Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein postmodernes Spiel in einem postmodernen Film, 17. April 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der niemals lebte (DVD)
Die CIA braucht ein Agentennetz im Nahen Osten. Der Agent Roger Ferris (Leonardo Di Caprio), der fließend Arabisch in unterschiedlichen Dialekten spricht, ist vor Ort und versucht, sich in diverse Organisationen einzuschleusen. Er macht vor wenig halt, ist aber der Überzeugung, nur der Einsatz vor Ort, das Vertrauen bestimmter Personen, ermögliche einen Zugriff auf die Ziele, die er und seine Vorgesetzten erfassen wollen. Sein Führungsoffizier ist Ed Hoffman (Russel Crowe), ein nahezu manischer Anhänger aller möglicher technischer Hilfsmittel. Er und Ferris stehen ununterbrochen in Kontakt per Headset und Handy. Ferris wird ununterbrochen durch Satelliten udn Drohnen überwacht. Ferris schreckt zwar vor Folter nicht zurück, sieht jedoch auch die Nutzlosigkeit solcher Methoden. Durch gesichertes Material wissen die beiden, daß der Kopf einer neuen Terrororganisation in Jordanien lebt. Ferris geht dorthin und macht die Bekanntschaft von Hani Salaam (Mark Strong), seines Zeichens Chef des jordanischen Geheimdienstes. Er mag Ferris, warnt diesen jedoch auch, er möge ihn, Salaam, niemals belügen. Hoffman führt ein eigenes Kommando durch, das jedoch fehlschlägt und Ferris dadruch in Gefahr bringt. Vor allem verliert er das Vertrauen Salaams. Nun müssen sich Ferris und Hoffman etwas übderlegen. Sie beschließen, eine fingierte zweite internationale Terrororganisation zu "gründen" und bedienen sich dafür eines ahnungslosen Architekten, der plötzlich im Mittelpunkt des Interesses aller möglichen Terroristen steht. So glauben Ferris und Hoffman in Kontakt mit dem von ihnen Gesuchten zu kommen. Ein fingierter Bombenanschlag bringt die Dinge ins Rollen, führt jedoch auch zur Enttarnung von Ferris. Salaam, der sich erneut von Ferris getäuscht glaubt, beginnt nun seinerseits ein Spiel mit mehreren Variablen, von denen eine eben Ferris heißt...

Der Film - im Original "Body of Lies", was ein weitaus mehrdeutigerer Titel als der deustche ist - erinnerte bei seinem Erscheinen 2008 viele an den Politthriller "Syriana". Wahr ist, daß beide teils ein ähnliches Sujet behandeln, nämlich die Arbeit westlicher Agenten vor Ort im Nahen Osten. Doch bleiben unübersehbare Unterschiede. Wo "Syriana" dieses Treiben in einen weiteren, größeren und viel unübersichtlicheren Kontext setzte, erzählt Ridley Scott von einer Welt, aus einer Welt, in der es scheinbar nur geheime Kräfte gibt. Politik als Movens oder auch nur Deckmantel für geheime Operationen fällt hier vollkommen aus. Nicht einmal - auch darin unterscheidet sich "Body of Lies" deutlich von dem anderen Film - die Wirtschaft hält hier noch her als große Triebkraft hinter all dem Spionieren, Töten und Vernichten. Hier, so scheint es, hat man es mit einer Welt zu tun, in der sich die Geheimkräfte längst verselbständigt haben. Ed Hoffman, der immer, ununterbrochen - beim Autofahren, Einkaufen, beim Spielen mit den Kindern, am Abendbrottisch - über ein Headset in Verbindung zu "seiner" Welt steht und auch ununterbrochen an der Kommunikation mit ihr teilnimmt, wirkt in seinem fast jungenhaften Eifer wie eine Kind, das die tollsten Spielsachen der Welt zur Verfügung hat - Drohnen, Satelliten und Menschen, die er nach Lust und Laune hin und her schieben kann. Ferris ist in diesem postmodernen Szenario so etwas wie ein Relikt aus den Tagen, da Agenten noch selbsttändig und auf eigene Faust handelten. Old school, sozusagen. Ed Hoffman ist der Prototyp des postmodernen Kriegers: Entrückt und distanzeirt zu seinen Zielen, tötet er und läßt töten, als hätte er es mit einem überdimensionalen Computerspiel zu tun. Und Crowe spielt ihn auch so: Verschwurbelt und zynisch, hochbegabt und ausgestattet mit der Aufmerksamkeitsspanne eines ADHSlers, sitzt dieser Ed Hoffman vor seinen riesigen Bildschirmen und folgt einem Echtzeitspiel "da draußen", das er steuert, dessen Regeln er bestimmt und das ihn von jetzt auf gleich nicht mehr interessiert, wenn seine "Bedürfnisse" - also sein Wissensdurst - gestillt sind. Daß Menschen sterben scheint ihm ein nicht nachvollziehbarer, dennoch unvermeidlicher Nebeneffekt zu sein. Wenn er dann - zweimal im Film - selbst vor Ort erscheinen muß, da seine Pläne schief gelaufen sind, wirkt er auch vollkommen deplaziert. Der natürliche Ort dieses Typus ist der Sitz vorm Rechner.

