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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Comeblack (Audio CD)
Vor nicht allzu vielen Jahren war die Welt noch viel einfacher und simpler. Da war es einfach so, dass man die Scorpions als Altherrenband, Schnulzenkapelle und Chartshow-Peinlichkeitsfaktor abschreiben konnte. Über die glorreiche Vergangenheit der Band konnte man natürlich kaum mehr sprechen ohne das gleich irgend ein Schuft im Hintergrund hämisch den 'Wind Of Change'-Anfang pfiff oder sich einen halblustigen Gerhard Schröder-Witz aus dem Ärmel leierte.Aber seit dem Comeback 'Unbreakable' und erst recht mit dem grandiosen 'Sting In Your Tail' ging den Spöttern die Grundlage aus und wer den Wacken-Auftritt mitbekommen (oder allgemein sich in letzter Zeit auf einen Gig der Jungs getraut) hat, an dem werden weitere Schmähungen lockerst abprallen und man sieht auch wieder urige Heavy Metal-Fans mit Scorpions-Patch auf der Kutte angeben. Nicht schlecht für eine Gruppe die schon Musikgeschichte geschrieben hat als ein Groß der heutigen Hard- und Heavy-Szene noch nicht mal einen Oberlippenbart sich hätte wachsen lassen können. Dementsprechend Tränen in den Augen hatte man als bekennender Fan, dass die letzte Scheibe auch das kreative Servus bedeuten sollte und die Abschiedstournee (so lange sie auch ausfallen mag) wirklich einen Schlussstrich bedeuten muss. Aber noch ist es nicht so weit und Meine, Schenker und Co. spendieren ihren Anhängern noch ein letztes Schmankerl aus dem Studio. Nicht eine schnöde Best Of oder Greatest Hits sonder etwas, das dem alteingesessenen Scorpionisten genau so zusagen soll wie dem erst kürzlich hinzugewonnenen Jungrocker. 'Comeblack'!!! Und hierbei ist es wie bei einem Eishockeyspiel, also dreigeteilt. Vorneweg das Hauptaugenmerk: Die Rocker! Was da aus den Klassikern gemacht wurde gehört ja schon fast mit einem "Obacht geben"-Siegel versehen. Ohne die Seele und den Charakter der Originale zu verlieren wurden die Nummern nochmals produktionstechnisch aufgepimpt. Man sieht sich Luftgitarre spielend in die 80er zurückversetzt, als 'World Wide Live' noch den Plattenteller gerult hat. Es macht Spaß zu hören, dass die moderne Studiotechnik nicht eingesetzt wurde um zu verfälschen und zu pervertieren sondern um die kraftvolle Basis der Lieder noch mal aufzuwerten. Da bin ich mir sicher, dass dem Hausmütterchen, auf deren Gabentisch 'Comeblack' eventuell landen könnte, die Falten aus dem Gesicht gebügelt werden dürften. Und in der Metaldisco dürfen sich die DJs schon darauf gefasst machen, dass die Kids nachfragen werden von wem dieser Heavy Mattenrüttler jetzt gerade war. Zwischen drin bekommt man das unvermeidliche 'Wind Of Change' und das aus heutiger Sicht noch immer epochale 'Still Loving You' geboten, welche ausgesprochen wenig umarrangiert wurden. Durch die differenzierte Klangaufnahme kann man sich bei diesen Nummern auch mal auf die Komposition an sich konzentrieren und man gesteht sich ein, dass da schon große Kunst betrieben wurde. Ja, ich gestehe sogar ein, dass das Gitarrensolo von 'W.O.C.' richtig geil und passend ist. Der Coverversionen-Anteil zum Schluss steht stellvertretend für Songs, welche die Band über die Jahre geprägt haben. Was musste mein entzündetes Auge da als erstes lesen? 'Tainted Love'? Och neee,lass mal stecken, ey! Dabei hat die deutsche Rocklegende dem Song jetzt gar so was wie einen metallischen Anstrich verpasst. Ebenso 'Children Of The Revolution', wobei ich gerade hier finde, dass es nicht ganz so passend und gut klingt. Aber bei den Coverversionen von den Beatles, Stones, Small Faces usw. kann man durchaus von einem geglücktem Experiment sprechen, vor allem weil hier Produktion, handwerkliches Können, das Verständnis für die Essenz der Songs und vor allem die Topform von Klaus Meines Stimme die Mosaiksteinchen zu einem fähigen Hardrockbild zusammensetzen. Insgesamt bleibt bei 'Comeblack' ein äußerst positiver Gesamteindruck bestehen, welcher das mit 'Sting In Your Tail' geschmiedete Eisen im Feuer noch auf ein Weiteres bearbeitet. Der Abschied von den Scorpions wird dadurch nicht wirklich erleichtert, aber die Gier nach weiteren Livekonzerten zusätzlich angefacht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
01.12.2011 07:17:27 GMT+01:00
D. Marks meint:
Dieser Rezesion ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen! :-)
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