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Kundenrezension

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für Studienanfänger ungeeignet, 27. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Linguistics: Essentials: Studienbuch (Taschenbuch)
Ein wichtiges Teilgebiet im Studium der Anglistik und Amerikanistik bildet die Linguistik - die Lehre der Sprache. Sie ist, wie in jedem Sprachstudium, essentiell, obligatorisch und erforscht unter anderem Lautung, Aufbau und Bedeutung der jeweils zu untersuchenden Sprache. Bei den anglophonen Sprachen hat sich an vielen Universitäten das Werk von Professor Dr. Bernd Kortmann, der an der Universität Freiburg lehrt, als ein sehr beliebtes Einführungsbuch für die englische Sprachwissenschaft durchgesetzt. Es wird als Standardbuch verwendet und als 'Bibel der Linguisten' verehrt. Jedes Jahr wird zahlreichen Studienanfängern wärmstens empfohlen, dieses Buch zu kaufen, zu lesen und zu verinnerlichen.

Wie nahezu jedes Einführungsbuch für die englische Sprachwissenschaft ist Kortmanns Buch in die fünf Teilgebiete der Linguistik gegliedert. Eingangs werden die aktuelle sprachwissenschaftliche Forschung und ihre Bedeutung thematisiert. Kortmann geht auf die Anfänge der Sprachforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihrem Begründer Ferdinand De Saussure ein, der vor allem den Begriff 'Strukturalismus' prägte. Kortmann zieht neben De Saussure einen weiteren wichtigen Vertreter der modernen Sprachwissenschaft, Noam Chomsky, in Betracht. Chomsky prägte in den 1950iger Jahren den Begriff 'Generative Grammatik', der den Aufbau einer Sprache als ein geregeltes Konstrukt durch limitierte Grundregeln beinhaltet. Das erste Kapitel rundet Kortmann mit dem Forschungsfeld 'Corpus Linguistics' ab. Dieser Bereich vergleicht Sprache auf Grund gesammelter Datenmengen, die mit speziellen Computerprogrammen aufwendig analysiert werden und speziell für die Soziolinguistik von großer Bedeutung sind, in der man die Zusammenhänge zwischen sozialen Faktoren eines Sprechers und seiner Sprachvariante untersucht.
Im zweiten Kapitel widmet sich Kortmann dem ersten Teilgebiet der Sprachwissenschaft, Phonetik & Phonologie (Lautung und Aussprache). Es folgen anschließend die Teilgebiete Morphologie (Zusammensetzung von Sprache und ihren Einheiten), Grammatik, Semantik (Wortbedeutung) und Pragmatik (Bedeutung im Kontext). Die Kapitel sind nach einem einheitlichen Schema aufgebaut. Zuerst gibt Kortmann eine allgemeine Definition über das jeweilige Gebiet und erklärt die wichtigsten Begriffe mit Beispielen. Das Ganze wird durch farbige Kästen und Schautafeln illustriert. Am Ende eines jeden Kapitels befinden sich Übungsaufgaben und eine Liste mit weiter führender Literatur.
Zwischendurch bietet Kortmann kleine Diskurse in die vergleichende Sprachwissenschaft und der Soziolinguistik an.