Ed Hoffman, so scheint es, ist auch die heimliche Hauptfigur dieses Films. Ridley Scott, und mit ihm Roger Ferris, wechselt die Schauplätze wie es sonst nur James-Bond-Filme tun. Doch an den Strippen eines Mannes wie Hoffman wirkt das alles vollkommen plausibel. Auch hier kommt zum Ausdruck, daß dies ein durch und durch postmodernes Spiel ist - sowohl inhaltlich , als auch auf der Leinwand. Ein postmoderner Film, der aus einer postmodernen Welt erzählt. Daß dann Schauplätze wie Handlunsgstränge ständig wechseln, entspricht der Fragmentierung dieser Welt in ihren digitalen Schemata.

Ridley Scott ist bei aller Kritik, die man an dem Film üben kann, vor allem eines gelungen: Ein spannender Action/Agententhriller. Das vorneweg. Daß Scott ein zumindest ambivalentes Verhältnis zu allem Militärischen hat, weiß, wer seinen Filmen im Laufe der Zeit gefolgt ist. Sei es "G.I.Jane" oder "Black Hawk Down" - immer wieder zeigt er Militär im Einsatz. So eben auch hier. Es wurde ihm vorgeworfen, hier heimlich eine Figur wie Ed Hoffman zu verherrlichen. Dem würde ich nicht zustimmen, doch sowohl sein offenbar ungetrübtes Verhältnis zu allem Technischen einerseits, mehr noch die Darstellung der Araber andereseits, läßt doch Kritik aufkommen. Wie so viele Filme der letzten Dekaden, die "irgendwie" versuchten, mit der Terrorbedrohung aus dem Nahen Osten klarzukommen - "Operation: Kingdom" fiele mir ein, aber auch der ältere "Project: Peacemaker" - gelingt es "Body of Lies" nicht, ein adäquates und halbwegs versöhnliches Bild der Araber zu zeichnen. Ferris bändelt mit einer arabischen Krankenschwester an, die natürlich in ihrem Wesen durch und durch verwestlicht ist, Salaam entspricht bei aller Freundschaft zu Ferris zu sehr dem Klischee des verschlagenen Arabers, dem man nicht in die Karten schauen, also auch nicht trauen kann.

So kann man sagen, daß der Film nicht die Metaebene erreicht, die "Syriana" so mühelos stemmt, aber dennoch hat man es hier mit einem der intelligenteren Agententhriller der letzten Jahre zu tun. Und vor allem mit einem der spannenderen. Dafür 4 Sterne.
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1-10 von 16 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.04.2013 14:01:34 GMT+02:00
Hallo Gavin,

da liegen wir mit unserer Einschätzung ja wieder einmal fast beieinander, denn auch mich hat dieser Scott-Film seinerzeit zu einem Text angestachelt. Daß Scott die arabische Kultur oder auch Gesellschaft allerdings grundsätzlich mit wenig Empathie gezeichnet habe, konnte ich damals nicht so finden. Vielleicht fühlte er sich allerdings angesichts der Vorwürfe an die literarische Vorlage bemüßigt, hier ein wenig distanzierter vorzugehen? Wer weiß?

LG,
Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2013 14:47:36 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Tristram!

Die Vorlage lieferte, meine ich, David Ignatius? Ich kannte die gar nicht. Insofern weiß ich auch nicht, wie sie angefeindet wurde. In den anglo-amerikanischen Politthrillern - ob hier offenbar, bei Gifford, Glenn Meade, Clancy oder auch Follett - entstand in den letzten 20 Jahren (und mehr) ja das Urbild dieses arabischen Superterroristen, das dann in realitas Osama bin Ladin "eingelöst" hat. Scott bedient sich dieses Klischees, wie ich meine, ziemlich indifferent. Aber sei es drum. Der Film ist ganz sicher erstmal ein - gelungener - Agententhriller. Daß er sich um der Dramaturgie willen dieser Stereotype bedient, kann man ihm vorwerfen, aber wahrscheinlich macht man es damit größer als es ist.

