Kundenrezension

145 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und übrigens ... das ist NICHT Douglas Adams!, 2. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Und übrigens noch was ... (Gebundene Ausgabe)
Vorausschickend muss ich sagen, dass es mir völlig entgangen war, dass es einen sechsten Teil der Trilogie geben würde. Ich war also zunächst einmal geschockt, als ich das Buch im Buchladen meines Vertrauens liegen sah. Mein erster Gedanke ging - wie bei offenbar vielen anderen auch - in Richtung "Blasphemie" - wer kann es wagen, das Werk des unsterblichen Douglas Adams weiterführen zu wollen?!

Selbstverständlich habe ich "Und übrigens noch was'" dennoch sofort gelesen und mich natürlich auch mit den Gründen beschäftigt, die Eoin Colfer, immerhin bislang eher im Kinder- und Jugendbuch-Bereich bekannt geworden, zu dieser Fortsetzung bewegt haben. Danach kann man wohl zumindest ausschließen, dass Colfer nur anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der "Anhalter"-Reihe als Trittbrettfahrer absahnen wollte. Douglas Adams selbst hat gesagt, dass fünf Bände eine unglückliche Zahl darstellen und dass er bei Gelegenheit gerne noch einen sechsten Band als Abschluss der Reihe schreiben würde. Insofern ist "Und übrigens noch was'" also sozusagen "legitimiert". Darüber hinaus hat Douglas Adams' Witwe Jane Belson diesen sechsten Band ausdrücklich autorisiert. Dennoch wird das Werk unter "Anhalter"-Fans sicher Anlass zu Diskussionen geben.

Aber zum Buch selbst:

Generell kann man sagen, dass Colfer seinen DNA gelesen hat, und das wirklich bis ins Detail. Der Erfinder von Artemis Fowl hat mit seinem Buch den an sich lobenswerten Versuch unternommen, viele offene Fragen und lose Enden aus den ersten fünf Bänden (plus den Fragmenten aus "Lachs im Zweifel") aufzuarbeiten und dabei einerseits den adams'schen Stil fortzuführen, andererseits aber auch eigene Akzente zu setzen. Der Versuch ist (meiner Ansicht nach, und nach mehrmaligem Lesen) über weite Strecken gelungen, aber nicht durchgehend. Ähnlich wie Terry Jones' "Raumschiff Titanic" krankt auch Colfers Buch schlicht an der Unmöglichkeit, den originellen Witz, der Adams stets auszeichnete, nachzuahmen. Vieles, was der Ire schreibt, könnte zwar vom Schreibstil oder von der Idee her beinahe von Adams sein, aber eben nur beinahe. Vom westlichen Spiralarm der Galaxis über die "Herz aus Gold" bis zu einem gewissen A. Grajag sind nahezu alle Personen und Zutaten enthalten, die den "Anhalter" zu einem so unvergleichlichen Lesevergnügen gemacht haben, selbstverständlich auch die Hauptfiguren Arthur Dent, Zaphod, Trillian, Ford, Random Dent und nicht zuletzt die Vogonen um Prostetnik Jeltz, der arbeitslose Donnergott Thor und viele(s) mehr. Aber trotz vieler durchaus gelungener Erzählstränge und Einfälle: einiges wirkt seltsam bemüht; weniger wäre an manchen Stellen mehr gewesen. Das Ganze bleibt trotz - oder gerade wegen - der Überfülle an wieder aus der Schatzkiste der ersten fünf Bände geholten bekannten Zutaten über weite Strecken doch überraschend bieder; es fehlen die wirklichen Überraschungsmomente. Was ich wohl am meisten vermisse, ist das laute Hinaus-Lachen, das einen an vielen aberwitzigen Stellen der klassischen Adams-Bücher überkam. Aber dass Colfer sein Vorbild Adams hier erreichen oder gar übertreffen würde, war auch nicht zu erwarten und er hat es wohl selbst auch nicht geglaubt, als er an die Aufgabe heran ging.

