Kundenrezension

65 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht gelungen, 26. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Wanderhure (DVD)
Ich war sehr erstaunt, dass Sat1 sich an die Verfilmung eines doch recht farbenprächtigen und intensiven historischen Romanes heranwagt, da selbst ein Fernsehfilm im historischen Milieu doch mit erheblichen Kosten verbunden sein dürfte. Leider wurde meine Meinung durch diese Verfilmung bestätigt, der Film wirkt durchgehend billig heruntergedreht. Eine Kulisse ist fast nie zu erkennen, die Handlungsorte sind seltsam konturlos und allgemein, der Film könnte an jedem beliebigen Ort im Deutschland der Jetztzeit gedreht sein (sicher aus Kostengründen). Der Roman ist sicher nicht die anspruchsvollste Lektüre, aber immer noch sehr gute Unterhaltung und aus diesem Grunde zu empfehlen. Der Film erzählt eine völlig andere Geschichte, kann keine flüssige und logische Handlung aufbauen und ist deshalb an manchen Stellen kaum zu ertragen. Wenn man mit der Romanvorlage Werbung betreiben möchte und den Film als Verfilmung eines bekannten Buches anpreist, sollte man sich zumindest einigermaßen an der Romanvorlage orientieren und nicht eine völlig neue und zudem noch schlechtere Geschichte erfinden.
Marie wird zu Beginn des Romans als blond, engelsgleich und absolut unschuldig und gehorsam beschrieben. Die Besetzung der Hauptrolle mit Alexandra Neldel fand ich in diesem Zusammenhang schon vor dem Anschauen des Films als völlig unpassend. A. Neldel mag eine recht passable Schauspielerin sein, entspricht aber überhaupt nicht dem Typ der Marie.
Dann wird der geneigte Zuschauer gleich in der ersten Szene mit einer Liebesaffäre zwischen Michel und Marie geschockt. Ganz abgesehen davon, dass Marie im Buch keine Beziehung zu einem Mann hat (besonders und ausdrücklich nicht mit Michel), wird der Figur der Marie hier keinerlei Entwicklungsspielraum eingeräumt. In historischen Zeiten bis weit in die Neuzeit hinein hätte sie mit diesem Verhalten nämlich wirklich als Hure gegolten und die Anschuldigungen und die Strafe wäre absolut berechtigt gewesen. Diese Handlungsweise nimmt also von vornherein dem Film die Logik. Marie ist auch sofort die selbstbewusste, manchmal fast bösartige Frau, zu der sie sich in der Romanvorlage erst mühsam entwickelt. Es wirkt alles etwas unglaubwürdig.
Mit der Entfernung aus Konstanz wird das ganze auch nicht besser, der Film scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, sich vom Buch deutlich in der Handlung abzuheben. Es stimmt fast nichts mehr, alles wird anders dargestellt, so dass man die eigentliche Geschichte gar nicht mehr wiedererkennt. Die anderen Huren, die Marie schließlich aufnehmen, sind lediglich Nebendarsteller, selbst ihre Freundschaft mit Hiltrud bleibt so ziemlich außen vor. Gerade hier wird viel Handlungs- und Konfliktpotential verschenkt.
Insbesondere nicht nachvollziehbar fand ich, wie Marie zu ihrem schönen Kleid kommt, das sich erheblich von den Kleidern der anderen Huren abhebt. Sie wird ja völlig mittellos von den anderen Huren aufgelesen, gerade wird noch darüber diskutiert, dass sie, wenn sie nicht zur Hure werden würde, sich in einem äußerst schlecht sitzenden Kittel allein durchschlagen müsste. Schon entscheidet sich Marie für die Hurenlaufbahn und schwupp!, sieht man sie an einem Kleid nähen, dessen Stoff eher zu einer adligen Dame dieser Zeit passt und für eine Wanderhure ziemlich unerschwinglich sein dürfte. Man wundert sich dann auch, dass die anderen Huren nicht auch solch schöne Kleider besitzen. Natürlich hat Marie passenderweise dann auch genau dieses Kleid an (trotz Schmutz und Schlamm auf den Wegen), als sie beschließt, sich bei der Familie von Arnheim zu "bewerben", als sie zufällig am Bewerbungszelt vorbeikommt. Dies mutet regelrecht albern an, so niveaulos ist der Roman dann doch nicht.
Die einzigen Lichtblicke in diesem Film waren für mich die Besetzungen der Hiltrud und der Frau von Arnheim, mit gewissen Abstrichen auch noch die Figur des Michel. Hier hat vielleicht auch etwas gestört, dass der Film bei den Begegnungen von Michel und Marie doch erheblich vom Buch abweicht und dadurch auch die Spannung der Liebesgeschichte gar nicht erst aufkommt, es ist keine Verbesserung des Buchstoffs.
Insgesamt keine gelungene Verfilmung einer Romanvorlage, es mag für Zuschauer, die das Buch nicht kennen, etwas besser sein, aber die Logikfehler in der Filmhandlung bleiben auch für den unvoreingenommenen Zuschauer. Ich finde den Film nicht empfehlenswert.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.12.2010 22:41:28 GMT+01:00
sehr gute rezension!
Ich denke genau dasselbe über die Verfilmung.