Generell finde ich bei Scott aber die Frage nach dem "Anderen" als dem Fremden schon interessant. Sicher, ist jetzt vielleicht wieder zu weit ausgeholt, aber es ist eines der durchgängigen Themen seiner Filme: Das andere in der Gegnerschaft. Das Alien, der Roboter ("Blade Runner"), Männer ("Thelma and Louise"), eine fremde Welt und ihre Bewohner ("1492") oder eben andere Kulturen ("Black Hawk Down" und hier in "Body of Lies") - immer werden fremde Lebensweisen, -wesen und -formen als etwas Bedrohliches oder zumindest von den Protagonisten als bedrohlich Empfundenes inszeniert. Ich will damit nicht sagen, daß Scott es so sieht, er thematisiert es lediglich! Auf oft faszinierende, manchmal in seiner Ambivalenz verstörende Art und Weise. Allerhöchstens in den genannten Filmen, in denen es direkt um die arabische Welt geht (also auch "Black Hawk Down") würde ich darin etwas zwiespältiges sehen. Manchmal könnte er sich da mehr Mühe eines Verständnisses geben. In den anderen Filmen, v.a. "Alien" und "Blade Runner" sowie "1492", steht ja durchaus die äußerst ambivalente Frage im Raum, ob das Andere nicht uns, also dem Menschen, überlegen ist?

Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.04.2013 08:49:15 GMT+02:00
Hallo Gavin,

ich meine, einmal irgendwo gehört zu haben - man könnte, wenn man raunig-launig Geheimnisvolle liebt, auch sagen: Mir wurde zugetragen, doch klingt mir das zu sehr nach einem Hundebesitzer, der ich nicht bin -, daß Ignatius' Roman vorgeworfen wurde, die Terroristen nicht mit der angemessenen moralischen Distanz behandelt zu haben. Da ich aber den betr. Text nicht mehr vorliegen habe, kann ich auch gar nicht mehr dazu sagen.

Was Du über Scott sagst, finde ich stimmig, wobei ich hinzufügen möchte, daß genau das ja auch ein Thema vieler Western ist. Während ich "Blade Runner" und "Alien" für sehr gelungen halte, fällt meiner Meinung nach "Thelma und Louise" durch seine Plattheit ab und auf, und ich glaube bis heute nicht ganz, daß dieser Film von Scott ernstgemeint gewesen sein kann. Vielmehr - das hoffe ich für ihn als intelligenten Menschen - wollte er sich wohl über die über das Ziel hinausschießende Kompromißlosigkeit in Wahrnehmung und Weltsicht mancher Spielarten des Feminismus lustig machen. "Body of Lies" wiederum fand ich eher ausgewogen, denn man darf ja nicht vergessen, daß auch der jordanische Geheimdienstchef nicht als Privatmann - da scheint er ja sehr aufgeschlossen zu sein -, sondern im Dienste der Staatsräson handelt. Und frei nach Nietzsche, wird man, wenn man lange gegen Monster kämpft, schließlich selber eines.

Viele Grüße,
Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.04.2013 12:27:24 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Tristram!

Ich werde neugierig bei all diesem Geraune und neige dazu, mir den Roman mal zu bestellen ;-)
Allerdings kann ich nicht behaupten, daß es mir an noch zu lesender Literatur ermangele...mal sehen. Aber wie gesagt - in diesen einschlägigen Terrorthrillern der vergangenen 25 Jahre kamen die Araber eh nicht gerade wie friedliebende Menschen weg, was sicherlich mehr über die Autoren jener Werke und ihre Leserschaft aussagt, als über die Araber...

Es stimmt, natürlich, daß das "Andere" und "Fremde" in vielen Western in Gegnerschaft gesetzt und inszeniert wird, aber - ich neige langsam dazu, all diese Gedanken zu Western mal in Form zu gießen, zu veröffentlichen und mich dumm und duselig zu verdienen daran ;-) - es ist einmal mehr der Vorteil des Westerns, der ihm in so vielen Augen zum Nachteil gereicht: Angesiedelt in einem Raum und einer Zeit jenseits aller Historizität, kann er es sich angelegen sein lassen, die ganze Bandbreite abzudecken vom rassistisch motivierten Film bis zum Film über den rassistisch Motivierten.

Das kann Scott sicherlich auch, wenn er sich in unbestimmte (oder auch bestimmte) Zukunfstwelten begibt, erzählt er jedoch - wie im hier besprochenen Film oder in "Black Hawk Down" u.a. - von einer verifizierbaren Realität und Wirklichkeit, dann kommt er sich meiner Meinung nach irgendwann selbst ins Gehege. Aber ich will Scott jetzt keinesfalls als Rassisten o.ä. darstellen, er nimmt eine fragwürdige Haltung ein, manchmal, aber das tun so ziemlich alle Regisseure oder Künstler irgendwann mal, denke ich.

