Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstklassig und--- als ob nie erschienen, 17. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Purgatory Hill (Audio CD)
Was denn? Dieses Album ist im Juli 2009 in den USA veröffentlicht worden und niemand, aber auch wirklich niemand (!) hat in Deutschland bislang ein Sterbenswörtchen darüber verloren (oder davon gehört)?

Es ist unglaublich... aber, so scheint es, doch wahr!

Der begnadete Songwriter, Gitarrist und Allround-Musiker Pat MacDonald war in den 80ern mit seiner (inzwischen) Ehemaligen, Barbara Kooyman, das Duo Timbuk 3. Das kam im Fahrwasser von Camper Van Beethoven/ Green On Red/ Dream Syndicate/ Gun Club, usw. mit ihrem ureigenen Retro-Blues-Wave-Pop daher und machte seine Sache z.T. gar nicht schlecht. Der Pop-Appeal als Kompromiss wurde sicher durch den Vertrag mit der Musikindistrie, Timbuk 3 waren über Umwege mit Warner Bros liiert, um einiges an Zeitgeist strapaziert und klingt heute angestaubt. Allemal hatten sie 1987 einen grandiosen Hit, der musikalisch nicht schlechter ist als sein Titel: "The Future's So Bright, I Gotta Wear Shades".

Die Partnerschaft von Timbuk 3 hielt bis ins Jahr 1996. Bereits im Jahr darauf erschien das erste Solowerk "Pat MacDonald Sleeps With His Guitar". Hier setzte PM eindeutig Akzente für einen sehr rootsy orientierten Independent-Sound, der sein Werk bis heute prägt. Auf dem Berliner Label Ulftone bewegte er sich fortan geistig und musikalisch in der Nachbarschaft von Chris Whitley und anderen in dieser Liga agierenden Toppleuten um die 40. Bis 2003 brachte er bei Ulftone vier grandiose Alben unter; seither gibt es drei weitere - stets noch mehr "stripped to the bone".

Das vorliegende Werk "Purgatory Hill" steht einerseits als Pseudonym für seine Partnerschaft mit Melaniejane, der Frau an zahlreicher Perkussion und sogar an Orgel oder Cello, wenn es sein muss, als auch als der Titel des neuen Albums. Pat MacDonald selbst spielt eine sogenannte, viersaitige "cigar box guitar", die mächtig obskur ausschaut, und elektrisch verstärkt und ohne Griffbrett im herkömmlichen Sinne sondern mit zwei Stäben wie Besenstilen eine Menge Geräusch fabriziert. Das Schlagzeug besteht aus den Füßen von PM, dazu die übersteuerte Mundharmonika - ein weiteres Markenzeichen. Nicht falsch verstehen: "Puragtory Hill" ist (erneut) ein exzellent-subtil produziertes Album, das aus seinen Möglichkeiten das Maximale heraus holt. Stück für Stück ist abgrundtiefer Blues--- und bietet dennoch immer einiges an klanglichen Überraschungen.

Mit "Baby Love" und "No One's Daddy" gibt es zwei neue, schwer stampfende Versionen von eigenen Klassikern, dazu Coverversionen wie PJ Harveys "Meet Ze Monsta" und Iggy Pops "I Wanna Be Your Dog" aus dem Jahr 1969, als es auf dem ersten Album der Stooges erschien. Meiner Ansicht nach ist letzteres eine Reminiszenz an Chris Whitley, der 11/2005 im Alter von 45 Jahren verstarb und auf dessen 2006 posthum veröffentlichtem, letztem Werk mit dem Bastard Club ("Reiter In") genau dieses Stück als Cover enthalten war/ist.

Neben "Puragtory Hill" empfehle ich sowohl die Sons Of Crack Daniels mit Ihrem gleichnamigen Debüt von 2006, ein Bandprojekt inkl. Pat MacDonald, als auch die letzten Solowerke "In The Red Room", fulminante Live-CD von 2004, und die Studio-CD "Troubadour Stomp" (2006), die fast noch knarziger daherkommt als das neue Album. Ein Bild erhält, wer sich mal auf YouTube nach Pat MacDonald und Melaniejane umschaut, da finden sich famose Live-Auftritte. Es gibt für "Purgatory Hill" auch eine eigene Website, die dem Titel des Albums bzw. des Projekts geschuldet ist, und eine ureigene, seltsame Geschichte des Werks an den Mann bzw. die Frau bringt - unbedingt checken! Im Übrigen reicht es, sich einfach mal die wunderbare Musik anzuschaffen und den CD-Player damit zu füttern. Wie es ein Kritiker in den USA auf den Punkt brachte: "Slinky, groovy, bloozy, boozy, dirty, swampy, sexy, dangerous, wipe-that-drool-off your mouth, son, howl-at-the-moon music." - Paddy Fineran, Kenosha News.

Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen, außer: Wer's am Ende nie gehört haben wird, der bleibt - das nicht ohne ein Schielen auf die Ignoranz des hiesigen Kulturbetriebs! - um eine nicht nur musikalische Erfahrung ärmer.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.02.2010 18:32:59 GMT+01:00
strogge meint:
Kann da nur VOLL zustimmen ! Habe selber erst zufällig vor einer Woche
beim rumstöbern (''Was macht eigentlich Pat MacDonald ?'') die Platte gefunden
und bisher die Stücke nur als ca. 30-sekündige Klangproben gehört, und dann
auch die erwähnten youtube-Beispiele gefunden. Hoffe jedenfalls, dass mir
die CD bald geliefert werden wird.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.02.2010 17:39:31 GMT+01:00
Ja, mir ging es ähnlich: "Was treibt PM inzwischen?" Ich habe mir dann die o.a. CD-Editionen, allesamt von PM selbst in kleinen Auflagen publiziert und via Mailorder versendet, einfach mal zugelegt. Und siehe da: Der Mann ist besser denn je. Es ist unglaublich, wie sich die Landschaft der Independent-Musikkultur in den letzten 15 Jahren doch radikal verändert hat. Höchste Zeit für eine neue "Revolution, die ihre Musik wieder an den Mann und an die Frau bringt ;-)

Veröffentlicht am 18.05.2012 22:52:32 GMT+02:00
Danke, Matthias, dass du mir den Weg zu dieser CD gewiesen hast.
Ein ausgesprochen sachkundiger Text, der den Kenner verrät.
Widerspruch allerdings, wenn du schreibst, Staub habe sich auf die Timbuk-Platten gelegt. Sie waren mit das beste, was die ansonsten deprimierenden 80er ausgespuckt haben. Ihr Mix aus memorablen Melodien, dem Zugriff auf unterschiedliche Stile, einem raffinierten Instrumentarium und jenem über weite Strecken herzerwärmenden Harmoniegesang hielten diese Band für mich über all die Jahre frisch und aufregend.
Aber bitte, jegliche Ermattung ist ebenso legitim.
André
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