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Lesenswert,
19. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Onno Viets und der Irre vom Kiez (Gebundene Ausgabe)
Das erste Kapitel hat mich (als Frank Schulz-Neuling) im Sturm erobert. Nutzen Sie den "Blick ins Buch" für einen Eindruck von Schulz' anspielungsreicher und detailverliebter Erzählweise. Danach flacht das Tempo etwas ab und der Leser taucht ein in die Rituale und Stammtischgespräche von Onnos Tischtennisverein, Onnos scheinbar absurden Berufswunsch und seine ersten unbeholfenen Gehversuche als private eye am Hamburger Kiez.
Besonders erwähnenswert finde ich, dass Schulz nicht stumpf auf die vermeintlich debilen Fernsehstars einprügelt. Es wäre ja zu leicht gewesen, Castingshowteilnehmer und Poptitanen eindimensional als Hohlköpfe abzuqualifizieren und selbstgerecht den Untergang des Abendlandes in Gestalt des Privatfernsehens herbeizuzetern. Die Castingshow-Protagonisten sind aber trotz ihrer tragenden Rollen im Unterschichtenfernsehen mehr als Pointenfutter (ok, der Poptitan kommt nicht so gut weg). Onno und Edda wissen, dass Nick Dolans Show Trash ist, lieben Fiona Popo aber trotzdem.
Das Kolorit vom Hamburger Kiez, von der Vereinsmeierei und sogar aus der schwer verträglichen Welt der Youtube-Kommentatoren fand ich durchweg originell und glaubwürdig.
Obwohl mich der blutige Schluss dramaturgisch nicht hundertprozentig überzeugt hat, 5 Sterne für die Sprache, die Figuren und den insgesamt durchweg hohen Unterhaltungswert.
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