"Thelma und Louise" sehe ich an meinen guten Tagen als - einen modernen Western, dann ist er bestenfalls reaktionär, an meinen schlechteren sehe ich ihn als ein Machwerk, eine Fußnote zum Feminismus, den ein Macho gedreht hat. Und dann kommt dabei eben ein Machofilm raus, dem nichts, aber gar nichts Neues zum Thema einfällt, außer einfach die role models auszutauschen, besser: umzudrehen. Was letztlich einfach öde ist. Daß der Film nicht ernstgemeint sein könnte, glaube ich - leider - nicht. Scott meint das bitterernst. Das beste an dem ganzen Ding ist, daß er ein schönes Stück Americana darstellt, gute Schauspieler und - wie immer bei Ridley Scott - eine vorzügliche Machart aufweist. Ansonsten: Schweigen...

Liebe Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.04.2013 23:15:24 GMT+02:00
Sabaga meint:
Sagt mal, Jungs,
was ich schon lange fragen wollte, und hier passt es, da es wieder vorkommt, in verschiedenen eurer Diskussionen kommt zum Vorschein, dass ihr nichts von „Thelma & Luise“ haltet. Warum eigentlich nicht? Ich traue es euch als allerletzte, eigentlich überhaupt nicht, zu, dass ihr euch dadurch an geschubst fühlt, dass hier ein Mann nur wegen einer Anmache, von einer übersensibilisierten und/oder frustrierten oder in diesem Moment auch hysterischen Frau einfach so abgeknallt wird. Feminismus kann ich auch nicht erkennen, das sollte mir als Frau doch auffallen. Überwiegend machen die Männer ihr Ding, bis zum bitteren Ende, wie in „Easyrider“. Ich höre euch jetzt aufschreien, den Klassiker mit einem von euch ungeliebten Film in Abgleich zu bringen. Der fiel mir nur ganz spontan als markantes Beispiele ein, es sind derer ungezählte. Nicht zuletzt auch die Welt des Westerns. Ist es denn so schlimm, wenn Ridley Scott mal Frauen agieren lässt, so wie vielleicht vergleichbar Quentin Tarantino in „Death Proof“? Apropos, wie gefiel euch der Lapdance von Vanessa Ferlito in diesem Film? Ich denke dies speziell können Männer besser beurteilen, obwohl Frauen ja auch nicht blind sind, aber sie tanzt ja nun mal für einen Mann, und dem sollte es gefallen. Ich habe es vor Augen, wie sie mit unerotisch flachen Latschen, zwar knappen kurzen Hosen, und irgendeinem verwurschtelten Hemd ohne Dekolletés, zu toller Musik quer durch die Bar latscht und die Stimmung zum knistern bringt. Die erotische Spannung wird so lässig und nebenbei erzeugt, das fand ich groß. Dieser Lapdance hat nach meiner Meinung so manche bekannte erotische Szene an die Wand gedrückt, da war Demi Moore mit ihrem gepuschten Striptease eine kalte Dusche, der Film sowieso, im Sinne von erschreckend, nicht erfrischend.
Ich wünsche eine gute Nacht,
und verbleibe mit herzlichen Grüßen an Euch Beide
Sabaga

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.05.2013 14:42:09 GMT+02:00
christine meint:
Ein Hallo in die Runde,
interessante Diskussion, die sich hier entwickelt hat. Ich muss gestehen, dass ich "Der Mann, der niemals lebte" derart enttäuschend fand, dass ich die DVD gleich weiterverschenkt habe, eher ungewöhnlich, da ich Russel Crowe und Mark Strong gleichermaßen sehr gerne sehe. Ich fand den Film leider Scott-typisch: wuchtige Schauwerte, die sich um eine leere Mitte drehen, vorhersehbar und lähmend spannungsarm, ein "1492" für das 21. Jahrhundert. Vielleicht "versaut" man sich jeden Genuss eines Films zu diesem Thema, wenn man sich "Syriana" angesehen hat. - Die Vorbehalte gegen "Thelma und Louise" finde ich sehr interessant. Ich bin zwar kein Fan, der sich regelmäßig die DVD einschiebt, aber ich fand auch, dass der Film eher ein "Easy Rider" mit weiblichen Darstellern ist als ein irgendwie gearteter Beitrag zur Feminismus-Diskussion. Am besten hat mir wirklich die verstörende Reaktion mancher männlicher Zuschauer gefallen, anscheinend wurde ein Nerv getroffen. Ich fand eher die erschreckenden Mechanismen der Gewalteskalation spannend. Wenn Ignoranz auf Waffenbesitz trifft, muss sich der Westentaschen-Chauvi warm anziehen. Dass dann Scotts Schlussszene sinnentstellend gekürzt wurde, sagt dann wiederum sehr viel über die "Moral" der von Männern dominierten Studios aus. Letztlich sind "Thelma und Louise" genauso fiction wie "Blade Runner" oder "Alien". Wirklich ernst konnte ich noch nie einen seiner Filme nehmen, "Gladiator" ist bei allem historischen Nonsens wenigstens brillant gemacht.
Grüße, Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.05.2013 15:00:52 GMT+02:00
Sabaga meint:
Danke Christine,
dann bin ich positiv überrascht nicht so alleine, was "Thelma und Luise" betrifft. Aber wir wollen ja keine geschlechterspezifische Front aufmachen, und doch hat es mich immer gekitzelt, dass gerade Männner diesen Film ablehnen. Frauen sind doch auch nicht so empfindlich, oder?
Lieben Gruß an Dich und natürlich auch an die Jungs von Sabaga