Veröffentlicht am 30.07.2012 01:55:49 GMT+02:00
K. Reese meint:
Danke für die Rezension. Ich habe vor ein paar Tagen zum ersten Mal den Film gesehen, und kenne das Buch nicht.

Vor allem aber die Offenheit mit der Marie und Michel bereits in der ersten Szene miteinander umgehen obwohl sie ganz offensichtlich weder verlobt noch verheiratet sind, hat mich dann doch sehr verwundert, und mich schließen lassen, daß die gesamte Story (weder Film noch Buch) historisch nicht besonders korrekt sind.
Ihre Rezension hat mich jedoch neugierig auf das Buch gemacht, da dort einiges anscheinend ja wesentlich glaubwürdiger dargestellt wird, und ich werde es mir nun kaufen und lesen.

Nochmal danke für die Rezension!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.08.2012 10:23:11 GMT+02:00
@ Katharina Reese
Entschuldigung, dass ich jetzt erst antworte, ich habe Ihren Kommentar gerade erst gelesen. Das Lesen des Buches kann ich Ihnen unbedingt empfehlen, das Buch ist wirklich ganz anders als der Film, insbesondere die Rolle von Michel ist gar nicht mit dem Film zu vergleichen.
Kleiner Tipp, falls Ihnen das Buch gefällt und Sie auch die Fortsetzungen lesen möchten: als 2. Teil unbedingt das Original "Die Kastellanin" und nicht den müden Abklatsch "Die Rache der Wanderhure" lesen. Hier sind die Unterschiede zwischen Film und Original-Buch noch größer, zusätzlich paßt die Weiterführung der "Rache der Wanderhure" nicht mehr zum Ende des 1. Teils.
Viel Spaß beim Lesen des von SAT1 nicht beeinflussten Originals.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.12.2012 00:46:40 GMT+01:00
LadyVanessa meint:
Bitte was? Jetzt haben die auch noch in einem Buch rumgefuhrwerkt? Das wusste ich gar nicht (habe aber das Original "Die Kastellanin" gekauft). Reicht es denn nicht, die Buchliebhaber allein mit solch schlechten Filmen zu quälen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.12.2012 18:50:03 GMT+01:00
@LadyVanessa
"Die Kastellanin" ist die Fortsetzung der "Wanderhure", also der 2. Band der bis zu diesem Zeitpunkt 5 Bände der Wanderhuren-Serie. Das Problem mit der "Rache der Wanderhure" ist eigentlich, dass dies das Buch zum Fernsehfilm ist, dessen Handlung wiedergibt und eine andere Version der Fortführung des ersten Bandes beinhaltet. Die Beweggründe, die das Ehepaar Lorentz getrieben haben, eine 2. Version dieses Buches zu veröffentlichen, habe ich nie richtig verstanden. Hinzu kommt, dass der Übergang nicht logisch ist, wie mehrere Rezensenten hier bereits festgestellt haben.
Kann mir eigentlich nur vorstellen, dass sich der 2. Band vielleicht nicht so gut verkauft hat, weil das Wort "Wanderhure" im Titel nicht vorkommt. Für meine Begriffe ist dies sowieso nicht der stärkste Teil der Serie ("Die Kastellanin"), die "Rache der Wanderhure" habe ich mir jedoch nur als Film angesehen, das hat mir dann auch gereicht.
Es bleibt nun abzuwarten, ob noch zu weiteren Bänden eine 2. Version vom Ehepaar Lorentz herausgegeben wird. Meiner Meinung nach führt diese Vorgehensweise nur zu Verwirrungen und Verwechslungen und verärgert den Leser, mir ist dies vor kurzem mit den (unbekannteren) Romanen von Karl May passiert, die in etwa 5 Bearbeitungen von verschiedenen Verlagen vorliegen, hier muss man die Enden im Originaltext vergleichen, um durchzusehen.
Ich finde die Idee einer 2. Version völlig daneben.

