Kundenrezension

26 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Punk? Gut? Haben alle anderen ein anderes Album mit anderen Songs?, 28. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: 21st Century Breakdown (Audio CD)
Wäre 21st Century Breakdown eine Anleitung zum "Sich möglichst unaufrichtig und abgedroschen äußerst gewinnbringend verkaufen!", hätten Green Day ein absolutes Meisterwerk erschaffen.
Dem aufmerksamen Leser verrät der Konjunktiv des ersten Satzes jedoch schon einiges.

Green Day haben sich nach einem guten, leider zum Mainstream gehypten Album [American Idiot] sowohl musikalisch als auch textlich und überhaupt im Gesamteindruck ins fernste Nirgendwo verirrt. Oder aber diesen Weg sogar beabsichtigt gewählt, weil er eben einiges an "angenehmen Begleiterscheinungen" bereithält.

Als ich den Titel "21st Century Breakdown" zum ersten Mal hörte, dachte ich mir folgendes:
Entweder wird dieses Album wieder Green Day in Reinform - sie verlassen die Mainstream-Autobahn und wandeln in Zukunft wieder auf Punk-Pfaden. ODER sie machen ein Album, das äußerlich nach Punk, politischer Alternative und Protest aussieht, aber nichts davon einhält, was es verspricht.

Um das Kind beim Namen zu nennen: Letzteres ist geschehen.

Die Musik: Billiger, überproduzierter "Pop-Punk", wobei die Verwendung dieser Genre-Bezeichnung hier tollen Bands wie Relient K überhaupt nicht gerecht würde. Green Day bewegen sich ausschließlich noch auf der seichten Schiene. Sie sind voll auf Nummer sicher gegangen und haben den Weg der Musikalischen Devolution eingeschlagen. Entstanden ist Mainstream-Rock der übelsten und grausigsten Sorte, das machen tausende Bands besser. Akustik-Gitarren sowie zu opulente und zu oft eingesetzte Streicher-Passagen verstärken diesen Eindruck ungemein.

Die Texte: Haha. Das soll Punk sein? Green Day ziehen mit ihren Lyrics den Begriff durch jede nächstbeste verfügbare Drecklache und treten mit ihm in unzählbare Fettnäpfchen. Und machen ganz nebenbei ihren Ruf als ehemalige Vorzeige-Protestler kaputt.
Der Inhalt beschränken sich im Grunde genommen auf vier Themenbereiche: Soziale Missstände in den USA und der globalisierten Welt, das absolute Nein zum Krieg und das Schimpfen auf den Grund zum Untergang der Menschheit: Das Christentum. Und immer wieder liest man sinngemäß, dass sie "am Ende" sind und trotzdem kämpfen müssen - für den Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit.
Das Green Day mal wieder die Falschheit des Krieges ansprechen und auf die daraus resultierende Ungerechtigkeit hinweisen, ist völlig in Ordnung. Leider hat man das auf den bisherigen Alben auch schon immer mal wieder gemacht und zum Beispiel von Silverstein in deutlich kreativerer Form gehört. Nun gut. Soziale Missstände anprangern und auf Amerika schimpfen, aber selbst mit Warner Music bei einem Major unter Vertrag stehen und dort ziemlich die Moneten einkassieren - das stellt für mich und wohl auch einige Andere einen unverständlichen Wiederspruch dar. Wahrscheinlich geben Green Day auch weiterhin einen Teil ihrer Kohle an Hilfsorganisationen und Umweltschützer, aber das lässt ihre halbehrliche Attitüde kaum in besserem Licht erscheinen. Zum Christentum: Man verteufelt vor allem strenge Religiosität (East Jesus Nowhere) und den Schöpfungsglauben (Christian's Inferno), bleibt dabei aber äußerst oberflächlich. Die Kritik wird keinen überzeugten Christen mit lebendigem Glauben treffen - außerdem hat jede (mir bekannte) andere Religion mindestens ebenso strenge und biedere Anhänger, die sich selbst durch Superreligiosität profilieren wollen. Vor allem diese Songs erscheinen einem, als seien sie in der Bush-Ära mit komplett anderem Inhalt entstanden und nach dem Ende der Präsidentschaft dieses evangelikalen Weltpolizisten noch schnell mit ähnlichem Sinn - dem Bloßstellen des Schlechten am Christentum - versehen worden. Auch die Gesellschaftskritik wirkt abgedroschen und ausgelaugt, als hätte man seit Obama kein passendes Feindbild mehr. Auffällig ist das Herunterbeten manifestartiger Lyrics, die Assoziationen zu "Proletarier aller Länder ..." wecken - dabei aber nicht halb so frisch daher kommen.
Noch mehr ins Auge stechen die teilweise dreifachen Wiederholungen von nahezu inhaltsfreien Passagen [Do you know the enemy / Do you know your enemy / Well gotta' know the enemy, ohaooh!] - die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem nervigen "Yes, we can!" aufweisen.
All das lässt den Eindruck entstehen, als wären Green Day nicht mehr in der Lage, treffende und inhaltsschwere Texte mit ihrer Musik zu verbinden. Positiv [oder negativ?] ist zumindest der Umstand, dass sie ihre Songs noch selbst schreiben [vielleicht wären sie von mehr Qualität, wenn sie für Green Day geschrieben worden wären].