Veröffentlicht am 02.05.2013 10:16:49 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Sabaga!
Hallo Christine!

Ui, da kommt jetzt einiges zusammen - den hier ureigentlich besprochenen Film würde ich fairerweise nicht mit "Syriana" vergleichen wollen (auch wenn ich das in der Rezension dahingehend getan habe, daß er zeitweilig ähnlich undurchschaubar ist). "Syriana" ist in meinen Augen ein Meisterwerk moderner Filmkunst, dem es gelingt, etwas erfahrbar zu machen - die Undurchdringlichkeit der Konflikte im Nahen Osten und auch die Ungerechtigkeit und das Ungerechtigkeitsempfinden, das zur Radikalisierung beiträgt ebenso, wie die vollkommen desinteressierten westlichen Profiteure, denen es in ihrer ganz eigene Radikalität um reinen Proft geht. Das alles leistet dieser FIlm von Scott NICHT. Keine Frage. Es ist ein Thriller, der sich in einem geschlossenen System bewegt und darin zum einen - wie Scott m.E. eigentlich immer - erstmal unterhalten will (ich muß auch gestehen, daß ich ihn als herkömmlichen Thriller spannender fand als "Syriana", den ich gar nicht als Thriller im engeren Sinne wahrgenommen habe), zum anderen aber treibt Scott ein perfides Spielchen mit Fragen der Authentizität und der Virtualität. Der von Crowe gespielte Charakter ist ja schlichtweg DER postmoderne Mensch: Multitasker, immer vernetzt, dem "Eigentlichen", also der gerade herrschenden Situation (z.B. die Kinder auf dem Spielplatz bespaßen), immer entäußert. Da ähnelt der Film ein wenig einem Roman von Don DeLillo, wenn dem die Dienste zur Blaupause einer nicht mehr erfassbaren Realität werden ("Underworld"; "Libra - 7 Sekunden" u.ä.).

Das andere, vielleicht interessantere sich hier entwickelnde Thema ist "Thelma und Louise". Wie oft habe ich diese Diskussion jetzt schon geführt!? ;-)

Ersteinmal: Es ist ein gut gemachter, spanndender Film. Sicherlich hat er etwas von einem Roadmovie im Sinne von "Easy Rider". Aber ist es eine tolle Innovation, jetzt eben Damen diese Ritte über den Highway machen zu lassen? Man kann es so sehen. Ich erinnere mich, als der Film damals erschien, war er ein gefundenes Fressen für die Kulturseiten der Zeitungen, er wurde als feministisches Manifest beleuchtet usw. Es gab auch eine Menge Frauen, die ihn mochten (kenne da einige) aber eben auch echte Feministinnen, die ihn vollends ablehnten (kenne ich auch einige).

Wenn man ihn einfach als eine stilistische Fingerürbung zu einem Unterhaltungsgenre sehen will - kein Problem. Dann ist er zwar gut gemacht, aber eben unendlich klischeebeladen. Er erinnert mich schon auch eher an einen Western als an ein Raodmovie, da er eben diesen Outlaw-Faktor so betont. Aber ich denke, daß es Scott, wie so oft, eben doch um mehr ging. Und wenn ich den Film dann lese als Beitrag zu einer Geschlechterdiskussion, also ernsthaft als einen Beitrag dazu lese (und daß er dazu herausfordert, liegt auf der Hand, wie ich finde), dann finde ich den einfach blöde. Weil - was nützt es uns, wenn Frauen einfach Männer kopieren? Diesen Blödsinn, sein Recht mit Gewalt und Stärke durchzusetzen, zu verteidigen, haben Männer doch nun über 9000 Jahre vor- und durchexerziert, wird das jetzt besser, wenn die Frauen auch einfach anfangen rumzuballern? Ich dachte, WENIGER männliches Prinzip bei ALLEN (also auch Männern) und etwas mehr WEIBLICHES Prinzip sei angesagt (zumindest geht es mir so und den meisten Menschen in meiner Umgebung - eigentlich sind wir alle, auch die Männer, von männlichem Gehabe extrem genervt, keiner hat mehr Lust auf doofe Machospürche und doofes Machogehabe usw.)? Diese beiden Frauen in dem Film - man mag ihre Beweggründe ja durchaus nachvollziehen können, v.a. bei Louise (also der Sarandonfigur) - bedienen doch einerseits nur Klischees, andererseits werden sie dann selber zum Klischee, wenn es dann eben doch wieder der jugendliche, coole Cowboy/Mann ist, der Thelma ein sexuelles Erweckunsgerlebnis beschert. Ich will ja gar nicht sagen, daß es sowas in der Realität nicht gibt (oder?), aber in einem Film wird es zu einem, wie ich finde frauenfeindlichen, Klischee: "Die Alte muß nur mal wieder richtig ge***** werden, dann geht das schon..." - also ein echt doofer Machospruch, der hier positiv bebildert und somit positiv konnotiert wird (und jetzt bitte nicht Pitts Diebstahl dagegenstellen, Geena Davis spielt Thelma am "nächsten Morgen" als "erwachende, sich neu erfindende Frau").

