Kundenrezension

36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gebt mir das Fieber zurück!, 24. April 2011
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Tom Clancy's Splinter Cell: Conviction (uncut) (Videospiel)
Zugegeben, Splinter Cell Conviction (SCC) ist schon einige Zeit draußen, dennoch möchte ich es rezensieren. Die hier überwiegend positiven Rezensionen kann ich nur sehr bedingt teilen.

Es wäre sicher einfach, wenn man hier nur ein neues Spiel beurteilen müsste. Man könnte über einen einen streckenweise interessanten Stealth-Action-Shooter, oder wie auch immer man diese Mischung nennen möchte, berichten. Ein Spiel mit einer etwas wirren Story, das neben einigen ansprechenden Moves so seine Momente hat und viel zu kurz geraten ist. Objektiv bewertet dürfte es nach meiner Meinung maximal vier, eher dreieinhalb Sterne bekommen. Wenn es ein neues Spiel wäre...

...aber so einfach ist es nicht. SCC ist der fünfte Teil einer der besten Videospielreihen und der besten Stealthspielreihe, die es je gab. Und als solches sollte es auch bewertet werden!

Ich bin SC-Fan der ersten Stunde und habe alle Teile vor Conviction mindestens je vier Mal durchgespielt. Immer auf den höchstmöglichen Schwierigkeitsstufen in voller Stealthmanier. Das heißt durchgespielt ohne einen einzigen Feindkontakt, mit wenigen Ausnahmen, in denen das Spiel zum offenen Kampf zwingt, wie zum Beispiel in der Bibliothek des Präsidentenpalastes im ersten Teil.

Man kann bei SCC die technischen Fortschritte betreff Grafik, Physik, Ragdolleffekte und dergleichen hervorheben, muss es aber nicht. Denn im Grunde sollte dies bei einer Reihe dieser Klasse selbstverständlich sein.

Womit ich dann auch beim Positiven bin.

Gut finde ich, dass die künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr so leicht kalkulierbar ist. Die Laufwege müssen teilweise recht lang beobachtet werden, um Wiederholungen zu erkennen. Wenn man dann meint, man hat's und kann sich nun langsam voranschleichen, könnte es dennoch sein, dass ein Gegner sich unvermittelt umdreht und zurückläuft, wo er vorher mehrmals verharrte. Besonders Aktionen, die den Gegnern nicht verborgen bleiben: ein nicht ganz so lautloser Sprung wie man eigentlich wollte, oder das Ausschalten oder gar Ausschießen von Licht versetzen manchmal die Bösen so in Aufruhr, dass alle vorher zurechtgelegten Strategien zum Teufel sein könnten. Wird man sogar gesehen, diesen Luxus sollte man sich nur äußerst selten erlauben, wird diese Position markiert und von den Gegnern meist heftigst unter Feuer genommen. Sich dort noch herauszuwinden kann recht knifflig werden. Also: KI der Gegner: sehr gut!

Die neue Markieren-und-Ausschalten-Funktion: naja, nicht schlecht gemacht, wird aber auch schnell langweilig. Ich habe sie nur dort angewendet, wo Feuergefechte unausweichlich sind, oder in den Nebenmissionen, um die entsprechenden PEC (Prepare and Execute Challenges) aufzuleveln. PEC ist ein Punktesammelsystem, mit dem man die aktive und passive Ausrüstung verbessern kann.

Viel mehr Gutes kann ich leider nicht berichten.

[Vorsicht Spoiler, der nächste Absatz enthält Inhalte zur Story]

Die Story ist ziemlich wirr und an den Haaren herbei gezogen. Erstmal geht sie davon aus, dass man in DA (Double Agent, der vierte SC-Teil) Lambert getötet hat. Tatsächlich hatte man die Wahl, Lambert zu töten oder nicht. Aber egal, nun ist Sam offenbar mal sein Killer, meinetwegen. Was Sarahs (Sams Tochter) plötzliche Auferstehung betrifft, könnte ich mir vorstellen, dass die Macher sie eines Tages zur Protagonisten der SC-Spiele küren wollen. Warten wir mal ab.

Was mir aber wirklich fehlt, ist das typische Splinter Cell Feeling. Wo ist der Dietrich? Keine Schlösser müssen mehr geknackt werden, alle spielrelevanten Türen sind offen. Nur ein Mal muss man sich beim Gegner eine Keycard für einen Lift "ausleihen". Und wo sind die guten alten Zahlenschlösser? Retinascanner? Früher musste ich mir Gedanken machen, ob ich versuche einen Wachmann lebend zum Retinascanner zu bekommen oder ihm per Verhör die passende Kombination aus dem Kreuz zu leiern, oder ob ich die Festplatte eines passwortgeschützten Computers nach dem Code durchsuche, oder ob ich versuche, immer unter der Gefahr Alarm auszulösen, das Zahlen- oder Retinaschloss zu hacken. Oder gibt es vielleicht doch einen anderen Weg? Kann ich vielleicht durch einen Aufzugschacht klettern? Wo sind überhaupt die unzähligen Geheimgänge, Kriech- und Lüftungsschächte? Es ist zu einfach, Leute!

