Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwebend im Rausch surrealer Träume, 6. August 2013
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Rezension bezieht sich auf: Lisa und der Teufel (DVD)
Treten Sie ein lieber Interessent in das Reich der unterbewussten Phantasmagorien, dunklen Leidenschaften, böser, grotesker Stimmungen, blutroter Symbolik und versponnenen Märchen.
Erwarten Sie eine poetische, versponnene Reise in die Träume, aber erwarten Sie, mehr als bei anderen Filmen des Künstlers Mario Bava keine stringente Logik, nachvollziehbare Handlungen.
Sehen sie den Film als grosses Mysterium, in dessen hypnotische Spielereien Sie sich hinein fallen lassen müssen, und Sie werden von seiner Einzigartigkeit in ein wahres Delirium versetzt.
Versuchen Sie jedoch ihn gedanklich zu hinterfragen und Sie werden sich verärgert abwenden.
Fürwahr dieses fiebernde, schauerromantische, wunderschöne Fresko über Tod, Liebe und Wiederkunft ist in seiner Art einmalig.
Es ist ein Film, der nicht einfach zu konsumieren ist, ob seinem Pendeln zwischen Unbeholfenheit und gemäldeartiger, perfekter Faszination.
Er ließ mich nicht los und zwei, dreimal musste ich ihn schauen, um mir ein Urteil ob Meisterwerk oder Machwerk zu bilden.
Wie ein seltsames Juwel offenbart der Film immer neue Facetten, gleicht in seinem Spiel mit Schein, Realität, Wahnvorstellungen, Visionen einer Erzählebene in der Erzählebene .
Wie die russischen kleinen Puppen, die immer noch eine weitere in sich verbergen.
Mit wenigen Filmen erschuf Regisseur Mario Bava ein ganzes Genre; den italienischen Horrorfilm.
Kein Dario Argento, kein Riccardo Freda, kein Lucio Fulci, kein Michele Soavi wäre möglich gewesen, ohne seine bahnbrechenden neuen Merkmale des Filmens.
Ein Kino des Fühlens, der rauschhaften an Drogentrips erinnernden Einstellungen, grellen Farbpaletten, bizarren freudianischen Trieben.
Kein Kino des narrativen, stringenten Erzählens.
So steht der italienische Horrorfilm auch im direkten Gegensatz zu den englischen "Hammer Produktionen", aber auch zu den hyperrealistischen, sozialkritischen Horrorfilmen des amerikanischen Kinos dieser Zeit.
"Lisa und der teufel" ist ein Spätwerk Bavas, und mehr als alle Filme davor ist er ein einzigartiges Traumspiel mit einer eigenen unzugänglichen, hermetisch abgeschlossenen Logik.
Ich werde den Film nie verstehen, Sie werden ihn nicht verstehen.
Keiner wird diesen Film durchdringen und das ist sein unvergesslicher Reiz.
Ein böses Märchen mit Archetypen von dunklen Feen, versponnenen Häusern, verfallenen Statuen, zerbrochenen Puppen in prächtigen Gärten.
Von Flüchen, Reinkarnationen, Sex, Blut, wehenden Vorhängen, unschuldigen Mädchen und Doppelgängern.
Die Unzugänglichkeit, die Holperigkeit der Szenen, die Verwirrtheit, die der Film auslöst, (man kann seiner Geschichte nur schwer folgen) lässt den Zuschauer mit einem genialen, phantastischen Ende vollkommen hilflos beim Abspann zurück.
Was bleibt ist eine atemberaubende Symphonie über Tod, Verfall, Liebe, Auferstehung und Bewusstseinsverschiebungen, die einfach nur intuitiv erlebt werden will.
"Dies hier ist ein Gemälde des Teufels, der einen Toten umfängt um ihn in die Hölle zu geleiten."- Die junge Touristin Lisa Reiner lauscht den Worten eines Stadtführers.
Gerade ist sie in Florenz angekommen um sich dort eine Reihe von Kunstwerken und Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Doch das Bild mit dem Gemälde des Höllenfürsten lässt sie nicht mehr los.
Wie hypnotisiert verlässt sie die Touristengruppe, macht sich ziellos auf den Weg durch ein verlassenes, sonnendurchflutetes, unwirkliches Florenz.
Die Strassen werden immer enger, verwinkelter.
Alte Frauen, raunend hinter Fensterscheiben.
Ein alter Mann, den sie nach dem Weg fragt wendet sich ab. Plötzlich verläuft sie sich in den Laden eines Antiquitäten-, Souvenirs und Puppenhändlers.
Eine täuschend menschlich aussehende, lebensgrosse Puppe liegt auf der Werkzeugbank .
Ein Kunde beugt sich über die Marionette. Ein Fremder- mit dem Antlitz des Teufelsfreskos.
Später in der Dunkelheit irrt Lisa immer noch durch das bedrohlich wirkende Florenz.
Ein Ehepaar gabelt sie mit dem Auto auf.
Ein verfallende, dennoch überaus prächtige Villa wird in einer stürmischen Nacht ihre Unterkunft.
Eine Nacht bizarrer Träume und tödlicher Gefahren.
