Kundenrezension

183 von 225 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über Wissenschaft, Emotionen und die Bibel als Killerspiel, 25. Oktober 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Gotteswahn (Taschenbuch)
Eigentlich wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, denn erstens bin ich sowieso Atheist und bedarf keiner permanenten Bestätigung meiner Überzeugung und zweitens fehlt mir der missionarische Eifer, um alle Theisten, Deisten und Pantheisten dieser Welt von meiner Überzeugung zu überzeugen.

Dennoch halte ich dieses Buch für wichtig, um allen Zweiflern naturwissenschaftliche Denkanstöße zu geben. Die Naturwissenschaften lassen permanent Korrekturen am Weltbild zu, die sich auf neue Erkenntnisse und Belege gründen; die im Dogmatischen verhafteten Religionen dagegen nicht. Die Naturwissenschaften sind in der Lage, in die Geheimnisse des Universums einzudringen und sie - wenn vielleicht auch nie vollständig - zu entschlüsseln. Die Religion gründet sich nicht nur auf unser Unwissen, sondern ignoriert auch gesichertes Wissen (Beispiel Kreationismus), weshalb davon auszugehen ist, dass mit zunehmender Erkenntnis Gott nicht zwangsläufig kleiner wird.

Allen gläubigen Christen sei empfohlen, die Bibel mal von vorne bis hinten zu lesen und sich hinterher zu fragen, ob sie danach immer noch Christen sein wollen. Die Behauptung, dass sich menschliche Gefühle für Ethik und Moral aus der Religion ableiten sollen, lässt sich leicht ad absurdum führen. Man muss nur genau nachlesen. Unsägliche Beispiele liefern die fünf Bücher Moses, das Buch der Richter und die Gewaltphantasien der Offenbarung des Johannes. Wer das alles liest, braucht keine Killerspiele für seinen Computer mehr. Hardliner wie Bischof Mixa fühlen sich dennoch berufen, die christliche Moral über die der Atheisten zu stellen. Da kann man nur froh sein, dass es die Heilige Inquisition nicht mehr gibt.

Die Schwäche des Buches liegt darin, dass sich Dawkins im Kapitel über die Entstehung der Religion auf die Hypothese festlegt, dass Religion ein evolutionsgeschichtliches Nebenprodukt "von etwas anderem" ist. Die andere Sichtweise, dass Religion im Rahmen der natürlichen Selektion einen Vorteil im Evolutionsprozess brachte, kommt hier etwas zu kurz.

Völlig unbeachtet bleiben bei Dawkins postreligiöse Phänomene, welche ebenfalls auf weitverbreiteten Glaubensvorstellungen basieren. Dazu gehören beispielsweise Astrologie, obskure Heilmethoden, Wunderdiäten, Verschwörungstheorien oder die beginnende 2012-Hysterie. Außerdem existieren mystisch-religiöse Erlebnisse wie Nahtoderfahrungen, Erscheinungen und "Begegnungen der vierten Art", die sich nach neueren Erkenntnissen als "Schläfenlappenepilepsie" erklären lassen.

Die Entstehung des Glaubens als reines Nebenprodukt der Evolution abzutun, erscheint mir angesichts der sich bildenden Ersatzreligionen und -symbole (möglicherweise zählt auch ein mit missionarischem Eifer betriebener Atheismus dazu) als etwas zu kurzsichtig. Anscheinend braucht die Mehrzahl der Menschen derartige Sinngebungssysteme. Deshalb sind religiöse Überzeugungen, die niemandem wehtun, tolerabel, Verletzungen der Menschenrechte jedoch nicht. Da beginnen die Grenzen der Religionsfreiheit.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Dawkins Werk in der naturwissenschaftlichen Argumentation und in der Entlarvung der religiösen "Ethik" stark, in den Erklärungsversuchen, warum es Religon überhaupt gibt, eher schwach ist. Der Stil ist zu emotional und missionarisch. Etwas mehr Nüchternheit, wäre dem Thema angemessener gewesen. Dann wäre allerdings kein Bestseller draus geworden.
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Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 12 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.12.2009 15:13:17 GMT+01:00
Motörfader meint:
> Allen gläubigen Christen sei empfohlen, die Bibel mal von vorne bis hinten zu lesen und sich hinterher zu fragen, ob sie danach immer noch Christen sein wollen.

Richtig. Die meisten Christen sind daher eben gerade nicht evangelikal-bibeltreu. Laut katholischer Kirche darf die Bibel gar nicht aussschließlich wörtlich verstanden werden im übrigen (dafür nimmt die KK wiederum ihre eigenen Texte absolut, was auch nicht richtig ist).

