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Kundenrezension

260 von 284 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schritt auf dem Weg zurück zu den Wurzeln, 24. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Asterix 35: Asterix bei den Pikten KT (Broschiert)
Die großen Erwartungen, die sich an den neuen Asterix-Band knüpften, richteten sich kaum auf die Frage, ob Jean-Yves Ferri und Didier Conrad in der Lage sein würden, nahtlos an die vorherigen Alben anzuschließen. Die mehr als dreißig Jahre dauernde Phase nach René Goscinnys Tod war schließlich eine einzige harte Durststrecke gewesen. Albert Uderzo mangelte es sowohl eklatant an erzählerischem Talent als auch an dem feinen Humor und der Fähigkeit, Historisches und Aktuelles subtil aufeinander zu beziehen. Gerade die jüngsten von Uderzo im Alleingang produzierten Alben waren läppisch in ihren Erzählungen und geradezu peinlich in ihren brachialen Pointen.

Die Hoffnung, die sich mit dem neuen Team verband, betraf daher mehr die Frage, ob es noch einmal gelingen könnte, die Serie zurück auf das Niveau der alten Goscinny-Zeit zu bringen. Und nach der ersten Lektüre von »Asterix und die Pikten« muss man sagen: Die Hoffnung lebt weiter. Ferri und Conrad enttäuschen nicht, haben aber auch keine Wunder vollbracht. Viele gute Ansätze sind erkennbar, auch wenn manches verkrampft und unsicher daherkommt.

Ein Gefühl der Beruhigung stellt sich auf den ersten Seiten ein: Endlich fühlt man sich wieder zu Hause in jenem kleinen gallischen Dorf. Ferri und Conrad lassen sich viel Zeit, das Dorf und seine Bewohner zu schildern und die aus den alten Bänden gewohnte Atmosphäre wieder heraufzubeschwören. Der zweite Teil des Bandes, der bei den Pikten/Schotten spielt, zerfasert dagegen etwas. Die Charakterisierung der Eigenheiten der Pikten/Schotten gelingt nur in Ansätzen. Allerdings haben es sich Ferri und Conrad auch nicht leicht gemacht: Was liegt näher, als den neuen Band mit dem absoluten Klassiker »Asterix bei den Briten« (1966) zu vergleichen? Und ein solcher Vergleich fällt dann doch erheblich zu Ungunsten des neuen Bands aus.

Der handlungsmotivierenden Clanfehde fehlt der richtige Biss. Auch die zentrale Liebesgeschichte kommt recht blaß daher, – sie ließe sich in beliebigen Kulissen und Kostümen aufführen. Die Einführung eines ›Ungeheuers von Loch Ness‹ lässt zunächst einen Rückfall in Uderzos Vorliebe für Brachialgags befürchten, doch die Nessie-Figur wird immerhin ganz hübsch in die Erzählung integriert.

Auffallend ist die Vielzahl von Kalauern in den Dialogen. Einiges davon ist nett, doch manches tut richtig weh. Allerdings vermag ich aus dem Stand nicht zu beurteilen, ob dies bereits auf das Konto von Ferri geht oder ob hier der Übereifer der deutschen Übersetzer verantwortlich ist. Was Ferri auf jeden Fall positiv anzurechnen ist, ist die sorgfältig angelegte Architektur der Einzelseiten. Anders als bei Uderzo wird die erzählerische Kontinuität stets gewahrt, und die Spannungsbögen der Einzelseiten werden aufrecht erhalten. Conrads Zeichungen folgen recht eng den Vorgaben von Uderzos Spätstil, lassen aber auch Individuelles erkennen. Hier wird es interessant sein zu beobachten, inwieweit es dem Zeichner zukünftig gelingt, sich weiter von Uderzo zu emanzipieren, ohne den Serienstil zu ›verraten‹.

