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Kundenrezension

217 von 261 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hat meine hohen Erwartungen nicht erfüllt, 19. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen (Broschiert)
Ich lebe in einem sehr homöopathischen Umfeld und halte Homöopathie als Naturwissenschaftlerin für Unsinn. Von dem Buch habe ich mir folgendes erhofft:
- Begründungen, warum Homöopathie gefährlich ist (Buchtitel „so gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen wirklich“).
- Argumentationsstrategien gegen die üblichen Einwände der Homöopathen.
- Hintergrundwissen, wie es die Homöopathie schafft eine solche Marktmacht zu erlangen.

Aufgrund der vielen euphorischen Rezensionen in den Medien bin ich mit hohen Erwartungen an das Buch herangegangen, die nicht erfüllt wurden. Die Autoren teilen meine Meinung, das ist schön. Ich finde es gut, dass ein Buch gegen Homöopathie aufklärt die breite Öffentlichkeit erreicht. Aber ich beurteile hier nicht die Meinung der Autoren sondern ihr Buch. Ich hätte das Buch am liebsten nach den ersten 60 Seiten weggeworfen und habe es dann nur zu Ende gelesen, um eine Rezension begründen zu können

Meine Kritikpunkte:

1) Ich finde das Buch polemisch und platt, Buchtitel und Kapitelüberschriften geben davon bereits einen ersten Eindruck.

2) Viele Argumente gegen Homöopathie halten einer genaueren Betrachtung nicht stand. Warum lassen die Autoren solche schwachen Begründungen nicht einfach weg? So nehmen sie sich selbst den Wind aus den Segeln und bieten Angriffspunkte.

3) Es fehlen Quellenangaben. Im Vorwort begründen die Autoren „Wir haben auf Fußnoten und dezidierte Quellenhinweise verzichtet und unsere Quellen stattdessen direkt im Text so weit kenntlich gemacht, dass man sie ohne große Mühe im Internet identifizieren kann.“ Bei einer seriösen Recherche wäre eine kleine Fußnote mit DOI oder PMID oder eine hochgestellte Ziffer, die auf ein Literaturverzeichnis verweist, für die Autoren eine Kleinigkeit gewesen. Dann sind die Leser nicht auf ihr Glück beim Suchen im Internet angewiesen und es gibt keine Zweifel, auf welche Studie sich die Autoren beziehen.

4) Die tatsächlichen Gefahr, die die Homöopathie für unsere Gesellschaft, unser Gesundheitssystem, die Wissenschaft und die Gesundheit der Einzelnen bedeutet, wird für mich im Text nicht klar. Die Autoren äußern Bedenken aber sie belegen ihre Befürchtungen genauso wenig mit Fakten, wie Homöopathen ihre angeblichen Behandlungserfolge mit Fakten belegen.

Nur die Darstellung der wirtschaftlichen Verstrickungen, der finanziellen Gewinnmöglichkeiten für Einzelpersonen und Organisationen erscheint mir gelungen und ist wohl auch Kern des Buches. Leider haben die anderen Kapitel bereits einen so schlechten Eindruck hinterlassen, dass ich Zweifel habe, wie sehr ich den Autoren hier glauben darf. Es erklärt die Marktstellung der Homöopathie – liefert aber nur begrenzt Argumente gegen die Homöopathie da wohl wenig Unterschied zu dem Profitstreben der Pharmafirmen bestehen.

Auch die Erläuterung des Umfelds, de Durchführung und der Ergebnisse der Münchner Kopfschmerzstudie finde ich sehr positiv.

Zusammenfassend gebe ich dem Buch daher 2 Sterne.

Ausführlicher:

Schon die Eröffnung des Buchs mit sage und schreibe 437 Fällen weltweit (seit über 10 Jahren), bei denen Menschen angeblich wegen Homöopathischer Behandlung „zu Schaden“ gekommen sind (als Schaden zählt bereits „Heather Charles musste in eine andere Stadt fahren, um Antibiotika zu bekommen, die ihr homöopathischer Arzt nicht verschreiben wollte“) ist unnötige Provokation. Sollten tatsächlich weltweit nur 437 Fälle vorliegen, wäre das eher ein Argument FÜR die Homöopathie als ein Argument GEGEN Homöopathie. Allein in Deutschland gab es in nur einem Jahr fast 10-mal so viele anerkannte Fälle von Behandlungsfehlern innerhalb der Medizin (Quelle: Statistik der Bundesärztekammer - 2006 gab es in Deutschland außerhalb Bayerns 3.900 erwiesene Behandlungsfehler).

