Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehört zu den TOP- 3 Scheiben der Kalifornier - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ride the Lightning (Audio CD)
Während für viele Headbanger das alles überstrahlende 1986er Masterpiece "Master Of Puppets" rückblickend als die Einstiegsdroge zum "richtig harten Sound" gilt und mein älterer Bruder jene sogar in den Jahren 1986/87 endlos am Plattenteller rotieren ließ, begann ich erst mit leichter Verspätung allmählich zu begreifen, welch enorme Energie und Wucht sich hinter solchen Klängen verbirgt. Obwohl Ac/dc und Iron Maiden noch hoch im Kurs standen, würde der Thrash Metal samt seinen wichtigen und weniger bekannten Namen in meiner audiophilen Welt fast alles verdrängen, was nicht schnell und heavy genug war, zumindest für eine bestimmte Zeit. Auch wenn die Initialzündung erst im unvergesslichen Frühjahr 1988 folgte: das eben erworbene "Ride The Lightning" Album öffnete mir unwiderruflich die Pforten zum Speed & Thrash Metal.

Wie mag es wohl gewesen sein, als die jenigen, die "Kill'em all" bereits in ihr Herz geschlossen hatten, die Tage bis zum Release - es soll der 30. Juli 1984 gewesen sein - von "Ride The Lightning" zählten? Wenn man mit Zeitzeugen darüber plaudert, gehen die Meinungen teils auseinander. Die ersten Reaktionen reichten damals von Vorwürfen der Kommerz Anbiederung (!) bis hin zu den höchsten Glorifizierungen eines künftigen Meilensteins. Nach mittlerweile 27 Jahren darf man jedoch mit Fug und Recht behaupten: diese Veröffentlichung gehört zu den essentiellsten der gesamten Rock & Metal Historie überhaupt.

Tatsache ist, dass Metallica für "Ride The Lightning" die raue Attitüde des Debüts zwar nahezu eliminiert hatten, in Sachen Songwriting dafür einen enormen Reifeprozess durchliefen. Retrospektive meint die Band, dass Bassist Cliff Burton, der während der "Kill'em All" Sessions sich nur bescheiden einbringen konnte, der Gruppe plötzlich völlig neue Türen öffnete. Immerhin waren es sechs Stücke, die er mit den Hauptsongwritern Hetfield/Ulrich komponiert hat. Bemerkenswert: die zwei von der Band wohl am wenigsten beachteten Songs "Trapped Under Ice" und "Escape", weisen keine Burton Credits auf. Ebenso vermochte Lead Gitarrist Kirk Hammett, der den mit Megadeth später durchstartenden Dave Mustaine ersetzte, sich deutlich besser einzufügen als noch ein Jahr zuvor. "Fade To Black", die erste Ballade in Metallica's Repertoire, dürfte wohl der einzige Auslöser für die Herren Kritiker gewesen sein, der Band diese Verweichlichung (!) anzukreiden. Doch sind wir uns ehrlich: was, außer Slayer oder Venom, war in jenen Tagen wirklich härter?

Der Besuch auf dem alten Kontinent. Das Quartett hatte aufgrund des dazumal günstigen Wechselkurses entschieden, "Ride The Lightning" in Lars' Heimat Dänemark aufzunehmen, um gleich bei einem gewissen Herrn Flemming Rasmussen (Sweet Silence Studios) anzuklopfen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung soll der glanzvolle Sound von Rainbow's "Difficult To Cure" (VÖ: 1981) gewesen sein. Auch wenn man die widrigen Umständen (Recordings aus Kostengründen nur nachts, das Schlafgemach direkt im Studio) bedenkt, dürfte dies eine der weisesten Entscheidungen der gesamten Karriere gewesen sein, denn so druckvoll wie "Ride The Lightning" klang keine andere Heavy Metal Scheibe, zumindest im Jahre 1984. Der inzwischen zur Legende gekürte Toningenieur (später auch für Artillery, Blind Guardian, Pretty Maids u. v. a. Mentor) puschte die Quadriga mit seinen Arbeiten bekanntermaßen von 1984 ' 1988 in derartige Erfolgssphären, von denen das Gros der Genremitbegründer trotz größtem Ehrgeiz nur träumen durfte.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welch heftige Eruption das eröffnende Speed Spektakel "Fight Fire With Fire" nach dem scheinheiligen Akustikintro auf unserer bescheidenen HiFi Anlage auslöste (genau genommen stammt das Stück noch aus den früheren Tagen, Dave Mustaine wird bei den Credits ebenso genannt). Während meine Lauscher Milchschäumergleich vibrierten, folgte auch schon der abschließende Bombenabwurf und nahtlos dieser sensationelle, von herrlichen Breaks gesäumte Titeltrack, welcher mich nicht nur beim Anblick des Coverartworks mit gut 50000 Volt versorgte ' was für eine Intensität!!! Hetfield's Lyrics verjagten bald darauf sämtliche Alltagsgedanken und irgend "etwas" föhnte mir meine Haarpracht regelmäßig gen Süden ... irgendwann später erfuhr ich, dass man dieses "etwas" auch Stakkatoriff zu nennen pflegt.