Aus der Sicht eines Professors, der jahrelange Erfahrung mit der Linguistik hat, mag dieses Buch durchaus seine Reize haben und verdient wissenschaftliche Anerkennung, jedoch könnte der ein oder andere Neuling auf dem Gebiet der Linguistik die hoch geschätzten Meinungen über dieses Werk und die vielen Lobeshymnen nur bedingt teilen. Zweifellos steht ihm aus akademischer Sicht das 'Prädikat besonders wertvoll' zu. Es konzentriert sich auf die Bereiche der Linguistik, am Seitenrand befinden sich Stichwörter, Kortmann bemüht sich um Übersichtlichkeit/Veranschaulichung durch Kästen und Abbildungen und am Ende der Kapitel gibt es Übungsaufgaben. Dazu ist jedoch zu sagen, dass solche Unterteilungen und Übersichtlichkeits-Formalitäten der Standard bei solchen Einführungsbüchern sind.
Als Einführungsbuch ist es für Studienanfänger nur bedingt zu empfehlen, denn es weist einen zu akademischen Schreibstil auf. Dieser schlägt sich vor allem in komplizierten, verschachtelten Sätzen nieder. Teilweise wurden deutsche Sätze und komplexe Gedankengänge ins Englische übersetzt und erzeugen dadurch einige Verwirrung. Zu sehr erinnert Kortmanns Schreibstil an ein umständliches 'Bürokratendeutsch' und kann dadurch viele wichtige Sachverhalte nur schwer vermitteln. Manche Definitionen sind sehr umständlich geschrieben und man muss mehrmals nachlesen um sie zu verstehen wobei eine eindeutige Frust Gefahr besteht.
Die linguistischen Beispiele und Übungsaufgaben sind manchmal recht fragwürdig und bringen beim Nachfragen selbst den Professor/Dozent ins Grübeln. Die Übungsaufgaben erscheinen daher oftmals nicht eindeutig verifizierbar und die Nachvollziehbarkeit, die zum Verständnis des Stoffes wichtig ist, bleibt aus. Daher könnte es für Erstsemester, die noch nie etwas mit Sprachwissenschaft zu tun hatten, schwierig werden, die Aufgaben zu lösen.
Anstatt einen Überblick zu geben, listet Kortmann zudem zu viele Ausnahmefälle auf, geht auf zu viele kleine Teilgebiete ein, differenziert bis ins allerkleinste Detail und lenkt somit immer wieder vom eigentlichen Thema des Kapitels ab. Für ein Einführungsbuch ist es zu fordernd, komplex und tiefgründig.
Was bei vielen anderen Einführungsbüchern Standard ist, fällt bei Kortmann leider aus. So gibt es kein Glossar mit gesammelten wichtigen Begriffen der Linguistik am Ende des Buches, womit ein schnelles Nachschlagen von Fachtermini komplett entfällt. Es wäre wünschenswert, wenn die zweite Auflage von 'English Linguistics: Essentials' ein Glossar führen würde.

Die Sprachwissenschaft genießt leider unter den Studenten einen schlechten Ruf und ich kann den Frust (durch Kortmann wird es auch nicht besser) durchaus nachvollziehen. Ich finde es sehr schade und es wäre schön, wenn sich das ändern könnte, denn dieses Gebiet im Studium der englischen Sprache ist sehr interessant und faszinierend.

Fazit: Leider zählt Kortmanns Buch zur Grundausstattung in der englischen Sprachwissenschaft. Es ist meiner Meinung nach ungeeignet für Einsteiger und Laien. Für den Preis gibt es durchaus bessere und leicht verständlichere Einführungsbücher. Für alle, denen was an ihrem Studium und ihrer Prüfungsleistung liegt empfehle ich z.b. Becker/Biswanger oder Christian Mair.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.08.2010 19:50:41 GMT+02:00
S.K. meint:
Hallo...

ich kann dieser Rezension nicht zustimmen. Als Einführung in der studium kompakt Reihe richtet sich das Buch ausdrücklich an Studenten der englischen Sprachwissenschaft. Dememtsprechend werden die jeweiligen Gebiete nicht nur kurz angerissen, sondern ausführlich behandelt. Imho ist "English Linguistics - Essentials" der "Einführung in die anglistische Sprachwissenschaft" von Mair in jeder Hinsicht überlegen. Mairs Einführung, auf deutsch geschrieben (was als Vorbereitung auf eine auf Englisch abgehaltene Prüfung nicht allzu hilfreich ist), kratzt viele Gebiete an, in die Tiefe jedoch geht es nicht. Wer das als Ziel seines Studiums versteht, ist damit gut bedient. Im Übrigen sind hier die "Unterteilungen und Übersichtlichkeits-Formalitäten", die oben angesprochen werden, ganz offensichtlich nicht Standard, fehlen sie bei Mair doch gänzlich... Ich würde das Buch von Mair darum allenfalls interessierten Studenten vor dem Besuch der ersten Linguistik-Veranstaltungen empfehlen. Weiter hilft es meines Erachtens nicht. Ganz im Gegensatz dazu hat mir Kortmanns "English Linguistics - Essentials" bis zum Staatsexamen sehr gute Dienste geleistet. Wer dieses Wissen verinnerlicht hat, der weiß schon sehr viel. Als Überblickswissen über die synchrone Sprachwissenschaft sollte das auch fürs Staatsexamen ausreichen. Dass für die Schwerpunktthemen etwas mehr erwartet wird, ist allerdings auch klar!

