Kundenrezension

75 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Er ist einfach genial!, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Psychedelic Pill (Audio CD)
Also manchmal frage ich mich wirklich, wie läuft es mit der Musik eigentlich? Hat ein Mensch/Musiker nur ein gewisses Potential an Noten bzw. Songs oder ist das endlos, zumindest was die Qualität anbetrifft. Von den alten Klassikern wie Bruckner, Wagner etc. wissen wir, dass sie auch im Alter fantastisches zu leisten im Stande waren. Bei der sogenannten modernen Musik der letzten, sagen wir mal 60 Jahre, muss man leider feststellen, dass genau das Gegenteil der Fall ist, fast alle Musiker waren nach ca. 10 Jahren ausgebrannt und ideenlos, Ausnahmen bestätigen die Regel. Beim Rest war/ist es so, dass sie noch ganz gute Musik machen, aber die Qualität der frühen Jahre bei Weitem nicht mehr erreicht.
Eine große Ausnahme ist für mich Neil Young. Was dieser Kerl auch noch mit jetzt fast 67 Jahren immer wieder unter die Fans bringt, ist schon ziemlich einmalig. Nicht nur, dass er ständig seine Stilrichtung ändert, womit er ja schon des Öfteren einen Teil seiner Fans zur Verzweiflung trieb, nein auch die Qualität seiner Veröffentlichungen sind, fast immer, über jeden Zweifel erhaben und jederzeit mit seinen Frühwerken vergleichbar.
Jetzt mit "Walk Like A Giant" also Album Nummer 47, eine DoCD übrigens, wenn ich richtig gezählt habe. Und auch dieses wird seine Spuren bei den Fans hinterlassen und was für welche. Alleine schon die Tatsache, dass er wieder mit seinen alten Kumpels von Crazy Horse zusammenspielt, treibt uns Fans die Freudentränen in die Augen, wissen wir doch schon von vornherein, welcher Sound uns erwartet: krachend, rumpelnd, ohne Rücksicht auf Verluste, mit Rückkopplungen, schräg und trotzdem ohrwurmig! Vor allen Dingen aber sehr suchtgefährdend.
Alleine das Stück "Walk Like A Giant" ist schon den Gesamtpreis der CD wert. Was die vier Kumpels hier in unglaublichen 16.26 Minuten vom Stapel lassen, ist allerhöchste Qualitätsstufe und beinhaltet alles von dem, was ich oben beschrieben habe. Es beginnt mit dem sofort erkennbaren Gitarrensound Neil Youngs, unschuldigem Pfeifen, dem Rumpelschlagzeug von Ralph Molina, Billy Talbots ultratiefen Basstönen, bei denen man immer Angst haben muss, dass sie einen erschlagen wollen, dann setzt auf der linken Seite Frank Pancho" Sampedros Gitarre ein und auf dem rechten Kanal beginnt Neil schon nach kurzer Zeit mit seinen unglaublichen Gitarrensolos, die dir die Gänsehaut rauf und runter laufen lassen und an seine besten Zeiten von Cortez The Killer", Like A Hurricane", Cowgirl In The Sand" oder Down By The River" erinnern. Das Stück verbreitet eine Stimmung, als käme es direkt von seinem Live-Album Weld" herübergeschwebt und die Energie dieses Songs könne den Strombedarf einer Kleinstadt locker begleichen.
Das Album beginnt mit einem Monstrum von Song Driftin Back", der über 27 Minuten vor sich hin mäandert, immer die Gitarre von Neil im Vordergrund und in fast ruhiger Tonart, aber so sehr vereinnahmend, dass er richtig Besitz von einem ergreift und ehe man sich versieht, sind die 27:35 Min. auch schon vorbei.
Der Titelsong "Psychedelic Pill" erinnert sehr stark an "Cinnamon Girl" und läutet mit gleich den nächsten überlangen Titel mit 16:48 Min. ein: "Ramada Inn". Auch hier wieder ein Neil Young in unglaublich intensiver Spielfreude und mit endlosen Gitarrensoli, die nie langweilig werden, sondern im Gegenteil eine dermaßige Anziehungskraft ausüben, dass man sich wünscht, dass der Song endlos weiter geht, Neil Youngs wehmütiger Gesang verstärkt dieses Gefühl noch.
"Born In Ontario" ist ein netter Song über seine Geburtsstadt Omemee in Ontario, Canada, "Twisted Road" ein lockerer Country beeinflusster Song. Beide lassen kurz Luft holen und dienen nur dazu, um sich auf "Shes Always Dancing" den nächsten längeren Song vorzubereiten, der wieder von Neil Youngs Gitarre lebt und vom wunderschönen Background -Gesang von Crazy Horse.
"For The Love Of Man" ist der ruhigste Song auf dem Album und läutet das oben schon erwähnte, für mich beste Stück "Walk Like A Giant" ein. Den Abschluss macht eine Alternativ Version von Psychedelic Pill", die sich nicht sonderlich vom Original unterscheidet.
Also ein in dieser Form und Qualität nicht unbedingt erwartetes, weiteres großes Neil Young & Crazy Horse - Werk, das allemal das Zeug zum Klassiker hat!
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.10.2012 11:07:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.10.2012 15:49:08 GMT+02:00
Pietro Sonata meint:
Sehr Gut und mit viel Herz geschrieben. Trifft den Kern. Klare Kaufempfehlung. Es wird noch eine Live CD geben als Abschluß der Rust never Sleeps / Weld / Academic never works Trilogie
Kleine Korrektur: Ontario ist nicht der Geburtsort, in dem Neil Young geboren ist, sondern der Name der Provinz. Aufgewachsen ist er in Omemee (in Ontario). Heißt wirklich so, sein Bruder lebt noch immer dort und ist beteiligt an einem Rockmuseum http://www.youngtownmuseum.com

