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46 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Krieg und Frieden (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein Epos. Es ist schwere, anspruchsvolle Literatur. Es ist ein Meisterwerk. Und es ist mein neues Lieblingsbuch.Krieg und Frieden - das lässt schon auf Inhalt schließen. Wir befinden uns am Beginn des 19.Jahrhunderts, zur Zeit des napoleonischen Frankreichs. Wir befinden uns im Russland unter Zar Alexander I. Wir befinden uns in einer Zeit, die von Intrigen, Bünden, Hoffnungen und Enttäuschungen - und eben von Krieg und Frieden beherrscht wird. Und eindrucksvoll schildert Tolstoi dieses Auf und Ab, diese antagonistischen Phasen am Schicksal seiner Protagonisten. Die Familien Bolkonskij, Rostow und Pierre, der uneheliche Sohn eines einflussreichen Grafen, bestimmen die Handlung, sind gleichzeitig ihr Opfer und Zeugen der historischen Ereignisse. Liebevoll gestaltet Tolstoi seine Figuren aus - und nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch jeder noch so kleine Charkater, der ins Geschehen eingreift, hat sein Gesicht, seine Mimik und Gestik, seine Eigenarten, seine guten und schlechten Seiten. So verleiht der Autor seinen Figuren eine solche Lebendigkeit, dass man nach Ende des Buches das Gefühl hat, lieben Freunden Adieu zu sagen. Liebe, Hass, Freund- und Feindschaft, Verrat, Lüge, Hoffnung - alle nur möglichen Gefühle und Empfindungen machen unsere Charaktere durch, und das so intensiv, dass dem Leser das Herz schwer wird. Diese fiktiven Charaktere sind nun den historischen Figuren dieser Zeit beigestellt. Napoleon, Zar Alexander, der Militär Kutusow und all die anderen kleinen oder größeren Rädchen im Räderwerk der Geschichte bekommen Gestalt. Kutusow schläft während einer Besprechung ein, Napoleon quält während der Schlacht von Borodino eine Erkältung, und Zar Alexander fühlt sich von den Ehererbietungen peinlich berührt. Besonders interessant gestaltet Tolstoi die Schlachtszenene aus - allen voran die drei Schlachten von Schöngraben, Austerlitz und Borodino. So erleben wir die Schlacht meist aus den Blickwinkeln der kleinen Leute, nur selten stellt Tolstoi den Leser an die Seite der "Großen". Für ihn sind auch Menschen wie Napoleon oder Kutusow nicht mehr als Rädchen in der Geschichte. Nicht sie bestimmen die Geschichte, sondern die Geschichte bestimmt sie. Und vielleicht liegt darin auch der für mich einzige negative Aspekt der Geschichte. Für mich prägen durch aus historische Personen ihre Zeit. Gut, da bin ich mit Tolstoi nicht einer Meinung. Das ganze wäre auch weitgehend unproblematisch, wenn Tolstoi bei alldem noch eine gewisse Neutralität wahren muss. Aber vielleicht ist das von ihm als Russen seiner Zeit auch zuviel verlangt. Dennoch rollte ich ab und an mit den Augen, wenn aus Napoleon nach und nach der Leibhaftige selbst wird, dem nicht die einzige gute Eigenschaft zugeschrieben wird - und im Gegenzug aus Zar Alexander der Erlöser des russischen Volkes wird. Spätestens, wenn die Figur des Pierre Besuchow durch ein Zahlenspiel aus dem Namen "L'empereur Napoleon" die Zahl "666" also die des Teufels, erreichnet, wird das Ganze für mich bizarr und etwas überzogen. man kann über historische Figuren sagen und denken, was man will - aber ihnen alles Menschliche abzusprechen, stößt für mich doch an die Grenze der Geschichtsverfälschung. Wie gesagt, ohne den kleinen Korsen in Schutz nehmen zu wollen - hier wird im mehr Schmutz zugeschoben, als er verdient. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Werk, denn ansonsten bemüht sich Tolstoi sehr um völkerfreundliche Neutralität. Gerade die einfachen Soldaten scheint er auf allen Seiten sehr ins Herz zu schließen. Sie, die sie nur Teil des Großen Ganzen sind, können nicht anders, als sich dem zu fügen (was er im Übrigen auch von seinen historischen Persönlichkeiten behauptet - fragt sich, ob es damit getan ist, Zar Alexander jegliches Verständnis für den Krieg und Napoleon jegliches militärisches Können abzusprechen) und das größtenteils garnicht wollen. So vergisst Tolstoi (fast) nie, uns den Menschen hinter all dem sehen zu lassen. Ich lege dieses Buch jedem ans Herz, der sich mit der Zeit Napoleons ein wenig besser auskennt, mehr über sie erfahren möchte und sich nicht vor den 1600 Seiten erschreckt. Liebevoll gezeichnete Charkatere, epischer Erzählstil, der lebendig und anspruchsvoll zugleich ist, eine (fast) fehlerlose historische Darstellung, die das Wissen bereichert und diese aufregende Zeit wieder auferstehen lässt - all das macht Tolstois "Krieg und Frieden" zu meinem persönlichen Highlight. Daher dennoch 5 Sterne!!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
24.07.2010 13:29:19 GMT+02:00
Emilia Galotti meint:
Interessanter und guter Kommentar, nur leider sehr viele Rechtschreibfehler.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
14.11.2011 22:09:38 GMT+01:00
R. Sasa meint:
wie wir immer wieder lernen, der sieger schreibt die geschichte
so auch damals
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
06.01.2012 19:22:47 GMT+01:00
Christina Wohlgemuth meint:
Danke für den Hinweis, sind mittlerweile korregiert :-)
Veröffentlicht am
21.04.2012 18:43:39 GMT+02:00
Gelegenheitsleser meint:
Ich wusste gar nicht, dass Emilia Galotti Oberlehrerin war. Vielleicht ist sie aus diesem Grunde von ihrem Vater erstochen worden.
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Rezensentin / Rezensent
![]() Ort: OTTWEILER, SAARLAND Deutschland
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