Das erste Kapitel, „Ohne Substanz – warum Homöopathie Hokuspokus ist“ hat teilweise schöne Ansätze mit der Entstehungsgeschichte der Homöopathie und der Darstellung ihres wenig nachvollziehbaren Gedankengerüsts. Diesen Abschnitt weiter ausgebaut, weniger über spätere Kapitel des Buchs verstreut, weniger platt, polemisch und ketzerisch, hätte mir besser gefallen. Leider erinnert mich das Kapitel an vielen Stellen an eine ungeordnete Zusammenstellung aus allem was man mit dem Suchbegriff „Homöopathie“ so an Kritik ergoogeln kann.
Es ist sicher sinnvoll, dass die Autoren darauf eingehen, dass es unzählige Strömungen unter dem Markennamen „Homöopathie“ gibt, die mit Hahnemanns Ideen nicht mehr viel zu tun haben. Als Begründung für die Absurdität der Homöopathie halte ich diese Abweichler im Kapitel über Hahnemann aber für eher ungeeignet. Bei vielen Absätzen dürften auch klassische Homöopathen den Autoren recht geben.

Eines der am weitesten verbreiteten Kritikpunkte an der Homöopathie ist, dass ihre Gesetzmäßigkeiten nicht logisch sind und nicht physikalisch oder bio-chemisch erklärt werden können oder angeblich gegen naturwissenschaftliche Gesetze verstoßen. Anhänger der Homöopathie halten dem entgegen, dass es auch in der Physik, Biologie, Chemie, Pharmazie und Medizin Phänomene gibt, die nicht im Detail erklärbar sind (viele Nobelpreise werden und wurden für die Erklärung von lange unverstandenen Mechanismen vergeben). Die Anhänger der Homöopathie begründen, dass es unter in den strengen Augen der Naturwissenschaften Stoffe gibt, die unter einem bestimmten Blickwinkel identisch scheinen und es doch nicht sind (siehe die 1-Stern Rezension mit Graphen/Graphit und gamma-Al2O3/alpha-Al2O3).
Die Begründung der Autoren „Naturgesetze sind nicht verhandelbar … Sie lassen Ingenieure berechnen, ob ein Flugzeug fliegen wird.“ erscheint mir da als arrogant und maßlose Überschätzung der Fähigkeiten Mathematikern und mathematischen Chemikern, Physikern, Biologen und auch Ingenieuren. Ich weiß nicht, ob der Autor in seiner Doktorarbeit versucht hat, die Entstehung der untersuchten Strukturen auch zu berechnen. Aber mir begegnen in der Wissenschaft wesentlich mehr Probleme, die sich nicht berechnen lassen, als solche, die sich berechnen lassen.
Die Autoren geben nur „das ist aber nicht so“ als Antwort auf diese Einwände. Das ist mau.

Im zweiten Kapitel „Sehnsucht nach dem Übernatürlichen“ wirkt die Erklärung der Autoren zum Placebo-Effekt überzeugend. Leider fehlen größtenteils die Quellen. Zum Teil werden in einem Absatz mit nur 18 Zeilen fünf Ergebnisse aus Studien z.B. über die Wirkung blauer und rosa Tabletten gemacht, ohne das klar wird, wer diese Studie unter welchen Bedingungen durchgeführt hat. Teile des Kapitels haben große Ähnlichkeit mit dem Placebo-Artikel der Wikipedia – allerdings mit einem kleinen Unterschied: Während in dem Wikipedia-Artikel bei vielen Studien Mängel in der Durchführung genannt werden, werden sie im Buch als absoluter Fakt präsentiert (z.B. Placebo-Knie-OP). Das hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack, dass die Autoren alle Studien die ihre Meinung stützen unkritisch übernehmen, und alles was nicht ins Bild passt unter den Tisch fallen lassen.