Viel Spaß weiterhin beim Hören.

Veröffentlicht am 26.10.2012 11:24:20 GMT+02:00
tubes99com meint:
Sehr gute Rezi, hätte ich nicht besser schreiben können. Werde das Teil natürlich ordern, allerdings warte ich auf die Blu Ray Audio in DTS HD Master Sound, bin gespannt, wie das Werk in Mehrkanalton rüberkommt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.10.2012 13:23:45 GMT+02:00
R. Spielmann meint:
Danke für den Tip mit dem Museum!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.10.2012 15:02:41 GMT+02:00
Der Geburtstort ist Toronto.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.10.2012 16:14:07 GMT+02:00
musicpeterpan meint:
Vielen Dank! Wusste gar nicht, dass auch eine Blu Ray geben soll, aber um so besser, bin ich auch gespannt LG

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.10.2012 16:15:38 GMT+02:00
musicpeterpan meint:
Vielen Dank! Na da können wir uns ja noch auf einige Highlights freuen. LG

Veröffentlicht am 26.10.2012 16:22:53 GMT+02:00
song_x meint:
Die letzten vier, fünf Minuten von WALK LIKE A GIANT hauen dem rockenden Fass den Boden aus - Wahnsinn.

Veröffentlicht am 03.12.2012 19:46:02 GMT+01:00
steve_be meint:
Sehr tolle Rezension.
Wollte eigentlich gerade selbst loslegen, aber Peter Pan hat wirklich alles super geschrieben.
Ich bin immer noch völlig benommen von der Geilheit dieses Albums. So etwas hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Ein absoluter Klassiker. Läuft seit Freitag ununterbrochen.
Leute, kauft die BR-Audio (mit "Horse Back")!!!

Veröffentlicht am 12.12.2012 23:06:56 GMT+01:00
Josef meint:
Zu Pietro Sonatas Beitrag fällt mir ein: "That was the moment / that he cracked / long ago / in the museum / with his friends": Neil Young & Crazy Horse im Deutschen Museum in München (das ist das Haus, in dem Jerry Garcia 1982, abends, nach Schliessung, verzweifelt gesucht wurde, weil er vor dem grössten Kokskristall der Welt (ca. 40cm hoch) in Andacht versunken vergessen hatte, dass abends ein Gig ansteht).
Irgendwann in den Achzigern (?) war das, als keiner mehr was auf Young gab und die Olympiahalle vorübergehend zu gross geworden war, vor ein paar hundert Leuten, vielleicht auch 1000, vielleicht 1500 (?), wer weiss das noch so genau. Ein wunderbarer Moment damals, sie krachten wirklich rein in das Museum, er und seine Freunde, vor langer Zeit, "and like those memories / the rain keeps pounding / down down down". Grossartig.

Veröffentlicht am 02.01.2013 13:43:04 GMT+01:00
Myrna4Loy meint:
Yo, schöne Platte.
Ontario kann allerdings keine Geburtsstadt sein, weil es gar keine Stadt ist, sondern eine Provinz mit über 1 Million Quadratkilometern Fläche.
Das wäre also so, als wenn ein Kanadier sagen würde, dass wir beide in der Stadt Mitteleuropa geboren worden seien.
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