Das Gesamtbild vom Mainstream-Pseudo-Punk unterstützen auch die Umstände vom Release des neuen Albums: So hing in Berlin schon Wochen vorher am Alex ein riesiges Promo-Banner. Die neue deutsche Internetpräsenz wartet in Popstar-Manier mit Steckbriefen, "Green Day TV" und den Lyrics in der deutschen Übersetzung auf. Können Songtexte noch von Bedeutung sein, wenn man für die Fans sogar das Auseinandersetzen (Übersetzen) mit den Songtexte übernimmt?

Treffend zusammenfassen lässt sich das neue Green Day-Wesen [Image] mit Ausschnitten aus zwei Songtexten von A Wilhelm Scream:

"Live like a legend and die like an asshole.
You dance with the man, shake his hand, shine his shoes.
The revolution rock hits sound like shit through your iPod.
'Put fists up like I got, now gimme the loot.' "

"...and with the weight of a monolith perched on a guiltless chest.
Once a witness you can't shake the thought of 15 year old dick
ornaments on kabuki faced jocks hair sprayed up the ass.
Wide open inviting the next pop rock star asshole."

Traurig. Mainstream und Kommerz machen mal wieder eine vor 10 Jahren noch richtig geile Band kaputt. Wie viel Green Day dazu bewusst beigetragen haben, will ich nicht vermuten und beurteilen.
Sie haben sich an die schwere Aufgabe gemacht, nach einem überall hochgejubelten Album ein neues aufzunehmen, dabei aber die Karre absolut in den Sand gefahren. Ihre Orientierung an den eigenen ehemaligen Punk-Prinzipien ging leider verloren und sie predigen nun unaufrichtig und mager ziemlich schwache Parolen.

Weshalb ich da noch einen Stern gebe?
- Null sind bei Amazon nicht möglich
- das Album war es mir wert, diesen Review zu schreiben
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.08.2009 13:18:14 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.08.2009 13:23:08 GMT+02:00
W. Riek meint:
Hi,

ich habe die Anfänge von Greenday nicht miterlebt (dazu bin ich zu jung), deswegen habe ich möglicherweise eine andere Sicht der Dinge.

Ich finde es etwas ungerecht, zu behaupten, Greenday würde sich mit diesem Album "unaufrichtig" verkaufen und dass sie "die Karre absolut in den Sand gefahren" hätten - was ihre Musik-Karriere angeht haben sie letzteres ja ganz und garnicht.

Eine gute Band muss sich auch mal weiterentwickeln und neue Wege beschreiten.

Diese ganze Diskussion erinnert mich zu sehr an Metallica, von denen man ja auch immer verlangte, endlich wieder zurück zu den Wurzeln zu finden...
ich habe oft das Gefühl, dass gerade die "älteren" Fans am liebsten die ersten Alben ihrer Band ständig neu aufgelegt, bzw leicht verändert sehen würden.
Aber DANN wäre das Gemecker doch erst recht groß.

DANN könnte man die viel zu oft gebrauchte "Abgedroschen!"-Keule mit Recht auf sie hernieder sausen lassen.

Ich kann verstehen, dass es für die Fans der ersten Stunde möglicherweise hart ist, zu akzeptieren, dass ihre Band nicht mehr genau das macht was sie schon vor 10 Jahren gemacht haben.
Nun sollte man sich doch aber mal in die Lage der Band versetzen...die haben keine Lust, 10 Jahre lang den gleichen Kram abzuspulen.

Ich finde als wahrer Fan sollte man sich auf die Entwicklung einer Band einlassen, oder es zumindest versuchen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.09.2009 15:41:43 GMT+02:00
C. Wille meint:
Ich glaube eher Tim Kimmich geht es darum das die Band dem Kommerz erlegen ist und da muss ich ihm zustimmen! Wenn man sich musikalisch weiterentwickeln will geht man nicht in die Pop Richtung denn das ist keine weiterentwickling das ist eher ein (lukrativer) Rückschritt!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2009 09:58:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.09.2009 10:00:18 GMT+02:00
Naja, sorry, Bands wird immer vorgehalten, dass sie komerziell werden und dass sie ab dem Zeitpunkt des Erfolges keine gute Musik mehr machen könnten. Vielen, die so etwas schreiben geht es doch darum, dass sie nicht mehr die außerwählen/priviligierten einer Subkultur sind, da jetzt die breite Masse auch diese Musik eventuell hören könnte. Somit hat die Band ihre Fans, in ihren Augen, verraten. Daher das ständige mies reden. Gibt es bei allen möglichen Bands: Rancid, Red Hot Chilli Peppers und die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Da sie aber alle schon seit Jahren erfolgreich im Geschäft sind scheinen sie ja etwas richtig gemacht zu haben.
Man wird eventuell in seinen Freiheiten als Künstler/Musiker bei einem Major eingeschrenkt, keine Frage. Und trotzdem kann man versuchen gute Musik zu machen.
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