Kundenrezension

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide Aufnahme mit technischen Mängeln, 24. März 2003
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni (DVD)
Rein zahlenmäßig dürfte der "Don Giovanni" zur Zeit die auf DVD am besten dokumentierte Oper sein, das Angebot ist zwar noch überschaubar, aber bietet schon einige Alternativen - wenn auch die Inhomogenität vom 50 Jahre alten Furtwängler-Film bis zur modernen Inszenierung aus Glyndebourne etwas verwundern mag. Auch die üblichen Veröffentlichungsquerelen ist man ja mittlerweile schon fast gewohnt (so ist die exzellente Verfilmung unter Maazel/Losey/Raimondi/Te Kanawa/van Dam mal wieder nur über den Import erhältlich, die grandios-radikale Verfilmung unter Smith/Sellars gar nicht). Die vorliegende Kölner Aufnahme reiht sich da eher ins solide, unauffällige Mittelfeld ein, hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel.
Michael Hampe inszenierte das Stück in historischen Kostümen und Bühnenbildern, wenn auch eher zurückhaltend, nicht mit großen Pomp aufgeblasen, aber auch nicht übermäßig einfallsreich. Die Personenregie wechselt zwischen übertrieben-komödiantisch und statisch-langweilig, einige recht nette Beleuchtungsideen stehen neben doch arg strapazierten und unglaubwürdigen Szenerien.
James Conlon treibt das Gürzenich Orchester Köln spürbar an - und schießt dabei doch deutlich übers Ziel hinaus. Das betrifft einerseits die Tempi, die passagenweise sehr schnell sind (fanden übrigens auch die Sänger, s.u.), andererseits aber auch Phrasierung und das Zusammenspiel des Orchesters. Von Mozartscher Leichtigkeit ist da passagenweise wenig zu spüren, schon in der Ouverture legt das Orchester eine laute, manchmal plumpe, fast romantisierende Spielweise an den Tag - also viel dramma und wenig giocoso.
Unter den Solisten sticht vor allem Ferrucio Furlanetto als buffonesk-übertriebener, aber glänzend gespielter wie gesungener Leporello positiv hervor. Thomas Allen als Giovanni fällt da ein wenig ab, seine Stimme klingt etwas angestrengt und läßt Leichtigkeit vermissen, zumal er manchmal auch richtig böse aus dem Takt kommt - woran Conlons hohe Tempi vermutlich deutliche Mitschuld tragen. K.M. Sandve versucht den Charakter des Don Ottavio von allen karikaturistischen Anklängen zu befreien, scheitert jedoch vor allem an den Koloraturen. Matthias Hölles Komtur ist von gewohnter Souveränität, aber seinen besten Tag hatte er hier offensichtlich dann doch nicht.
Bei den Frauen ist Andrea Rost als herrlich jugendliche Zerlina die Entdeckung. Carolyn James' Donna Anna bleibt unauffällig, lediglich in einigen Passagen wie der Entdeckungsszene läuft sie zu dramatischer wie vokaler Hochform auf. Carol Vaness als Donna Elvira legt die Partie viel zu dramatisch an, klingt deshalb nicht nur alt und überanstrengt, sondern auch irgendwie völlig deplaziert - gerade bei dieser Rolle vermißt man schmerzlich Kiri Te Kanawa von der Maazel-DVD oder Cecilia Bartoli von der ansonsten belanglosen Züricher Aufnahme.
Die Technik ist noch ein gravierender Schwachpunkt der DVD. Man könnte zwar die Ehrlichkeit der Produzenten loben, nur einen Stereoton anzubieten und keinen "Pseudo-5.1" zu mischen, aber zufrieden kann man mit dem Ergebnis nicht so ganz sein. Der Versuch, die Sänger und die Textverständlichkeit zum einzigen Maßstab zu machen, kann nicht voll überzeugen, ein penetrantes hochfrequentes Pfeifen stört zudem fast die ganze DVD. Beim Bild sieht es kaum besser aus, die Schärfe ist für anno 1991 nicht zeitgemäß, die Kontraste mau und besonders im 2. Akt trübt ein starkes Bildrauschen die Freude doch ganz erheblich.
Eine solide Aufnahme, zweifelsohne, wer mit den kleinen vokalen und den nicht so kleinen technischen Schwächen leben kann, aber unbedingt eine "klassische" Inszenierung bevorzugt, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen empfehlen ich dringend, sich nach dem Maazel/Losey-Film umzusehen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.12.2013 21:38:47 GMT+01:00
Die Sache mit der Technik kann ich nur bestätigen. Wir haben die DVD nur deshalb zu Ende angesehen, weil wir die Regie gut fanden - aber speziell bei hohen Lagen schrillte und pfiff es nur so, daß es seine (Un)art hatte. Ich habe noch nie eine Opern-DVD einfach weggeworfen - die hier schon.
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