Kundenrezension

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bezüglich moderner Rollenspiele, 28. Februar 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Mass Effect 2 (uncut) (Computerspiel)
Machen wir uns nichts vor: Es gibt nicht viel, das recht ist, dieser erwartungsvollen Tage, in denen jeder drittklassige Zwergentreiber Wünsche äußern und eine Party zu Felde führen darf. Eine komplexverdächtig kurzgeratene Aufmerksamkeitsspanne, die kaum ausreicht, seinem eigenen Superstar einen Namen zu verpassen, geschweige denn das Inventar auszumisten, disqualifiziert doch niemanden mehr. Ganz im Gegenteil! Weniger Anspruch bedeutet weniger Arbeit für alle. Es sei denn, es soll so wenig Anspruch sein, dass es schon wieder knifflig wird, den Anschein von Qualität zu wahren. Dann kann fehlender Handlungsfreiraum ruck zuck Schufterei bedeuten, weil man Nacht für Nacht ein Dialogsystem ausfeilt, das in der Redaktionssitzung am Morgen darauf - weil viel zu kompliziert - wieder für Murks befunden wird. Und nicht zu vergessen: Virtuell hammerschwingende Spieleschmiede suchen bisweilen ja auch nach Selbstverwirklichung, ja, selbst wenn sie für Electronic Arts an der Esse stehen.

Die kleine, vermeintlich themenferne Einleitung führt mich prompt zum wichtigsten Wesenszug Mass Effect 2 (ME2). Das Spiel ist ein einziges Zugeständnis an die ungeduldige Nachkommenschaft der alten Garde Rollenspieler, die schon seit Hetmann Hyggelik Köpfe gegen Erfahrungspunkte tauscht. Wer glaubt, mit dem Terminus Action-Rollenspiel" wäre alles gesagt, irrt dieses Mal jedoch.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe den Vorgänger nicht gespielt, weil mich ein Rollenspiel-Third-Person-Shooter-Mix so gar scharf machen wollte. Zum Fortgang der Handlung kann ich also leider nichts sagen, ebenso wenig Vergleiche ziehen. Ich wurde dieses Mal lediglich schwach, weil mir der offizielle Launch-Trailer Frühlingsgefühle in der Lendengegend bescherte, die ich unmöglich ignorieren konnte. Bereut habe ich es nicht.

Positives

Grafisch ist ME2 ein echter Hingucker geworden - nun, für ein Spiel dieses Genres. Farb- und formvollendet sieht augenscheinlich alles chic aus - von der auf Hochglanz polierten Normandy bis zur genetisch aufgemotzten Vorzimmerdame. Nennenswerten Anteil an diesem Eindruck trägt nicht zuletzt das dank weniger Töne äußerst stilvoll gehaltene Design, das Land und Leute so lebenswahr wirken lässt.

Die Stimmung ist fortwährend düster und kühl arrangiert, was wenig verwundert, ist der Schauplatz des kleinen Abenteuers doch der unwirtliche, aber vor Dasein pulsierende Äther. Sämtliche Rassen unterscheiden sich übrigens optisch deutlich voneinander, ohne dabei skurril zu dünken. Nahtlos fügen sie sich in die glaubhafte Welt des Spiels. Der beste Beweis dafür: Schon nach wenigen Stunden wusste ich Salarianer, Batarianer, Kroganer, Vorcha, Asari und Turianer einwandfrei auseinanderzuhalten. Hatte ich zunächst noch für ausgeschlossen gehalten. Dem intensiven Ambiente zuträglich ist sicherlich darüber hinaus die komplette Synchronisation der Hauptfigur, die ich in diesem Umfang bisher nur aus den Gothic-Reihe kannte.

Mit einem eigenen Schiff ein Zuhause zu haben, dürfte Rollenspielern sehr zupass kommen. Das teilt sich seinerseits in vier Decks; es gibt also einiges abzulaufen. Spielereien, wie ein eigenes Aquarium, für das man Fische kaufen kann, eine Sammlung von Modellschiffchen sowie eine eigene Musikanlage mit verschiedenen Songs je nach Geschmack sollen auch Freizeit abseits des lebensmüden Gerangels da draußen simulieren. Ein mittlerer Applaus dieser netten Idee ...