Hinzu kommt - aber das führt vielleicht zu weit, ähnlich wie in unserer "The Searchers"-Diskussion müsste man an dieser Stelle Exegese betreiben und einzelne Bidler untersuchen, also den Film vorliegen haben - diese hochmanipulative Machart, Denn die Bilder sind ja extrem reaktiponär in ihrer Machart - also Totalität, Ausschließlichkeit der Kadrierung etc - damit reiht der Film sich eher unter die Werbefilme ein, als unter ei zeitkritisches Dokument.

Ein Film wie "Baise moi", der viel, viel radikaler ist sowohl in seiner Machart (nur Pornodarstellerinnen und -darsteller, eine Frau als Regisseurin, die aus eben dieser Branche kommt, die dreckigen Bilder einer Handkamera, die ganz nah ran geht, so nah, daß es eben wirklich weh tut, wenn man(n) sehen muß, wie sich eine Vagina dehnt und reißt, wenn in sie unvorbereitet eingedrungen wird, usw.) als auch in seiner Aussage (indem nämlich der sexuelle Aspekt der Geschlechterauseinandersetzung nicht derart doppelbödig verhuscht behandelt wird, wie im Scottfilm, wo es zwar eine drohende Vergewaltigung ist, die alles auslöst, zugleich aber eben auch ein sexueller Akt durch einen MANN, der erst die inneren Fesseln der zuvor fast Vergewaltigten lösen kann; "Baise moi" stellt den sexuellen Aspekt genau da hin, wo er hingehört: ins Zentrum der ganzen Diskussion, und da ist er ausgestellt in diesem Film, grell und schmerzhaft und definitiv nicht durch einen Akt der Katharsis zurecht rückbar), wird natürlich von allen und jedem abgelehnt. Und genau diese Diskrepanz zwischen einem bei aller Härte eben in seiner Marlboromachart nett konsumierbaren Filmchen ("Thelma und Louise") und einem echt knallharten Film, der die Fage ernst nimmt, was Männer mit Frauen machen und weshalb ("Baise moi"), verdeutlicht mir, wo die Sollbruchstelle dessen verläuft, was eben gesellschaftlich im Mainstream verhandelbar ist. Aber eben auch, daß das REaktionäre immer eher angenommen wird, als das Radikale.

Ich will mich wirklich nicht in die Wolle bekommen mit euch, meine Lieben ;-), aber dieser Film mag für Frauen ja ein netter Samstagabendvertreib sein, für jeden Mann, der die Sache mit dem Feminismus ernst genommen hat (und das musste zumindest ich aufgrund persönlicher/familiärer Vorbedingungen definitiv), sich wirklich mit Rollen- und Geschlechtsbildern beschäftigt hat etc. (siehe: Julia Kristeva, Judith Butler, Luce Irigaray), ist der Film ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht liegt es daran, daß es oft bestimmte Männer sind, die den Film eher nicht mögen. Ich kenne eine Menge Männer (die alle eher vom Schlage "Hey, Baby! Komm mal lecker bei misch bei" sind), die den Film klasse finden, ohne Wenn und Aber. Ist also allerdings eine interessante Frage, WER den Film nun eigentlich nicht mag ;-)

Euch allen einen schönen Tag!
Liebe Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.05.2013 22:18:06 GMT+02:00
Sabaga meint:
„Thelma & Luise“ hatte ich ganz unbedarft gesehen, in Unkenntnis, dass er zum feministischen Manifest hochstilisiert wurde. Oft tut es einem Werk nicht gut, wenn so viel Gewese gemacht wird, man ärgert sich vielleicht mehr über den Hype und überträgt die negativen Emotionen auf den Ursprung. Wie auch immer, ich finde nicht, dass dieser Film unbedingt zu einer Geschlechterdiskussion herausfordert. Die Rollen waren mal etwas anders verteilt, na und? Gerade darum wunderte ich mich immer, wenn ich feststellte, dass sich Männer ablehnend verhielten. Sie empfanden und sahen wohl etwas, und zwar sie Degradierendes und Abwertendes, darum wohl die Ablehnung. Es schien ein Nerv getroffen, wie Christine so treffend feststellte.

