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Kundenrezension

140 von 225 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Zweck heiligt die Mittel, 3. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Antwort (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Prinzip kann man das neueste Machwerk Alice Schwarzers treffend charakterisieren. Auf Seite 74 schreibt sie über die damalige von ihr initiierte Aktion "Ich habe abgetrieben", bei der viele der teilnehmenden Frauen nie abgetrieben hatten: "Darum spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob die bekennenden Frauen wirklich schon mal abgetrieben hatten oder nicht (wie ich). Zumindest im Kopf hatten wir alle schon abgetrieben." Diese Art von Umgang mit der Realität ist symptomatisch und zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch.
Das Buch ist die altbekannte Mischung aus Falschinformationen, Unterstellungen, aufgeblasenen Nichtigkeiten, Widersprüchen, unzulässigen Verallgemeinerungen aus Einzelfällen und natürlich Selbstbeweihräucherungen. Belege und Quellennachweise sucht man - wie gehabt - meistens vergeblich bei der Autorin. Immerhin hat sie sich zu einem Namensregister mit ein paar einseitigen Literatur-Tipps durchringen können. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, auf alle Fehler und Ungereimtheiten einzugehen. Deshalb greife ich an dieser Stelle exemplarisch drei Themen heraus.
Ein zentrales Thema ist für Schwarzer die sogenannte "Zwangsheterosexualität". Ihren Gegnern unterstellt sie hier gerne Biologismus. Unter Biologismus versteht man den Versuch, biologische Erklärungen auf vorwiegend nicht-biologische Phänomene anzuwenden. Wer aber wie Schwarzer bestreitet, dass Sexualität und Fortpflanzung in hohem Maße biologische Phänomene sind, die nachweislich starken Einfluss auf unser Verhalten ausüben, der hat nichts von Biologie verstanden und ignoriert sämtliche Erkenntnisse der neueren Forschung besonders auch der Evolutionsbiologie. So ist die überwiegende Heterosexualität des Menschen keineswegs gesellschaftlich erzwungen, sondern ein Resultat der Selektion. Nur heterosexuelle Individuen haben nämlich Nachkommen und können somit diese Disposition vererben. Stattdessen setzt die Autorin auf Sexualwissenschaftler wie Kinsey und Money, deren 50 Jahre (!) alten Theorien längst widerlegt sind. Schwarzers abstruse Vorstellung, Sexualität sei nur auf gesellschaftliche Zuschreibungen zurückzuführen, krankt schon daran, dass sie nicht plausibel erklären kann, wie diese Zuschreibungen in prähistorischen Zeiten entstanden sein sollen, denn bei unseren tierischen Vorfahren können sie ja noch nicht existiert haben. Aber Ungereimtheiten in ihrer Argumentation haben Fr. Schwarzer noch nie gestört - sie ignoriert sie einfach, ebenso wie Einwände dagegen. Auch bei biologischen Details tritt die journalistische Schludrigkeit zu Tage. Da macht sie kurzerhand das Östrogen zum geschlechtsdifferenzierenden Faktor. Tatsächlich ist es jedoch das Testosteron.
Schwarzer behauptet allen Ernstes, dass die Kinderquote steigen würde, wenn mehr Frauen erwerbstätig würden, was für sie wieder unmittelbar mit den Aktivitäten der Frauenbewegung zusammenhängt. So stellt sie einen Zusammenhang zwischen dem Geburtenrückgang bis 1975 in Deutschland und der entstehenden Frauenbewegung Anfang der Siebziger her und unterstellt als Grund für die sinkende Geburtenrate die Verweigerungshaltung der Frauen. Zu diesem Zweck datiert sie kurzerhand den Beginn des Geburtenrückgangs auf 1971 (passend zum Beginn der Frauenbewegung). Nachweislich begann dieser aber 1964, also lange vor dem feministischen Aufbruch. Auch war die Frauenbewegung niemals eine solche Massenbewegung, dass man hier einen merklichen Einfluss auf die Zahl der Geburten hätte erwarten können. Als Beispiel für eine vorbildliche Frauenpolitik führt Alice Schwarzer das feministisch kontaminierte Schweden an. Dort sei die Kinderquote aufgrund der besseren Frauenpolitik höher als in Deutschland. Sie unterschlägt aber schlichtweg die Fakten, die so garnicht in ihre Ideologie passen wollen. Die schwedische Quote (1,6 Kinder pro Frau) ist nämlich nicht gerade üppig im Vergleich zur deutschen (1,3 Kinder pro Frau). Zudem kann man Deutschland und Schweden garnicht direkt miteinander vergleichen, weil die schwedische Quote immer schon höher war. Erwartungsgemäß haben keine der angeblich so erfolgreichen schwedischen Maßnahmen zu einer merklichen Steigerung der Kinderquote geführt. Die ewige Behauptung, dass höhere Frauenerwerbsquoten zu höheren Kinderquoten führen würden, ist schlichtweg ein Ammenmärchen. Für Schweden (wie übrigens für alle anderen Industrieländer auch) zeigen die demoskopischen Daten klar, dass höhere Frauenerwerbsquoten definitiv mit niedrigeren Kinderquoten korrelieren.