Zu den Gefahren der Homöopathie habe ich aus dem Buch nur folgende für mich wenig überzeugende Aspekte herausgelesen:
- Patienten entscheiden sich gegen medizinische Behandlung (nicht überzeugend, da Homöopathie zum großen Teil über Ärzte und Apotheker läuft, die im Fall ernster Gesundheitsgefährdung korrigierend eingreifen können)
- ethische Bedenken einer Placebobehandlung (aber alle Anhänger der Homöopathie kennen den Vorwurf Homöopathische Medikamente seien Placebos und nehmen das offenbar wissentlich in Kauf; die Autoren stellen nur fest, dass Placebobehandlung unethisch sei, begründen das aber nicht.)
- Duldung der Homöopathie öffnet die Tür für andere nicht-evidenzbasierte Behandlungen (nicht belegt, Geistheilen ist bisher nicht im Leistungskatalog der GKV)
- höhere Kosten für das Gesundheitssystem (dazu schreiben die Autoren selbst, dass es keine eindeutigen Studien gibt)
- Wissenschaftliche Kräfte und Gelder werden für die aussichtslose Erforschung der Homöopathie gebunden (da es sich meist um Stiftungsprofessuren handelt sind das unterschiedliche Töpfe; ob das wirklich wert ist, die Forschungsfreiheit aufzugeben, halte ich für zweifelhaft)
Dem gegenüber stehen die Vorteile der Homöopathie
- Ermöglicht den Ärzten lange Gespräche mit den Patienten abzurechnen, was laut Autoren nachweislich vorteilhaft für den Behandlungserfolg ist.
- Der Placeboeffekt ist eine Therapie, die oft ähnlich wirkungsvoll wie eine medikamentöse Therapie ist, jedoch keine Nebenwirkungen hat. Die Homöopathie eröffnet den Ärzten die Möglichkeit eine Placebotherapie anzubieten.
Ich persönlich finde es erschreckend, dass aktuell nur die Homöopathie diese Behandlungsmöglichkeiten bietet und das rechtfertigt massive Kritik an unserem Gesundheitssystem. Aber es begründet für mich nicht, warum Homöopathie gefährlich ist. Man könnte vermuten, dass lange Patientengespräche und wohl überlegte Placebos längst Standard in der medizinischen Behandlung wären, wenn es die Homöopathie nicht gäbe. Man kann aber auch vermuten, dass sich die Medizin dann überhaupt keine Gedanken darüber machen würde. Fakten, die die eine oder andere These untermauern kenne ich nicht.
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1-10 von 57 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.01.2013 14:51:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2013 15:46:11 GMT+01:00
S. Uhlig meint:
Hallo Melanie,

ich erlaube mir mal zu Urteilen, dass Sie Teile des Buches in seiner Tiefe nicht ganz verstanden haben. Bitte erlauben Sie mir weiterhin einige Ihrer Aussagen zu kritisieren:

1) "...wo Menschen unter homöopathischer Behandlung (mutmaßlich wegen unterlassener medizinischer Behandlung) gestorben sind..."
Das ist eine sehr gute Einleitung, weil sie polarisiert und wachrüttelt. Bedenken Sie einmal bitte folgendes Beispiel, welches ich leider selbst miterleben musste: Eine ortsanssässige Homöopathin, welche keinerlei (!) medizinische Ausbildung hat, überredet die Mutter eines Kleinkindes eine Mittelohrentzündung homöopathisch zu behandeln. Wann wird von der Homöopathin der Stecker gezogen und das Kind einem ordentlich ausgebildeten Mediziner vorgestellt? Wenn die "Erstverschlimmerung" einsetzt, wenn Blut und Eiter aus dem Ohr laufen oder wenn das Kind Taub ist? Den Einsatz wirkungsloser Medizin (Globuli) damit zu legitimieren, dass in der Evidenzbasierten Medizin Fehler gemacht werden und Menschen durch Fehlbehandlungen sterben ist der falsche Ansatz. Sicher werden (manchmal/oft) zu viele Medikamente verschrieben, dies aber durch Placebos ersetzen zu wollen und allein auf den Placebo-Effekt und die Selbsheilungskräfte vertrauen zu wollen finde ich unethisch. Das ist im höchsten Maße unterlassene Hilfeleistung. Homöopathie in den Händen von medizinischen Laien ist im höchsten Maße unethisch!

