Kundenrezension

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Themaverfehlung des "Bösewichts"..., 8. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gottbettler: Roman (Broschiert)
...viel mir selten so schwer ein Buch für mich selbst zu beurteilen...hab das Buch gerade zu Ende gelesen und es lies mich nach den letzten Seiten etwas ratlos zurück, - nicht durchwegs enttäuscht, da mir der Roman über weite Strecken doch ausgesprochen gut gefiel - doch irgendwie fehlte etwas.
Einerseits empfand ich die für einen Fantasyroman doch recht ungewöhnliche Zeichnung der Haupcharaktere durchwegs gelungen (weil eben nicht 08/15- mal was Neues) - andererseits gestaltet sich die Konstelation der "Guten" zu deren Widersacher (dem Gottbettler) dadurch als etwas schwierig, da im Grunde nur Antihelden das Buch bevölkern (und keiner davon steht wirklich eindeutig auf der "Guten" Seite). Anders ausgedrückt: es ist ein Kampf bei dem die Haupt-Protagonisten (beider Seiten mit Ausnahme des Gottbettlers selbst) nur zwischen dem bestehenden oder dem neuen/drohenden "Übel" wählen können.
Dass in modernen Fantasyromanen das rein Gute und das gänzlich Böse in diesem Sinne kaum mehr vertreten ist und alle Charakter mehr oder weniger ausgeprägte Wesenszüge in beide Richtungen sowie Stärken und Schwächen aufweisen (was auch gut so ist), ist inzwischen Gang und Gäbe - so auch im Gottbettler; allerdings eben stark zugunsten der "dunklen" Seite.
Quasi jeder der Hauptcharaktere hat mehr oder weniger Dreck am Stecken, was auch in vielen detailiert beschriebenen Varianten an Brutalitäten (von Mord bis Vergewaltigung ist alles dabei und quasi an der Tagesordnung) vor dem Leser ausgebreitet wird.
Hauptkritikpunkt meinerseits ist im oben genannten Zusammenhang der "Bösewicht" als Solcher: Dieser tritt in Form eines Wesens (Gottähnliches Wesen mit selbst gewähltem Erscheinungsbild eines Bettlers) auf das in mir keinerlei Emotionen hervorrufen konnte - mal als Initiator eines endlosen Feldzuges der die Welt befrieden soll dargestellt - mal (auf den letzten Seiten) als völlig chaotisches (offenbar) in mehreren Sphären präsentes/existierendes (was auch immer -wird nicht wirklich ersichtlich erläutert) Wesen ohne ersichtlichen bzw. logischen Antrieb.
Gerade hier wurde m.M nach Potential verschenkt - das "Böse" ist nicht wirklich greifbar und lässt kaum Emotionen aufkommen - auch dadurch ausgelöst, dass die Vertreter der "Guten Seite" (eine altersschwache lebensmüden Hexe, ein Hasserfüllter verkrüppelter Magier und ein Säufer) sich, wie wiederholt dargestellt, nicht wirklich im Klaren sind ob sie überhaupt auf der richtigen Seite stehen. Selbst die vermeintliche "Marionette" des Gottbettlers - dessen Heerführer - sieht sich selbst immer wieder zweifeln ob der ewigen Kriegspläne seines Herrn. Auch der Leser selbst soll da wohl vor eine schwerwiegende Frage gestellt werden - ist eine durch Krieg und Befriedung erzwungener "Frieden" (genauere Ziele werden nicht wirklich plausibel erläutert) unter der Fuchtel eines Gottähnlichen Wesens besser als die bis dato herrschenden anarchischen Zustände? Man könnte hier natürlich einen geschickten "anspruchsvollen" Zug des Autors sehen oder sogar Parallelen zu Politik heutzutage ziehen o.ä. - meiner Ansicht nach verschenkt der Roman aber gerade hier seine volle Punktzahl - der Spannungsbogen leidet darunter doch ziemlich.
Kurzfassung: Ein klarer definiertes Fantasy-"Übel" wäre doch sehr förderlich gewesen.
Bis auf diesen Punkt macht der Autor ansonsten sehr viel richtig: Als sehr positiv empfand ich die schön durchzeichneten Charaktere und deren Wandlungen. Auf der einen Seite die uralte Terca, eine Hexe die schon seit langer Zeit das Weltengeschehen mitbeeinflusst und trotzdem oder gerade deswegen ständig in selbszweifeln versinkt und in der "Wand" (die Klippen vor der Stadt)zu Beginn des Buches noch versucht nach vielen missglückten Anläufen ihrem Leben ein Ende zu bereiten um endlich "vergessen zu können".
Auch der kleinwüchsige und zu Anfang noch rechtschaffene Magus-Anwärter Pirmen gibt durch seine Verkrüppelung (und damit verbundenen durch Hass gesteigerten magischen Fähigkeiten) und einer völligen Wandlung hin zu einem durch und durch verabscheuungswürdigen Menschen eine interessante Figur ab - ebenso wie dessen Begleiter der "Säufer", ehemals ein hohes Tier in der jetzt feindlichen Armee, deren Heerführer auf der anderen Seite als eine ebenso detailliert ausgearbeitete Figur dargestellt wird und ähnlich wie Terca mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat.
Auch die Sprache gefiel mir durchwegs sehr gut, das Buch ist flüssig zu lesen und der Schreibstil des Autors bewegt sich auf durchaus hohem Niveau, erinnerte mich gerade in den Anfängen des Buches noch etwas an den Schreibstil von Patrick Rothfuss in "Der Name des Windes".
Zusammenfassung: Vom Schreibstil und von der Charakterdarstellung-und Entwicklung her sehr lesenswerter Roman - was (mir) in erster Linie fehlte war ein plausibel dargestellter Bösewicht mit nachvollziehbaren Ambitionen - ähnlich z.B. wie im ansonsten auch durchaus guten "Der Rote Ritter".
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