Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen Von Trachten, Traditionen und Außenseitern..., 4. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Göttinnensturz (Broschiert)
Der Gmeiner Verlag zählt zweifellos zu meinen Lieblingsverlagen, nicht zuletzt wegen der Buchgestaltung. Zudem habe ich bei Krimis noch nie einen richtigen Flop erlebt und ich fand hier auch so manche Buchserie, die ich nie mehr missen möchte. Und so habe ich auch das Buch GÖTTINNENSTURZ, den bereits vierten Fall für Berenike Roither, mit Spannung erwartet und voll Neugier gelesen, wenn auch ohne Vorkenntnis aus den vorherigen Bänden.

Das Cover:

Trachten spielen in diesem Krimi eine ausschlaggebende Rolle. Insofern passt das Coverbild hervorragend zu diesem Salzkammergut-Krimi. Beim Betrachten des Buches blickt man geradewegs auf ein makelloses Dekolleté, umrahmt von einer Bluse und einem Oberteil eines Dirndls. Sehr gut gefällt mir hier der moderne Touch, der dem Bild durch eine Hirsch-Tätowierung und einer modischen Kette verliehen wird. Der Kettenanhänger besteht aus einer silbernen Brezel, die mit rosafarbenen Strass-Steinen besetzt ist. Statt an einer Kette befindet sich der Anhänger an einigen rosafarbenen Bändern. Wie bei den Büchern des Verlags üblich, ist das Cover sehr schön gestaltet in einem Mix aus verschiedenen gestalterischen Elementen – das Titelmotiv ist matt gestaltet, lediglich die Kette mit dem Anhänger und das Tatoo, sowie der Buchtitel wurden glänzend hervorgehoben.

Die Innenseiten der beiden Buchdeckel wurden auch bei diesem Buch bedruckt, so wie es beim Gmeiner Verlag üblich ist. Das Titelfoto in der Schwarz-Weiß-Variante blickt dem Leser so beim Aufschlagen des Buches entgegen. Ein kleines Detail, das sofort ins Auge fällt.

Die Handlung:

Berenike Roither ist gerade mit ihrer Freundin Ellen am Wolfgangsee unterwegs, als sie dort eine im Wasser treibende Leiche entdeckt. Monika, die tote Frau, hat die Schürze ihres Dirndls verdächtig um den Hals geschlungen. Und unglücklicherweise hatte Berenike auch noch kurz zuvor eine Auseinandersetzung mit der jungen Frau, wegen deren politischer Einstellung.

Während Dorfpolizist Kain an einen Unglücksfall glaubt, steht für Berenike und ihren Freund Jonas, einen Kripobeamten, fest, dass Monika ermordet wurde. Doch Moni bleibt nicht das einzige Opfer. Schon bald taucht die nächste Leiche auf – ein Trachtenschneider, der die Narzissenhoheiten ausstattete, wird auf ein Mühlrad geflochten aufgefunden, dann wird ein Schuster ermordet aufgefunden. Stets wurden die Opfer mit einer außergewöhnlichen Mordwaffe ins Jenseits befördert – ihrer eigenen Kleidung. Und dann sind da noch die Tarotkarten, die bei den Leichen aufgefunden werden. Doch gerade zu diesem Zeitpunkt entfremdet sich Jonas seiner Freundin Berenike zusehens. Wird es Berenike gelingen, die Mordserie zu stoppen oder wird der Täter erneut zuschlagen?

Meine Meinung:

Wie schon erwähnt, war GÖTTINNENSTURZ der erste Krimi aus der Serie rund um die Hobby-Ermittlerin Berenike, den ich las. Nach SCHWARZTEE (erschienen 2009), AUSGETANZT (2010) und NARRENTANZ (2011) erschien nun 2013 der vierte Krimi dieser Buchserie. Dennoch hatte ich keine Probleme, dem Geschehen zu folgen, wurde man als Neuling doch stückchenweise mit den Fakten der vorherigen Bänden, in die Welt von Berenike Roither eingeführt.

