Kundenrezension

27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Realistische Ökonomie und Soziologie, 13. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wirtschaft wirklich verstehen: Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch bietet eine Einführung in die so genannte "Österreichische Schule" der Volkswirtschaftslehre (ÖS).

Die ÖS heißt so, weil ihre wichtigsten Vertreter ursprünglich aus Österreich stammten, u. a. ihr Gründer Carl Menger. Im 19. Jahrhundert wunderte man sich, woher die auf dem Markt gehandelten Waren ihren Wert erhalten: Aus den Produktionskosten? Durch die darin enthaltene Arbeit? Und warum ist lebensnotwendiges Wasser so viel billiger als im Grunde nutzlose Diamanten?

Menger erkannte, dass alle Bewertungen subjektiv sind (Meier mag vielleicht Äpfel, aber Müller lieber Birnen). Außerdem kommt es auf den Grenznutzen (z. B. eines zusätzlichen Apfels) an. Dann sieht man, dass ein zusätzlicher Diamant wertvoll ist, aber ein weiterer Schluck Wasser nicht (denn es gibt in der Regel sehr viel Wasser).

Da Nutzen subjektiv sind, kann man sie weder messen noch vergleichen. Das bedeutet aber auch, dass man Nutzen nicht gegeneinander aufrechnen oder geplant verbessern kann. Allein schon aus diesem Grund muss eine sozialistische Planwirtschaft scheitern. Darüber hinaus muss der Sozialismus aus Sicht der ÖS ineffizient sein, weil dort keine wirtschaftliche Kalkulation möglich ist. Diese setzt nämlich Märkte, Unternehmer und damit Privateigentum voraus.

Diese grundsätzlichen Erkenntnisse werden danach auf alle wichtigen Themen der Volkswirtschaftslehre bezogen:

- Preiskontrollen widersprechen den subjektiven Wünschen der Verbraucher, sodass sie erfolglos bzw. kontraproduktiv sind: Mindestlöhne erzeugen Arbeitslosigkeit; Kündigungsschutz erzeugt Arbeitslosigkeit; Mietobergrenzen verringern das Angebot an Wohnraum; Drogenverbote erzeugen Kriminalität.
- Staatliche Geldpolitik erzeugt erst die Konjunkturzyklen, die sie angeblich bekämpfen soll: Sie manipuliert die Zinsen und führt damit zu einer nicht nachhaltigen Produktionsstruktur.
- Konjunkturprogramme sind kontraproduktiv, weil sie die notwendige Anpassung der Produktionsstruktur verhindern.
- Wettbewerb bedeutet, dass es Rivalität gibt. Monopole können deshalb nur mit staatlicher Unterstützung überleben; der Markt würde sie sonst zerstören.
- Entwicklung benötigt keine Entwicklungshilfe, sondern Marktwirtschaft mit einem gesicherten Recht auf Privateigentum. Andernfalls ist Wirtschaftswachstum unmöglich, weil Investitionen zu unsicher sind.

Die ÖS denkt immer an mündige Verbraucher, verantwortungsvolle Unternehmer und macht-besessene Politiker. Das bedeutet, dass sie die Welt realistischer sieht als andere Richtungen der Volkswirtschaftslehre. Deshalb gibt sie auch keine präzisen Vorhersagen ab, sondern weist auf Trends hin. So gibt es in der Politik den Trend, gescheiterte Interventionen mit weiteren Interventionen zu reparieren. Das muss zwangsläufig in Richtung Sozialismus führen.

Wirtschaften braucht eine ethische Grundlage. Die ÖS tritt deshalb für mehr Eigenverantwortung ein und kämpft u. a. gegen Programme, die Schuldnern eine schnelle Privatinsolvenz zu Lasten der Gläubiger erlauben. Die Menschen sollten beachten, dass Geld nur Mittel zum Zweck ist. Dann ist auch Spekulation nützlich, weil sie Ungleichgewichte auf dem Markt schnell beseitigt. Leider gibt es in Demokratien einen eingebauten Trend zur Kurzfristigkeit, der sich dann auch auf die Wirtschaft überträgt. Wie Prof. Hülsmann gezeigt hat, kommt es zu schwer wiegenden Folgen, wenn die Menschen Mittel und Zwecke verwechseln.

Wie man sieht, ist die ÖS sehr staatskritisch. Sie weiß aber auch, dass die Gesellschaft so ist, wie die sie konstituierenden Menschen handeln. Es hilft deshalb nicht, den Staat zu verteufeln; man muss statt dessen eine "Ent-Täuschung" durchführen und den Menschen zeigen, wie die Realität funktioniert. Dann werden diese vielleicht Aktionen starten, anders einkaufen oder ihr Wahlverhalten ändern.