Eine weitere Schwäche liegt für mein persönliches Gefühl in der Übersetzung. Nichts gegen Gunnar Kwisinski, auch er hat im Grunde einen guten Job bei der Übersetzung gemacht. Aber er ist nunmal nicht vom "Fach", das heißt, nicht aus dem Bereich der Sci-Fi-Parodie, sondern kommt als Schriftsteller aus dem Krimi-Genre. Mit den kongenialen Adams-Übersetzungen eines Benjamin Schwarz oder auch eines Sven Böttcher kann er nicht ganz mithalten. Ich empfehle daher, wenn möglich auch die englische Originalfassung "And another Thing'" zu lesen. Hier kommt meiner Meinung nach der bei Colfer durchaus vorhandene adams-typische Humor noch besser zum Tragen.

Fazit: "Und übrigens noch was'" gelesen zu haben ist für "Anhalter"-Fans zweifellos ein Muss. Es ist gut, dass die "Anhalter"-Reihe nicht mit dem eher düsteren "Mostly Harmless" endet. Hut ab vor Eoin Colfers Mut, das Unmögliche zu versuchen. Und das Buch ist alles in allem weiß Gott nicht schlecht geraten. Man sollte ihm eine Chance geben und es unvoreingenommen und ohne allzugroße Erwartungen und Vorab-Vergleiche lesen. Dann macht es Spaß. Aber es bleibt dabei: Pluralzonen hin oder her - Douglas Noel Adams ist und bleibt leider toter als Hotblack Desiato, und niemand wird ihn je ersetzen können.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.04.2011 14:15:16 GMT+02:00
Tabasco meint:
Sehr feine Rezension, nur ein Punkt fehlt mir.
Ich war ein DA-Fan seit den bunten Buchstaben vom 2001-Verlag in den achtzigern, doch mir fehlt der Hinweis darauf, dass der Humor durchaus auch zeitgeistig war. Wer die Originale heute nüchtern und unvoreingenommen noch mal liest, wird feststellen, dass viele der Witze schlichtweg nicht mehr ziehen. Der persönliche Höhepunkt lag für mich beim Restaurant... und seitdem gehts schlichtweg abwärts. Imho hat Adams das auch erkannt und sich folgerichtig umorientiert. Insofern finde ich es auch schwer Eoin Colfer zu bewerten, teilweise finde ich ihn sogar besser als Adams zu besten Zeiten, aber es ändert nichts daran, dass der Witz irgendwo ausgelutscht ist. Und daran hätte auch ein "original" Adams nichts mehr ändern können.
Ich finde den Band lesenswert, durchaus auf einem Niveau wie ein 0815-Pratchett bspw., aber mehr ist aus dem Thema einfach nicht mehr rauszuholen.
Gruß

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.05.2013 01:31:40 GMT+02:00
Ist das Buch fehlerfrei?
Ich hätte Band vier und fünf so gerne an die Wand geworfen, weil die Übersetzung so schlecht und grammatikalisch unkorrekt war. A la babelfish halt Und ausserdem nach der alten Rechtschreibung. Und ich hatte mir die B... Tut nichts zur Sache. Ist es gut und vor allem fehlerfrei?

Veröffentlicht am 06.09.2013 07:23:48 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.09.2013 07:24:39 GMT+02:00
gaspode100 meint:
Autorisiertes Buch? Nur weil Douglas Adams mal gesagt haben soll, daß er ein sechstes Buch irgendwann schreiben möchte und die Witwe sagt "Ok, her mit dem Geld" ist das noch lange kein autorisiertes Buch. Hätte Douglas Adams irgendwann mal gesagt, daß er gerne soviele Teile schreiben würde wie Pratchett bei der Scheibenwelt, wären also weitere 35 Teile "autorisiert"?
Mich stört schon der Umschlag und wie der Name Douglas Adams psychologisch geschickt über dem Titel plaziert wurde, sodaß man im ersten Moment meinen könnte, er habe das selber geschrieben.
Ich hätte nichts gesagt, wenn Adams ein halbfertiges Buch hinterlassen hätte, daß nun jemand zu Ende schreibt, aber das scheint nicht der Fall gewesen zu sein. Zumindest habe ich keine Informationen darüber gefunden.
Ein "Muß" ist das Buch für mich nicht und Mut hätte der Autor bewiesen, wenn er seine eigene Serie begründet hätte, anstatt sich hinter dem gewinnträchtigen Namen von Douglas Adams zu verstecken.
Die Rezension finde ich aber dennoch sehr gut und hilfreich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2014 08:47:18 GMT+01:00
Der Autor hat mehr als eine eigene Serie begründet und ist heute mindestnes ebenso Kult, wie Adams es war.
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