Problem in der Argumentation: wenn die Bibelhörigkeit so fest zum Christ-sein dazu gehört, wie kann man dann jemanden als "gläubigen Christen" bezeichnen, der die Bibel nur auszugsweise als Kinderbibel kennt?

Und an anderer Stelle argumentieren Neoatheisten ja damit, dass im 3. Reich 98% der Deutschen Christen waren und deswegen Hitler, dem Ober-Katholiken, gefolgt wären. Folgern wir jetzt daraus: hätten die Deutschen die Bibel gelesen, wären sie nicht mehr Christen, und dann hätte Hitler sie nicht mehr Verführen können? So ähnlich erklären es uns ja auch Mixa, Meisner & Co. Eine nette Übereinstimmung ;)

Aber wie sagte doch der kritische Rationalist: aus widersprüchlichen Annahmen folgen beliebige Behauptungen.

> Die Behauptung, dass sich menschliche Gefühle für Ethik und Moral aus der Religion ableiten sollen, lässt sich leicht ad absurdum führen.
Hätten Sie mal Ihre Bibel gelesen und nicht nur die Stellen von Buggle & Co. nachgeschlagen.
Hat schon Paulus im NT beschrieben: Auch die Menschen, die mit Religion nicht in Berührung gekommen sind, haben ein Gewissen und Wissen von Gut und Falsch. Gott hat es ihnen in ihr Herz geschrieben. (nach Röm 2,15) (Vorsicht, Metapher!!)

Dogmatische Verhaftung, Religion und Kreationismus können eben nicht synonym verwendet werden.
Und bzgl. ethischer Fragen hilft die Wissenschaft auch kaum weiter. Der Glaube an die Vernünftigkeit der Vernunft ist auch nur ein Glaube, der Wissenschaft bereits vorraus geht und nicht aus ihr begründet werden kann. DAS ist der Grund, warum mit zunehmender Erkenntnis Gott nicht zwangsläufig kleiner wird.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.03.2010 21:09:27 GMT+01:00
nick meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.04.2010 12:44:41 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 30.03.2013 23:29:35 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 26.04.2010 17:12:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.04.2010 17:14:00 GMT+02:00
Chidao meint:
Zitat: 'Außerdem existieren mystisch-religiöse Erlebnisse wie Nahtoderfahrungen, Erscheinungen und "Begegnungen der vierten Art", die sich nach neueren Erkenntnissen als "Schläfenlappenepilepsie" erklären lassen.'

Insofern richtig, als sich dadurch sicherlich einige Fälle dieser Art medizinisch 'abhaken' lassen. Insofern falsch, als dadurch Erlebnisse nicht erklärt werden können, bei denen der Patient beispielsweise - obgleich nachweislich hirntot - Details aus seiner Umgebung später exakt wiedergeben konnte, etwa Gespräche der Chirurgen. Auch der Delpasse-Effekt läßt sich nicht durch physiologische Annomalien wegrationalisieren.

Veröffentlicht am 24.05.2010 20:26:46 GMT+02:00
Brigida meint:
Zit.: "Da kann man nur froh sein, dass es die Heilige Inquisition nicht mehr gibt."
Sehr grosser Irrtum!!
Ratzinger, der jetzige Papst Benedikt, war und ist Gross-Inqisitor und steht dazu. Nachgoogeln lohnt sich. In Lima (Peru) gibt es, nachdem die Conquistadores dort im Namen Jesu Christi über die Jahrhunderte Millionen Menschen, insbesondere Angehörige von Schamanenschulen, geschlachtet haben, immer noch ein vom Dominikanerorden geleitetes Inquisitionsbüro - nachzulesen bei Alberto Villoldo (Anthropologe).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.09.2010 10:23:04 GMT+02:00
Kunde meint:
Zitat: "Insofern richtig, als sich dadurch sicherlich einige Fälle dieser Art medizinisch 'abhaken' lassen. Insofern falsch, als dadurch Erlebnisse nicht erklärt werden können, bei denen der Patient beispielsweise - obgleich nachweislich hirntot - Details aus seiner Umgebung später exakt wiedergeben konnte, etwa Gespräche der Chirurgen. Auch der Delpasse-Effekt läßt sich nicht durch physiologische Annomalien wegrationalisieren."