Der Staat kann die Gesellschaft nicht planen bzw. steuern. Alle diesbezüglichen Experimente schlugen fehl. Die Versuchungen der Macht kann man am besten dadurch begrenzen, dass man die Größe des Staates (geografisch und fiskalisch) verringert. Deshalb tendieren kleinere Länder (Liechtenstein, Schweiz) dazu, freier zu sein als große. Manche Vertreter der ÖS fordern eine Rückkehr zum Minimalstaat des 19. Jahrhunderts bzw. streben Anarchokapitalismus an. Es ist deshalb kein Wunder, dass es eine enge Beziehung zwischen Libertären und der ÖS gibt.

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es folgt der Tradition der ÖS, möglichst auf Zeichnungen und Formeln zu verzichten. Mathematische Formeln müssen eindeutig sein und können deshalb die Subjektivität der Menschen nicht darstellen. Die Darstellung im Buch beruht vor allem auf der wichtigen Erkenntnis der ÖS, dass es den so genannten perfekten Wettbewerb (alle bieten das Gleiche zu einem einheitlichen Preis an) nicht gibt. Der Markt ist statt dessen ein Entdeckungsverfahren: Unternehmer entdecken Ungleichgewichte und handeln, wobei sie entweder erfolgreich sind (Gewinn) oder nicht (Verlust). Durch ihr Handeln entstehen neue Fakten, sodass der Prozess in eine neue Phase eintritt. Es gib somit eine Tendenz zum Gleichgewicht, aber es kann nie erreicht werden.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für Volkswirtschaftslehre interessiert. Studenten können damit erkennen, warum die Modelle aus dem Studium die Finanzkrise nicht prognostizierten und warum die keynesianische Wirtschaftspolitik ökonomisches Voodoo ist.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.07.2011 15:06:16 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 20.07.2011 15:08:05 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 20.07.2011 15:06:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.07.2011 15:07:50 GMT+02:00
Rosenkatze meint:
Warum nur 4 Sterne?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.07.2011 06:48:25 GMT+02:00
Frank Reibold meint:
Die Vergabe von Sternen ist immer subjektiv. Ich hatte einfach den Eindruck, dass man die Themen noch besser darstellen könnte. Offensichtliche Fehler habe ich in dem Buch nicht gefunden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.08.2011 03:59:57 GMT+02:00
M. Dietz meint:
Wenn man Perfektion als Maßstab nimmt kann man wohl nie 5 Sterne vergeben.Jedoch hat mich dieses Buch in so vielen Punkten weiter gebracht, dass ich jederzeit 5 Sterne vergeben würde. Gerade nach deiner Beurteilung (der ich 100% zustimme) finde ich 4 Sterne auch zu wenig ;)

Veröffentlicht am 10.06.2012 10:13:38 GMT+02:00
K. Meucht meint:
Es gibt in der Ökonomie kein wahr oder falsch, sondern nur Modelle die unter bestimmten Vorraussetzungen mehr oder weniger gut die Realität beschreiben.
Die ÖS hat ihre Berechtigung - Keynes aber auch.

Sie schreiben: "Die ÖS denkt immer an mündige Verbraucher, verantwortungsvolle Unternehmer und macht-besessene Politiker."

Das scheint mir doch zu sehr vereinfachend zu sein. Es gibt verantwortungsvolle Politiker genauso wie es verantwortungsvolle Unternehmer gibt. Es gibt macht-besessene Politiker genauso wie es Unternehmer gibt die sich gegenüber der Gesellschaft unverantwortlich zeigen. Der mündige Verbraucher scheint mir auch ein Klischee zu sein, weil dijenigen mit wenig Geld wenig Spielraum für Konsumentscheidungen haben (sie müssen das billigste kaufen oder verzichten) und den anderen die Transparenz fehlt. Man sieht einem Produkt den Herstellungsprozess nicht an. Bis jetzt waren bei allen Eiern die ich gekauft habe, die produzierenden Hühner glücklich (Zumindest laut Zeichnung auf der Verpackung).

Wenn die ÖS wirklich mit dem Klischee - Politiker sind macht besessen - arbeitet, dann frage ich mich ob die ÖS an den mündigen Wähler glaubt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.06.2012 08:16:21 GMT+02:00
Frank Reibold meint:
Der Satz "Die ÖS denkt immer an mündige Verbraucher, verantwortungsvolle Unternehmer und macht-besessene Politiker." bedeutet, dass dies _auch_ in die Analyse einfließt. Bei den keynesianischen Modellen ist der Staat ja immer weise und sowohl Unternehmer als auch Konsumenten sind doof. Man muss eben die richtige Balance finden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.06.2012 10:31:14 GMT+02:00
K. Meucht meint:
Dass bei Keynes der Konsumenten und Unternehmer immer doof sind, halte ich für ein Vorurteil.

