Kundenrezension

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rock Show, 18. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Wings Over America (Audio CD)
Nach Anlaufschwierigkeiten hatten sich die Wings spätestens 1973 mit "Band on the Run" zu einer der populärsten Bands der Siebziger gemausert, und das ist auf diesem Live-Mitschnitt sehr schön dokumentiert. Obwohl mit "Wings at the Speed of Sound" zur Tour ein eher schwächliches Album erschienen war, zeigt "Wings over America" die Band ein letztes Mal auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft und Live-Präsenz (die '79er Tournee konnte dann schon nur mit schwächeren Titeln aufwarten). 1977 begann mit der unvermeidlichen Single Mull of Kintyre bereits der Abstieg in seichteres Fahrwasser, und die nächsten - und letzten - beiden Studio-Alben der Wings hatten entweder nicht mehr den hier gebotenen Biss ("London Town", 1978) oder waren ziemlich uninspiriert und bemüht ("Back to the Egg", 1979).

Für diese Tournee nahm Paul mit Lady Madonna, The long and winding Road, I've just seen a Face, Blackbird und Yesterday zum ersten Mal 5 originale Beatles-Titel mit ins Programm und rundete es damit stimmig ab, was zeigte, dass er begann, sich allmählich mit seiner Vergangenheit als Beatle auszusöhnen. Ich habe irgendwo gelesen, er hätte sogar Hey Jude erwogen, aber wieder verworfen; diese Version hätte mich sehr interessiert!

Die Dramaturgie des Konzertes ist sehr abwechslungsreich gestaltet: auf Seite 1 der LP kommen mit Jet und Let me roll it ein paar deftige Rocker zum Einstimmen; Rock Show scheint extra als Startschuss eines Wings-Konzertes konzipiert worden zu sein!

Auf Seite 2 spielt Paul Klavier und liefert mit Maybe I'm amazed meine persönliche Lieblings-Version diese Liedes ab, die dann auch verdientermaßen als Single (mit Soily als B-Seite) ausgekoppelt wurde.

Seite 3 ist sozusagen die "Unplugged"-Abteilung (lange bevor dieser Begriff die Runde machte); diese Idee hat Mccartney auf "Back in the US" bzw. "Back in the World" noch erheblich ausgebaut. Die Wings spielen hier Picasso's last Words ohne die Sound-Spielereien der Studiofassung im Medley mit einer tollen Version von Richard Cory, und Paul überrascht mit Blackbird und Yesterday (in der Kurzfassung, die er 1990 auch auf "Tripping the Live fantastic" veröffentlichte).

In der 2. Konzerthälfte liegt der Schwerpunkt auf Hits und Albumtiteln der letzten beiden LPs; einige Songs kommen hier mit mehr Biss als die Studiofassungen, und Let 'em in spielt die Band dankenswerterweise um eine Minute gekürzt.

Zum Ende gibt's mit Band on the Run und Hi hi hi nochmal 2 richtige Kracher, und als Zugabe - sehr mutig - das seinerzeit ziemlich unbekannte Soily (kann sein, daß es auf den '72er Wings-Konzerten ab und zu gespielt wurde).

Ich teile übrigens nicht die Meinung eines Mitrezensenten, dass Paul hier krächzt und die meisten Töne nicht trifft, im Gegenteil: sein Live-Gesang verleiht etlichen Titeln erst den nötigen Biss, und er präsentiert sich hier als geiler Live-Sänger! Erst auf die "Back in the US / World" - CDs (2003) trifft diese Kritik dann zu, denen man anhört, dass seine Stimme teilweise sehr bemüht bis gequält klingt und deutlich hörbar gealtert ist. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass Paul den Gesang bei Venus and Mars später im Studio neu eingesungen hat, und am Ende von Spirits of Ancient Egypt höre ich ein paar Rhythmusgitarren-Overdubs. Schade, dass Paul offenbar entschieden hat, den größten Teil der Ansagen und Zwischenrufe so weit runterzufahren, dass sie nur aus dem Hintergrund zu erahnen sind.

Das Remaster von 2013 bringt gegenüber der Endachtziger-CD den erhofften und erwarteten klanglichen Schritt nach vorne; so drastisch wie beim 2012er Remaster von „Ram“ fällt dieser allerdings – leider – nicht aus.