Fazit: Ferri und Conrad enttäuschen nicht, haben aber auch noch kein Meisterwerk geschaffen. In jedem Fall besteht Grund, erleichtert zu sein. Das Album unterhält gut, aber auf die Goscinny-typischen Subtilitäten und den Biss früherer Jahre muss man vorerst noch weiter verzichten.
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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.10.2013 18:45:22 GMT+02:00
Nuwanda meint:
Ein hervorragender Kommentar. Ich bin auch guter Dinge, dass künftige Bände an alte Glanzzeiten anknüpfen können.
Im Detail fand ich die Idee mit der Sprachstörung des Pikten keine gute. Asterix und Obelix geraten mehrmals direkt in Streit; ich meine mich zu erinnern, dass sich in der Vergangenheit Wortgefechte erst hochschaukeln mussten. Obelix' Empfindlichkeit hinsichtlich seiner Figur wurde mindestens einmal zu oft bemüht. Im ein oder anderen Bild passen Text und Ausdruck nicht 100% zusammen.
Drei Sterne hätte ich auch vergeben. Auf jeden Fall kein Fehlkauf wie "Gallien in Gefahr"

Veröffentlicht am 24.10.2013 19:51:54 GMT+02:00
K. Kroflin meint:
Bis uns der Himmel auf den Kopf fällt, haben wir ja noch ein wenig Zeit, um uns auf zukünftige Ausgaben zu freuen.

Veröffentlicht am 24.10.2013 23:04:33 GMT+02:00
Detritus meint:
Ich danke Ihnen für diese ausgewogene und sachliche Rezension, die mir sehr aus dem Herzen spricht.
Ich war besorgt, dass dieser neue Band wieder eine Enttäuschung sein könnte, bin aber jetzt doch ziemlich erleichtert, weil man durchaus gute und vielversprechende Ansätze erkennen kann.
Natürlich gibt es noch Verbesserungsbedarf, aber dieser Band ist bei Weitem nicht so schlecht wie die letzten Bände, die Uderzo allein herausgebracht hat!

Veröffentlicht am 25.10.2013 10:43:43 GMT+02:00
Starkweather meint:
Meine Zeit, der Band hat noch kaum das Licht der Welt erblickt und schon gibt es hier 43 mehr oder weniger als Rezensionen zu erkennende Äußerungen - soll noch mal einer sagen, klassische Medien seien auf dem Rückzug. Ihrem Kommentar, Estragon, kann ich nur zustimmen, obgleich ich persönlich die kalauernden Dialoge (die sicher auch an der Übersetzung liegen) und das 'Explodieren aus dem Stand' der beiden wackeren Gallier (das es übrigens auch in Uderzo/Goscinny-Folgen gibt) eher witzig finde. Eine gewisse Albernheit und auch erzählerische Schlichtheit war schon immer in den Alben vorhanden, und letztlich sind Asterix-Comics eben in erster Linie humor- und nicht anspruchsvoll.
Jedenfalls hätte es deutlich schlimmer kommen können - ich würde dem Band wohl 3.5 bis 4 Sterne geben, aber da Sie in Ihrer Rezension weitgehend das zum Ausdruck bringen, was ich auch sagen würde, kann ich mir die eigene Rezension ja sparen...

Veröffentlicht am 26.10.2013 02:42:40 GMT+02:00
Eigentlich kam ich hierher um selbst eine Rezension zu verfassen, aber das spare ich mir jetzt, denn sie haben schon alles gesagt. Ich stimme voll zu, die Hoffnung bleibt und der nächste Band wird auf jeden Fall auch von mir gekauft. Bedenkt man die großen Fußstapfen und die hohen Erwartungen, so haben Ferri und Conrad wirklich gute Arbeit geleistet und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie sich nicht noch steigern können.
Hier und da gab es sogar ein paar wunderschöne kleine Highlights, z.B. für mich den Druiden, der im großen Kampfbild plötzlich die Inspiration für ein neues Spiel hat.

Veröffentlicht am 28.10.2013 14:39:34 GMT+01:00
R. Kraft meint:
Ich bin voll und ganu Deiner Meinung und ich bin sicher, da ist noch Luft nach oben. Bei "Gallien in Gefahr" gab es von mir nur einen lausigen Punkt und hier hätte ich auch eher 3 als 4 Punkte vergeben.

