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40 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DU laberst Mich an?, 23. November 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Taxi Driver [Collector's Edition] (DVD)
Travis Bickle, gespielt von Robert De Niro, ist ein 26jähriger Vietnamveteran, der sich als Taxifahrer in einer Großstadt wieder findet, wo er am eigenen Leib die Einsamkeit in all ihren Facetten durchlebt. Die Entfremdung ist dabei nur die Symptomatik, die in den überzeichneten Dialogen, den unglaubwürdigen Gesten und der gesamten Art, wie Bickle sein eremitisches Leben führt, zu Tage tritt. Selbst der Beruf des Taxifahrers ist nicht von ungefähr gewählt, sondern dient in der Handlung als Metapher für das Tangieren einer Welt, in die man nicht einzudringen vermag. Täglich hat Bickle etliche Male die Gelegenheit für kurze Zeit am Leben wildfremder Menschen teilzuhaben, - er bittet sogar darum Doppelschichten zu verrichten und fährt ausnahmslos auch in die finstersten Gegenden der namenlosen Stadt. Er hortet Geld an, ohne es wirklich zu brauchen, da er in der Anspruchslosigkeit seiner Gleichgültigkeit gefangen zu sein scheint und eine Zeit lang nur lebt, um zu arbeiten. Bereits hier erkennt der Betrachter, dass es nicht nur die Gesellschaft ist, die Travis Bickle ablehnt, sondern dass der inbrünstige Hass auf Gegenseitigkeiten beruht und nur durch die Person von Bickle sichtbar gemacht werden kann. Es findet keinerlei Interaktion des Protagonisten Bickle mit seiner Umgebung statt und noch dazu verläuft eine sich anbahnender Romanze mit einer Wahlkampfhelferin im Sande, ohne dass das Bickle wirklich zum Vorwurf gemacht werden könnte (Er führ sie beim Date in ein Pornokino aus). Dieses und andere Ereignisse treffen kumulativ aufeinander und verstärken dadurch die Aggression von Bickle, der vom Gedanken der eigenen Bedeutungslosigkeit gemartert wird. Die junge Prostituierte (Easy/Leicht zu Deutsch – gespielt von einer überragenden Jodie Foster) wird dabei nur zu einer Art Rechtfertigung, für die perfiden Phantasien, die sich der Waffenfreak Bickle allmählich ausmalt. Spätesten als er einen jungen Afroamerikaner in einem Supermarkt erschießt, beginnt allmählich die Initialzündung in Bickles Innerem. Mehr sollte zum Inhalt nicht verraten werden, denke ich.

Der Film an sich ist wahrscheinlich einer der bedeutendsten Filme, die je gedreht wurden. Einerseits bedeutete er den endgültigen Durchbruch von Martin Scorsese als Regisseur und Robert De Niro als Schauspieler. Der Drehbuchautor Paul Shrader war an diesem Erfolg nicht unwesentlich beteiligt, - verkörperte er doch lange Zeit Travis Bickle, als er in NY als Taxifahrer jobbte und nebenher Drehbücher schrieb. Soviel zum Geschichtlichen.

Die Technische Umsetzung von Taxi Driver ist mitunter einer zu jener Zeit gewagtesten überhaupt: Scorsese setzte Maßstäbe, sowohl was die Kameraführung angeht, als auch in Bezug auf die Chronologie, mit der dieser Film erzähl wird. Ihm gelingt es mit der Kamera Banalitäten auf Zelluloid zu bannen, die sich wie ein Mosaik zu einem überragenden Bild, oder besser gesagt: Psychogramm, des Protagonisten Bickle zusammensetzen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, handelt es sich bei den ersten beiden Dritteln des Filmes mehr um eine soziologisch– pathologische Studie, als um einen Streifen, der überall auf der Welt ungeahnte Erfolge feiern sollte.

De Niro brilliert in der Rolle des Travis Bickle und beweist, dass er zu jener Zeit einer der wirklich wenigen Meister des „echten“ Method – Acting ist, bei dem ihm wahrscheinlich nur Marlon Brando und Steve McQueen das Wasser reichen können. Es scheint beinahe so, als hätte niemand anderes als De Niro die Rolle überzeugen spielen können. Doch auch in den Nebenrollen finden sich damalige und heutige Berühmtheiten wie Harvey Keitel, Cybill Shepperd, Peter Boyle und Jodie Foster.

Weil der Film jedoch keine Explosionen bereit hält und eine längere Aufmerksamkeitsspanne als die eines Goldfisches erfordert, sollte mit ihm nicht unnötigerweise schmählich ins Gericht gegangen werden. Solche Filme wie Taxi Driver und Der Pate z.B. werden heute weder gedreht noch gerne gesehen. Das Medium Film passt sich der Konsumgesellschaft an und wird zum Mittel sterile Retortenemotionen beim Betrachter hervorzurufen, während bei Hauptdarstellern ohnehin nur auf das Aussehen geachtet wird (Selbst Q. Tarantino hält diesen Film für eines der allergrößten cineastischen Werke überhaupt!). Da tut es generell gut, sich einen Abend wirklich Zeit zu nehmen, einen Film unter künstlerischen Aspekten zu erleben, einen Film, der den Betrachter und dessen Ansichten auch ein Stück weit verändert und nicht nur hilflos an der Oberfläche der geistigen Abgestumpftheit kratzt. Genau so ein Film ist Taxi Driver.

zur DVD:

Enthält sehr viele Extras, von denen ich das flexible, interaktive Drehbuch als sehr interessant ansehe. Der Leser kann dabei bei jeder Textpassage direkt in den Film einsteigen und Vergleiche ziehen. Da das Drehbuch recht spartanisch ist, kann man anhand der Studie dessen, erst die wahre Raffinesse von allen beteiligten erahnen und die Arbeit, die nötig wahr um dieses Projekt zu realisieren.

Das Making Of zeigt zudem Kunstfertigkeit eines M. Scorsese auf dem Zenit seines künstlerischen Schaffens.

Fazit:

Um den Preis ist die DVD mehr als geschenkt: KAUFEN, KAUFEN, unbedingt KAUFEN und genießen.
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