Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Wie sind die damit durchgekommen?, 27. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Vier Brüder (DVD)
Dies ist wohl die vordringlichste Frage, die sich dem Betrachter von John Singletons Action-Film "Four Brothers" aus dem Jahre 2005 stellt, und dies gilt nicht nur für die Brüder selbst, die einen Haufen von Leichen hinterlassen, die ihr Freund, der Polizeibeamte, in der deutschen Fassung mit den denkwürdigen Worten "Ein krasser Fall von Notwehr" kommentiert, sondern auch für Singleton selbst, dessen Film insgesamt ziemlich unkritisch mit dem Thema Selbstjustiz umgeht.

Aber der Reihe nach! Die Handlung des Filmes läßt sich in relativ wenigen Worten zusammenfassen: Nach dem gewaltsamen Tod ihrer sozial engagierten Mutter Evelyn (Fionnula Flanagan) treffen sich die vier Mercer-Brüder (Mark Wahlberg, Tyrese Gibson, André Benjamin und Garrett Hedlund) in dem nun leerstehenden Haus, um der Beerdigung beizuwohnen und das Erbe anzutreten. Diese vier Brüder sind allerdings nicht leiblich miteinander verwandt, sondern wurden als Kinder von Evelyn aufgenommen und großgezogen, so daß sie trotz ungünstiger Prognosen nicht vollkommen den Weg ins kriminelle Milieu fanden. Im Anschluß an die Beerdigung reift in den Mercers mehr und mehr der Entschluß herauszufinden, wer ihre Mutter erschossen hat, wodurch sie, ohne es zu wissen, sehr schnell in das Visier des tyrannischen Gangsterbosses Victor Sweet (Chiwetel Ejiofor) geraten.

"Four Brothers" ist ein wirklich spannender, an manchen Stellen sogar humorvoller und für heutige Maßstäbe nicht allzu brutaler Action-Film, der durchaus Laune macht und vor allem in seinem Showdown mit einer klugen Überraschung aufwartet, die im Grunde absolut folgerichtig ist, aber dennoch manchem als deus ex machina aufstoßen dürfte. Es gibt korrupte Bullen, Zweifel an brüderlicher Loyalität und auswegslose Situationen, die manchmal durch List, manchmal durch krude Gewalt gemeistert werden, und ich habe mich in meinem Samstagabendkreis mit dem Film trefflich unterhalten gefühlt. Allerdings dürfte der recht sorglose Umgang mit dem Thema Selbstjustiz - die Brüder nehmen mehrere Exekutionen vor - wohl nicht bei allen Zuschauern Gefallen finden. Wenn man sich indes vergegenwärtigt, daß "Four Brothers" zu großen Teilen auf Motiven von Henry Hathaways Western "The Sons of Katie Elder" (1965) beruht, dann erscheint die Übernahme des Rachemotivs leichter nachvollziehbar. Wenn ich nicht ganz falsch liege, dann lautete eine der zahlreichen Einschränkungen des Hays Code, daß Rache und Selbstjustiz an sich nicht als gerechtfertigt dargestellt werden dürften - außer wenn es um Epochen oder Länder von geringerem zivilisatorischen Standard (wie immer man dies definieren mag) gehe. Im Western hatten reitende Rächer somit freie Bahn, auch unter Piraten, Musketieren und Wikingern kann man sie oft finden (wenngleich nicht immer reitend), und ähnlich ist es ja auch noch heute, wenngleich der Hays Code ansonsten einem liberaleren, z.T. auch abgestumpfterem Publikumsgeschmack weichen mußte: In Deutschland greift die Indizierung, wann immer der Eindruck besteht, dass Gewalt unkritisch verherrlicht werde, und dies ist bei Selbstjustiz ja eigentlich immer der Fall, wenn diese nicht - wie etwa in "The Star Chamber" (1983) von Peter Hyams - im Laufe des Filmes verurteilt wird. Neben eher platten und uninspiriert daherkommenden Filmen wie dem Klassiker "Death Wish" (1974) von Michael Winner trifft die Indizierung denn auch Filme wie "The Boondock Saints" (1999), die vielleicht gerade wegen ihrer unkonventionellen und frischen Machart bei labilen Naturen vielleicht Schaden anrichten können.

Warum aber letzten Endes "Four Brothers" der Indizierung - über deren Sinn und Unsinn man im Einzelfall ja geteilter Meinung sein mag - entgehen konnte, ist mir nicht ganz ersichtlich, denn zweifellos sind insbesondere die Brüder Bobby (Mark Wahlberg) und Angel (Tyrese Gibson) kaltblütige Killer, die wehrlose Menschen exekutieren, ohne daß dies durch die Machart des Filmes moralisch in Frage gestellt würde. Liegt dies daran, daß es sich eigentlich um ein Western-Remake handelt, oder ist vielleicht doch eine Szene als leise Infragestellung der Selbstjustiz dieser beiden Brüder interpretiert worden? Nämlich die Szene, als Bobby und Angel zwei hilflos daliegende Killer töten, während ihr Bruder Jack (Garrett Hedlund) voller Entsetzen zusieht und der das Geschehen umtosende Schneesturm als Metapher für die moralische Orientierungslosigkeit erscheinen mag.

Ich erwähne diesen Sachverhalt nur deshalb, weil ich durchaus der Meinung bin, daß der ziemlich reaktionäre und radikale Subtext des Filmes dem einen oder anderen Zuschauer die Freude an diesem Streifen durchaus vergällen kann. Meine persönliche Meinung zu diesem Film fällt indes insgesamt durchaus positiv aus, wenn ich auch nicht der Ansicht bin, "Four Brothers" sei unbedingt die 109 Lebensminuten wert, die man auf ihn verwenden kann.
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Tristram Shandy
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