Kundenrezension

89 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Teenage Schwermut, 13. September 2013
Rezension bezieht sich auf: If You Wait (Audio CD)
Woran liegt es eigentlich, dass junge Menschen heute manchmal so unsagbar traurige Lieder singen? Dass sie Songs schreiben, die so klingen, als hätten sie sich schon mit Anfang zwanzig von aller Lebensfreude verabschiedet, als könnten sie von nun an weder Trost noch Aufmunterung erwarten? Wie kommt es, dass der gerade mal neunzehnjährige Archy Marshall als King Krule die Branche mit einer Stimme Staunen macht, die nach so viel mehr an Erfahrung, Reife und Weltenkenntnis klingt als ebenjene kurzen zwei Jahrzehnte? Genügend Stoff für Dissertationen und Trendforschereien, in denen dann auch Hannah Reid auftauchen sollte. Das zarte, blasse Mädchen steht bei London Grammar, der heißesten Popversuchung des Jahres, am Mikrophon und sie tut dies mit einer Brillanz, einem Timbre und einer Oktavbreite, die verblüfft und begeistert.

“And all foundation that we made built to last, they disintegrate, and when your house begins to rust oh it’s just metal and dust” – eine dieser beispielhaften Zeilen aus dem Song “Metal And Dust”, altklug, illusionslos und schwermütig wie so viele auf diesem Album. Und seien wir ehrlich, gerade diese Schwermut und die Grandezza, mit der sie zum Vortrag kommt, ist es, was die Musik von London Grammar so zauberhaft, so anziehend macht. Natürlich wird man von The XX reden müssen – zu offensichtlich sind die Parallelen bei Formation und Sound, ohne Romy Croft, Oliver Sim und Jamie Smith würde es die Doppelung in Hannah Reid, Dot Major und Dan Rothman wahrscheinlich so gar nicht geben.

Trotz aller Ähnlichkeiten: Wo The XX mit unterkühlter Distanz bestechen, gewinnen London Grammar ihren Reiz aus der leidenschaftlichen Intensität und Wärme ihrer Arrangements, es gibt weniger Beats, dafür wandlungsfähigeren Gesang und ein Mehr an Nähe und Intimität. Stücke wie “Stay Awake”, “Wasting My Young Years”, “Sights” oder “Nightcall” lassen einen tief in die jugendliche Gefühlswelt blicken, nebeneinander stehen hier wie so häufig die Hilflosigkeit, die selbstlose Hingabe, der Mutmacher und die Unfähigkeit, dem eigenen Gedankenwirrwarr eine Rationalität zu geben. Das alles begleitet von behutsam gezupfter Akkustik oder kontrastiert mit dunkel wummernden Bässen, wohl kalkuliert, selten irritierend.

Einzig “Flickers” überrascht mit vorsichtiger Funkyness und erinnert daran, dass die drei ja unter anderem mit dem Dance-Hit “Help Me Lose My Mind”, aufgenommen zusammen mit dem britischen Duo Disclosure, bekannt geworden sind. Das Stück wurde zwar schnell auf der Deluxe-Edition von “If You Wait” versteckt, weist aber vielleicht einen gangbaren Weg für die Zukunft, denn auch The XX haben für “Coexist” erkennen müssen, dass die frostige Innerlichkeit allein auf Dauer kaum trägt. Für’s erste jedenfalls ist London Grammar ein ganz und gar wunderbares Debüt gelungen, das Trio hat offenkundig soviel Qualität, dass einem um seine Zukunft nicht bange sein muss. Und wer sich tatsächlich zur Doktorarbeit entschließt, wird schnell recherchiert haben, dass die Welt da draußen keine bessere wird – sie spielt ihnen also in die Hände, irgendwie. mapambulo:blog
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Kommentare

