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5.0 von 5 Sternen Brillanter Landschaftszeichner, 11. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Adrian Ludwig Richter: Zeichnungen aus der Sammlung Dräger (Gebundene Ausgabe)
Ludwig Richter kennt man allgemein als einen der führenden Illustratoren des 19. Jahrhunderts. Seine in Holzstichen und Radierungen weitverbreiteten Werke lassen nur andeutungsweise erahnen, dass ihn zeit seines Lebens eine ganz andere Passion antrieb. Ludwig Richter wäre, wenn sein beruflicher Weg dies zugelassen hätte, Landschaftsmaler geworden. Brigitte Heise beleuchtet in ihrer lebendig geschriebenen Monografie anhand der in der Sammlung Dräger versammelten Zeichnungen Richters die Hintergründe dieses Zwiespalts.

Die Sammlung Dräger spannt den Bogen von einer der ersten Zeichnungen, die überhaupt erhalten sind (einer fast schon meisterlichen Kopie, die der 15-jährige Richter anfertigte) bis zu der "Hirtenidylle" von 1874, vom greisen Maler später noch mit zittriger Hand als "meine letzte Zeichnung" betitelt. Ein ganzes Lebenswerk breitet sich da vor dem Leser aus.
Schon früh wendet sich Richter von der formelhaften Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts ab und spätestens mit seiner Italienreise 1823-26 hat ihn dann der Landschaftsvirus gepackt. Einige hervorragende Beispiele aus dieser Phase sind auch in der Drägerschen Sammlung vorhanden. Richter wird sein Leben lang aus dem Fundus der etwa 200 Zeichnungen schöpfen, die er aus Italien mitbringt und sie sind immer noch wunderbare Belege für die deutsche Landschaftsmalerei als Teil der romantischen Revolution. Einige der äußerst seltenen Ölgemälde Richters stellt die Autorin den Zeichnungen gegenüber, aber von wenigen Ausnahmen abgesehen fallen die Gemälde doch gegenüber den Zeichnungen ab. Sie wirken flächig und etwas zu "glatt", ihre Spannung beziehen sie eher aus dem durchdachten Bildaufbau. Letztlich bleibt Richter auch im Ölbild ein Grafiker. Farbe wird niemals sein Freund. Selbst seine aquarellierten Federzeichnungen der späten Jahre zeichnen sich durch eine dezente, angedeutete Farbigkeit aus, die den Strich betont, aber niemals übertrumpft. Besonders schön wird die Bedeutung der Linie in dem doppelseitig abgebildeten Vorzeichnungskarton zu Richters "Überfahrt am Schreckenstein" erkennbar, einer Ikone der Spätromantik.
Überhaupt sind die Gegenüberstellungen von Vorzeichnungen, Entwürfen und technischer Reproduktion in Holzstich oder Radierung sehr aufschlussreich, zeigen sie doch, wie geschickt (oder auch weniger geschickt) die Stecher Richters Modellzeichnungen umgesetzt haben. Der Künstler hat sich schon zu Lebzeiten teilweise bitter über die mangelnde Qualität dieses "Massengeschäfts" beklagt.
Ab 1836 wird Richter Professor der Landschaftsklasse an der Akademie in Dresden und unterrichtet eine ganze Generation an Schülern, die seinen Stil aufnehmen und später weiterentwickeln. Ein Kapitel im Buch widmet sich gerade diesen Meisterschülern, von denen einige sogar in Richters Sehnsuchtsland Italien reisten, um dort Plein Air zu zeichnen. In der Sammlung Dräger sind wenige, aber umso qualitätvollere Arbeiten aus dieser Gruppe vorhanden.

Richters Spätwerk wird zunehmend süßlich, geprägt von der Idylle als Ideal und einer tiefen Religiosität, aber selbst dort blitzt immer wieder der alte Landschafter durch. Die Schönheit der Natur als Reflexion Gottes. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass zeitgleich bereits die Impressionisten ganz andere Zugänge zur Darstellung von Landschaft und Licht gefunden haben. Aber obwohl Richters Werk zu dieser Zeit bereits reichlich altmodisch war, so ist die Qualität seiner Zeichnungen immer noch meisterhaft. Ein untrügliches Gespür für die "schöne Linie" gepaart mit einem unfassbar sicheren Strich. Und die zarte Aquarellierung, die seine frühere meisterliche Lavierung mit Sepiatinte ersetzt, gibt den Motiven auch heute noch etwas Leichtes, Verspieltes, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Eindringlichkeit seiner frühen, von Italien geprägten Jahre hat Richter allerdings nie mehr erlangt.

Der Katalogteil mit 49 Positionen von Richters Originalzeichnungen und 12 Positionen seiner Freunde und Schüler rundet die Monografie ab. Neben den bibliografischen und provenienzgeschichtlichen Angaben begründen die Autoren jeweils die vorgeschlagene Datierung und beleuchten das Werk kurz im Gesamtzusammenhang.

Ein schöner, ausgesprochen gut lesbarer Band, der einen Meister des Stifts auf den ihm gebührenden Sockel hebt. Richter war nicht nur der süßliche Spätromantiker, als den man ihn kennt, sondern ein brillanter Landschaftszeichner, der seinesgleichen sucht.
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Volker M.
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