Kundenrezension

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die 13 ist keine Unglückszahl!, 18. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: 13 (Limited Deluxe Edition) (Audio CD)
Ich habe mir einige Rezensionen hier angelesen und staune über die vielen Superlative die hier im Ausverkauf verteilt werden. Um es vorweg zu nehmen: "13" ist ein grundsolides Metal-Album und ein ebensolches Black-Sabbath-Produkt. Man kann auch sagen, dass es das beste Ozzy-Sabbath-Album seit 35 Jahren ist, da es ja danach (außer den zwei Bonus-Tracks auf der "Reunion") keine neue Musik mehr mit Ozzy gab. Aber dennoch überkommt mich trotz allem nicht dieses Wow!-Gefühl, von dem hier in 97% der Rezensionen berichtet wird.

Aber der Reihe nach:

"End of the Beginning" fängt so dermaßen "Black Sabbath" an, dass es einem fast schon ein Schmunzeln entlockt. Das ist Kreativ-Recycling pur, was die älteren Herrschaften abliefern. Statt Bill Ward, der kurzfristig das Line-up verlassen musste, bedient Crossover-Drummer Brad Wilk (Audioslave, Rage Against the Machine) die Felle. Und natürlich spielt er diesen ersten Track genau so, wie ein Fan dies tun würde, nämlich nah am "Original". Iommis Riffs sind wie immer herausragend, aber dieser Diebstahl gleich zu Beginn des Albums hat schon ein Geschmäckle, das mir nicht besonders zusagt. Da habe ich in der Musikgeschichte schon originellere Zitate gehört. Eine Erklärung liefert vielleicht Ozzy, der singt: "Will you decide what makes you an entity? That's your identity. Well if you don't know Which way to go.!"

"God is Dead" läuft ja bereits seit ein paar Monaten als Teaser durch die Medien. Dieser Track kommt als Black-Sabbath-Song ziemlich frisch auf's Ohr. Im Gegensatz zum Opener läuft es bei Herrn Osbourne stimmlich runder. Die Strophe plätschert vor sich hin, bevor Bridge und Refrain unmissverständlich klar machen, wer die Herren im Doom-Metal sind. Textpassagen wie etwa "Swimming in sorrow, they kill, steal, and borrow. There is no tomorrow. For the sinners will be damned" sind hier clever an den Dio-Style angelegt. Kein Wunder, dass dieser Track die Erwartungshaltung auf das Album so lange aufrecht gehalten hat. Der Song ist eine Wucht. Vor allem Geezer Butler lockert durch seine ausufernden Bassläufe das Teil mächtig auf.

Das Riff von "Loner" erinnert anfangs an eine Mischung von "Junior's Eyes" und "N.I.B.". Trotz seiner gerade mal fünf Minuten Spielzeit kommt der Song nicht richtig aus dem Quark und ist nicht so kurzweilig wie man es erwartet hätte.

Mit "Zeitgeist" kommt zum Glück ein weiteres Highlight des Albums auf's Ohr. Hervorragende Gitarren-Sounds (überwiegend akustisch) sowie Geezers stimmungsvolles Bassspiel ergänzen die hypnotisch verzerrten Vocals von Ozzy. Das Solo von Tony passt dazu wie die Faust auf's Auge. ganz großes Kino auch die Percussions, die hier das Schlagzeug ersetzen. Einfach ein geiler Track!

Treibend und fett geht es direkt im Anschluss mit "Age of Reason" weiter. Die Saitenfraktion dominiert auch hier das Geschehen. Produzent Rick Rubin hatte offenbar Probleme, Ozzy entsprechend in Szene zu setzen. Auf diesem Traack wird dieses vermeintliche Unvermögen besonders deutlich. Mehr zu Rubin später in meinem Fazit.

"Live Forever" setzt auf die gleiche Schiene wie sein Vorgänger. Ein ausgiebiegies Riff-Thema wir vorgestellt, bevor es dann "Hole in the Sky"-mäßig in eine andere Richtung weiterläuft. Stimmlich ist Ozzys Beitrag solide, aber den so liebgewonnenen Wahnsinn hat er komplett aus seiner Stimme verloren. Ebenfalls ein weiteres (Luxus-)Problem dieser Platte. Alles ist so extrem auf den Sabbath-Stil aus den Siebzigern fixiert, aber Ozzy klingt leider viel zu oft wie kurz vor dem Einschlafen. Kein Wunder, dass Iommi/Butler mehr Spaß an Dios Gesangskünsten hatten, was sich auch in den Jahren danach mit Ray Gillen und Tony Martin stilistisch fortführen ließ. Und die trockene Produktion Rubins macht die Sache auch nicht besser.