2) "... Es wirkt auf mich sehr arrogant, wie die Autoren beschreiben, warum Homöopathie nicht wirken kann, weil keine Erklärung dafür vorhanden ist. ..."
Gut, der Aufbau des Buches ist vielleicht etwas unglücklich an dieser Stelle.
Haben Sie verstanden, dass die Autoren ausdrücklich darauf hinweisen, dass es seit über 200 Jahren (also seit dem bestehen der H.) keinen (!) Wirksamkeitsnachweis für die H. gibt (siehe Kap. 3)? Die Homöopathen sind hier in der Beweispflicht / Beweislast. Die Autoren greifen dieses Thema auf und zeigen auf warum die H. nicht wirken kann (Kap. 1). Das hat mit Arroganz nichts zu tun. Das ist Modelbildung und Erklärung der Realität an Hand des Models. So funktioniert das in der Wissenschaft nun mal: Experiment - Gegen-Experiment - Modelbildung - Referenzexperiment. Nochmal: Die H. scheitert schon am Experiment. Bei für die H. positiv ausfallenden Studien ist immer wieder zu beobachten, dass Experimente entweder unsauber durchgeführt werden, unsauber ausgewertet werden oder das beides der Fall ist! Siehe hierzu auch Edzard Ernst "Gesund ohne Pillen"

3) "... Ein etwas weniger ketzerischer historischer Überblick über die Entstehungsgeschichte der Homöopathie hätte mir im ersten Kapitel besser gefallen. Dabei hätten die Autoren ebenso die wenig stichhaltigen Gedankengänge Hahnemanns erläutern können. ..."
Was meinen Sie genau? Der historische Abriss ist doch da? Werdegang Hahnemanns, die wichtigsten Kritiker Hahnemanns. Näheres finden Sie wieder bei Edzard Ernst (s.o.).

4) "... Die Vermischung zwischen klassischer Homöopathie ..."
Haben Sie verstanden, dass (solang kein Nachweis der Wirksamkeit erbracht ist) die H. als GESAMTKONZEPT als Placebotherapie angesehen werden kann? Es spielt keine Rolle welche Globuli Sie verabreicht bekommen, ab einer Potenz von spätestens D24 oder C12 ist eh nur noch der Dreck des herstellenden Labors drin. Die pharmakologische Wirkung im Organismus ist gleich null, vorausgesetzt sie lassen den Milchzucker und den Dreck des Labores ausser Acht.

5) Sucha nach Studien:
Bitte nennen Sie mir die Seitenzahl und den Absatz im Buch und ich helfe Ihnen gern bei der Suche!

6) Placeboeffekt: Bitte werden Sie konkret! Welche Aussage im Buch ist nicht korrekt? Welche Textpassagen sind von Wikipedia übernommen?
Nehmen Sie bitte mal den letzten Satz aus Ihrem Abschnitt, verinnerlichen Sie diesen gut und lesen dann nochmal eine Studie / Buch welches zum Ergebnis kommt "Homöopathie wirkt".

7) "...Das ist wohl der eigentliche Kern des Buchs und wohl ganz gut gelungen. Leider fehlt mir gerade hier das Hintergrundwissen um das wirklich beurteilen. Ich sehe auch den Unterschied zur Pharmaindustrie nicht. ..."
Ich sehe diesen Unterschied auch nicht. Ist Ihnen bewußt, dass die Anhänger der H. oftmals mit der "bösen Pharmaindustrie" argumentieren?