Ist Dir aufgefallen, dass Du dadurch, den Film als netten Samstagsabendvertreib für Frauen durchgehen zu lassen, ihn jedoch für jeden Mann, der sich ernsthaft mit Feminismus beschäftigt habe, als einen Schlag ins Gesicht bezeichnest , einerseits den Feminismus für den Männern zugehörig hältst und andererseits den Frauen die samstags- sofasitzende, unverstanden-filmschauende, zum richtigen Verstehen, Durchschauen und Reflektieren nicht in der Lage seiende Dummerchen Rolle zuweist?

Natürlich hast Du Recht und ich erkenne diese Einsicht sehr an, männliche Gewaltorgien die sich über die Jahrhunderten ziehen, abzulehnen. Aber warum fällt Dir das gerade bei „Thelma & Luise“ ein? Würde man Deine Rezensionen, die ich sehr schätze, nach verschiedenster Gewalt durchsieben, würden wohl einige Teufelchen im Sieb herumtoben, die kaum zu beherrschen sind. An diesen Stellen hast Du Dich nicht gegen sie gewandt, sondern als Bestandteil des Films, des Buches, nicht nur hingenommen, sondern auch gelten lassen. Ausgerechnet bei Thelma + Luise soll die Gewaltfreiheit anfangen. Das lässt Deinen berechtigten Wunsch nach weniger Gewalt in der Welt nicht so recht überzeugend wirken. Was die „sexuelle Erweckung“ der Rolle von Gena Davis im Film angeht, warum geht da nur Deine Erklärung „ … die Alte mal richtig durchge+++++ und schon geht es wieder …“? Gibt es nicht auch den Gedankengang „ … schön, dass diese Frau, auch schon auf die Vierzig zugehend, mal Spaß am Sex hatte und vielleicht in Zukunft besser weiß, wie sie den Akt für auch sie befriedigend lenken kann …“ ? Fakt ist, das viele Frauen nie einen Orgasmus haben, und ihr Leben lang schauspielern. In diesem Film gab es eine andere Lösung, schön, wie ich fand. Es ist wohl eine Sache des Standpunktes ob hier ein „…echt doofer Machospruch positiv bebildert und somit positiv konnotiert wird …“ oder eben doch was Anderes. Wenn ich böse wäre, müsste ich fragen, ob Du selbst so gedacht hast, obwohl Du diese Art verstandesgemäß sicher ablehnst.

Und natürlich hast Du Recht, "Baise moi", fängt da an, wo “Thelma und …“ aufhört. Ohne Zweifel ehrlich, ob ehrlicher als der sanftere, „züchtigere“ Th.+ Lui. Film, weiß ich nicht. Jedenfalls ist er rigoroser, kompromissloser, aber auch viel gewalttätiger, von Dir unbeanstandet. Hier versteckst Du die Gewalt in Worten wie knallhart, grell, schmerzhaft, radikal. Dieser Film lässt keine Annäherung zu und ist bezüglich des Mann-Frau – Verhältnisses destruktiv. Ich lehne diesen Film keineswegs ab. Jedoch das regelrechte und regelmäßig in die tödliche Falle locken von Männern, als Strafe und Rache am Geschlecht Mann, fand ich wiegesagt nicht deeskalierend in einer Geschlechterdiskussion, um das Wort Geschlechterkampf zu meiden. Dass dieser radikale Film die Frage ernst nimmt, was Männer mit Frauen machen ist unbenommen, aber auch WESHALB, wie Du sagst, ist mir nicht mehr gegenwärtig. Es war zu erwarten, dass ein solcher Film nicht so angenommen wird wie Thelma & Luise, so sind nun mal die Verhältnisse, die Menschen, leider oft, aber das macht „Thel. + Lui.“ in meinen Augen nicht zum Gegenstück, zum plüschigen Kuschelfilm. Im Grunde ist es mir egal, wie Andere diesen Scott- Film finden, meinetwegen auch als Machwerk, verspüre keinerlei Missionierungsdrang. Was mich interessiert, ist der Aspekt der Ablehnung durch Männer und dies, nahm ich an, läge nicht so am Film selbst, sondern irgendwie zugedeckt unter der sichtbaren Oberfläche, wird nun aber dem Film angelastet da durch ihn aufgeschreckt. Das auch Frauen den Film ablehnen, war mir neu und ist sehr interessant. Dank Gavin, dass Du dich eingelassen hast, obwohl Du, wie Du sagtest, diese Diskussion schon so oft geführt hast. Aber nicht hier auf Amazon?, jedenfalls habe ich keinen Beitrag direkt bei diesem Film von Dir gefunden.