Glücklicherweise wurden bei den Rückblicken auf die Vergangenheit aber nicht zuviele Details verraten, so dass auch noch im Nachhinein die vorherigen Bände gelesen werden können, ohne dass die Spannung genommen wurde. Mir persönlich gefallen solche knappen Rückblenden, da man so die Bücher auch unabhängig voneinander lesen kann. Durch die knappe Ausführung werden wiederum diejenigen unter den Lesern nicht gelangweilt, die die Bücher bereits kennen. Hier wurden die Informationen genau richtig dosiert verabreicht.

Berenike Roither fand ich als Hauptperson sehr interessant, sowohl von ihrer etwas eigenwilligen und authentischen Lebensweise her, als auch ihr Vorleben betreffend. Vor fünf Jahren verließ sie die österreichische Hauptstadt Wien, ließ ihr geregeltes Leben hinter sich und zog aufs Land, um dort ein vollkommen neues Leben zu beginnen. Und so eröffnete Aussteigerin Berenike ihren gemütlichen Teesalon.

Berenike hat nicht nur einen außergewöhnlichen Vornamen, nein, auch ihre Geschäftsidee finde ich sehr interessant und außergewöhnlich, denn ihr Teesalon ist eine Lokalität, das viel Charme ausstrahlt und seinesgleichen sucht. Überhaupt der Name! Es mag eine Bildungslücke sein, aber in der Tat ist mir dieser makedonische Name Berenike („Siegbringerin“) bislang nie zuvor begegnet.

Erstaunt hat mich Berenikes Verhalten, sobald eine Leiche vor ihr auftauchte. Wo unsereins schockiert zusammenbricht, wird bei Berenike erst einmal die Neugier geweckt und ihr Ermittlerblut gerät in Wallung. An Kleinigkeiten bemerkt man, dass Berenike sich wohl keinen Zwängen unterwerfen möchte, sondern gerne ein halbwegs freies Leben führen möchte, soweit ihr dies als Inhaberin ihres Teesalons möglich ist. So entscheidet sie sich eben erst kurz vor der Essenszeit, welche Gerichte für diesen Tag auf der Speisekarte stehen sollen.

Kriminalpolizist Jonas Lichtenegger, der Liebhaber Berenikes, ist von daher ein interessanter Protagonist, da er jüdische Wurzeln hat. Und das im eher konservativen Österreich, wo man in diesem Krimi auch (bedauerlicherweise) auf Personen mit einer nationalsozialistischen Gesinnung trifft. Da fragte ich mich mitunter, ob gar Jonas selbst seine Finger im Spiel hatte, zumal er sich zeitweise etwas seltsam verhielt. Und Berenike befürchtet, dass ihr Freund Jonas ihr langsam aber sicher entgleitet.

Reinhard, der Gerichtsmediziner, macht auf mich einen sympathischen Eindruck, wirkt zugleich aber auch etwas geheimnisvoll. Zudem scheint er ein gewisses Interesse an Berenike zu haben. Dorfpolizist Kain hingegen vermittelte keinen besonders positiven Eindruck, bei der Aufklärung der Fälle fiel er vor allem durch seinen fehlenden Ehrgeiz auf – nur zu gerne vermittelt er seine Ansicht, dass Monika durch einen Unglücksfall oder einen Selbstmord zu Tode kam.

Monika, das erste Opfer, war eine attraktive und lebenslustige Frau. Die Dorfschönheit verdrehte so manchem Mann den Kopf. Doch leider hatte Monika auch eine dunkle Seite: Die traditionsbewusste junge Frau gehörte ganz offensichtlich der rechten Szene an und machte auch keinen Hehl daraus. Kein Wunder, dass die weltoffene Berenike und Moni Welten trennten, und es sogar zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden ungleichen Frauen kam.

Franziska „Franzi“, eine junge Einheimische, konnte ich nicht so recht einordnen. Sie vermittelte einen etwas düsteren Eindruck, sei es durch ihre meist schwarze Kleidung (anfangs vermutete ich gar, sie würde vielleicht der Gothic-Szene angehören), aber auch durch ihre ganze Art. Franzi wirkt recht ernst, versucht als Modeschöpferin einen Durchbruch zu erlangen. Doch die extravagante Franzi ist noch immer, wie schon seit eh und je, eine Außenseiterin und leidet auch darunter. Zudem hat die ansonsten recht ansehnliche Franzi einen Buckel, wodurch sie noch mehr ins Abseits gerät. Dennoch scheint Franzi immer wieder Berenikes Nähe zu suchen.

