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5.0 von 5 Sternen Eine Liebeserklärung an das Menschsein, 19. März 2014
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Rezension bezieht sich auf: Du sollst nicht funktionieren: Für eine neue Lebenskunst (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist ein Generationenbuch – ein Weckruf einer Mitdreißigerin an ihre Generation! Und es bleibt zu hoffen, dass es auch die jüngeren Leser findet, die, getrieben vom Lebenslaufterror der Personaler in Unternehmen und Behörden, ihre Schullaufbahnen und Studiengänge wie Rädchen in einem großen Getriebe und nicht wie selbstbestimmte Persönlichkeiten mit dem Mut zu sich selbst absolvieren und das hieraus resultierende ungute Gefühl im wochenendlichen Alkoholexzess zu betäuben versuchen.
Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Menschsein im philantropischen Sinn. Hallo Mensch, lebe würdig und weiß am Ende - und am besten auch unterwegs - warum Du der bist, der diesen unfassbaren Zufall Deiner Existenz rechtfertigt. Dazu braucht es gar nicht viel und erst recht keine kategorisierten Zielvorgaben.
Ariadne von Schirach stellt uns den Tod als gut meinenden Begleiter durch das Leben vor, der uns motiviert, wahrhaftig zu leben, uns zu „bewohnen“ und uns nicht ständig zu betäuben oder der Illusion hinzugeben, wir könnten ihm entkommen, indem wir alle möglichen dämlichen Dinge tun, die uns der Primat der Ökonomie und seine hässliche Schwester, die Profitgier, ständig als lebensnotwendig vorgaukeln. Das gehe soweit, dass wir uns beispielsweise in den sozialen Medien, aber nicht nur dort, als eigenes Produkt präsentierten, das in erster Linie den Marktanforderungen unterworfen sei und seine menschliche Natur im Wahn der Selbstoptimierung verdränge.
In den zahlreichen Feuilletonbesprechungen zu dem Buch liest man immer wieder, das sei alles nicht neu und es wird versucht, die Autorin auf ihre wirklich vorhandene Sprachbegabung zu reduzieren. Dass nicht alles neu ist, stimmt und wird dem Buch doch nicht gerecht. Den Tod als fröhlichen Gesellen kennt man z.B. popkulturell aus Peter Maffays Tabaluga, dieser freimaurerisch geprägten Liebeserklärung an den Menschen als Beziehungswesen. Wer jenseits Freuds etwas über das neurotische Ego unserer Zeit lesen möchte, der greife zu Eckart Tolle und eine fast prophetische - aber unheimlich zutreffende - Beschreibung dessen, was die neuen Medien mit uns Menschen ohne sinnstiftende Geschichte als Leitstern machen können, findet sich schon in den Veröffentlichungen Neill Postmans. Von Schirachs Buch ist aber deutlich mehr, als das Zusammenrühren altbekannter Thesen, Motive und Beobachtungen. Es fügt diese essayistisch zusammen und gibt dem diffusen Gefühl des „Hier stimmt etwas nicht“ einen pointierten und zeitgemäßen Ausdruck. Das diffuse Unwohlsein wird entblättert, analysiert und anhand ziemlich realistisch dargestellter Charaktere erläutert. Die Autorin kommt dabei nicht so sehr mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Im Gegenteil, sie appelliert überaus engagiert an das Menschsein in seiner Gänze, mit all seinen Ambivalenzen; ohne dabei freilich Beliebigkeit das Wort zu reden. Dies gelingt ihr in der Tat in einer wunderbaren Sprache, die den beschriebenen Situationen stets angemessen ist. Man liest viel über die Schönheit von Schirachs Sprache. Das stimmt auch. Ich habe allerdings auch noch niemals das Märchen vom Fischer und seiner Frau derart rotzig erzählt bekommen, allerdings auch noch nie passender.
Jeder Leser, auch ich, wird der Autorin in mancher These oder Beobachtung widersprechen wollen und eine tiefere Diskussion einfordern – Stichwort „Bioterror“. Bitte, das Buch fordert genau hierzu gerade auf und es ist eine mehr als gelungene Basis, von der aus jeder einzelne losziehen kann, die wesentlichen Fragen für sich zu beantworten, ohne die Natur des Menschen zu verleugnen oder deren Überwindung als Ziel zu formulieren. Das Buch liest sich leicht, ohne banal zu sein und lädt hierdurch dazu ein, immer mal wieder hereinzuschauen und sich die ein oder andere Passage zum „Wachbleiben“ und „Mutigsein“ wiederholt zu Gemüte zu führen. Die Autorin führt unseren Blick in Richtung mehr Empathie, das Zulassen des Schönen zur Pflege der Seele und appelliert an unsere menschliche Lebendigkeit, die durch niemanden besser repräsentiert werden könnte, als durch den wahren Helden dieses Buches: Henri! Ein kleiner liebenswerter Rotzlöffel, der unter utilitaristischen Gesichtspunkten ein Niemand ist, aber schon (pessimistisch gesprochen noch) eine intuitive Vorstellung davon hat, dass es eine ziemlich geile Sache ist, auf der Welt zu sein.
Kurzum: Die Lektüre des Buches hat großen Spaß gemacht und erzeugt eine motivierende Kraft. Ich werde es noch oftmals verschenken – es lohnt sich! Es ist eine komische Perspektive, aber ich kann sagen, mich selten von einem Buch so verstanden gefühlt zu haben.
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