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Kundenrezension

255 von 306 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Philosoph der Krise, 17. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Du mußt dein Leben ändern: Über Anthropotechnik (Gebundene Ausgabe)
Läse man den neuen, 700 Seiten dicken Sloterdijk "Du musst Dein Leben ändern" von hinten aus, würde man zum einen einer Hausfrauenweisheit begegnen: So kann es, meint der Meister auf der Seite 699, nicht weitergehen! Mit der Unordnung in der Welt und unter dem Sofa nicht, und nicht mit der Verwirrung des Geistes und den aufgelösten Maschen des Pullovers. Nicht dass die Sicht einer Hausfrau (natürlich sollte sich der Hausmann auch angesprochen fühlen) verächtlich wäre. Im Gegenteil. Zur Erfassung der wirklichen Lage benötigt sie häufig weniger Zeit als dieser oder jener Philosoph. Aber die Erkenntnis des So-geht-es-nicht-weiter ist, ohne das Aufnehmen der Maschen und das Verrücken des Sofas, ein unziemlich kleiner Hebel, um die Änderung der Zustände herbeizuführen. Geschweige, dass man die Änderung der Umstände damit angehen könnte. Das allerdings wäre der Weltkrise angemessen.

Vielleicht hülfe ein anderer Gedanke Sloterdijks der Welt-Lage zu einer Änderung, zum Weitergehenden: Sein Wunsch, der einzelne solle begreifen, dass der wahre Egoismus in der "Größerformatierung des Eigenen" zu sehen sei. Das hat Jesus, wenn es ihn denn gegeben haben sollte, bereits besser auf die griffige Formel von der Nächstenliebe gebracht. Auch findet sich dieser erweiterte Egoismusbegriff konkreter bei den sozialistischen Vordenkern und unter den jüngeren Nachdenkern hat es Dietmar Dath mit der Formulierung "Ich habe nichts gegen Egoisten. Bloß ein bisschen egoistischer könnten sie sein" auf den Punkt gebracht, an dem das einzelne Interesse eben nur kollektiv wahrgenommen werden kann. Wenn also gegen Ende des Buches die Binse der Stoff ist, aus dem die Sloterdijksche Weisheit gemacht ist, muss man vielleicht seinen Produktionsweg verfolgen, um seiner Wahrheit nahe zu kommen.

Ganz vorne im Buch ist Rilke. Der hatte, bei der Betrachtung eines in Stein gehauenen Torso, sein allfälliges Gedicht mit dem Imperativ "Du musst Dein Leben ändern" enden lassen. Diese "Stimme aus dem Stein" nimmt Sloterdijk auf, um sie auf den nächsten Buchseiten transzendieren zu lassen. Schließlich heißt ja die Zeile, die er sich zum Motto seines Buches gewählt hat, nicht `Du musst DAS Leben ändern'. Das wäre dem Autor ein vulgärer, geradezu gewerkschaftlicher Appell: Wir wollen gemeinsam dieses oder jenes, wir erkennen die Welt, um sie zu verändern. So nicht. Der einzelne muss sich ändern. Wohin auch immer. Und weil das so sein sollte, muss er mächtig üben. Wer jetzt denkt, es käme das übliche `Übung macht den Meister' der hat den Nietzsche nicht verstanden, den uns Sloterdijk als seine wesentliche Inspirationsquelle angibt.

Bei Nietzsche findet Sloterdijk seinen Trainer für das akrobatische, das asketische und leistungsorientierte Wesen, das ihm für die Änderung der Welt vorschwebt. Eine Stelle in Nietzsches Zarathustra - als Zarathustra einen gestürzten Seiltänzer tröstet, er habe aus der Gefahr einen Beruf gemacht, das hebe ihn aus dem Rest der Menschen heraus - dient dem Philosophen als Beleg für die Akrobatik-These. Lobend erkennt Sloterdijk in der Nietzsche-Metapher die Abgrenzung der Eliten von den Gewöhnlichen: Eine Gemeischaft neuen Typs entstehe, die "nicht Beitragszahler in einer versicherten Gesellschaft" sei, "sondern Mitglieder des Vereins gefährlich Lebender". Vom Akrobatischen gelangt der Philosoph zum Sport als Gleichnis für die Notwendigkeit des Übens, und man erkennt nicht so recht, ob ihm Leni Riefenstahls olympische Körperästhetik vorschwebt oder doch eher Walter Ulbrichts jovial-praktisches Wort "Jeder Mann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport."