8) "Zu den tatsächlichen Gefahren der Homöopathie finde ich leider wenig Substanzielles. Die Autoren äußern starke ethische Bedenken bei der Placebobehandlung."
Das ist doch genau der Punkt! H. ist eine Placebo-Medizin die sich nur (!) auf die Selbstheilungskräfte verlassen kann! Bei einem Schnupfen mag es ausreichen mit Placebos zu behandeln, wenn's einem dadurch besser geht. Nur leider gibt es Krankheiten, wo die chemische Keule ausgepackt werden muss, weil der Körper es sonst allein nicht schafft und der Mensch (jämmerlich) krepiert. In einer solchen Situtation nur auf den Placebo-Effekt zu vertrauen ist unterlassene Hilfeleistung und im höchsten Maße unethisch!

" Allerdings ist wohl jedem Menschen bekannt, dass Homöopathie umstritten ist, so dass eine Täuschung von den Anhängern der Homöopathie in Kauf genommen wird."
H. ist nicht umstritten, H. hat es nicht geschafft einen Wirksamkeitsnachweis zu erbringen. H. funktioniert als Placebobehandlung als Gesamtkonzept. Und da hört's dann auch schon auf!

"Zumal der Placeboeffekt ja tatsächlich heilen kann und den Vorteil hat, keine Nebenwirkungen zu entfalten."
Das bestreitet niemand, nur ist der Placeboeffekt nicht kalkulierbar, da er vom psycho-sozialen Kontext zwischen Patient und behandelnden Mediziner abhängt! Sehen sie den Punkt? Sie können die Mittelohrentzündung durch Placebos überstehen, es besteht aber eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie bleibende Schäden davontragen. Wenn Sie nun Antibiotika nehmen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit der Folgeschäden drastisch!

9) "... Darüber hinaus betonen die Autoren mehrfach eine Art „Verfall der Gesellschaft“ durch die Akzeptanz der Homöopathie:..."
Das ist korrekt. Schwachsinn aus dem Bereich der Alternativmedizin wird bedenkenlos geglaubt! Wirkungsvolle Heilmethoden, sprich der Einsatz von EBM, werden dadurch oftmals hinausgezögert oder kommen erst gar nicht zum Einsatz. Eine Diskussion mit Anhängern der Alt-Med ist oftmals nicht möglich, da sie Argumentationen, welche ihrem (Fantasie-)Weltbild nicht entsprechen nicht / nur sehr schwer folgen können. Haben Sie schonmal versucht mit einem H. über die Notwendigkeit der MMR-Impfung zu diskutieren? Da hilft nicht mal das Argument "1 von ca. 1500 Kindern die Masern bekommen stirbt!" - als Entgegnung darf man vernehmen, dass man Masern ja homöopathisch behandeln könne! Da hilft es nicht darauf hinzuweisen, dass es nicht möglich ist eine ausgebrochene Masernerkrankung zu behandeln oder dass man mit einer Impfung das Risiko einer Komplikation bei einer Erkrankung drastisch senken kann (siehe entsprechender Wikipedia-Artikel bzw. RKI).

10) "... Nur weil es positiv ist, dass sich jemand deutlich gegen Homöopathie ausspricht, macht es den Inhalt nicht automatisch richtig oder hochwertig. "
Haben Sie eine wissenschaftliche Ausbildung? Haben Sie wissenschaftlich gearbeitet? Können Sie den Argumentationen der H.-Gegener folgen?

Mit freundlichen Grüßen,
Steffen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.01.2013 15:05:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2013 15:19:21 GMT+01:00
Melanie W. meint:
Hallo Steffen,
ich habe hier meinen Eindruck geschildert - ich habe nicht den Anspruch, dass du mir zustimmen müsstest. Ich habe keine Lust mich dafür zu verteidigen, vor allem, da ich den Eindruck habe, dass du im Gedanken "jeder der etwas gegen Homöopathie sagt hat Recht" jedem widersprichst, der etwas gegen das Buch sagt. Dagegen anzukämpfen ist wohl genauso aussichtslos wie gegen Homöopathen anzukämpfen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Ich traue dir zu, dass du die Passage im Wikipedia-Artikel selbst findest, wenn du das willst. Ich kopiere sie nicht hier. Ein Link sollte reichen: http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo#Placeboeffekt_invasiver_Ma.C3.9Fnahmen

