Kundenrezension

18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein heller Stern am Weihnachtshimmel, 18. November 2007
Rezension bezieht sich auf: The Christmas Album (Audio CD)
Wenn sich Till Brönner am Ende des Making-of-Clips wünscht, dass dieses Album "das Zeug zum kleinen Klassiker" haben möge, dann weiß man nach den ersten Tönen, dass dieser Wunsch pures Understatement ist. Selten habe ich eine so stilvolle Weihnachtsliederproduktion gehört. Die perfekt durchgestylte, elegante Lässigkeit findet sich in allem - in der schwebenden Musik, dem so sexy wie edlen, ja sich gar fast cool-snobistisch gebendem, mal so ganz anderem" White-Christmas-Wunschtraum-Video bis hin zur entsprechend feinen Artwork ( in Goldlamée-Weihnachtskugelpurpur-Tannengrün ... man darf sich wundern, dass der Ltd. Schuber nicht mit echtem Blattgold belegt ist ...).

Für musikalische Abwechslung sorgt die ohrgefällige instrumental wie vocal bestückte Liedermixtur aus Alt und Neu sowie die im weitesten Sinn Jazz, Pop und Klassik streifenden schönen Arrangements. Für diese zeichnet in den meisten Fällen Brönner in Cooproduktion mit Christian von Kaphengst verantwortlich. Kaphengst ist bekannt als Bassist und Gründer des Jazzquartetts Cafe du Sport (von dem überdies auch der renomierte Gitarrist Bruno Müller mit von der Partie ist), er hat bereits mit vielen Großen des Showbiz gearbeitet und begleitet seit vielen Jahren das Duo Marshall & Alexander. Lutz Häfner stand ihnen für die Arrangements des Symphonie-Orchesters Berlin zur Seite. Im hörbaren Erlebnis alles in allem eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit.

Eine erstklassige Crew lässt den smoothigen Weihnachtsstern dann auch schön funkeln - dabei sind:
- Die mittlerweile durchaus schon als legendär zu bezeichnenden Grammy-Award-Gewinner New York Voices, die Santa Claus mit ihrer in der Tradition von Manhattan Transfer u. ä. Vocalgruppen typischen "Phil-Harmonie" besingen (Nr. 3).
- Der oft mit Steve Wonder verglichenen Sänger (und Pianisten) Frank McComb, der die dunkelrauchigsten, herben und trotzdem sehr gefühlvollen Soultakte des Albums setzt (Nr. 6).
- Der in Deutschland lebenden R&B-Sänger und Entertainer (u.a. Starlight Express in Bochum, Pomp Duck & Circumstance in Berlin) Stevie Woods, der ein traditionell gehaltenes Wonderland mit jazzigen Akzenten bietet (Nr. 9).
- Die in Nr. 11 vom Pianisten Don Crusin begleitete Kim Sanders - eine sympathische Wahlberlinerin mit kultiviert-klarer, teils samtig angehauchter Soulstimme. In der Vergangenheit war sie bei Brönners Livetour Thats Summer dabei bzw. im Background bei dessen A Night in Berlin, sang zuvor in der Front von Culture Beat und arbeitet mit Peter Heppner/Stiller. Wie Curtis machte sie sich zudem einen Namen als Songschreiberin (Debutalbum 2003: Pretty on Edge).
- Der Jazzsänger Curtis Stigers, der in Nr. 12 eine melancholische Erinnerung an Weihnachten erwachen lässt. Er landete bei seinen Ausflügen ins Pop-Fach in den 90ern den internationalen Top-Ten-Hit "I Wonder Why".
- Die neben all den Amerikanern einzigen deutsche Solokünstler sind zum einen eine sich wunderbar anschmiegsam einbringene Yvonne Catterfeld, für die ganz speziell Better than Christmas (Nr. 7) u. a. von Grusin geschrieben wurde, zum anderen Frank Chastenier (WDR Big Band), der Brönners Trompete in der instrumentalen Nr. 10 am Piano begleitet und darüber hinaus ebenfalls an einigen der Arrangements beteiligt war.
In Nr. 2 (analog im o.g. Clip) und 4 haucht Brönner dann selbst zartflockiges xmas-Feeling ins Mikro.

Die ansonsten eingestreuten rein instrumentalen Stücke fügen sich wunderbar nahtlos ein. Insbesondere Nr. 1 und 5 werden neben Brönners Trompeteneinsätzen klangschön und volumig vom Symphonie-Orchester getragen.Glitzernde Schneekristalle unterm blauen Himmel - der neu von Brönner und Kaphengst komponierte Song Notes On Snow (Nr. 8) lässt den zu den Top-Acts der Smooth-Jazz-Szene gehörenden Trompeter Chris Botti (Christmasalbum 2006: "Dezember") eine Symbiose mit dem Sting-Gitarristen und gebürtigen Argentinier Dominic Miller eingehen, der hier seiner Schwäche für sanfte, fast esotherische Töne nachgeben kann.
Mit ault lang syne (old long since - Nr. 13) und somit dem Abschlusssong der Normalausgabe des Album geht das alte Jahr mit im wahrsten Sinne sehr wehmütigen Akkorden dieser vor allem im englischsprachigen Raum zum Jahreswechsel gesungenen Hymne zu Ende. Die beiden Bonustracks der Sonderausgabe greifen Weihnachten (Nr. 14) sehr melancholisch (drei derart gehaltene Lieder hintereinander erscheinen mir fast ein bisschen zu viel) sowie den Anfangswunsch des Albums mit letztlich strahlenden Tönen (Nr. 15) noch einmal auf.

Ich habe mir zwar die Limited gekauft, könnte aber eigentlich auch gut auf die nicht gerade üppig bestückte Bonus-CD verzichten (mit oben beschriebenem Song-Clip, dem Making-Of, das man sich auch bei Amazon ansehen kann und einer mit 9 Bilder recht klein geratenen, sich zweifach wiederholenden Bildergalerie). Brönner-A-Fans werden darauf wohl eher nicht verzichten und als Präsent ist sie auf alle Fälle schon mal ein toller Hingucker.

Ein ganz gewiss nicht nur für Jazzfreunde zu empfehlendes Album, das man sich - Brönners Vorstellung entsprechend - bestimmt noch in 10 Jahren anhören und schenken wird.
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