Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Hochklassiger Abschluss einer Schaffensphase, 26. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Pop Trash (Audio CD)
Drei Jahre nach dem äußerst gelungenen, jedoch gleichermaßen erfolglosen "Medazzaland" veröffentlichten die drei verbliebenen Duranies im Jahr 2000 mit "Pop Trash" das zehnte Album der Band. Nachdem John Taylor die Band während des Aufnahmeprozesses für den Vorgänger verließ, endete nach dessen Veröffentlichung auch das Vertragsverhältnis mit EMI; das neue Album wurde durch Hollywood Records, einer Tochter des Medienriesen Disney, veröffentlicht. Wohl in Erwartung, dass allein der Name "Duran Duran" den kommerziellen Erfolg bringen würde, unterließen die Verantwortlichen die notwendige Promotionsarbeit. Diese mehr als gewagte Kalkulation ging nicht auf, "Pop Trash" avancierte zum am schlechtesten verkauften Album der Band, obwohl es im Gegensatz zu seinem Vorgänger wieder weltweit veröffentlicht wurde und auch deutlich eingängiger ist. Als einzige von drei Singles wurde der Opener "Somebody else not me" weltweit veröffentlicht, der allerdings nur mäßige Platzierungen auf den großen, kommerziell wichtigen Märkten erreichte - die Top-Ten-Platzierung in Lettland sowie die Spitze der polnischen Single-Charts dürften keine allzu großen Effekte auf die Verkaufszahlen gehabt haben. Da Le Bon dem eigenen Bekunden nach unter einer Schreibblockade litt, wurde die Mehrzahl der Songs vollkommen durch Rhodes und Cuccurullo geschrieben und komponiert. Soviel über Entstehung und fehlenden Erfolg.

Bereits nach den ersten Tönen des Openers möchte ich meinen, es mit einem Scherz zu tun zu haben. Leichter, mittelschneller Zuckerguß-Pop - so könnte man "Somebody else not me" am besten beschreiben. Eine schöne Melodie und eine angenehme Produktion - in der Tat. Dennoch völlig untypisch im Schaffen der Band und ein völliger Bruch zu den schweren Tönen, die "Medazzaland" kennzeichneten.

Und auch irreführend im Vergleich zum Rest des Albums. Sowohl vom Stil als auch der Instrumentierung her besteht ein tiefer Bruch. Überhaupt ist die Instrumentierung eine Sache für sich. In ihrer Gesamtheit nicht sofort einzuordnen, dominieren wie beim Vorgänger E-Gitarren, die in vielen Titeln jedoch auf eine ganz ungewöhnliche Art mit synthetischen Elementen kombiniert werden und ein Klangbild erschaffen, das rau und weich zugleich erscheint, vor allem jedoch deutlich leichter wirkt als die Klangteppiche des Vorgängers. Die instrumentelle Rauigkeit des Rock, die Leichtigkeit des Synthie-Pop, in seiner Gesamtheit weder eines von beiden noch eine Mischung, sondern etwas völlig eigenes. Dies wird unterstützt durch die Einordnung Le Bons, die wie beim Vorgänger zwischen Dominanz und dem Beiseite-Treten variiert. Was pauschal zu fehlen scheint, sind die außerordentlich komplexen und variablen Drums, die auf "Medazzaland" ihren Teil zur Erhabenheit des Klangbildes lieferten. Allerdings sind diese hier aufgrund des andersartigen Songmaterials auch nicht notwendig, das Schlagzeug wirkt relativ stark zurückgesetzt, ist jedoch sehr wirkungsvoll und völlig ausreichend.

"Lava lamp" markiert den Stilwechsel zum Opener. Das Tempo wird angezogen, die Instrumentierung deutlich rauer. Eine ausgefeilte Kombination aus E-Gitarren und Synthies kontrastiert die optimistische Melodie. "Playing with uranium" wandelt den Optimismus in Verzagtheit, die durch den eindeutigen Text sehr gut unterstützt wird. In der Stimmung gegensätzlich, in der Instrumentierung sehr ähnlich, wirken die beiden Titel wie die Seiten einer Medaille. Das folgende "Hallucinating elvis" wirkt stimmungstechnisch völlig abgekoppelt. Ein völlig eigenständiges Stück Kunst - wohlgemerkt im positiven Sinne.