Veröffentlicht am 02.04.2013 12:42:39 GMT+02:00
Liebe Grundsätzlich-Negativ-Klicker, es wäre schon schön, wenn mal ein Kommentar in den Rezensionen erscheinen würde, warum meine mit viel Fleiß und Zeitaufwand erarbeiteten Rezensionen nicht hilfreich waren. Bei einfachem Abklicken kann ich nur annehmen, dass hier purer Neid und Positionsrangelei die Ursache sind. Zum ersten ficht mich die Meinung solcher Leute nicht an und zum zweiten ist mir meine Position auf dieser Plattform herzlich egal. Ich hoffe, dass ich mit meinen Rezensionen auch Menschen erreiche, die sich wirklich neutral über das rezensierte Produkt informieren möchten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2013 15:32:08 GMT+02:00
Janko meint:
die "hilfreich" oder "nicht hilfreich"-funktion ist schon lange zu einem instrument verkommen, mit dem jemand kundtun kann, dass er anderer meinung ist.
ich gebe brief und siegel, dass sich die meisten der "nicht hilfreich"-klicker nicht einmal die mühe machen, sich die rezension durchzulesen, sondern prinzipiell nach dem motto vorgehen "ich fand den film toll, ich muss jetzt jede andere meinung mit 'nicht hilfreich' abstrafen".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.04.2013 15:19:36 GMT+02:00
@ Janko
Da gebe ich Ihnen auf ganzer Linie recht. Eigentlich würde das System besser funktionieren, wenn es keine "nicht hilfreich"-Button geben würde. Da würden die hilfreichen Rezensionen mit einem echten "hilfreich"-Klick belohnt (ähnlich wie bei "gefällt mir" auf der Buchseite, hier gibt es sicher aus gutem Grund keine "gefällt mir nicht"-Möglichkeit) und wenn jemand die Rezension aus welchem Grund auch immer nicht gut findet, "bestraft" er den Rezensenten einfach nur damit, dass er von diesem User keinen Hilfreich-Klick bekommt. Hier würde mit einfachen Mitteln die Gerechtigkeit um ein Vielfaches erhöht und die nervenden "Tröpfchenfolterer" würden nicht mehr zum Zuge kommen.
Dies scheint jedoch von der Plattform selbst nicht gewollt zu sein, diese scheint das ungerechte System ganz im Gegensatz noch zu befeuern. Aus diesem Grunde ist das ganze System recht intransparent, so verschwinden immer wieder schon etwas länger bestehende Behilfreichungen plötzlich, unerwartet und ohne irgendwelche Gründe im Online-Nirwana der Plattform. Dies kann ja nur vom Betreiber selbst geschehen, keine Ahnung, warum dies hier so gehandhabt wird.
Wie bereits gesagt, interessiert mich meine ständig wechselnde Position hier eigentlich wenig. Ich finde es nur sehr bedauerlich, wenn man sich mit seinen Rezensionen viel Mühe gibt (ich notiere mir z. B. beim Lesen Stichpunkte) und einige Zeit investiert, dann kommen eben die von Ihnen beschriebenen Leute daher und setzen mal einfach so einen Negativ-Klick. So werden die eigentlich hilfreichen Rezensionen in die hinteren Seiten verbannt, und wenn man sich wirklich mal über ein Produkt informieren möchte, muss man sich erst mal durch viele wenig aussagekräftige Rezensionen quälen. Ich selber lese bspw. meist mehr negative als positive Rezensionen, da hier die Schwächen und die Stärken des rezensierten Produkts meist viel besser herausgearbeitet werden. Ich selber bemühe mich allerdings auch, bei positiver Meinung das Warum herauszuarbeiten und meist noch eine Anmerkung zu machen, was mich an dem Produkt trotz positiver Meinung gestört hat. Die Bewertungen sind doch recht subjektiv, wo ich immer noch die volle Punktzahl gebe (ich bin da eher großzügig), gibt so mancher nur einen Stern aus genau dem gleichen Grund.
Die Anzahl der Sterne sagt also über das Produkt insgesamt nur wenig aus, hier muss ich schon sehr genau schauen, was ich als potentieller Käufer von diesem Produkt erwarte. Hier fällt mir zu Bewertungen von DVDs spontan die Diskussion über die Wichtigkeit der technischen Güte der DVDs und der Bewertung des Films auf der DVD an sich ein. Ich nutze ziemlich veraltete Technik und kann somit über die technische Qualität kaum etwas beitragen, wenn die DVD bei mir nicht läuft, liegt dies zu etwa 95 % an meiner veralteten Technik.
Fazit: Das System benachteiligt die wirklich hilfreichen Rezensionen und gibt den Abklickern hier gute Chancen. Ich hatte mir schon überlegt, ob ich meine Rezensionen ganz herunternehme, da ich sie selber jedoch durchaus für hilfreich halte und mich da von den Abklickern auch nicht beirren lasse, werde ich sie auf jeden Fall stehenlassen, egal wie viel Negativ-Klicks ich bekomme.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2014 12:53:05 GMT+02:00
Blaurose meint:
Traurig aber wahr!
Einerseits Ihre Meinung zu Roman und Film und andererseits die vielen "Nicht hilfreich" Klicker. Danke, dass Ihre Rezension noch da ist!
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