Kundenrezension

31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Frage nach allem, 23. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin (Gebundene Ausgabe)
Mit 27 seine Biografie zu schreiben ist etwas vermessen, wenn man in seinem Leben noch nichts Gravierendes erlebt hat. Julia Schramm, Beisitzerin des Vorstands der Piraten Partei ist sich jedoch nicht zu schade, genau das zu tun. Ein pseudointellektueller Rückblick auf eine sinnlose Internetpräsenz in Buchform ist entstanden.
Das dubiose literarische Meisterwerk stand bereits vor der Veröffentlichung stark in der Kritik – vor allem kam diese aus den eigenen Reihen. Man warf Schramm vor, sie sei käuflich (100.000 € hat sie als Vorschuss vom Verlag erhalten, um dieses Etwas abzuliefern) und bräuchte unbedingt einen Posten im Vorstand, um auf ihr Buch aufmerksam zu machen (hatte sie sich doch beim Parteitag in Neumünster im Frühjahr 2012 um nahezu alle Ämter beworben und war schließlich grandiose Beisitzerin geworden, vermutlich aus Mitleid und „weil sie jung, süß und niedlich“ scheint).
Die Stimmung wurde nicht besser, als das Buch endlich erschien. Dann allerdings lachte ganz Deutschland über den dilettantischen Versuch, ein Buch zu schreiben. Die Autorin reagierte mit einer Website, auf deren Seiten man die – zugegeben nicht durchgehend sachlichen – Reaktionen lesen konnte. Mit dabei waren private Daten einiger Kommentierender. Datenschutz lässt grüßen, aber davon hält Schramm überhaupt nichts (nur mal pseudo-alibi-mäßig auf ein paar Buchseiten ist sie voll dafür, wenn es um Facebook geht. Die Piraten Partei ist ziemlich geil auf Datenschutz, das sollte man der Beisitzerin mal mitteilen) und vielleicht bedurfte es den Hinweis Dritter, damit sie diese wieder entfernte.
Aber worum geht es denn nun? Das ist schwer zu erklären. Das Buch soll das virtuelle Leben der Autorin wiedergeben und gleichzeitig aufzeigen, wie oberflächlich und stupide das Internet ist. Anscheinend hat diese Stupidität abgefärbt und Schramm saugte diese regelrecht aus dem World Wide Web.
Fünf Persönlichkeiten der Autorin erzählen ihr Leben im Internet. Dabei wird mal pubertär im Tagebuch (ein Heft!) über die Mutter abgelästert, kindlich über einen gewissen Führer geplaudert oder über Cybersex erzählt – genau passend nach dem Kapitel, in dem Kumpel Junto über die Gewalt und Schrecken der Revolutionen im Nahen Osten erzählt. Geschmacklos, unpassend, überflüssig.
Deutschland ist irgendwie doof, Staaten auch (Rousseau rotiert ob vollendeter Diarrhoe im Grab, hatte dieser Gesellschaftsvertrag sehr wohl einen Sinn und Möchtegern-Freiheitsrufe sollten genauer durchdacht werden), und alles ist schlecht, außer den Piraten.
Dafür, dass Schramm hier als Privatperson auftreten wollte, die nicht von ihrer politischen Zugehörigkeit sprechen und diese auch gar nicht zum Thema des Buches machen wollte, macht sie erstaunlich viel zweifelhafte Werbung dafür – inklusive eines ausführlichen Postskriptums, was die Piraten eigentlich so für Ziele haben. Schade nur, dass sie mit dieser literarischen Niete ihrer Partei eher schadet. Man könnte den Eindruck eines ungebildeten Haufen Nerds gewinnen, die außer Cybersex keine Hobbys haben und ihr politisches Engagement sich auf Kritik und Opposition beschränkt. So ganz passen Parteiprogramm und Mitglieder aber nicht mit Schramm zusammen und die Piraten täten gut dran, sich davon zu distanzieren.
Aber hier geht es nicht um Politik, sondern um ein Buch, das das Internet irgendwie bespricht und eigentlich nur eine ziemlich billige Prostitution ist, die die Autorin nicht mal authentisch wirken lässt – und das in einer Biografie!
Vielleicht bezahlt Schramm ja den Käufern die 16,99 € zurück, die diese Verschwendung kostbaren Papiers tatsächlich kostet. Immerhin kann sie vom Vorschuss 5.885 mal den geistigen Dünnpfiff kaufen – und man hätte was zum Heizen für den Winter.
Positives gibt es auch, glaube ich. Julia Schramm kann toll Ideen klauen und bedient sich bei Sex and the City: Die irgendwie unerreichbare Liebe heißt auch Mr Big. Großartig! Außerdem ist sie unter den TOP 100 „IT-Ausbildung &-Berufe“ auf Amazon.de – warum auch immer.
Nette Zugabe sind das Glossar und die Literaturliste, mit der Schramm einen auf Bildung machen will, wie es scheint – hat nur nicht geklappt. Klick dich, Julia!
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