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5.0 von 5 Sternen Interessante Kulturgeschichte des Krieges in der Antike, 8. Oktober 2012
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Rezension bezieht sich auf: Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila (Kindle Edition)
Laut Vorwort stellt das Werk die wechselseitigen Beziehungen von Kriegs- und Gesellschaftsgeschichte im Anschluss an die angelsächsische Literatur in den Mittelpunkt der Überlegungen. Sofort kommt dem interessierten Leser das Werk von Keegan Die Kultur des Krieges in den Sinn. Gegenüber diesem liefert der Verf. eine erfreulich eigenständige Darstellung für den Zeitraum vom Griechenland Homers bis praktisch zum Untergang des römischen Reichs. Sofort springt ins Auge, dass sich das Werk auf dem neuesten Forschungsstand befindet. Dies zeigen etwa die gegenüber Keegan wesentlich differenzierteren Überlegungen zur Entstehung der Hopliten-Phalanx. Während sich bei dem Engländer noch die Vorstellung findet, dass die Griechen regelmäßig eine rasche Entscheidungsschlacht erzwingen wollten, um als Bürger wieder zu Ackerbau und sonstigen Verrichtungen zurückkehren zu können, verdeutlich Schulz hier den ganz grundsätzlich viel kriegerischen Charakter der griechischen Kultur. Vor allem im Rahmen der Abhandlung des attisch-delischen Seebundes wird beeindruckend deutlich, dass die Blütezeit Athens unter Perikles durch ständige Beutezüge der großen Flotte finanziert wurde. Weiß man das, leuchtet auch viel eher ein, warum Athen im Konflikt zwischen Korinth und Kerkyra nicht nachgeben konnte, sondern die Auseinandersetzung mit Sparta riskieren musste: Man hätte sonst die Dominanz in einem wesentlichen Teil des für Beutezüge bestimmten Meeresabschnitts zur Disposition gestellt und die eigene Lebensgrundlage gefährdet. Vor allem die Geschichte der Phalanx von ihren eher einfachen Anfangsbedingungen (die Helden Homers gruppieren sich nur beim Rückzug, nicht beim Angriff) zur wissenschaftlich ausgeklügelten Technik der makedonischen Heere weiß den Leser zu fesseln. Für mich stellten vor allem auch die Kapitel über die Heerstechnik der Diadochenheere eine Bereicherung dar. Man versteht erst auf dieser Grundlage die Vorgehensweise Hannibals richtig. Denn er bediente sich - bei aller eigenen Genialität - vor allem der griechischen Militärtechnik (Pyrrhus galt Hannibal als großes Vorbild, wie ich ebenfalls aus dem vorliegenden Werk weiß).

Den Erfolg der eher schlichten Manipel-Technik der römischen Legionen erklärt der Verf. hingegen - für mich ebenfalls überzeugend - aus den großen personellen Reserven der Römer. Gerade die Kriege gegen Pyrrhus zeigen, dass die Römer Niederlagen in ihren Folgen leichter tragen konnten, als die an Mannschaftsstärke regelmäßig knappen Heere der Griechen. Die vglw. einfache Technik der römischen Legionen erlaubte es geradezu, Anfänger schneller einzugliedern. Dies war im Rahmen der spätgriechischen Phalanx wegen der zugrundeliegenden Militärtechnik hingegen nicht möglich.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt in der anschaulichen Darstellung der Techniken der Seekriegsführung. Der Verf. zeigt, dass die Griechen zum Zeitpunkt der Schlacht von Salamis technisch gegenüber den Persern weit zurücklagen. In der Zeit des attisch-delischen Seebundes führten sie indes die Technik des "diekplous" zu seltener Meisterschaft. Deutlich wird auch, dass eine Alternative im Flottenbau aber immer auch darin bestand, auf die Massivität der Schiffskörper zu setzen und diese mit Geschützen, Türmen und Enterbrücken zu bestücken. Dann konnte der zu wendigen Manövern fähige Gegner oft auf sehr brachiale Weise vorher gestoppt werden. Ich habe den ersten karthagischen Krieg erst verstanden, nachdem mir klar wurde, dass die Römer - wen wundert es - auf die brachiale Methode setzen, während die Karthager Meister der klassischen Manövriertechnik waren. Angenehm räumt Schulz hier auch mit den alten, auf Polybios zurückgehenden Mythen von der raschen Errichtung einer römischen Flotte auf der Grundlage einer gestandeten karthagischen Trireme auf.

Vielleicht darf ich abschließend nur eine Warnung aussprechen: Das Buch liefert keine detaillierten Schlachtenbeschreibungen. Selbst zentrale Ereignisse wie Cannae werden nicht im Detail beschrieben (Empfehlung: The Ghosts of Cannae: Hannibal and the Darkest Hour of the Roman Republic, sondern nur im Ergebnis gedeutet und in den Gesamtzusammenhang gestellt. Gerade die "Schlachten" Caesars, die wohl mehr ein Völkermorden waren, werden nur knapp und als solche angesprochen. Dafür werden beeindruckend die Einflüsse der Militärtechnik auf Gesellschaftsstrukturen gezeigt: Die Ruderbesatzung spiegelt dabei den Aufstieg der vermögenslosen Freien (Theten) ebenso wie die Legion des Marius das Erstarken des römischen Bürgers. Zu Recht wird deshalb Marius und Sulla größeres Augenmerk geschenkt, als Caesar und Octavian. Letztere zogen nur die Konsequenz aus den Fakten, die die ersteren geschaffen hatten.

Sie merken vielleicht: Die Fülle der Eindrücke, die dieses Buch vermittelt, ist wirklich groß. Insgesamt handelt es sich um sehr anregendes und leicht verständlich geschriebenes Buch. Ich kann es nur empfehlen!
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