Veröffentlicht am 28.10.2013 18:49:46 GMT+01:00
Quark meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.10.2013 09:34:14 GMT+01:00
Estragon meint:
Interessanter Einwurf. ich möchte darauf antworten:

(1) Was wäre schlecht daran, wenn in Altenheimen Comics gelesen würden?

(2) Muss jeder Comic jede Zielgruppe ansprechen? Dass »Petzi« oder »Sailor Moon« nicht alle Altersgruppen gleichermaßen ansprechen, halte ich nicht für einen schlagkräftigen Einwand gegen diese Comicserien.

(3) Dass der Pikten-Asterix »vielen zeitgenössischen Comics nicht das Wasser reichen kann«? Vollkommen einverstanden. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten: Auch die alten Asterix-Bände, die zumindest in den 1960er Jahren noch qualitativ unangefochten waren, wären in der heutigen Comiclandschaft lediglich ein interessanter Beitrag unter vielen anderen. Man nennt das ›Fortschritt‹. Ich gestatte mir dieses Urteil (hoffentlich mit Ihrem Einverständnis), da ich mehr als einen Comic in fünf Jahren lese.

(4) Natürlich könnte man Asterix »durchs All oder auf Zeitreise« schicken. Man könnte bei den Figuren auch Geschlechtsumwandlungen vornehmen, sie in Vampire oder Zombies verwandeln oder ihnen Kettensägen in die Hand drücken. Man könnte an ›Asterix auf der Titanic‹ denken oder an ›Asterix trifft Godzilla‹. Und warum nicht ein Kampf gegen Präsident Obama oder ein Dreikampf mit Super Mario und Bowser? Und um auch die weiblichen Jugendlichen rechtzeitig an das Asterix-Produkt heranzuführen, könnte man sich ein Asterix-Spin-Off vorstellen, in dem die Helden rosa gekleidet sind und permanent Ponys streicheln.
Das alles könnte man. Nur, warum sollte man? Und vor allem: Was hätte das dann noch mit Asterix zu tun, außer dass man den Namen beibehält und die Hülle der Figuren? Asterix lebt von erzählerischen Beschränkungen und auch von der Variation von ›Standardsituationen‹. Ein bestimmtes Maß an thematischen und narrativen Erweiterungen würde schnell zur erzählerischen Beliebigkeit führen und den Witz der Serie versickern lassen (und das ist es, was unter Uderzos Alleinregie meines Erachtens allzu oft passiert ist).

Hinsichtlich der Befürchtung, dass Ferri/Conrad sich zu sehr »dem Horizont der Altleserschaft« anpassen könnten, kann ich Ihnen nicht widersprechen. Das könnte passieren, wenn es schlecht läuft. Epigonentum ist immer eine Gefahr. Aber, wie gesagt, bislang sehe ich noch keine Anzeichen dafür, dass so etwas passieren wird. Und zwei, drei Anläufe, die Tradition kreativ fortzusetzen, sollte man Ferri/Conrad auf jeden Fall zugestehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.10.2013 14:02:10 GMT+01:00
Dunja meint:
Ich kann nichts Falsches daran finden, dass sich Omis und Opis (oder späte Mütter und Väter) daran erfreuen, wenn Asterix so weitergeführt wird, wie er angelegt war. Der Ausflug ins All war zwar ein wunderbarer Einfall aber die Ausführung war auch nicht unterhaltsamer als ein Nachmittag im Gemeinschaftsraum eines Altenheims...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.10.2013 10:29:41 GMT+01:00
Starkweather meint:
@Estragon: Touché, und bravo für diese lässige (und sehr richtige) Antwort auf den Quark von 'Quark' (nomen est omen q.e.d.)!
Viele Grüße von starkweather, der in den letzten 5 seiner insgesamt 45 Lebensjahre mehr Comics und Graphic Novels gelesen hat, als in den offenbar Lichtjahre entfernten 70ern...
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