Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Die Fotografie ist die Realität" - Wirklich?, 2. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Über Fotografie: Essays (Taschenbuch)
Die New Yorker Intellektuelle Susan Sontag, die über Jahrzehnte die dortige Szene prägte, veröffentlichte neben einigen Romanen und Kultur- und Literaturkritiken vor allem auch Essays. Essays über Kultur, Gesellschaft, Politik und wie hier vorliegend, über Fotografie.

Sontag beleuchtet in sechs Essays das Verhältnis zwischen Fotografie und Realität, Kunst oder Gesellschaft. Sie analysiert die Werke bedeutender Fotografen (insbesondere) des 20. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre. Sie beschreibt Fotografie als etwas durchaus Ambivalentes, das auf der einen Seite Empfindungen abtötet, durch tausendfaches Zeigen von Grausamkeiten, auf der anderen Seite als etwas das aufrüttelt, in dem es Dinge unmittelbar zeigen kann, die dem Betrachter normalerweise nicht begegnet wären.

Im längsten und komplexesten Essay "Fotografische Evangelien" betrachtet Sontag beispielsweise das Verhältnis zwischen Malerei und Fotografie. Und mehr als einmal greift sie darin auf, dass die Fotografie im ersten Schritt als Emporkömmling die Malerei bedrohte und herabzusetzen schien, diese quasi überflüssig zu machen. Um gleich im Anschluss zu betonen, dass die Fotografie die Malerei "von der Schinderei einer wirklichkeitsgetreuen Abbildung befreit" und diese einer höheren Aufgabe zuführte: der Abstraktion. (Was mir unmittelbar einleuchtete.) Aber nur, um sofort auch diese Erkenntnis zu verwerfen und festzustellen, dass "die Art, wie die Kamera das Erscheinungsbild der äußeren Welt festhielt, den Malern neue Strukturen der Bildkomposition und neue Themen nahe legte".

Einen gewissen antiquaren Charme bekommen die Essays aus der Tatsache, dass mittlerweile die Entwicklung und Verbreitung der digitalen Fotografie einerseits alles Vorangegangene überrollt hat und andererseits die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung einen der großen Vorteile der Fotografie, die Abbildung der Realität ("Die Fotografie ist die Realität" schreibt Sontag), ad absurdum führt. Computerunterstützt werden heutzutage Bilder so verändert, dass der Betrachter nicht in der Lage ist, zu erkennen, ob, und wenn ja, was manipuliert wurde. Diese Möglichkeiten hat Sontag noch nicht erkennen können und aus meiner persönlichen Sicht rückt das die Fotografie wieder in die Nähe der Malerei. Auf Kosten der Glaubwürdigkeit allerdings.

Die Essays von Susan Sontag (siehe auch meine Rezension zu Zur gleichen Zeit: Aufsätze und Reden) sind eine lohnenswerte und herausfordernde Abwechslung zur literarischen Fiktion oder auch zum nüchternen Sachbuch.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.12.2011 09:53:03 GMT+01:00
"Computerunterstützt werden heutzutage Bilder so verändert, dass der Betrachter nicht in der Lage ist, zu erkennen, ob, und wenn ja, was manipuliert wurde."
Das ist auch extrem schwierig - Susan Sontag ist schon eine Weile tot und das Buch 1977 zum ersten Mal erschienen. Ich nehme, auch wenn ich das Buch jetzt noch nicht gelesen habe, einmal schwer an, dass die Autorin es seitdem gar nicht großartig überarbeitet und aktualisiert hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.10.2013 12:35:56 GMT+02:00
Indrid Cold meint:
Und? Die Aussage hat unbedingt Gültigkeit! Gerade heute ist es noch viel einfacher geworden, Bilder nicht nur visuell zu verändern, sondern zu manipulieren. Und da die Menschheit mit den Medien so umgeht, als wären diese unbestreitbare Träger von Wahrheit, werden Bilder von der Masse nicht mehr hinterfragt.
Aber eigentlich war die Fotografie schon immer anfällig für Manipulationen, die beispielsweise politischen Interessen folgten. Russland ist dafür ein Beispiel. Stalin ließ ganz bewusst Bilder verändern, um sich noch heroischer zeigen zu können. Aufgedeckt wurde das allerdings erst sehr viel später.
Heute ist es für den Laien kaum noch möglich, Manipulationen am Bild feststellen zu können und auch Profis kommen an ihre Grenzen.
Sie sehen also, wie wahr und gültig die Aussage Susan Sontag's ist.
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