Während mir das Salzkammergut natürlich namentlich bereits bekannt war, sagte mir Ausseerland (eine Kleinregion im Steirischen Salzkammergut) gar nichts, den Wolfgangsee hingegen wird wohl jeder kennen, sei es als Tourist, oder auch aus Verfilmungen. Aber Lesen bildet ja bekanntlich und nicht nur bei Sachbüchern kann man etwas dazulernen. Dass sich die österreichische Autorin Anni Bürkl gerne im Ausseerland aufhält, bemerkt man schon daran, dass sie diesem Landstrich durch ihre Kenntnisse Leben einhaucht und ein Buch mit Lokalkolorit geschaffen hat.

So ist das Narzissenfest, das der Leser im Buch kennenlernt auch tatsächlich existent. Das Verwenden des ortsüblichen Dialekts finde ich in einem sogenannten Regionalkrimi immer wichtig, selbst wenn dieser nur sparsam eingesetzt wird, aber nur dann wirkt die Handlung so richtig schön authentisch. Gut auch, dass die österreichischen Begriffe wie Eiskasten (Kühlschrank) nicht eingedeutscht wurden – der Krimi spielt nun mal in Österreich und das soll der Leser auch durch solche Kleinigkeiten bemerken.

Interessant finde ich den Aufbau des Buches. Immer wieder tauchen kurze Zwischenkapitel in Tagebuchform auf, die stets unter der Bezeichnung „Mörderisches Logbuch“ zu finden sind. Sieben Einträge liefern Hinweise zum Mörder und bieten Einblick in die Abgründe seiner Seele. Wer letztendlich der Mörder war, hat mich (leider) nicht sonderlich überrascht. Allerdings vermutete ich, dass die Autorin ausreichend falsche Spuren gelegt hätte und es einige unerwartete Wendungen im Buch geben würde. Spannend war das Buch dennoch, interessierte mich doch auch das Mordmotiv, sowie die näheren Todesumstände. Der Schluss jedoch ließ leider einige Fragen offen – schade. Aber vielleicht war dies ja die Absicht der Autorin, um die Spannung für den nächsten Band zu erhalten!? Vielleicht erfolgt dort dann noch im Nachhinein die lückenlose Aufklärung – allerdings wäre dann dieser Band nicht in sich abgeschlossen, wie es eigentlich in Krimiserien der Fall sein sollte und eigentlich von mir erwartet wird.

Sehr schade fand ich, dass sich im Buch kein Lageplan der einzelnen Schauplätze befand, denn das hätte ich als ortsunkundige Leserin doch sehr willkommen geheißen und auch als notwendig betrachtet. Trotz der Bemühungen der Autorin, die Lage der Handlungsorte zu beschreiben, hatte ich etwas Schwierigkeiten mit den örtlichen Gegebenheiten – hier hätte ich doch sehr gerne hin und wieder die Karte zu Rate gezogen. Dennoch gelang es der Autorin sehr gut, die Handlungsorte selbst sehr anschaulich zu beschreiben, so dass man beim Lesen ein Bild vor Augen hatte.

Gewünscht hätte ich mir im Anhang des Buches die Vorstellung eines oder mehrerer Vorgängerbücher der Serie, denn das Interesse an den anderen Berenike-Roither-Krimis wurde bei mir auf jeden Fall geweckt.

Trotz einiger Kritikpunkte freue ich mich darauf, weitere Krimis mit Berenike zu lesen, denn der Schreibstil und die Protagonisten selbst gefielen mir sehr gut – allen voran natürlich charismatische „Teelady“ Berenike mit ihrem bezaubernden und charmanten Teesalon.

Fazit:

Ein unterhaltsamer, origineller und kurzweiliger Regionalkrimi, der leider jedoch etwas überstürzt endete und, zumindest für mich, einige wichtige Fragen offen ließ, die ich noch gerne geklärt gesehen hätte. Dennoch möchte ich diesem Krimi eine Leseempfehlung aussprechen und 4 Sterne geben.
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