Kundenrezension

3.0 von 5 Sternen Bemüht um Abwechslung mit ordentlichem Ergebnis, 10. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Alibi (Audio CD)
America – Alibi (1980)

Um mal mit der Tür ins Haus zu fallen: Das Cover ist ja schrecklich. Sieht eher nach einem Alice-Cooper-Verschnitt a la Dead Babies aus als nach einem guten Pop bis Poprock-Album, welches das ursprüngliche Folk-Trio, jetzt Pop-Duo, America hier abgeliefert hat.

Zuerst sei die offensichtlichste unoffensichtliche Änderung bekannt gegeben: George Martin ist nicht mehr als Produzent an Bord. Ergo sind auch die letzten restlichen Orchesterpassagen gestrichen worden, was dem veränderten Outfit der Band, im Sinne von größtenteils leichten Popsongs, ganz gut steht. Ich glaube, Adult Contemporary nennt man das. Auch die überharmonisierten Refrains wurden etwas verhaltener inszeniert. Insgesamt ist der Sound also eine Weiterentwicklung des Vorgängeralbums.

Ansonsten ist die Platte sehr klar und differenziert produziert und es wird manchmal sogar etwas lauter wie in Might be your Love, welches eine sehr schöne Melodie im typischen America-Stil besitzt, aber trotzdem in kurzen Gitarreneinwürfen und der Bridge auflockernden Druck besitzt. Überhaupt hat die eine America-Hälfte Dewey Bunnel einige Rocker zur Platte hinzugefügt. So zum Beispiel das superbe Hangover. Angesichts dieser Band hier könnte man das Lied als kompromissloses Powerchord-Gedresche bezeichnen, welches mit schön rauer Stimme und einem absoluten Powerrefrain sowie versoffenen Text versehen ist. Okay, für Rock-Fans ist es „nur“ ein netter Rocker versehen mit Akustik-Klampfen und Klavier. Trotzdem ist der Song einsame Spitze und versehen mit einem ebenso guten, simplen Gitarrensolo. Eine echte, positive Überraschung.

Einen Bluesrocker mit Namen Valentine mit Orgel, E-Gitarren, Mundharmonika und typischer America-Melodie (nur im Uptempo) gibt es dann auch noch und verschafft dem Album eine schönen Höhepunkt inmitten weniger inspirierten Liedern, welche in belangloser Art vor sich hin schönigen. Beruhigend, aber langweilig, wie in One in a Million.

Das letzte Highlight ist schließlich der Opener Survival, welcher eben typisch America ist und von der Melodie her sehr gefühlvoll wirkt und das Herz des Hörers im Schwung erobert und selbst Leute wie mich mit Instrumentierung und Gitarrensolo begeistert (ernsthaft, welcher Gott hat die 15 Sekunden, von außer Konkurrenz stehendem Gitarrenmaterial, hier eingespielt?).

Der Rest ist wieder typisch, eigentlich gut, aber kompositorisch nicht mehr herausstechend. Alibi ist ein nettes Album geworden mit guten eben erwähnten Highlights und Überraschungen, aber auch ganz netten Refrainmelodien (You could've been the One / I do believe in you), sehr ruhigen, typischen, wenig begeisternden Liedern (I don't believe in Miracles) und puren Kitsch-Catch that Train-Liedern. Größtenteils alles wie gehabt und auf keinen Fall in der Liga von Meisterwerken oder auch nur in der Liga von „richtig gut“, aber den Fan wird es freuen.

Fazit: America liefern ein gutes Werk mit vergleichsweise viel Abwechslung ab und haben sich dabei positiv weiter entwickelt. Alles was America ausmacht ist hier vertreten, aber der größte Kritikpunkt besteht nach wie vor: Das Konzept ist auf Dauer eben nur „nett“.

Wertung: ***
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