die Frage auf, warum denn der Rest der Welt scheinbar so begeistert ist und man stöbert in den Rezensionen und liest sich ein bisschen durch.
Schön, dass das Buch so vielen Leuten gefällt aber bitte lassen Sie alle (die Begeisterten) doch bitte auch dem Autor dieser Rezension das Recht, seine andere Meinung kund zu tun. Außerdem hat er immer noch 3 Sterne gegeben und nicht nur einen.

Ein ähnliches Rezensions-, Kommentar- und Meinungsgeschehen lässt sich übrigens auch gut bei 50 Shades of Grey verfolgen.