Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Frau Freitags Freundin..., 5. November 2012
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Rezension bezieht sich auf: Ghetto-Oma: Ein Leben mit dem Rücken zur Tafel (Taschenbuch)
Das Taschenbuch "Ghetto Oma" ist am 01. November 2012 im Rowohlt Verlag erschienen und wurde von "Fräulein Krise" verfasst, hinter diesem Pseudonym verbirgt sich eine erfahrene Lehrerin, die manchem Leser wahrscheinlich schon aus den Büchern von "Frau Freitag" bekannt ist, da sie eine Freundin von "Frau Freitag" ist und jede auch jeweils im Buch oder in den Büchern der anderen Lehrerin auftaucht.In ihrem Nachwort bedankt sich "Fräulein Krise" auch bei "Frau Freitag", dass sie sie dazu motiviert hat, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Allzu viel kann man über "Fräulein Krise" nicht in Erfahrung bringen, nur dass sie selbst ein Lehrerkind ist, Biologie und Kunst auf Lehramt studiert hat und zunächst 20 Jahre an einer Gesamtschule in Hessen gearbeitet hat, bevor sie dann an eine sogenannte Brennpunktschule gewechselt ist. Verheiratet war sie auch lange Zeit mit einem Lehrer, das Thema Schule spielte in ihrem Leben also definitiv schon immer eine wichtige Rolle.

Nun aber zum Buch selbst. Den Titel "Ghetto Oma" finde ich ehrlich gesagt, nicht so passend gewählt, da mir hier der eindeutige Bezug zur Schule fehlt. Ich habe den Buchtitel bereits zuvor einmal irgendwo gelesen und verband ganz andere Assoziationen damit, zumal die Frau im altmodischen Kostüm auf dem Titelbild auch andere Vermutungen zulässt. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man eine Tafel im Hintergrund und den Untertitel "Ein Leben mit dem Rücken zur Tafel", womit dann doch alles klar ist. Der Verfassername trägt sein Übriges dazu bei, zumindest wenn man schon die "Frau Freitag" -Bücher gelesen hat. Gegen Ende des Buches wird aber immerhin erklärt, woher die Idee zum Buchtitel stammt und dadurch erscheint er mir nun doch ganz sinnvoll. Frau Freitag verspricht sich in ihrer Klasse und gibt, verwirrt von den ganzen grammatikalisch falschen Sätzen ihrer Schüler, eine Satz von sich, bei dem sogar die Kinder merken, dass der so nicht korrekt ist. Deshalb sind sie stolz auf ihre Lehrerin und küren sie zur "Ghetto Oma".

Das gesamte Buch handelt vom Schulalltag von "Fräulein Krise", einmal von dem an ihrer heutigen Schule, der Brenntpunktschule an welchem genauen Ort auch immer. Hier erlebt man ein Schuljahr von "Fräulein Krises" Problemklasse mit, einer Neunten, für die sie sich die Klassleitung mit einem Kollegen namens Karl teilt, weil die Schüler einen erhöhten Bedarf an Aufmerksamkeit seitens der Lehrer haben. Diese Teile des Buches erinnern oft an "Frau Freitag", da sich die Schüler in ihren Ausdrucks- und Verhaltensweisen sehr ähneln. Diese werden dann auch immer ungeschönt wiedergegeben, sodass es viele Dialoge im Sprachstil der Schüler gibt, der selten Artikel oder grammatikalisch korrekte Endungen aufweist. Das macht das Buch realitätsnah und manche Begebenheiten sind dann doch auch recht lustig. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich "Frau Freitag" und ihren Schülern doch etwas näher gefühlt habe und mich mehr amüsiert habe. "Fräulein Krise" stellt auch verschiedenste Schülercharaktere in ihren Eigenheiten und übertriebenen ("Ich werde Polizei") oder auch nicht vorhanden Zukunftsvorstellungen vor, aber mit "Frau Freitag" konnte ich mich mehr identifizieren, vielleicht auch, weil sie eher meiner Altersklasse entspricht. Was man "Ghetto Oma" stattdessen aber zugute halten muss, ist, dass man einen recht guten Einblick in das private Umfeld der Schüler bekommt und auch davon, wie sie vom muslimischen Glauben und den herrschenden Wertevorstellungen in ihren Familien geprägt werden. Das blieb bei "Frau Freitag" eher oberflächlich. Auch die verschiedensten Angebote zur beruflichen Orientierung an solchen Schulen, mit denen man versucht, die Jugendlichen doch noch für einen geeigneten Beruf zu begeistern, werden hier recht stark thematisiert.
Dazu kommen, immer durch eine dickere Schriftart optisch abgehobene, Rückblicke von "Fräulein Krise", die sich thematisch immer auf das vorher beschriebene Ereignis mit ihrer aktuellen Klasse beziehen. Dabei erinnert sie sich an ihre eigene Referendarszeit und die Fehler, die sie als junge Lehrerin begangen hat, an Unterschiede (wie an die Zeit, als es noch Tamagotchis anstatt von Handys im Klassenzimmer gab), an Referendare, die sie ausgebildet hat und natürlich auch an besondere Schüler, die ihr immer im Gedächtnis geblieben sind. Durch ihr langes Lehrerdasein verfügt sie natürlich über einen immensen Erfahrungsschatz, den sie in dieses Buch einbringt, sodass sich auch hier noch einmal interessante und auch amüsante Anekdoten finden, die gleichzeitig deutlich machen, dass sich an unseren Schulen und in unserer Gesellschaft doch vieles verändert hat, worauf die Schulen auch reagieren müssen.
Insgesamt vergebe ich vier Sterne, da ich Manches in letzter Zeit doch schon öfter gelesen habe, es aber insgesamt dennoch eine interessante und abwechslungsreiche Lektüre war.
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