Weil dem Sloterdijk die Akrobatik und deren Leistung eine Herzensangelegenheit ist und er seine Sorte von Beweisen für seinen Aufstieg der Menschen durch Akrobatik überall finden möchte, gerät ihm jene Himmelsleiter in den Kopf, die im 1. Buch Mose dem Jakob erscheint. Während die gewöhnliche Bibel-Exegese an dieser Stelle nichts anderes interpretiert als die mythische Stiftung einer Religion, sieht Peter Sloterdijk eine "Akrobatensache von Anfang an" und auch "gute Gründe, zu behaupten, die Geschichte Alteuropas sei unter vielen Aspekten die Geschichte der Übersetzung der Jakobsleiter". Wenn einer eine Meinung hat, dann hat er was zu verlieren. Und wenn es die wissenschaftliche Reputation ist, die man preisgibt, um einer fragwürdigen Konstruktion einen Hauch von Plausibilität zu verleihen.

"Wer je seinen Mantel an einen Adolf-Loos-Garderobehaken gehängt hat, besitzt einen Maßstab, der sich nicht vergisst", schreibt Sloterdijk seinen "britischen und amerikanischen Kollegen" ins Stammbuch, die natürlich nicht über Haken des avantgardistischen Wiener Architekten verfügen und die man deshalb "nie wieder ernst nehmen kann". Wenn man einen solchen Satz doch für Satire nehmen könnte! Doch wird er im Zusammenhang mit einer Kultur-Definition genutzt, die sich an Wittgenstein anlehnt und in einer Überschrift mündet, die behauptet "Kultur entspringt aus Sezession". Als wäre Kultur nicht die Gesamtleistung menschlicher Gemeinschaften, sondern nur ein Ergebnis elitärer Abspaltung von der Gemeinschaft. Das ist einer der Haken bei Sloterdijk: Ihm fehlt die Einsicht in die Rolle der Arbeit bei der Menschwerdung, in jene kollektive, breite Anstrengung, die letztlich der Kultur die großen, einzelnen Entwicklungen ermöglichte.

So kommt es wie es kommen muss: Innovationsbereitschaft, so glaubt der Philosoph, wenn er sich den aktuellen Fragen nähert, kommt aus dem "Kreditstress, der wachsende Populationen von Schuldnern in Form zwingt". Das Wort Innovation, zerschlissen vom inflationären Gebrauch in Bankenprospekten, Autoreklamen und Politikbroschüren, bedeutet Neuerung. Insofern hat Sloterdijk so recht wie der dümmliche Bundespräsident, der in der Krise auch eine Chance zu Erneuerung sieht, gleich was die Krise kostet und wer sie verursacht hat. Wessen Denken in so kleinen Karos zu finden ist, der glaubt auch, dass sich die "neuzeitlichen Bankiers . . . als die effektivsten Motivatoren für intensivierende Veränderungen erweisen".

Wenn Sloterdijk von der "asketischen Revolte" schreibt, seinem Mittel, aus dem Reich der Notwendigkeit in das der Freiheit zu gelangen, dann wird er beispielhaft deutlich. Den Hunger zum Beispiel soll man mit dem Fasten bekämpfen: So macht man "aus einer demütigenden Passivität eine asketische Tat". Wie weit das Fasten reichen soll, bis zum Tode durch eine Null-Diät vielleicht, sagt der Autor nicht. Aber sicher fungiert der Akrobat Sloterdijk mit seiner Verzichts-These als Untermann für all jene, die öffentlich das Wasser von Lohnverzicht, Rentenverzicht oder Verzicht auf Krankenkassenleistungen predigen und sich hinter den Kulissen mit den Zuwendungen aus den Arbeitgeberverbänden volllaufen lassen.