Und warum kann ich keine Leichen mehr verstecken? Nach einem Kill kann man einen Körper nicht mehr bewegen. Man muss den Gegner zunächst in eine dunkle Ecke zerren und dort schlafenlegen, wenn man nicht Gefahr laufen will, dass der Körper entdeckt wird. Dies ist aber nicht möglich, wenn man den Kill aus der Distanz ausführen will/muss. Beispielsweise per Schuss oder durch Fallenlassen aus erhöhter Position.

Und schließlich: das Splinter Cell Gimmick schlechthin, das Nachtsichtgerät, gibt es nicht mehr. Es wurde durch ein Sonargerät ersetzt, das der alten EMP-Sicht ähnelt. Einen Balken für ausreichenden Schatten gibt es auch nicht mehr, stattdessen wird jetzt der ganze Bildschirm schwarzweiß. Gefällt mir nicht, denn in Stealthgames hält man sich nunmal vorwiegend im Schatten auf, und so spielt man SCC über weite Strecken eben nur in schwarzweiß.

Insgesamt gibt es aber einfach zu wenig Stealth. Zu oft zwingt mir das Spiel offene Gefechte auf. Der Irak-Level ist für mich der Tiefpunkt der ganzen Splinter Cell Reihe.

Abschließend noch zur Spieldauer. Ich hab mich immer gefragt, wie man sich über zu kurze Spielzeit aufregen kann, wenn man in Counter-Strike-Manier durch ein Stealthgame rennt! Aber SCC ist wirklich zu kurz, das kürzeste Spiel, das ich je gespielt habe. Selbst wenn man so stealthy wie möglich spielt, ist es nach einigen Stunden erledigt. Einige Level, insbesondere die, die man mit offenem Visier spielen muss, sind in wenigen Minuten durch.

Und die sogenannten Nebenmissionen sind einfach nur einige typische Multiplayer-Maps, die man auch solo gegen KI durchspielen kann. Die zwei Ziele pro Map sind immer gleich platt: Laufe durch die Map und kille alle Gegner, bzw. verteidige ein EMP-Gerät gegen alle Angreifer. In diesen Nebenmissionen kann man zwar die oben genannten PEC-Punkte sammeln, aber sie haben mit der Mainstory nicht im Geringsten zu tun. Mit dem ganzen Potential das hier verheizt wurde, hätte man ein Splinter Cell 5 entwickeln können, das den Namen auch verdient hätte.

Es gibt von mir drei Sterne von denen einer sehr wohlwollend ist. Wenn man so will, der Bonusstern eines Fans, der sich wünscht, dass der Ausrutscher Conviction einmalig bleibt.

Liebe Splinter Cell Macher: bitte gebt mir das Fieber zurück! Ich will wieder nächtelang mit Kopfhörern spielen und Gänsehaut bekommen, wenn ich Nachts in einem schwer gesicherten Bürogebäude beim Hacken eines Computers plötzlich hinter mir ein Geräusch vernehme. Ich will wieder schleichen und nicht rennen, wieder Codes und Schlösser knacken, wieder Sicherheitssysteme umgehen oder außer Funktion setzen, wieder mehr Auswahlmöglichkeiten haben. Und ich will meine überwältigten Gegner nicht im Flutlicht liegenlassen müssen. Macht die Unsichtbarkeit Sams, oder meinetwegen auch Sarahs, wieder zur obersten Priorität von Splinter Cell und gebt mir einen Solo(!)-Spielumfang in der Mainstory, der den Kaufpreis wert ist.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.05.2011 21:51:45 GMT+02:00
Yuta meint:
Sehr gut beschrieben, sehe ich genauso....leider.

Veröffentlicht am 14.06.2011 21:51:16 GMT+02:00
Dr.Herz&Hirn meint:
genau meine meinung , kann nur hinzufügen daß ich noch die wahl zwischen personen töten oder betäuben vermisse. man hat eben viel zu oft keine wahl mehr in diesem spiel. habs auch verkauft, als einziges splinter cell der gesamten reihe. da warte ich eher noch auf ein neues hitman (und auch uncharted macht mittlerweile viel mehr richtig als splinter cell falsch :-)

Veröffentlicht am 18.08.2011 14:42:50 GMT+02:00
Kann die Meinung hier auch teilweise bestätigen, allen voran die Kritik, dass ich nur durch die Level laufen muss und alle Gegner mehr oder weniger leise umzulegen brauche um an mein Ziel zu gelangen.. es ist zu oft der selbe Job und wird auf die Dauer einfach langweilig...

Ich muss dazu sagen, dass dies mein erstes Spiel ist, was ich überhaupt gespielt habe. Ich bin sozusagen Spielkonsolen-Neuling! Da ich keine Vergleichswerte habe, kann ich mich zu der Kritik was die Spannung angeht nicht äussern, für mich war es aber vom ersten Eindruck her schon so, dass es einen guten Spannungsbogen hat.