"For Whom The Bell Tolls" bietet nach jenem furiosen Starterdoppelpack die erste Gelegenheit, wieder etwas mehr Sauerstoff in die Birne zu kriegen: obwohl einer der langsameren, gehört er aber zugleich zu den gewaltigsten Tracks der kompletten Metallica Discograhie, dessen eingängige Bridge/Refrain Parts wahrscheinlich jeder, der irgendwann mit Metallica oder Heavy Metal generell in Berührung kam, selbst im Tiefschlaf auswendig kennt. Aber was muss ich euch schon groß erzählen? Und auch das angesprochene "Fade To Black" gehört in die Riege der beliebtesten Metallica Songs. Die Halbballade, die aus der Sicht eines aus dem Leben scheidenden Menschen erzählt, bietet ein dementsprechend ein dramatisches Finale. Via "Welcome Home" (auf "Master Of Puppets") und "One" (auf "' And Justice For All") wurde jene kluge Strategie, eine gen Ende härter werdende Ballade an die vierte Position zu setzen, konsequent fortgeführt '

Auch die zweite Seite von "Ride The Lightning" hält das "Metal-Stangel-Fieber" im roten Bereich. Das fetzige "Trapped Under Ice" leitet den herrlichen Reigen sattelfest ein, ehe "Escape" sich als solides, aber nicht ganz so betörendes Midtempo Stück beweist. Und bei "Creeping Death" handelt es sich schliesslich - wie wir alle nur zu gut wissen - um ein Schnitzel von einer Mitsinghymne, denn neben "For Whom The Bell Tolls" ist dies einer der meist gespielten LIVE Songs der kompletten Metallica Diskographie ever. Da gibt's nix zu rütteln. Was vielleicht nicht jeder weiß: die Songbasics hierzu hatte Flitzefinger Hammett von seiner Ex-Combo Exodus (Originaltitel: "Die By The Sword") mitgenommen. Die Maxi Auskoppelung von "Creeping Death" enthält darüber hinaus zwei fantastische Coverversionen aus der NWoBHM Ära: zum Einen "Am I Evil?" von Diamond Head und zum anderen Blitzkrieg's gleichnamigen Track. Doch zurück zu "Ride The Lightning". Abgeschlossen wird dieses Prachtstück von "The Call Of Ctulu" (der Titel deutet an, dass H. P. Lovecraft's Werke James Hetfield noch öfter inspirieren werden). Hier zeigte das Quartett eine ganz andere Seite, die mit "Orion" zwei Jahre später Nachschub erhält: ein ruhig beginnendes und lang gezogenes Instrumental, das sich von Minute zu Minute steigert und am Ende in ein pures Bombast Szenario mündet.

Es dürfte kein Zufall sein, dass solche Hits wie "For The Whom the Bell Tolls", "Creeping Death" oder "Fade To Black" bis zum heutigen Tage zu den beliebtesten Songs von Metallica gehören. Echte Evergreens halt. Mit dem Betreten eines größeren Terrains, was mit angedeuteten Tempovariationen, markigeren Melodiebögen als auch mehr Sounddetails einherging, verstanden es die Jungs schon sehr früh und vor allem äußerst geschickt, wie wichtig es eigentlich ist, sein eigenes Profil zu bewahren und sich von niemanden rein pfuschen zu lassen ' das passierte bereits zu einer Phase, wo der Speed/Thrash Metal rein chronologisch betrachtet noch in seinen Kinderschuhen steckte. Diese Beharrlichkeit hat sich jedenfalls ausgezahlt: alleine in den USA konnten Metallica für "Ride The Lightning" bis heute nämlich Fünffachplatin einheimsen!

Was den zum Ende kommenden Rezensenten betrifft: für selbigen gab's von da an kein Zurück mehr. "Master Of Puppets" und "Kill'em All" wurden binnen kürzester Zeit ebenso (noch auf Vinyl) nahezu vergöttert. Dabei ging ohne "Headbangen" oder "mit der Luftgitarre posen" fast nichts mehr. Der Rest ist Geschichte: mit der ersten selbst verdienten Kohle wurden die ersten vier Alben auf CD erworben, denen solch Granaten wie Slayer's "South Of Heaven", Testament's "The New Order", Kreator's "Extreme Aggression" und später weitere gefühlte 500 Thrash Alben folgen sollten ... da kann ich nur mehr sagen ... was für eine geile Zeit!
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