Ein anderes Thema im Buch ist die Prostitution. Hier macht sie in einem wüsten Zahlen-Hokus-Pokus zwei Drittel aller deutschen Männer über 18 zu Freiern. Dabei ist keine der von ihr verwendeten Zahlen auch nur durch eine einzige empirische Studie belegt, weder die Zahl der Prostituierten noch die Anzahl ihrer Arbeitstage noch die Zahl ihrer Kontakte pro Tag. Daraus dann eine fiktive Zahl der Freier hochzurechnen, ist der Gipfel der Unseriösität. Auch sonst will Schwarzer nicht wahrhaben, dass Prostituierte in Deutschland ihre Dienste in der Regel freiwillig anbieten (Drogenabhängige und Zwangsprostituierte ausgenommen). Schon von daher hinkt der Vergleich mit Sklaverei. Wie Tamara Domentat in "'Lass dich verwöhnen'" und Felix Ihlefeldt in "Abenteuer Hure" gezeigt haben, lässt sich das Thema Prostitution keineswegs so pauschal abhandeln, wie Schwarzer das versucht. Schon die These, dass die Käuflichkeit von Sex gegen die Menschenwürde verstoße, ist alles andere als nachvollziehbar. Kann überhaupt etwas gegen die Menschenwürde verstoßen, das in beiderseitigem Einvernehmen ohne Schädigung eines Dritten zwischen zwei Menschen stattfindet? Wohl kaum. Und so sieht es ja auch der Gesetzgeber, sonst hätte er die Prostitution bestimmt nicht aus der Illegalität geholt. Dem stellt Schwarzer wieder ihr Lieblingsbeispiel Schweden gegenüber. In Schweden werden nur die Freier bestraft. Trotzdem ist dort die Prostitution nicht klein zu kriegen, allerdings ist sie wieder in die Illegalität gewandert mit allen Risiken und Nachteilen für die Frauen. Das verschweigt Schwarzer natürlich geflissentlich.
Die Autorin degradiert Menschen (insbesondere natürlich Frauen) zu bloßen Marionetten einer obskuren alles verursachenden "patriarchalen" Gesellschaft, so als kämen alle Entscheidungen, die Menschen treffen können, nicht aus ihnen selbst, sondern als seien sie ausschließlich Hervorbringungen von äußeren Normen, Zuschreibungen, Vorbildern, Erziehung, etc. Damit ersetzt sie einen genetischen Determinismus durch einen gesellschaftlichen. Der eine ist so falsch wie der andere, weil er dem Individuum jegliche Verantwortlichkeit für eigenes Handeln abspricht. Sie kämpft gegen alte Rollenbilder, ohne zu merken, dass sie den Menschen neue Rollenbilder aufzwingen will. Für alle Menschen, die nicht ihren Kriterien genügen, empfindet sie nur Verachtung - ein deutliches Kennzeichen für einen verbissenen Fundamentalismus.
Im Klappentext des Buches heißt es u.a.: <Die neuen Freiheiten . . . erfordern neue Antworten. "Die Antwort" auf neue Frauenverdummung und altes Machotum.> Wenn sie wirklich Frauen nicht verdummen will - ganz zu schweigen von Männern, die ihr scheinbar egal sind, sonst hätte sie ja von Menschenverdummung gesprochen -, dann sollte sie besser schweigen.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.05.2012 07:53:03 GMT+02:00
H. Ried meint:
Das ist die beste Rezension, die ich zu diesem Thema je gelesen habe :-)

Veröffentlicht am 02.12.2013 21:13:52 GMT+01:00
Amazon-Kunde meint:
Zitat:
"Schwarzer behauptet allen Ernstes, dass die Kinderquote steigen würde, wenn mehr Frauen erwerbstätig würden, was für sie wieder unmittelbar mit den Aktivitäten der Frauenbewegung zusammenhängt. "

Der Erfolg dieser "Mütter an die Werkbank"-Ideologie ist heute offen zu sehen.
Die Menschen hängen ihre Zeit in Büros ab, nur die Geburtenrate will und will nicht steigen.
Das gab es übrigens alles schon einmal im real existierenden Kommunismus ostdeutscher oder sowjetrussischer Prägung :)
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