Es grüßt Dich herzlich
Sababa

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.05.2013 09:51:17 GMT+02:00
Gavin Armour meint:
Hallo Sabaga,

nein, hier habe ich die Diskussion zum Film noch nicht geführt; aber im privaten UNfeld schon häufig.

Was soll ich sagen? Einige Anwürfe wiegen schwer. Also, wenn ich wirklich die Frauen herabgewürdigt haben sollte zu Dummerchen, die den Film nicht analysieren können, dann tut mir das leid. Aber dann würde ich die Diskussion an dieser Stelle auch ganz gern beenden, denn dann gibt es schlichtweg nichts mehr, was ich sagen kann, ohne nicht eh wie der doofe Macho dazustehen. Und dazu habe ich - naturgemäß - wenig Lust ;-) Es ist ja grundsätzlich immmer eine Frage, wie man über Filme bereit ist zu reden. Und ich denke, wenn man meine Rezensionen liest, sieht man schon, daß ich auch bei Filmen, die mir gefallen, durchaus in der Lage bin, Kritisches zu sehen und zu benennen. Wenn ich über "Thelma und Louise" einfach als Samstagabendunterhaltung reden würde, dann würde ich sagen: Netter Roadmoviewestern, aber alles schon 1000 Mal so oder ähnlich da gewesen, also nichts besonderes und gut is. Nächster bitte...

Aber es ist ja eben nicht diese Diskussion, die heir aufkam. Es war ja die Frage, warum scheinbar gerade Männer den Film ablehnen? Dann muß ich aber doch auch als Mann so argumentieren dürfen, wie es sich mr erschließt. Ich will niemadnem seinen Lieblingsfilm kaputt machen. Aber als reiner, netter Unterhaltungsfilm gehörte er eben auch nicht zu meinen Favoriten.

Das Argument, der Film spiele eben mit Rollenklischees und drehe die mal um, wolle aber ansonsten eben nur unterhalten, ist ok, aber dann muß man das auch bei "Rocky IV" oder "Rambo II" gelten lassen. Und gleiches gilt für das Gewaltargument. Ich habe nicht gesagt, daß ich Gewalt als Stilmittel in Filmen ablehne, sondern die Kontexte zu bedenken geben will. Man kann natürlich jeden gewalttätigen Film ablehnen, aber das will und werde ich nicht. Ich habe auch nicht so sehr auf die Gewalt im Film abgehoben, sondern bin diesem Argument nachgegangen innerhalb der Feminismus-Frage. Eben: Einen Film wie "Baise moui" lehne ich - auch in seiner radikalen Gewaltdarstellung - nicht ab, sie kommt jedoch komplett anders daher.

Aber da gehen jetzt mindestens mal 3 Diskussionsebenen durcheinander. Ich will auch keinen Streit hier entfachen. Will man den Film eben als gehobenes Unterhaltungskino betrachten, bleibt er aber aufgrund seiner Machart - nicht des Inhalts der Darstellung, sondern der Darstellung selbst, also der Kadrierung der Bilder, der Hochglanzästhetik und der Szenenaufteilung in meinen Augen reaktionär. Aber da ich mich durchaus mit allerhand Reaktionärem z.B. bei Western anfreunden kann oder auch "Dirty Harry" durchaus goutiere, kann ich das auch bei diesem Film. Nur werde ich nicht davon ablassen, ihn reaktionär zu nennen ;-) Gefallen kann er ja trotzdem...

Ich muß aber dennoch sagen, daß ich mir nicht irgendwelche unterschwelligen Motive unterstellen lassen möchte - ich lehne den Film aus sich heraus ab, wenn überhaupt, nicht als Mann o.ä. Und wie gesagt - ich kenne eine Menge Frauen, die den Film absolut ablehnen, die würden natürlich aber auch "Dirty Harry" klar ablehnen, das ist keine Frage. Sozusagen, politisch-ideologisch eindeutiger ;-)

Aber ich hatte es schon mal in einem vorherigen Post gesagt: Man müsste an einem gewisssen Punkt sich hinsetzen und einzelne Szenen analysieren, um wirklich verständlich zu machen, worum es einem (mir) geht!

Allen einen schönen Dienstag!
Grüße,
Gavin
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