Nummer 5 nehme ich jedoch gerne an - aber auch wenn du mir alle Quellen nennst, werfe ich den Autoren weiterhin vor, dass die Quellen im Buch fehlen. Im Grunde suche ich zu jedem Satz auf Seite 60 - 67 Quellenangaben. Wie oben schon geschrieben: die Studie zum Zervixkarzinom (S. 288) interessiert mich sehr.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.01.2013 15:27:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2013 15:29:05 GMT+01:00
S. Uhlig meint:
Hallo Melanie,

es ist Schade, dass Sie die Kernaussagen des Buches "Es gibt keinen Wirksamkeitsnachweis für H." und "Stellenwert von Placebobehandlungen" nicht verstanden zu haben scheinen.
Sie dürfen gern Ihre Meinung haben. Ich habe auch die meinige und teile Ihre Ansichten nicht!

Zu den Studien:
Quellenangabe fehlen komplett. Weder Hauptautor, noch Titel, noch Journal, noch Jahr sind gegeben. Hinweis: Autoren kontaktieren! Das ist unsauber gearbeitet, leider!

Kochsalzinfusion gegen Schmerzen bezieht sich auf Henry Beecher
http://en.wikipedia.org/wiki/Henry_K._Beecher

Sie haben recht, die Quellen sind teilweise für den Nicht-Fachmann kaum auffindbar. Das ist sehr schade!

Mit freundlichen Grüßen,
Steffen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.01.2013 15:44:37 GMT+01:00
Melanie W. meint:
Hallo Steffen,

> es ist Schade, dass Sie die Kernaussagen des Buches "Es gibt keinen Wirksamkeitsnachweis für H." und "Stellenwert von Placebobehandlungen" nicht verstanden zu haben scheinen.

Kernaussage des Buches sollte laut Titel die Antwort auf die Frage sein, wie gefährlich Homöopathie ist, nicht ob es Wirkungsnachweise für die Homöopathie gibt (die Erläuterungen zur Kopfschmerzstudie finde ich gut).

> Sie haben recht, die Quellen sind teilweise für den Nicht-Fachmann kaum auffindbar. Das ist sehr schade!

Danke.

Veröffentlicht am 19.01.2013 18:44:43 GMT+01:00
Utimaus meint:
@ Melanie W.

Zuerst vorneweg ein Statement: Ich habe nicht "nicht nützlich" geklickt, weil ich sehe, Sie haben das Buch offensichtlich gelesen und es hat Ihnen - im Gegensatz zu mir - aus Gründen, die Sie aufführen halt nicht gefallen. Ihr gutes Recht, dies hier auch so zu schreiben, selbstverständlich.

Dennoch bin ich beim Lesen Ihrer Rezension zu der festen Überzeugung gekommen, dass Sie tatsächlich einen ganz wesentlichen Punkt des Buches missverstanden haben, was möglicherweise erheblich dazu beiträgt, dass Ihr Urteil doch so sehr negativ ausfällt. Bitte lassen Sie mich diesen Punkt ausführen:

<<Es wirkt auf mich sehr arrogant, wie die Autoren beschreiben, warum Homöopathie nicht wirken kann, weil keine Erklärung dafür vorhanden ist. Auch in der Medizin gibt es Behandlungsverfahren die wirken, obwohl nicht klar ist auf welchem biochemischen Mechanismus die Wirkung beruht. „Naturgesetze sind nicht verhandelbar … Sie lassen Ingenieure berechnen, ob ein Flugzeug fliegen wird“ – So vieles an einer einfachen Maschine können weder Ingenieure noch Physiker berechnen – was ein Biologe vielleicht nicht weiß. Dass fast nichts in der Biologie vorher berechnet werden kann, sollte ihm aber bewusst sein.>>