Nun wird das Elektronische herausgenommen. "Starting to remember" wirkt sperrig (Takt) und fließend zugleich, mit einer sehr schönen Melodie und durch Gitarren getragen, stellt es einen schönen Kontrast zu den Vorgängern dar. Kaum drei Minuten lang, wirkt hier alles wie auf den Punkt getroffen, nichts weiter scheint notwendig. Die positive Stimmung wird beibehalten, jedoch wird "Pop trash movie" deutlich sphärischer. Gerade hier wirkt die Stimme Le Bons besonders jugendlich, was den Gesamteindruck ein wenig kontrastiert, der auf die Urheberschaft von Künstlern hinweist, die ihre Jugend bereits hinter sich haben und in eine Phase erhabener Reife eingetreten sind - wie die drei Jungs eben.

"Fragment" ist eine Überleitung. Von manchen vielleicht als Füllung missbilligt, nimmt es in meinen Ohren jedoch eine wichtige Funktion war. Als würde ein Loch gerissen, wird durch sphärische Klänge der notwendige Abstand zwischen "Pop Trash movie" und "Mars meets Venus" hergestellt. Dieses kehrt zur elektronischen Rauigkeit zurück, die von "Lava Lamp" bis "Hallucinating elvis" dominierte. Melodie, Instrumente und natürlich Le Bon - hier deutlich zurücktretend und lediglich Text und Struktur liefernd. Es stimmt einfach alles. Ein echtes Sahnestück, eine perfekte Mischung zwischen jugendlicher "Coolness" und erwachsener Reife und mein heimlicher Liebling des Albums.

"Lady Xanax" wirkt wie ein melancholisches Gegenstück zu "Pop trash movie". Ähnlich sphärisch, aber deutlich rauer. Ein sehr guter Titel, dessen Reiz auch durch den Übergang von leichteren zu schweren Gitarrenklängen in der zweiten Hälfte hergestellt wird. Verglichen damit wirkt "The sun doesnt shine forever" regelrecht entspannt, fast wie ein Ausatmen. Obwohl sehr angenehm, tritt es für mich innerhalb des Albums etwas zurück. Mit "Kiss goodbye" folgt nochmals ein Instrumental. Stille, elektronische Klänge fungieren für rd. 40 Sekunden als kurzes aber wichtiges Atemholen für das folgende Finale. "The last day on earth" zieht nochmals alle Register. Schnell, elektronisch-rau, mit einer tollen, episch wirkenden Melodie, die in der Tat ein bisschen Endzeitstimmung aufkommen lässt. Exzellent und ein angemessener Abschluss.

Nun, Endzeitstimmung. In schwachen Momenten frage ich mich, ob man hier schon das Ende der Dreier-Konstellation Le Bon-Rhodes-Cuccurullo kommen sah oder erahnte. Leider verließ Warren Cuccurullo ein Jahr später die Band, bzw. er wurde dazu angehalten, um eine Wiedervereinigung Le Bons und Rhodes mit den drei Taylors zu ermöglichen, die 2004 mit "Astronaut" ein Album veröffentlichten, dass wieder deutlich mehr in Richtung des frühen Schaffens der Band ging - und kommerziell ungleich erfolgreicher war als "Pop Trash" und "Medazzaland" zusammen. Was in meinen Augen ein wenig ungerecht scheint. Obwohl "Pop Trash" es nicht ganz auf mein Podest der Band-Diskographie schafft, rangiert es für mich im oberen Drittel und gefällt mir besser als der direkte Nachfolger, während "Red carpet massacre" nicht ansatzweise an das vorliegende Werk heranreicht. Die ungewöhnliche Instrumentenkombination sowie die starken Stimmungskontraste machen "Pop Trash" für mich zum interessantesten Album dieser außergewöhnlichen Band, die deutlich mehr künstlerische Anerkennung verdient hätte, als ihr von einem großen Teil der Hörerschaft zugebiligt wird.

4,25 Sterne, die ich in Ermangelung eines weiter ausdifferenzierten Bewertungsschemas auf 5 Sterne aufrunde
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