Fazit: "Wings over America" gehört mit "Band on the Run" und "Venus and Mars" zu den drei wichtigsten Wings-Alben.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.10.2008 12:21:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.10.2008 14:07:04 GMT+02:00
AMM meint:
Von der vor ein paar Jahren erschienen Japan-Edition von "Wings Over America" ist gerade eine auf 500 Stück limitierte Neuauflage erschienen, als Mini-Klappalbum mit 3 (!) CDs und dem gesamten LP-Artwork, außerdem remastert, wie wohl auch schon die japanische Erstausgabe, wie aus einer Rezension bei amazon.com zu lesen! Da zu einem im Vergleich zu der heute sündhaft teuren Erstausgabe sensationell zivilen Preis erhältlich, habe ich das Ding einfach mal auf Verdacht bestellt. Falls es Dich interessiert, guck mal bei "salerussia.com" nach! SF

Veröffentlicht am 28.05.2013 22:10:58 GMT+02:00
Amberle meint:
Wings over America, Venus and Mars und band on the run sind die drei wichtigsten Wings-Alben? Das ist aber eine sehr subjektive Einschätzung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.05.2013 06:44:27 GMT+02:00
Natürlich, so subjektiv wie sämtliche Rezensionen - übrigens wie auch Dein Kommentar, in dem anklingt, dass Du meine Meinung nicht teilst. Ich habe beim Lesen noch nie Objektivität erwartet, ich orientiere mich an den Eindrücken der Rezensenten und gleiche diese mit meinen eigenen ab, schließlich geht es hier um Geschmack. "Wings over America" ist ein überzeugendes, live eingespieltes Best of-Album der besten Wings-Besetzung - natürlich nur nach meiner höchst subjektiven Einschätzung! Diese teile ich von den Verkaufszahlen her allerdings mit Millionen anderer Wingsalben-Käufer. Jetzt geht's etwas mehr in Richtung Objektivität, aber da liegt auch das Problem: wenn ich solche Statistiken heranziehe, müsste ich auch z.B. Modern Talking-Platten toll finden. Warum ich "Red Rose Speedway" und "Wings at the Speed of Sound" nicht zu den wichtigsten Wings-Alben zähle, habe ich dort jeweils begründet. Ich mag "London Town" sehr, aber die Platte ist recht seicht. Was bleibt? Doch nicht etwa "Back to the Egg?" Oder gar "Wild Life"? Wenn mir jemand überzeugend darlegt, warum er oder sie da anderer Meinung ist, kann ich das gut akzeptieren, auch wenn ich die Sichtweise wahrscheinlich nicht teilen werde. Ich bin gespannt!

Subjektive Grüße!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.06.2013 08:34:43 GMT+02:00
stephan. meint:
sehr gute Kritik - und ich kann / muß mich (leider?) der Einschätzung anschließen, daß Band on the Run und das (unterschätzte/bessere?) Venus and Mars die besten Wings/McCartney Alben sind. Im "Mittel" war McCartney nie wieder so gut. Klar, es gibt auf anderen LPs gute Songs, vielleicht sogar den einen oder anderen besseren (May be I'm amazed, einige Singles aus dieser Zeit), aber ... was McCartney danach produziert hat, war kommerziell vielleicht erfolgreicher, aber wer erinnert sich noch an die anderen Songs (und der eine oder andere "Hit" war echt peinlich, jedenfalls für einen Ex-Beatle/Wings Rock-Musiker).

Ich nehme jetzt mal die letzten Solo-Alben aus meiner Wertung aus - diese sind teilweise hervorragend - aber eher "Fans only" und nicht unbedingt Massenmarkt-tauglich. Daher gehe ich davon aus, daß die Scheiben Sir Paul Spaß gemacht haben. So richtig verkauft hat er wohl nicht. Und der Rest sind Live-Alben - und was findet man dort? Wings-Klassiker und Beatles-Songs - dazwischen ein paar neuere Sachen. Klar - um es mit den Kinks zu sagen: "Give the people what they want!"
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Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent

Toby Tambourine
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

Ort: Gießen

Top-Rezensenten Rang: 361