Zum ersten: Die Autoren sagen gerade _nicht_, dass Homöopathie nicht wirken kann, weil keine Erklärung dafür vorhanden ist.
Die Autoren sagen vielmehr, dass Homöopathika nicht wirken können, weil diese Annahmne mehreren gesicherten Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften widersprechen. Das ist etwas völlig anderes, nämlich die Erkenntnis, dass schon sehr viel, von dem was wir wissen, was sich gut überprüfen lässt und sich in zahllosen Anwendungen des täglichen Lebens bestätigt, explizit falsch sein müsste, damit an der Homöopathie etwas dran sein könnte...
Zum Nachlesen, dass dies genau der Hauptpunkt ist, der sich wie ein roter Faden durch die Argumentation zieht:
<< Es ist in der Tat nur möglich, an eine Wirkung der homöopathischen Präparate zu glauben, wenn sämtliche Naturgesetze, deren Erkenntnis sich die Menschheit erworben hat, über Bord geworfen werden. >> (S. 33)
<< Ob Verfahren plausibel, unplausibel oder, wie die Homöopathie, nach den Gesetzen der Physik, der Chemie und der Logik sogar unmöglich sind, spielt bislang keine Rolle... Bevor man eine klinische Studie plant, sollte man sich fragen, ob die vermutete Wirkung, die man überprüfen möchte, im Einklang mit den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften steht. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, machen Studien keinen Sinn.>> (S. 316)
<<... doch um die Paradigmen der Homöopathie zu akzeptieren, muss man nicht nur neue Naturgesetze akzeptieren, sondern auch alte, die sich bereits widerspruchsfrei bewährt haben, über Bord zu werfen. Es müsste also Dinge zwischen Himmel und Erde geben, die sich der Mensch bislang zwar zur vollsten Zufriedenheit, aber dennoch völlig falsch erklärt.>> (S. 324)

Zum zweiten: naturwissenschaftliche Ergebnisse sind nicht pluralistisch. Das ist aber keine Arroganz. Und es liegt auch nicht daran, dass der Autor als Biologe vielleicht nicht das Handwerkszeug eines Ingenieurs beherrscht.
Es ist deshalb nicht sinnvoll, anzunehmen, es könnte eine andere _vernünftige_ Meinung geben, die den Naturgesetzen widerspricht, weil naturwissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verzahnt sind und aufeinander aufbauen. Nimmt man an, eine Aussage der Naturwissenschaft sei falsch (was durchaus der Fall sein kann, klar), dann muss man dabei aber berücksichtigen, dass alles, was mit dieser Aussage begründet wurde, nun ebenfalls nicht mehr erklärbar oder falsch wird. Je mehr weitergehende Aussagen also auf einer Erkenntnis beruhen und je besser sich diese darauf aufbauenden Aussagen im Alltag immer und immer wieder bestätigen, desto absurder wird es, die ursprüngliche Aussage anzuzweifeln. Mit Arroganz hat das nichts zu tun: Das ist Vernunft.

Konkret: Nehmen wir an, Sie glauben, dass Substanzen ohne Wirkstoff auf Körperzellen wirken können (nicht als reine Placebos).
Dann müssen Sie sich aber klar machen:
Möchte man bei einem chemischen oder biologischen Experiment beweisen, dass eine bestimmte Substanz aus einem Gemisch für eine beobachtete Wirkung verantwortlich ist, so entfernt man diese Komponente aus dem Gemisch. Verschwindet die beobachtete Wirkung, so gilt dies als Nachweis, dass diese Komponente für die Wirkung verantwortlich ist.
Wenn Sie also nach einem Mechanismus suchen, der erklärt, dass Homöopathika wirken, obwohl die Wirksubstanz entfernt wurde, dann _müssen Sie alle (und ich meine wirklich alle) Erkenntnisse der letzten 2 Jahrhunderte, die mit obiger Beweisführung bestätigt wurden, ebenfalls neu miterklären, denn obige Beweisführung ist dann falsch_.
Und genau das ist der Grund, warum der Glaube an Homöopathie mit jeder funktionierenden Anwendung einer beliebigen mit obiger Nachweismethode gefundenen Erkenntnis irrationaler wird.

Möchten Sie dagegen nachweisen, dass der Trick im Verschütteln liegt, müssen Sie gleichzeitig miterklären, warum nicht alle Eigenschaften aller Inhaltsstoffe und der Gefäßwände magisch verstärkt werden - und außerdem, warum niemals beobachtet worden ist, dass außerhalb homöopathischer Firmen jemals irgend ein Verschüttelvorgang unerklärliche Verstärkungen der Substanzeigenschaften gezeigt hat.