Grafik, Sound passt auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.08.2011 15:19:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.08.2011 15:35:03 GMT+02:00
Paul Pseudo meint:
Willkommen in der Welt der Videospiele! :)

Auch für mich war Splinter Cell, allerdings der 1. Teil, eines der ersten Konsolenspiele nach meiner PC-Spiel Aera. Es lag damals der Xbox 1 im Bundle bei. Wie ich schon sagte, würde man Conviction wohl etwas besser bewerten, wenn es nicht den Vergleich mit den Vorgängern scheuen müsste. Die Vorgänger waren - wie kann man es am besten ausdrücken? - raffinierter, ausgeklügelter, feiner. Ich denke man versteht was ich meine. Es gab beispielsweise Stolperdrähte, Tretminen, zu hackende PCs oder Codeschlösser, Bombenentschärfungen oder auch die Umprogrammierung automatischer Waffen mit Freund-Feind-Erkennung, vieles davon häufig auch unter Zeitdruck. Mit Ausnahme des Geruchsinnes waren sämtliche Sinne erforderlich, Algorithmen mussten erkannt oder analoge Wellenlinien angepasst werden. Beim Überprüfen von Drähten zu entschärfender Bomben war die Stärke der Controllervibration wichtig, oder bei Haftminen oder Stolperdrähten der Rhythmus eines Pieptons, und und und...

Auch konnte man viel mehr mit scheinbar zufällig vorhandenem Kram interagieren um Gegner abzulenken, wie beispielsweise einfach nur das Werfen leerer Dosen oder Flaschen. Oder das Ausschalten eines Ventilators, wodurch die Wäsche auf einer Leine nicht mehr hochgeblasen wurde und man sich dahinter verstecken konnte. Das Einschalten einer Sprengwasseranlage, was zwei Wachleute in eine Pfütze lockte, wo man sie per Teaser unschädlich machen, oder an ihnen vorbeikommen konnte. Das sind die vielen detailverliebten Kleinigkeiten, die ein gutes Spiel groß machen! Oder besser: groß gemacht haben! Das große Manko bei Videospielen in den letzten Jahren ist mit drei Worten erklärt: Masse frisst Klasse.

Nun ja, ich kann die älteren SC-Teile nur wärmstens empfehlen. Eigentlich sollten die Xbox 1 Titel mittlerweile alle mit der Xbox 360 kompatibel sein.

Veröffentlicht am 06.10.2011 13:00:05 GMT+02:00
Endlich mal jemand der fast alle negativ punkte zusammengefasst hat. Ich habe auch jeden Teil der Serie mehrfach durch auf höchster Schwierigkeit und extrem leise. Aber bei dem Teil bin ich froh, dass ich es nicht gekauft habe sondern es bei jemandem durchspielen konnte. Die anderen Teile habe ich fast alle auf mehr als nur einem System im original da es teilweise geringe unterschiede gab. Ich kann nur hoffen, dass die Serie wieder zu ihren Wurzeln zurück findet oder eine andere Serie das Feld betritt und einen würdigen nachfolger hervorbringt. Wenn ich einen doofen Shooter spielen möchte, kaufe ich mir nicht Splinter Cell.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2011 14:43:41 GMT+02:00
J. Tage meint:
Die KI ist eher noch dümmer geworden. Stehe(!) 2 meter von denen entfernt und die bemerken Sam nicht, obwohl da ein verräterischer Schatten AUF die SpecOps einheit fällt, die Zivilisten am Memorial und auf dem Jahrmarkt reagieren nicht, wenn da ein Mann um die Zelte schleicht, vor ihren Augen. Selbst das alte Gothic und Morrowind hatten sowas, das man angesprochen wurde, was man hier rumschleicht.

Veröffentlicht am 05.08.2012 19:05:52 GMT+02:00
David meint:
Es ist einfach nur schade, Ubisoft.
Schade so eine legenäre und geniale Spielreihe kaputt zu machen. Schade, dass sich so viele Leute das noch kaufen.
Und nachdem ich jetzt das Gameplay zu SC: Blacklist gesehen habe.. Weil 5% der Fans mehr Shooter haben wollen, lasst sie sich doch CoD oder sonstigen Quatsch kaufen !
Aber dann soll es anscheinend nicht so sein. Meine Vorgänger haben das ja auch sehr gut erklärt.

Veröffentlicht am 09.11.2012 19:54:31 GMT+01:00
F.Schmidt meint:
Vielen Dank für die Rezension die mich davon überzeugt, dass Spiel nicht zu kaufen. Auch ich bevorzuge den von Ihnen im letzten Absatz beschriebene Gänsehautfaktor. In Bezug auf eine Fortsetzung der Reihe in der Tradition der ersten drei Teile mache ich mir keine großen Hoffnungen.

Veröffentlicht am 25.03.2013 08:53:42 GMT+01:00
simondude meint:
Habe mir das Spiel selbst jetzt erst gekauft. Bin ebenfalls Fan der ersten Stunde. Wollte gerade eine eigene Rezensionn verfassen aber sie bringen hier alles Relevante eindeutig auf den Punkt. Für den momentanen Preis finde ich das Spiel in Ordnung, hätte ich es mir neu gekauft würde ich mich sehr ärgern.
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