Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Überholte Aerosmith-Maschine mit Extras, 23. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Pump (Audio CD)
Der überwältigende Erfolg von "Pump" führt oft dazu, dass man Aerosmith verächtlich vorwirft, sie wären jetzt musikalisch vollkommen im Mainstream angelangt, würden "billigen Poser-Rock" spielen und sich dem Kommerz ergeben. Solche Vorwürfe mögen ob dem breiten Erfolg irgendwo ihre Berechtigung haben, aber "billig" lasse ich nicht gelten, Aerosmith kann man wohl kaum als Poser-Rock bezeichnen. Natürlich haben ihre Alben Ende der 80iger dazu beigetragen, von einem breiteren Publikum wahrgenommen zu werden, und haben Aerosmith endgültig in der Riege der erfolgreichsten Bands etabliert.

Die Alben sind durchaus recht durchfrisiert und entsprachen dem damaligen Zeitgeist, aber diese Zeit war - zumindest nach meiner Ansicht - die letzte große Ära des Rock. Die letzte große Ära des Rock und "Pump" ist eines ihrer wichtigsten und besten Alben, das spricht doch schon ein wenig für sich, nicht? Die Aerosmith der 70iger waren ruppiger, keine Frage, aber eigentlich nicht härter. Aber nur weil die Aerosmith der späten 80iger nicht mehr ganz so ungestüm und ein wenig glatter waren, bedeutet das nicht, das sie in etwa schlecht oder gar schlechter gewesen wären. Meiner Ansicht nach war "Permanent Vacation" da zwar mit guten Songs ausgestattet, aber ziemlich glatt und vergleichsweise sanft (nein, kein typischer Poser-Rock) produziert; dasselbige wirft man "Pump" auch vor, vielleicht hab' ich was an den Ohren, aber ich finde Aerosmith klingen auf "Pump" wieder etwas erdiger und scheppernder als auf "Permanent Vacation".

"Young Lust" poltert gleich zu Beginn ins Album und rockt ziemlich geradlinig vorwärts, "F.I.N.E." bleibt auf dieser rockigen Linie, scheppert aber nicht mehr so nach vorne und ist etwas bluesiger. "Love In An Elevator" ist gleich der erste Aero-Hit, aber das bedeutet nicht, das schon aufgehört wird zu rocken. Ich habe irgendwo gelesen, Aerosmith würden da wie ein 80iger-Jahre-Glam-Rock-Abklatsch klingen, die Chöre und der hintergründige Einsatz von Keyboards und Bläsern mögen zwar daran erinnern, und die Grundlage für solch eine Meinung geben, aber unter dem Strich kann ich diese Auffassung nicht so ganz teilen, die Riffs sind eigentlich typisch Aerosmith. Es ist bestimmt kein schlechtes Aerosmith-Lied, aber eigentlich noch das, das mir auf "Pump" am wenigsten gefällt. "Monkey On My Back" rockt lässig, riff-betont und ein wenig groovend weiter. "Janie's Got A Gun", der nächste Aero-Hit auf der Platte ist eine dramatische, schneller gespielte Ballade, samt Einsatz von Streichern, die dem Lied die charakteristischen Melodien verleiht. Meiner Meinung nach gehört der Song zu den besten Balladen von Aerosmith. Mit "The Other Side" folgt gleich der nächste Aero-Hit, der von einem Dulcimer-Spiel eingeläutert wird, und, trotz Up-Tempo-Rock, auch von Bläsern und Keyboards geprägt ist, die allesamt eigentlich prima zum Song passen. "My Girl" ist wieder mehr Hau-Drauf-Riff-Rock N'Roll mit einem Rhythmus, der ein wenig an einen Stepptanz erinnert. Soetwas hatten motörhead ja schon auf "Ace Of Spades" gebracht, aber hier würde ich trotzdem sagen, fetzige Nummer, typisch Aerosmith. "Don't Mad, Get Even" wird von einem australischen Didgeridoo eingeleitet, bevor es wieder riff-betont bluesig und rockig weitergeht, die Nummer schleppt sich ein wenig, ist aber keinesfalls schlecht, Steven Tyler schreit wie ein junger Gott. "Voodoo Medicine Man" beginnt mit Keyboard und indianischen Rhytmen und zeigt sich dann als atmosphärischer, aber durchaus knallender Rock-Song, für mich definitiv ein Highlight auf "Pump". Die gute Ballade "What It Takes", unter abermaliger Verwendung von Streichern, und gewissermaßen ein Vorläufer der Aero-Balladen der 90iger, ist der letzte Song, bevor Klänge irisch inspirierter, amerikanischer Folkmusik das Album beenden.

Für mich klingen Aerosmith auf "Pump" durchaus nach alten, bluesigen Aerosmith, nur wesentlich frischer, überholter und ein wenig dem Zeitgeist der späten 80iger Jahre angepasst, was - wenigstens für mich - nichts Schlechtes bedeutet, zudem haben sie ihre Lieder durch eine Vielzahl an anderen und auch exotischen Instrumenten angereichert, die dem Album eine tiefere Klangvielfalt verleihen. Nur weil "Pump" zu den erfolgreichsten Alben von Aerosmith gehört, bedeutet das - wie eigentlich schon beschrieben - keinesfalls, dass es schlecht wäre. "Pump" ist neben "Get A Grip" das Album, das mich erst auf Aerosmith gebracht hat, in einer Zeit, in der Rockmusik gerade aufgehört hatte, erfolgreich zu sein, und damals hatte ich keine Ahnung von Kommerz, hohen Plattenverkäufen und was gerade ein Hit war oder nicht. Die Aerosmith-Rockmusik sprach nur für sich selbst, auf die Aerosmith der 70iger bin ich dann auch von ganz alleine gekommen, aber "Pump" nimmt nach wie vor eine Ausnahmestellung ein ...
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