Von 6 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.09.2013 20:44:35 GMT+02:00
Nimh meint:
Wunderbare Rezension, auch wenn ich mir mehr Vergleiche gewünscht hätte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2013 22:07:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2013 22:07:19 GMT+02:00
Andreas K. meint:
Habe gerade auf WDR2 in der Sendung Trends den Titel "Strong" gehört.
Musste sofort bei youtube nach suchen (wie immer, wenn ich etwas int. entdecke) und muss sagen "Hut ab!" Was eine Stimme und Tiefe ...
Respekt! Ist der Rest (der CD auch so gut ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.11.2013 10:03:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.11.2013 10:04:11 GMT+01:00
rasta meint:
Gerade der Mangel an Vergleichen ("klingt wie ..." befördert Vorstellungen, die mit der tatsächlichen Musik häufig nicht in Übereinklang zu bringen sind) macht diese Rezension so wunderbar. Ich habe selten eine so aussagereiche Besprechung gelesen, die wirklich in der Lage ist Musik zu beschreiben. Toll, wie Du mit Sprache umgehst - mehr davon!

Veröffentlicht am 14.11.2013 09:04:22 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.11.2013 16:45:09 GMT+01:00
Andreas K. meint:
Nein!
Das ist die Welt, die wir zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.11.2013 00:27:36 GMT+01:00
komisch, meine Pubertät war genau so ein Jammertal, wie es der Mapambulo da beschreibt,
und meine Songs von damals waren auch so düster;
aber vielleicht lag das ja auch an Tschernobyl und der Atomkriegsgefahr damals.

Die Welt von heute haben übrigens die seit dem Mauerfall völlig ungebremsten Kräfte des Marktes zu verantworten und nicht ich.
Grüße :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2014 19:39:11 GMT+01:00
Wohl kaum.
Ich weiss zwar nicht, wieviel Einfluss folgende Tatsache wirklich auf die (meinige) junge Generation hat - aber ist es nicht so, dass trotz ausgerufenem "Kommunikationszeitalter" es vielen gerade daran fehlt? Natürlich kann man meinen, dass durch die starke Medien-Nutzung heutzutage (im engeren Sinne durch sog. soziale Netzwerke) die Welt näher zusammenrückt und beinahe nur Vorteile daraus bestehen.. Aber wie oft sitzt man inzwischen in Cafe's und sieht am Nachbartisch eine Gruppe, bestehend aus fünf jungen Leuten, auf fünf "Smartphones" blicken, anstatt sich zu unterhalten?
Wirkliche zwischen-menschliche Kommunikation ohne technische Hilfsmittel ist mittlerweile vielerorts rar gesäht, eventuell versuchen außergewöhnliche Künstler einfach durch ihre so wunderbar melancholisch klingenden Lieder auszudrücken, dass die Welt da draußen nicht so einfach zu erklären ist wie viele meinen - und ganz nebenbei: Inzwischen startet bei vielen die Pubertät so früh wie noch nie, worüber sich diverse Wissenschaftler die Köpfe zerbrechen; deshalb würde ich sagen, dass es sich nach Ihrer Argumentation wenn schon, ausschließlich um NACHwirkungen handelt ;D

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.05.2014 22:27:01 GMT+02:00
pollienchen meint:
JAAA! nach strong unbedingt in nightcall reinhören...da steigen ihnen die tränen in die augen, der gesang überrascht nochmal mehr und lässt einem die stimme wegbleiben!

Veröffentlicht am 30.01.2015 12:52:36 GMT+01:00
Aufgrund Ihrer Vergleiche zu The XX habe ich die CD gekauft und bin relativ stark enttäuscht worden.
Während die beiden XX Alben doch regelmäßig den Weg in meinen (Auto) CD Player finden, werde ich mit London Grammar auch nach mehrmaligem Hören nicht warm. Insbesondere die Art und Weise, wie der Gesang und die Beats in die Songs integriert sind, unterscheidet beide Bands aus meiner Sicht doch sehr stark voneinander. Während The XX in vielen Liedern die Beats so einsetzen, dass sie die Lieder förmlich vorantreiben und den geneigten Hörer immer wieder zu leichtem Kopfnicken animieren, werden die Songs bei London Grammar durch die Beats noch weiter beruhigt und teilweise massiv entschleunigt. Ein Kopfnicken kommt da nicht in den Sinn..... Gesanglich fühle ich mich eher an Florence and the Machine erinnert aber das kann auch daran liegen, dass ich auch mit der nicht allzu viel anfangen kann.
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