Sloterdijk ist der Lobby-Philosoph der Krise. Einer, der trotz einer ihn umgebenden Wirklichkeit weiss, dass jenes "durch Beleihung von Eigentum geschaffene Geld . . das universale Weltverbesserungsmittel" ist. Das wird ihm jeder amerikanische Hypotheken-Schuldner sicher gerne bestätigen. Einer, der die Globalisierung für ein prima Mittel hält die "Passivitätskompetenz (meint Faulheit)" zu ändern. Hartz IV-Empfänger werden dieser These fröhlich zustimmen. Einer, der sein Buch mit dem Satz einleitet: "Die folgenden Untersuchungen gehen von ihrem eignen Ergebnis aus". Das ist Merkel-Philosophie von jener Art, die vorher weiß was nachher kommt, gleich was vorher war und nachher ist. Es ist die Krise der Philosophie, die Umstände der Welt opportunistisch interpretierend, nicht etwa sie verändernd.
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1-10 von 18 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.07.2009 21:16:01 GMT+02:00
He he, ganz prima. Sie haben Ihren Sloterdijk richtig schön hin und hergewendet. Und da sind viele sinnlose oder befremdliche Krümel rausgefallen. So ein intensives Studium des Meisters war mir einfach nicht möglich. Meine Erfahrung mit dem Kafka-Kapitel hat mich zu sehr abgeschreckt und die überquellende eitle Sprache hat mich zwar oft amüsiert aber eigentlich eher angewidert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.07.2009 16:40:24 GMT+02:00
Felix Krull meint:
Herzlichen Dank für diese ausgefeilte Rezension! Noch nie habe ich den Unterschied zwischen epikuräischem und stoischem Denken, zwischen der Verantwortung der Masse für den einzelnen und der Verantwortung des einzelnen für die Masse so deutlich verstanden wie bei der Lektüre Ihrer Exegese. Daß bei derartig polarisierter Denkart Verständnis für die Sicht des anderen nicht aufkommt, nicht aufkommen kann, ist systemimmanent.
Warum Sie allerdings von der Weisheit einer Hausfrau mit Verachtung sprechen verschließt sich mir, steht doch echte Weisheit der Hausfrau (auch in ihrem männlichen pendant) nicht ferner als dem Schulphilosophen. Auch wenn dieser in der Regel größeres Geschick darin besitzt, sein Nichtwissen hinter komplizierten graecolateinischen Plattituden zu verstecken.
Jedenfalls hat mich keine positive Stellungnahme so wie Ihr Verriß davon überzeugt, daß dieses Buch absolut lesenswert sein muß.

Veröffentlicht am 04.08.2009 21:18:18 GMT+02:00
H. Warm meint:
Danke für diese und andere Rezensionen, die mir zu folgender Entscheidung verholfen haben:

Muss man eigentlich so intellektuell umständlich schreiben, um unmißverständlich eindeutig zu sein,
oder um kollegial die fast aussichtslose Hoffnung auf eine breite Leserschaft beteuern zu können, damit da hinter
die angestrebte Zugehörigkeit zu einer Elite der Geistigkeit verschleiert zur Schau gestellt werden kann?
Wenn es tatsächlich darum ginge, die Massen zu einer konstruktiven Veränderung ihrer Leben zu bewegen,
müßte man sie auch in ihrem einfachen semantisch wie symbolisch manipulierten Schläfchen abholen.
Trotz faszinierender Thematik und meinem Interesse dafür, werde ich mir dieses Buch nicht kaufen,
da ich mehr der übende Praktiker bin. Mein Nitzsche und Heidegger stehen zwar auch innig studiert in meinem Regal
aber Inspiration zum Üben hole ich mir heutzutage aus "einfacheren" Schriften.
Und eine ganzheitliche Übung kommt meines Erachtens sogar ganz ohne Worte aus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.08.2009 10:18:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.08.2009 10:20:07 GMT+02:00
Von der Hausfrauenweist hat schreibe ich: "Nicht dass die Sicht einer Hausfrau (natürlich sollte sich der Hausmann auch angesprochen fühlen) verächtlich wäre. Im Gegenteil. Zur Erfassung der wirklichen Lage benötigt sie häufig weniger Zeit als dieser oder jener Philosoph." Das ist alles andere als verächtlich.