Veröffentlicht am 30.08.2010 20:54:51 GMT+02:00
Albion Angel meint:
Vielen Dank für den Kommentar. Ich glaube allerdings, dass Sie meine Rezension nicht ganz verstanden haben. Meine Rezension richtet sich in erster Linie an Bachelor Studenten und wir müssen nicht zu detailliertes Wissen in den Einführungsverantsaltungen und den anschließenden Prüfungen aufweisen wie z.B. jemand, der Linguistik als Hauptfach weiter verfolgt. Leider wird vielen Studenten der Kortman als erste Quelle angegeben und sind schier überfordert. Ich schlage Biswanger/Becker und Mair vor, da ihre Werke wirklich erst einmal einen Einblick vermitteln. Praktisch alles was ihr in den Prüfung wissen müsst, wird euch hier besser und leicht verständlicher vermittelt. Klingt zwar jetzt so als ob 'man lerne nur für die Prüfungen und nicht für sein Studium' aber leider ist die Mehrheit der Bachelor Studenten aus meiner Erfahrung so dass sie die eben NUR für Prüfungen lernen und sich nicht weiter für ein Thema interessieren. Wer danach weiter an dem Thema interessiert ist, kann sich den Kortmann immer noch kaufen. Prinzipiell finde ich es aber aus pädagogischer Sicht ungünstig 19jährigen Abiturienten, die nichts mit Sprache anfangen können so ein komplexes Werk vor zu setzen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2010 12:44:23 GMT+02:00
Albion Angel meint:
Ich hatte noch vergessen anzumerken dass ich mich bei Mair auf sein Buch 'English Linguistics' beziehe. Dieses ist sehr wohl in Englisch geschrieben und hat definitiv bessere Illustrationen und Übersichtlichkeitsformalitäten als Kortmann.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.11.2012 19:36:10 GMT+01:00
bertel becks meint:
Ich kann der Rezension ebenfalls nicht zustimmen.
Mein Studium, das sich allmählich dem Ende nähert, begann mit der blau-pinken Kortmann-Fibel und endet auch damit, da ich Student an der Uni Freiburg bin und mir jüngst Prof. Kortmann als Prüfer für die StEx-Prüfung zugeteilt wurde. Das Buch ist m.E. sehr durchdacht aufgebaut, die Kapitel sind übersichtlich und nicht zu lang und der Inhalt sollte auch Erstsemestern verständlich sein. Ich weiß nicht, welchen Standard die verschiedenen deutschen Universitäten bei der Aufnahme neuer Anglisten setzen, aber m.E. muss man von Studenten erwarten, dass sie die Zielsprache fließend beherrschen. Dann dürfte es m.E. auch kein Problem mit dem Verständnis geben. Es mag jedoch sein, dass sich das mit G8 und damit ebenfalls zurückgehender Auslandserfahrung noch während der Schulzeit geändert hat.

Ich werde im nächsten Herbst ggf. eine eigene Rezension verfassen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.11.2012 19:47:28 GMT+01:00
Albion Angel meint:
Es geht nicht darum, dass man das Englisch nicht versteht, sondern das die Uebersetzung so schlecht ist. Die Saetze sind uebelst verschachtelt, sowas kommt im Englischen ueberhaupt vor. Teilweise sind deutsche Satzstrukturen wort woertlich uebersetzt worden, was auch im Englischen ueberhaupt keinen Sinn macht/ergibt. Solche Satzstrukturen gibt es gar nicht. Ich hab/bzw. lebe lange genug in England um die Sprache perfekt zu sprechen, sie verinnerlicht zu haben um mir ein Urteil ueber Kortmann's Text bilden zu duerfen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.11.2012 19:56:44 GMT+01:00
bertel becks meint:
Ich kann da nicht zustimmen. Die Sätze sind m.E. gut verständlich. Dass sie tendenziell länger sind als nativ-englische Sätze, ist zu Teilen natürlich der Übersetzung geschuldet. Als deutscher Muttersprachler hatten ich und viele meiner Studienfreunde damit jedoch nie Probleme. Ganz im Gegenteil - man ist bereits daran gewöhnt. Ich kann dieses Buch jedenfalls uneingeschränkt empfehlen, sofern man mit der englischen Sprache gut vertraut ist. Wie bereits gesagt, mag es möglich sein, dass 18-jährige Studienanfänger mit maximal einem Musical-Wochenende in London als "Auslandserfahrung" zu Beginn für das Textverständnis etwas mehr Zeit benötigen.
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