Das Vorurteil ist vielleicht darin begründet dass man immer nur eine Hälfte von der antizyklischen Wirtschaftspolitik wahrnimmt. Die andere Hälfte ist dass der Staat in guten Zeiten Schulden wieder abbaut.

Was mich am Kommentar von Herrn Reibich störte ist eine gewisse Unlogik. Wenn man vom mündigen Bürger ausgeht, muss man auch davon ausgehen dass er mündig wählt. Dann wird er überwiegend verantwortungsvolle Politiker wählen und nicht macht besessene.

Ich gehe eher davon aus dass sowohl Staat, als auch Unternehmer als auch Konsumenten überwiegend weise sind.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.07.2012 17:34:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.07.2012 17:38:21 GMT+02:00
S. Jean meint:
Witzige Diskussion. Wird nicht grad der Beweis erbracht, dass wir alle DOOF sind, um mal die hier gewählte Formulierung zu verwenden? Ein Fiat-Finanzsystem, welches eigentlich schon tot und nur noch mit dem Leben unserer Kinder künstlich am Leben erhalten wird, Politiker, die immer mehr zeigen, was sie wirklich sind (siehe "Wettbewerb der Gauner") und die Vorbereitung der Massen (über Geplänkel in Lybien, bald Syrien und Iran) auf die anstehenden Ressourcenkriege, welche uns das nette keynsianisch-fabianisch gefärbte Oekonomiesystem eingebracht hat? Und wie zu den Zeiten von Lv.M werden die ersten bald damit anfangen, nach Krieg zu schreien.

Und wie leider schon LvM feststellen musste, lässt sich der weitere Verlauf der Ereignisse nicht mehr aufhalten.

Veröffentlicht am 10.10.2012 17:28:06 GMT+02:00
Eberhard Gamm meint:
Hallo Herr Reibold,

leider erliegen Sie der Propaganda der "Austrians", vor allem beim Thema Geld. Gerade das Geldsystem funktioniert nämlich ganz anders als Sie denken. Sie können sich meinen Kommentar vom 17.09.2012 ("englische Buchungsmethode") zu meiner Rezension des Buchs "Die Ethik der Geldproduktion" von J.G. Hülsmann und die Kommentare vom 30.09.2012 (zum Thema Literatur zum Geldsystem) und 09.10.2012 (zum Thema Staatsverschuldung) zu meiner Reszension des Buchs "Geldsozialismus" von Roland Baader durchlesen. Dass die Geldmenge von den privaten Geschäftsbanken kontrolliert wird, erklären Ihnen auch Frank Schäffler von der FDP (http://www.youtube.com/watch?v=1Yk3bssj7b4 , ab Zeitmarke 1:56:00) und Josef Ackermann (http://www.youtube.com/watch?v=1Vil4gNVRuk). Sie können alternativ auch Ackermanns Doktorarbeit lesen.

Bitte beachten Sie auch die Bücher von Karl-Heinz Brodbeck ("Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie" und "Die Herrschaft des Geldes"), die eine Fundamentalkritik der "Begrifflichkeiten" der ökonomischen Schulen enthalten.

Grüße, Eberhard Gamm

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.11.2012 12:53:00 GMT+01:00
olle Ingi meint:
Wenn ich die Ösis ansatzweise richtig verstanden habe, setzen sie doch gerade NICHT ein bestimmtes Menschenbild voraus.
- Dass Politiker in einem kranken System auch krank sein/werden/handeln müssen ist irgendwie klar.
- Unternehmer gehen bankrott, sobald sie nicht ihrer Verantwortung der Firma gegenüber gerecht werden
darüber hinaus besteht ihre Verantwortung wie die aller anderen nur darin, niemandem zu schaden
- Verbraucher werden auch wie alle anderen Menschen als Wesen definiert, die aktiv handeln und insbesondere entscheiden.
Weil die Handlungen/Entscheidungen aber nicht gewertet werden, sind sie per se "mündig". Es geht eher darum,
dass selbst der vermeinlich deppertste Verbraucher besser weiß, was er vermeintlich will, als der noch so gebildete,
moralische, gutmenschelnde Bürokrat. Und er wird seine wie auch immer gearteten Ziele besser erreichen als unter dem
Zwang der Politik. Einschränkung auch hier: niemandem schaden.

Es ist nicht die Voraussetzung, dass in einer freien gesellschaft Verbraucher mündig und Unternehmer verantwortungsvoll sind.
Aber es ist die Tendenz, das freie Menschen sich in diese Richtung entwickeln, sie lernen und passen sich an.
Dagegen tritt in unserem Zwangssystem das Gegenteil ein.

Dass, trotz dieser Erkenntnisse, manche Ösis wie Hayek dem Staat dann immer noch mehr als die innere und äußere Schutzfunktion
zubilligen wollen, bleibt mir schleierhaft.
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