Beste Grüße, U. Gellermann www.rationalgalerie.de

Veröffentlicht am 28.08.2009 17:20:12 GMT+02:00
stanislawgrof meint:
...und ich habe schon gelesen "Sloterdijk ist der Hobby-Philosoph der Krise" Das hätte es auch getroffen.

Veröffentlicht am 12.09.2009 09:58:56 GMT+02:00
singwearplay meint:
Es ist doch eine der zentralen Fragen dieser Zeit: Was verändert das System und damit das Leben der Menschen denn nun nachhaltig positiv? Hier gibt es simplifiziert den Ansatz des individuellen, wie auch den des kollektiven Umsturzes. Beide haben Geschichte und beide waren bisher nicht sonderlich erfolgreich. Während sich die Partei derer, die sich dem ersten dieser beiden Ideen verschreibt immerhin in eine Position begeben hat, die versucht praktische Szenarien zu entwerfen (ich denke an die Grundeinkommensdebatte und eben auch an Sloterdijks "Übungen") wie es denn dauerhaft wirklich besser werden kann (und zwar ohne die "klassische", d.h. grässlich gewalttätige Revolution), vermisse ich bei "der Linken" einen Impuls, der jenseits von altbekannten Rezepten Wege aufzeichnet. Eher wird subtil daran erinnert, dass auch die Demokratie mehrere übrigens auch gewalttätige Anläufe brauchte um erfolgreich (?) umgesetzt zu werden. Es riecht meist etwas muffig und selbstgerecht nach Klassenkampf, den wir im übrigen sicher auch wieder bekommen werden, wenn die asozialen "Eliten" so weitermachen wie bisher. Dass der Kapitalismus der jetzigen Form abgeschafft werden muss scheint für alle, die sich mit diesen beiden Gedankensträngen progressiv auseinander setzen klar, die Frage ist nur, ob wir ihn gleich ganz beseitigen sollten oder doch auch so Einiges in ihm schlummert, was man gebrauchen kann. Anno 2009 ist die Beantwortung dieser Frage für mich nicht leichter geworden, denn eigentlich kann man als Reaktion der Sauereien die der Turbokapitalismus überall verübt ja nur noch "links" werden oder bleiben, andererseits erscheint mir die "bürgerliche Erneuerung" ein interessanter Weg, die Gesellschaft tatsächlich zu verändern und zwar ohne zynische Gewaltbereitschaft. Ich denke daher, dass man heute am besten Sloterdijk UND Dietmar Dath lesen sollte, um seine eigenen vermeintlichen Erkenntnisse zu reflektieren um so in den Diskurs des 21. Jahrhunderts einzusteigen, falls man es verpasst haben sollte - anstatt nur noch abzuwinken...

Veröffentlicht am 18.01.2013 13:03:13 GMT+01:00
Amazon-Kunde meint:
Wenn ein Trompeter in eine Geige bläse, dann bliese er praktisch … wenn er theoretisch bliese, dann bläse er nicht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2013 14:27:42 GMT+01:00
Würde aber ein Geiger die Trompete streichen, wäre es Akrobatik und fiele in die Zuständigkeit von Sloterdijk. Der würde der Trompete einen Band Nietzsche schenken und dem Geiger die Zulassung nehmen.

Veröffentlicht am 04.12.2014 17:34:54 GMT+01:00
Darkenwood meint:
(Zitat Anfang): "jene Art, die vorher weiß was nachher kommt, gleich was vorher war und nachher ist." (Zitat Ende).

Ich kann zu der Rezension nichts sagen, weil ich das Buch nicht gelesen habe. Ich weiß auch nicht, ob Philosophie unsere heutige Welt (noch groß) verändern kann. Es gibt durchaus auch teile der Politik von Frau Merkel, die ich gutheiße. Und, pardon, manchen Handlungen kann man das Unglück, das sie nachher stiften werden, tatsächlich von Beginn an ansehen.