Szenen von makelloser, morbider, majestätischer Schönheit. Kamera, Musik, Decors unbeschreiblich genial.
Eine blinde Comtessa, ein sinisterer Sohn, blutige Morde, Eifersucht, totenstarre Leichenskulpturen, im Wind wehende Kerzenleuchter, und eine verstorbene grosse Liebe, die sich scheinbar in Lisa reinkarniert.
Und natürlich der Teufel, der zum letzten Puppenspiel bittet, grinsend am Ende einen Flug in die Unterwelt offeriert.
Memento Mori- Der Tod holte sie alle.
"Lisa und der Teufel" ist vielleicht Bavas künstlerischster, für mich jedoch nicht sein bester Film.
Zu sehr steht und fällt der Film damit ob man sich auf seine verquere Logik nun vollkommen einlässt oder ihn bisweilen auch als anstrengende, zu verwirrte, auch zähe Kunstcollage betrachtet.
Dieser Umstand kostet ihn im direkten Vergleich zu beispielsweise meinen persönlichen Lieblingen "Die drei Gesichter der Furcht" und "Die toten Augen des Dr.Dracula" die Höchstwertung.
Natürlich war der Film kein kommerzieller Erfolg.
An dem Film wurde von Seiten der Produzenten herumgeschnippelt, Szenen wurden nachgedreht die so nie geplant waren, und Bava hat sich von der Tatsache, wie mit seinem persönlichsten Film umgesprungen wurde, nie wieder ganz erholt.
Um so schöner, daß hier mit dieser Edition die sorgfältig überarbeitete, ungekürzte Originalversion vorliegt so wie Bava sich den Film vorstellte.
Es gilt: Wer sich auf seinen prächtigen Surrealismus einlässt, vielleicht auch erst bei mehrmaligem Sehen wird mit einem der rauschhaftesten Märchen- Filme aller Zeiten belohnt.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.08.2013 07:50:26 GMT+02:00
christine meint:
Ach ja, einer meiner liebsten Bavas, der erstaunlich viel aus Elke Sommer herausholt. Und Alida Valli spielt geradzu furchteinflößend. Die betörende Gitarrenmusik trägt natürlich viel zum Gelingen bei. - Kann es sein, dass Du bei "Notorious" etwas übellaunig warst? Nicht zu unrecht ist er für viel ein besonderer Liebling. Dir einen schöne Tag, Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2013 14:33:23 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.08.2013 17:49:18 GMT+02:00
Rumburak meint:
Hallo liebe Christine, schön wieder von Dir zu hören.
Naja übellaunig war ich vor allem wegen der Synchronisation.Ich finde es furchtbar diese blechernen, glasklaren Neusynchros zu hören. Hoffentlich vergreift sich niemand einmal an der tollen deutschen alten Tonspur von zum Beispiel unseren Lieblingen wie "Rebecca" oder "Haus der Lady Alquist".
Ich hab bei der Rezi einmal versucht es etwas kürzer zu machen, weil ja doch die Interessierten den Inhalt des Films kennen dürften.
Das ist ja schön, daß er der Liebling von vielen ist, und das soll er ja auch bleiben.
Ich kann ihm wenig abgewinnen. An erster Stelle, fernab von allen filmischen Gepflogenheiten, die der Film hat, finde ich persönlich ihn erschreckend langweilend.
Sehr seltsam daß Truffaut ihn als Hitchs besten Film sieht, beide aber im Interview zum Beispiel "Vertigo" für relativ gescheitert halten.
"Vertigo" ist für mich Hitchcocks Quintessenz.
Aber ich habe bei Hitchcock sowieso meine ganz eigenen Favoriten. Das macht ja die Diskussion so interessant.
"Die rote Lola" mag ich zum Beispiel sehr, und ich würde einen "zerissenen Vorhang" auch immer "Topas" vorziehen.
Ebenfalls nicht so ganz überzeugt bin ich, oh weia Christine jetzt bekomme ich von Dir Schelte, von den restlichen Zusammenarbeiten "Spellbound", oder "Under Capricorn", die er mit der Bergmann fabrizierte.
Und was sind denn deine favorisierten Hitchcocks? Interessiert mich sehr?

"Lisa and the devil" ist so ein Werk finde ich, das seine betörende Wirkung erst bei zweiten, dritten mal Sehen wirklich entfaltet. Alida Valli hat mich gerade vor kurzem noch einmal in "Paradine Case" betört. Was für eine Leinwandgöttin damals!!
Falls Du ihn noch nicht kennst, Sie spielt auch die Leiterin der Ballettschule in Dario Argentos "Suspiria"
"Lisa and the Devil" habe ich beim ersten Mal fast noch als verunglückt empfunden, jetzt liebe ich ihn.
Freue mich auf heute nacht, da ziehe ich die Vorhänge zu und geniesse Kümels "Blut an den Lippen".
Der könnte Dir glaube ich auch gefallen. Ich bin sehr gespannt.- und danach vielleicht noch den "Wicker Man" im Original- kenn ich auch noch nicht.
Viele Grüsse, Rumburak
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