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Kundenrezension

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hirnforschung aus Sicht der neurowissenschaft und Biologie, 13. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: ZEIT WISSEN Edition (Schuber): Rätsel Ich - Gehirn, Gefühl, Bewusstsein (Gebundene Ausgabe)
Die Ergebnisse der modernen Hirnforschung, die mit Hilfe moderner technischer Hilfsmittel ein immer differenzierteres Bild der Funktionsweise des wichtigsten menschlichen Organs vermitteln, haben in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer intensiven Debatte zwischen Naturwissenschaftlern und Philosophen geführt. Zahlreiche Hirnforscher bzw. Neurobiologen werten die Ergebnisse ihrer Forschungen dahingehend aus, dass das traditionelle Selbstverständnis des Menschen grundlegend revidiert werden müsse. Zur Erklärung des menschlichen Bewusstseins dürfe nicht länger auf eine empirisch nicht nachweisbare, immaterielle Instanz wie z.B. Seele oder Geist zurückgegriffen werden. Vielmehr könne man alle individuellen Entscheidungen, einschließlich unserer moralischen Überlegungen, auf neuronale Prozesse zurückführen. Einige Protagonisten dieser gegenwärtig stark expandierenden Wissenschaftsrichtung gehen dabei so weit, den Menschen einen freien Willen abzusprechen und fordern daher u.a. eine weitgehende Revision unseres Rechtssystems.

Die meisten Philosophen dagegen verteidigen weiterhin das traditionelle Menschenbild. Sie verweisen auf die spezifische Würde des Menschen und seine besonderen Fähigkeiten und gehen von einer prinzipiellen Grenze naturalistischer Erklärungen aus. Zudem befürchten sie, dass die Ergebnisse der Neurowissenschaften zu einer Auflösung der Differenz zwischen Mensch und Tier und damit schließlich zu einer Degradierung des Menschen führen.

Zu der hier angesprochenen Fragestellung enthält die erste Ausgabe der sechsbändigen Reihe ZEIT WISSEN Edition" wichtige Beiträge von führenden Fachwissenschaftlern und des Magazins ZEIT WISSEN. Eröffnet werden die Einzelbeiträge durch einen Grundlagentext von der englischen Professorin für Pharmakologie, Susan Greenfield, zum Aufbau unseres Gehirns. Das Gehirn, das in seinem maßgefertigten Gehäuse aus Schädelknochen über dem Rumpf thront, hat eine Konsistenz, die an ein weich gekochtes Ei erinnert, und verfügt über keinerlei bewegliche Innenteile." (S. 1) Ausführlich beschreibt Greenfield die Geschichte der Gehirnforschung sowie Funktionen und Funktionsstörungen des Gehirns. Die vor allem in der Neurowissenschaft angewandten bildgebenden Verfahren sind für sie das Fenster zur Beobachtung der Gehirnaktivitäten.

In seinem Beitrag Das Rätsel des Bewusstseins" berichtet der Biologe Christof Koch von seinem Bestreben, die neurobiologischen Grundlagen des Bewusstseins aufzudecken. Aufgrund der wissenschaftlichen Fortschritte seien die Wissenschaftler heute besser denn je zuvor gerüstet, die physische Basis des Problems zu erforschen. Er sieht subjektives Erleben als Tatsache an und geht davon aus, dass Hirnaktivität sowohl notwendig als auch hinreichend ist, damit biologische Wesen etwas empfinden. Ich suche die physikalische Grundlage von phänomenalen Zuständen in Gehirnzellen, ihrer Anordnung und Aktivität." (S. 54).

Auch der amerikanische Philosoph Paul M. Churchland greift in seinem Artikel Durchbruch zum Bewusstsein" vor allem auf die Ergebnisse der modernen Hirnforschung zurück und weniger auf die philosophische Tradition zu diesem Thema. Er stellt bereits einleitend fest, dass es zwar die - vor allem von Philosophen vertretene - Auffassung gebe, dass der prinzipielle subjektive Charakter des Bewusstseins niemals zu erklären sei, er stellt hierzu aber fest, dass er eher der gegenteiligen Auffassung zuneige. Churchland entwickelt in seinem Beitrag ein logisch mögliches neuroinformatisches Modell für Bewusstseinsphänomene", welches verdeutlichen soll, wie man beobachtete Phänomene des Bewusstseins systematisch rekonstruieren könnte. ...die Frage, ob es wahr ist, ist dann eigentlich zweitrangig. Aber das Modell könnte richtig sein, und ob es bestätigt oder verworfen wird, wird davon abhängen, wie sich die empirische Forschung weiterentwickelt." (S. 260).

Da hier nicht auf alle Einzelbeiträge eingegangen werden kann, soll nachfolgend nur noch auf drei weitere Beiträge kurz hingewiesen werden. Der bekannte Mediziner und Philosoph Manfred Spitzer setzt sich mit der nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer wichtigen Frage auseinander, wie wir lernen. Er weist auf die - auch für Erwachsene - wichtige Bedeutung von Beispielen hin, um z.B. mathematische Regeln zu lernen. Die australische Psychologin Cordelia Fine stellt aus ihrer Sicht dar, wie wenig Kontrolle der Mensch über sein Gehirn hat. Und der Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt a.M., Wolf Singer, geht in seinem Nachwort davon aus, dass es im menschlichen Gehirn weder einen singulären Ort gibt, zu dem alle sensorischen Systeme ihre Ergebnisse senden könnten, noch gebe es eine zentrale Lenkungs- und Entscheidungsinstanz. Offensichtlich habe die Evolution das Gehirn mit Mechanismen ausgestattet, die in der Lage sind, auch ohne eine zentrale koordinierende Instanz globale Ordnungszustände herzustellen. Für Singer legen die Ergebnisse der Neurobiologie eindeutig dar, dass alle Verhaltensleistungen, also auch die höchsten kognitiven Funktionen, auf neuronalen Prozessen im Gehirn beruhen müssen." (S. 283).

Die durchgängig anschaulich und gut verständlichen Beiträge können aus der Sicht des Rezensenten zum Selbststudium empfohlen werden. Die Einzelbeiträge werden jeweils durch Zusatzinformationen, zumeist in der Randspalte platziert, ergänzt, wie z.B. Kurzporträts wichtiger Forscher, Erläuterungen ausgewählter Fachbegriffe sowie Fotos, Grafiken und Tabellen. Zusätzlich werden Literaturhinweise und Internet-Links angeboten.

Einschränkend muss allerdings darauf verwiesen werden, dass die breite aktuelle Debatte um das menschliche Bewusstsein und die damit eng verknüpfte Frage nach der Freiheit und Verantwortung menschlichen Verhaltens in dem hier vorgestellten Band fast ausschließlich aus der Sicht der Neurowissenschaft und der Biologie dargestellt wird. Für das Studium der traditionellen philosophischen Einschätzungen zu diesem Themenkomplex müssen andere Publikationen herangezogen werden.

Dr. Ludwig Heuwinkel, Bielefeld
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