Aber von all Dem abgesehen, ist der oben zitierte Satz einer der besten, die ich je gelesen habe. Vielen Dank dafür.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2014 17:59:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.12.2014 18:04:18 GMT+01:00
Darkenwood meint:
Darf ich das jetzt so verstehen, das Alles sein Gutes hat, auch das Schlechte, und das Alles sein Schlechtes hat, auch das Gute? Zwar habe ich Herrn Sloterdijks Buch gar nicht, Ihre Rezension aber mit viel Interesse gelesen. Ist sie vielleicht sokratisch, weil sie aus Fragen besteht? Nicht, dass ich mir genau diese Fragen nicht auch beständig stellen würde. Mir wäre - und, nein, das ist jetzt keine Ironie, auch wenn's so klingt - ein bisschen Revolution am Liebsten, nur nicht zu viel. Aber gar keine geht wohl auch nicht..... die Eliten sollen einsehen, dass sie so nicht weitermachen sollten, wenn sie vermeiden wollen, dass die Nicht-Elitären sie irgendwann mal ganz am Weitermachen überhaupt und insgesamt abschließend hindern werden, man nennt das wohl Gewaltanwendung.... Ich blicke suchend in's Geschichtsbuch, und finde kaum einen Fall von ausreichender elitärer Selbsterkenntnis, aber eine übelkeitserregende Masse von Fällen, wo sie mit gruseligsten Konsequenzen gefehlt hat....

Wo war ich? Und wohin geht der Mensch?

Sie sehen mich ratlos.

Ich entnehme Ihrer und einigen anderen Rezensionen, dass man Sloterdijk nicht lesen sollte, wenn man ratsuchend ist in dieser oder einer anderen Dimension. Oder man sollte ihn vielleicht lesen, aber nur zusammen mit Dietmar Dath (wer ist das? Ich gestehe schamrot meine fehlende Bildung an der Stelle). Aber ob nun mit oder ohne Dietmar, kurz vor dem nächsten Schierlingsbecher drängt sich mir die nächste potentiell sinn- oder vielleicht auch sinnlosstiftende Frage auf: Lesen die Eliten, deren Selbsterkenntnis und voluntäre Selbstkasteiung oder evtl. auch -läuterung uns allein-seligmachend die soziale Wende ohne läuterungssubstituierendes prä-resozialisierendes Blutbad bringen zu können scheint, lesen also diese betreffenden und gleichwohl betroffenen Eliten diese Bücher? Oder reflektieren wir hier um des Kaisers Bart, weil die Leute, die für's Blutbad sorgen sollen/würden/können lieber RTL sehen, und die Eliten an der Wall Street sind, und doch nicht begreifen, dass sie mit dem Rücken längst an der Wall, pardon, Wand stehen (Nomen est Omen)? Der Diskurs des 21. Jhds. wird vielleicht nicht überall geführt....

Ich fasse zusammen: Die Fragen, die Sie stellen, stellen sich auch mir. Die Antworten fehlen mir ebenso wie Ihnen. Dass man sie bei Sloterdijks Elaboraten findet, wage ich zu bezweifeln. Und dass die wesentlichen Leute drauf pfeifen werden, ob und wenn man sie findet, davon gehe ich aus. Also wird mal wieder die Philosophie die Debatte, und die Realität wird die Geschichte machen. Das war 1848 so, das war 1917 so, es war 1933 so, und wenn die Strukturen und Institutionen, die wir jetzt haben (mies wie sie sind, haben wir doch nichts Besseres praktikabel und aufstellbar im Kofferraum) baden gehen, wird's wieder so sein. 1789 folgten auf die Debattierklubs die Jakobiner, und auf die Philosphie folgten Guillotine und Schreckensherrschaft und Militärdiktatur, bevor es wirklich besser wurde, viel, viel später, und auch dann nicht ohne Rückschlag. Wie man es besser machen soll? Angeblich beginnt mit der Antwort auf diese Frage alle Weisheit dieser Welt (wollen hoffen, dass es wahr ist): Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich entnehme Ihrer Rezension, dass es Sloterdijk auch nicht weiß. Ich werde mir sein Büchlein deshalb sparen. Danke für die Hilfe bei der Entscheidungsfindung.
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