"Damaged Soul" bietet immerhin musikalisch Abwechlung im ansonsten dominiernden Retro-Stil. Cool ist vor allem, dass Ozzy seine Harmonica aus der Mottenkiste gekramt hat. Die anschließenden Gitarrensoli bekommen ordentliche Räume von der Rhythmusfraktion spendiert. Ein weiteres Juwel auf diesem Album, das in einem furios treibenden Finale endet.

Das finale "Dear Father" kommt danach böse um die Ecke. Ozzy singt von Dämonen, vergifteten Geheimnissen und dem Bösen. Eine Abrechnung mit einem gottesfürchtigen, grausamen Vater/Pastor kommt mit 65 etwas seltsam rüber. Zum Glück überzeugt der Song durch herausragende Gitarrenarbeit. Am Ende sorgt ein reinigendes Gewitter und Glockenbklang für den schon oft zitierten Abschluss einer Ära, die mit Black Sabbath's gleichnamigen Opener auf dem 1970 erschienen Erstlingswerk ihren Anfang nahm - ebenfalls mit Glocken und Gewitter.

Und so endet das Album nach 53 Minuten und hinterlässt einen recht durchwachsenen Eindruck. Einerseits WILL man Black Sabbath ja immer noch geil finden, andererseits findet sich zuviel Mittelmaß und bemüht Konstruiertes auf dem Album.

Produzent Rick Rubin macht hier ebenfalls einiges falsch, nimmt er den Akteuren doch die leichte Unschärfe, die für mich bislang den Black Sabbath-Sound ausgemacht hat. Man hatte insgeheim gehofft, dass solch ein grausamer Produktionsausfall wie "Headless Cross" (den Iommi mit Drummer Cozy Powell selbst verbockt hat) nicht mehr vorkommt. Zu gläsern klingt dier Produktion stellenweise. Ozzy "steht" fast bildlich neben der Musik. Das hat er in der Vergangenheit schon deutlich besser hinbekommen. Er wird es vermutlich auf den Sänger schieben. ;)

Ich persönlich mag "13" unter dem Strich dann doch. Es ist ein gutes und solide produziertes Album, aber eben nicht der Hammer. Trotzdem hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Dazu tragen auch die drei Bouns-Tracks der Deluxe-Edition bei. Warum diese es nicht auf das regulärte Album geschafft haben, ist mir unverständlich. Eine CD kann auch 69 Minuten Musik aufnehmen.

"Methademic" klingt zwar etwas mehr nach Ozzy-Solo, trägt aber unverkennbar die Handschrift Tony Iommis. Auch merkt man "Jungspund" Wilk an, dass er mit dieser Nummer mehr Spaß hat als mit dem schleppenden Doom-Metal, der sonst den Sound von Black Sabbath prägt (und den ich so sehr liebe). Dennoch Respekt vor der Leistung dieses Mannes, der sich voll und ganz auf Black Sabbath eingelassen hat und behutsam den Stil Bill Wards abgreift.

"Piece of Mind" klingt dagegen 100% nach Black Sabbath und begeistert mit einem tollen Riff. Ozzy liefert hier eine der besseren Gesangsleistungen der gesamten Produkion ab. Umso verwunderlicher, dass dieser Track lediglich als Bonus angeboten wird.

Der dritte Bonus-Track "Pariah" rundet den sehr guten Gesamteindruck ab. Klasse Riffs, ein toller Geezer, der die Lücken klasse schließt, und ein fast fröhlicher Ozzy, der meint "You say that you can read my mind, be careful of what you might find. You think that you can be like me and see what my eyes see. But you're no friend of mine." Ein gelungener Abschluss einer hörenswerten Platte.

Aber jetzt schmeiß ich mir doch noch mal die "Sabotage" hinterher, denn die ist für mich immer noch das Beste, was Black Sabbath in der Ozzy-Ära produziert haben.

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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.06.2013 09:49:22 GMT+02:00
@Enrico Palazzo.
Diese Kritik ist ausgesprochen fundiert und nachvollziehbar.
Ich kann sie absolut unterschreiben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.06.2013 19:47:38 GMT+02:00
vielen dank! :)

Veröffentlicht am 19.06.2013 23:50:26 GMT+02:00
Bin ich froh, dass ich nicht der einzigste bin, der Sabotage für das beste Album hält.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.06.2013 13:50:44 GMT+02:00
ich hoffe, wir sind nicht DIE BEIDEN einzigen ... ^^
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