Möglich, aber zu glauben, dass Gott dahintersteckt nur weil sich die Wissenschaft diese Effekte noch nicht erklären kann wäre naiv.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.11.2011 12:57:07 GMT+01:00
Jozna meint:
Hirntote wachen nicht mehr auf!!

Veröffentlicht am 29.11.2011 13:01:12 GMT+01:00
Jozna meint:
Wie wäre es damit: Religionen sind aufgrund nichterklärbarer Naturphänomene oder konkreter Bedrohungen oder bei Jagdausflügen im im Nebel wabernden Wald entstanden?? Durch zu Zeiten nicht erklärbarer Kometen usw. usf. Das erscheint mir die Substanz der evolutionären Nebenprodukte zu sein.

Veröffentlicht am 30.03.2013 18:11:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.03.2013 18:14:54 GMT+01:00
T. meint:
"Allen gläubigen Christen sei empfohlen, die Bibel mal von vorne bis hinten zu lesen und sich hinterher zu fragen, ob sie danach immer noch Christen sein wollen. Die Behauptung, dass sich menschliche Gefühle für Ethik und Moral aus der Religion ableiten sollen, lässt sich leicht ad absurdum führen. Man muss nur genau nachlesen. Unsägliche Beispiele liefern die fünf Bücher Moses, das Buch der Richter und die Gewaltphantasien der Offenbarung des Johannes."

Ich kann die Frage definitiv mit "Ja" beantworten. Und ich denke, wenn man als gläubiger Christ die Bibel KOMPLETT liest, führt das nicht dazu, dass man die Nase rümpft und schockiert feststellt, dass Gott grausam und unbarmherzig ist. Ganz im Gegenteil (2.Mose 34,6, 2.Mose 20,6, 3.Mose 19,18, 3.Mose 19,34, 4.Mose 14,19, 5.Mose 10,18). Diese Verse reichen für einen Nichtchristen oder Atheisten zwar wahrscheinlich nicht als Beweis, dass menschliche Gefühle für Ethik und Moral aus der, in diesem Falle christlichen, Religion ableitbar sind, zeigen aber zumindest, dass die Bibel (und auch die 5 Bücher Moses) von, auch heute noch, tauglichen Wertevorstellungen geprägt sind.
Natürlich ist nicht abstreitbar, dass der Eindruck entstehen kann, Gott sei gewalttätig und brutal, aber auch da würde ich widersprechen. Man kann und darf nicht alle Teile/Verse/Kapitel der Bibel gleich lesen. Ich meine damit: Nicht alles ist z.B. wörtlich gemeint. Und es ist auch nicht alles eine Aufforderung an den Leser o.ä..
Man muss immer auch den Kontext bedenken, in dem das Geschriebene steht. Nicht alle Gewalt wird von Gott wirklich geheißen, nur weil sie in der Bibel steht.
Dann gibts noch die Gewalt, die von Gott ausgeht bzw. die er befiehlt, also z.B. gottlose Städte oder Völker zu vernichten.
Solche Dinge sind auch für mich als gläubigen Christen bisweilen schwer zu verstehen oder nachvollziehbar, doch bin ich der festen Überzeugung, dass Gott weiß was er tut bzw. in dem Fall, weiß was er getan hat. Denn die Bibel ist nicht in erster Linie geprägt von Gottes Ausübung von Gewalt, sondern von seiner Liebe zu den Menschen, die in Jesu Tod am Kreuz deutlichst sichtbar wurde. Und weil ich mir dieser Liebe bewusst bin und weiß, dass Gott ein guter und gütiger Gott ist, kann ich auch akzeptieren, dass ich nicht alles verstehe (und auch nicht verstehen kann: Jes 55,9: Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel höher stehen meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken. ) was in der Bibel steht.

Ich kann mich deiner Aufforderung an alle gläubige Christen und vor allem an alle Nichtchristen nur anschließen: Lest die Bibel, am besten komplett. Und man wird sehen, wie genial, gnädig, großartig und gütig Gott ist!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.10.2013 15:15:08 GMT+02:00
Ein gut gemeinter Beitrag. Er wird nicht viel bringen, denn ein großes Problem des Christentums ist, daß die Jahwe-Geschichte nicht nahtlos mit der Botschaft Jesu zusammenzubringen ist. Hat er wirklich gesagt und GEMEINT, daß sein "Vater" Jahwe ist? Gibt es nicht vielleicht doch GOTT als Erschaffer aller Welten UND den Gott eines kleinen jüdischen Nomadenvolkes, von dem das AT spricht? Dazu sei empfohlen, von Jack Miles "Gott - eine Biografie" zu lesen.
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