Die einzelnen charaktergebundenen Quests der interessanten Crewmitglieder ähneln sich inhaltlich zwar häufig, da beispielsweise fast immer ein Familienmitglied desjenigen involviert ist, sind davon abgesehen aber sehr liebevoll inszeniert. Zuweilen sehr kurz und doch ... Der Lohn der Loyalität und das damit verbundene Freischalten neuer Fähigkeiten macht es einem zusätzlich schmackhaft, alle Wehwehchen zu lindern. Von potentiellen Techtelmechteln einmal ganz zu schweigen ...

Negatives

Die rollenspieltypischen Möglichkeiten, Hauptfigur und Anhang selbstbestimmt zu entwickeln, fallen mager aus. Niemand erwartet einen Personalbogen, wie bei Neverwinter Nights 2, aber das hier spottet jeder Beschreibung. Alles, was sich verstärken lässt, sind die Kräfte, derer es ohnehin nur in Extremsituationen bedarf - wenigstens auf normalem Schwierigkeitsgrad. Hier und da steigt Schaden und Gesundheit, keines der beiden ist jedoch an Attribute gebunden. Kurzum: Ich fühlte mich schlicht entmündigt ...

Steckt man einmal in einer Mission, bleibt wenig Entscheidungsfreiheit. Der Pfad ist idiotensicher vorgegeben und es gibt kein Zurück. Man muss auf dem Weg zum Ziel nur alles umlegen, was sich hinter einer Kiste zu verstecken versucht. Da habe ich gar Ego-Shooter gespielt, die mehr Vertrauen in meine Orientierungsfähigkeiten hatten.

Meistens spawnen die Gegner an einem nicht einzusehenden Ort. Mir blieb selbst als Scharfschütze mit Tarnvorrichtung also nichts anderes übrig, als alle nach und nach wie die Moorhühner aus den Latschen zu schießen, anstatt vorher schon einmal vorsichtig einen Blick auf Schlachtfeld und Feind zu werfen und mir - ungesehen - eine günstige Stellung auszugucken. Ist der Trigger einmal ausgelöst, rappelt es im Karton - unsichtbar oder nicht. Der normale Schwierigkeitsgrad stellt dabei keinerlei Anforderungen an Reaktion und Cleverness. Jedenfalls nicht, wenn man sich um die Upgrades kümmert. Künstliche Intelligenz ist spärlich vorhanden, Munition dafür zuhauf. Nicht einmal der Endgegner brachte mich in Verlegenheit, was nicht an mir gelegen hat. Ich ziele schlecht und schieße in Panik auch auf meine eigenen Leute.

Der rote Faden der Hauptgeschichte mutet knapp und einfallslos an. Versuche, mit einer Story in einer Story in einer Story künstliche Spannung und Überraschungsmomente zu schaffen, fruchteten meines Erachtens nicht. Wer sich da nicht auf jedes einzelne Nebenquest einlässt und Freude dabei empfindet, beraubt sich selbst der eingängigsten Passagen.

Zuletzt: Die Party-Mitglieder sind, wie oben schon erwähnt, sehr wohl unterhaltsam und abwechslungsreich gestrickt, allerdings im Grunde ihres Herzens allesamt gute Seelen. Keine Ahnung, wen ich da mitnehmen soll, wenn ich einen wirklich bösen Shepard mime. Beim ersten Mal war ich der strahlende Held und schon passte Arsch auf ... nun, alles fügte sich gar wundersam zu einem bilderbuchgleichen, beischlafreichen Happy End. Doch wer hält mir die Stange, wenn ich beim nächsten Mal schlechte Laune habe?

Summa Summarum: Richtig, die Negativ-Liste ist sehr wohl ein Stückchen länger als die der Lobhuldigungen, in meinen Rezensionen aber an der Tagesordnung. Vier Sterne vergebe ich im Fall Mass Effect 2 nichtsdestoweniger überzeugt, weil das Gesamtpaket ein spielenswertes, ja empfehlenswertes RPG abgibt, das mich in puncto Intensivität der Stimmung glatt umgehauen hat. Die actiondurchtränkten Shooter-Gefechte lagen mir wider meine Befürchtung weniger schwer auf dem Magen als das ordinäre, wendungsarme Hauptquest. Mit etwas Abstand weiß ich inzwischen, dass es sich lediglich am Rest des Plans orientierte. Es wollte in ein zeitgemäßes Rollenspiel passen, basta! Und wer will ihm das schon verdenken?
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