Kundenrezension

40 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich bin entzweit, 22. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Schantall, tu ma die Omma winken! Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters (Broschiert)
Auf den ersten Blick schien mir dieses Buch ziemlich witzig zu sein. Tatsächlich ist es für den einen oder anderen Lacher gut, und man entdeckt öfter etwas Wahres darin. Der Alltag einer typischen Ruhrpott-Prollfamilie wird sehr bissig und teilweise humorvoll beschrieben, man lernt noch einiges über den berühmten "Kevinismus" dazu. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Chantal (besser bekannt als Schantall), deren Alltag hauptsächlich aus Shopping, Billigurlaub in Spanien und Unterschichten-TV besteht. Solche Personen kennt man gut aus dem RTL-Nachmittagsprogramm. Ja, auch ich habe da mal reingeguckt, das gebe ich ehrlich zu (kurz danach habe ich meinen Fernsehanschluss stillgelegt). Alles in allem ist die Idee des Autors nicht verkehrt, aber so ganz ausgereift ist die Umsetzung dann doch nicht. Was soll das eigentlich mit dem Sozialarbeiter, aus dessen Perspektive das Buch geschrieben ist? Auf die Erwähnung seiner Person hätte man besser verzichten sollen. Oder soll man sich das so vorstellen, dass er Schantall auf ihrer Reise nach Lloret de Mar als stiller Beobachter begleitet, so wie er es in nahezu jeder anderen Situation im Buch auch tut? Bei der Berufsberatung mag das ja noch irgendwie einen Sinn ergeben, aber bestimmt nicht in der örtlichen Schlagerdisco. Wenn man im Lexikon das Wort "Sozialarbeiter" nachschlägt, bekommt man dort auf jeden Fall eine Beschreibung geliefert, die nicht gerade zu der Person in "Schantall, tu ma die Omma winken!" passt.

Vielen beschriebenen Situationen mangelt es zudem zwar nicht an Zynismus, dafür aber an Humor. Es soll witzig sein, aber das gelingt Kai Twilfer halt leider nur manchmal. Eine Frage habe ich außerdem noch: Hat der Autor das Buch korrekturlesen lassen? Wenn ja, so hatte jener Lektor von Zeichensetzung nicht viel Ahnung. Auf beinahe jeder Seite fehlt mindestens ein Komma. Ich formuliere es mal in der Sprache, die in diesem Buch gerne angewandt wird: Natürlich ist es für einen Dachdecker eher zweitrangig, ob er weiß, was ein Nebensatz ist, aber ein Buchautor sollte sich da doch an den Deutschunterricht erinnern können und wissen, dass ein Nebensatz eben durch Kommata abgegrenzt wird. Und wenn er es schon nicht weiß (was traurig genug ist), dann sollte zumindest der Lektor dazu fähig sein. Generell ist der Schreibstil eher durchwachsener Natur. Kai Twilfer versucht sich zwar liebend gerne an hochtrabenden Formulierungen, um möglichst intelligent und somit der thematisierten Hartz-4-Unterschicht überlegen zu wirken, verhaspelt sich aber dann doch irgendwie im Satzbau, der dann ausgesprochen unelegant wirkt. Beispiel gefällig? Das Satzfragment "...unter Sonnen... äh Neonlicht" [sic] sieht nicht nur reichlich dämlich aus, es ist tatsächlich reichlich dämlich. Und nein, das ist nicht ein Zitat von Schantall, das ist wirklich aus einem Satz entnommen, der nichts mit wörtlicher Rede zu tun hat.

Wurde hier also eine gute Idee in den Sand gesetzt? Jein. "Schantall, tu ma die Omma winken!" geht immerhin als okay durch, und wenn man die peinlichen orthographischen Fehler großzügig übersehen kann, bleibt zumindest eine nette Lektüre für zwischendurch. Mehr aber auch leider nicht.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.06.2014 10:54:05 GMT+02:00
Erklärbär meint:
Die erste ausgewogene Rezension zu diesem Buch.
Wer auch von Prolls genervt ist wird demnach über das Buch lachen können, wer selber einer ist wohl weniger und wer zwar in der Lage wäre darüber zu lachen, hier aber aus unerfindlichen Gründen eine sachliche oder gar intellektuelle Abhandlung erwartet, weil er sich nicht auch mal zu leichter Kost "herablassen" kann (und außerdem den Klappentext nicht gelesen oder nicht verstanden hat) wird enttäuscht sein.

Wobei letztere Klientel EIGENTLICH intelligent genug sein sollte, schon am Klappentext zu erkennen, dass es sich keinesfalls um ein anspruchsvolles Sachbuch handelt, sondern dass hier hemmungslos aber hoffentlich halbwegs witzig auf die Pröllmanns eingeprügelt werden wird.

Ich werde mir das Buch eher nicht kaufen, aber den Buchtitel als "Geflügeltes Wort" für die eine oder andere Gelegenheit konnte ich bereits hin und wieder nutzen.

PS: Als ich zur Schule gegangen bin gab es solche Bücher AFAIR nicht, auch die "Besonderen Empfehlungen" die Amazon mir hier unten gerade vorschlägt:
"Schab nix gemacht", "isch geh Schulhof", "Bin isch Freak", "Musstu wissen, weißdu!" (Alles Buchtitel)
hätten damals (in den 80er und 90ern) nur für Stirnrunzeln gesorgt. Heute allerdings assoziiert man sofort diverse Leute mit diesen Buchtiteln. Irgendwas ist gewaltig schief gelaufen in unserem Bildungssystem... und es sieht aus, als wird es NOCH schlimmer werden.
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