...

Sie verstehen das Problem: Es genügt nicht, die Behauptungen der Homöopathie zu erklären, wenn "alles ganz anders" ist. Sie müssen alles, was die Naturwissenschaft bereits mit den der Homöoapthie widersprechenden Aussagen erklären konnte neu und mindestens genauso gut miterklären.
Es ist nicht arrogant, immer und immer wieder reproduzierbare Ergebnisse als gesichertes Wissen zu betrachten und allem, was dem widerspricht höchst skeptisch gegenüber zu sein.

Insofern möchte auch ich darauf hinweisen, dass ich Ihre Formulierung <<Allerdings ist wohl jedem Menschen bekannt, dass Homöopathie umstritten ist, ...>> für höchst unglücklich halte. Ich vermute aber eben genau darin den Grund für Ihre schlechte Bewertung. Homöopathie ist aber nicht "umstritten". Umstritten kann etwas nur dann sein, wenn es vernünftige Gründe für beide Seiten geben kann.
Genau diesen Eindruck möchte die homöopathische Seite erwecken - und ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie damit bei Ihnen nicht doch Erfolg hatte:
<<Zu den tatsächlichen Gefahren der Homöopathie finde ich leider wenig Substanzielles. >>
An mehreren Stellen weisen die Autoren auf die nach ihrer Meinung größte Gefahr der Homöopathie hin: Die Homöopathie untergräbt das rationale Denken. Denn der Glauben an ihre Wirksamkeit beruht auf der Annahme, dass es eine _rationale Alternative_ zum durch Beobachtung immer und immer wieder bestätigten gesicherten Wissen geben kann. Sie ist ein Türöffner für alles Unbegründete, Nicht-Hinterfragbare.
<< Wir meinen damit, dass die Homöopathie vor allem unser wissenschaftlich-rationales Denken und Handeln untergräbt und als Einfallstor für irrationale Ansichten dienen kann. Denn wenn man spezifische Wirkungen der Homöopathika, obwohl unmöglich, für möglich hält, verliert man die verlässlichen Kriterien, die uns die Naturgesetze, die Mathematik und die Logik vorgeben - wir verlieren damit die einzige allgemeingültige und objektive Entscheidungsgrundlage.>> (S. 313)
Mir scheint, dieser Punkt ist bei Ihnen in keiner Weise angekommen.

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.01.2013 19:18:39 GMT+01:00
Melanie W. meint:
Ich gehe erst auf den zweiten Punkt ein:

Ich verstehe das Argument der Autoren, Homöopathie durch die Tatsache dass Forschungsarbeiten durchgeführt werden und Behandlung von den Krankenkassen übernommen wird, geadelt wird. Die Autoren folgern daraus, dass das allgemein die wissenschaftlichen Methoden abwertet und weites mehr.
Ich teile diese Ansicht ja sogar - aber leider BELEGEN die Autoren nicht, ob das wirklich so ist.

Zum ersten: Die Homöopathie hat ein sehr lückenhaftes Gedankenkonstrukt. Aber das sagt nichts über ihre Wirkung aus. Es gibt so unendlich viel, was die Naturwissenschaft nicht erklären und berechnen kann, teilweise sogar viele Jahre lang völlig widersprüchlich ist, und das trotzdem belegbar existiert. Natürlich trifft der zweite Teil des Satzes auf die Homöopathie nicht zu. Aber deswegen stimmt die Schlussfolgerung, dass die fehlende naturwissenschaftliche Erklärungsgrundlage bedeutet, dass es Unsinn sein MUSS, eben trotzdem nicht.

"umstritten" war ein denkbar falsches Wort. Da gebe ich Ihnen Recht, ich ziehe das Wort zurück und ersetze es durch "naturwissenschaftlich nicht bestätigt oder widerlegt"

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.01.2013 22:14:05 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2013 22:25:44 GMT+01:00
Utimaus meint:
@ Melanie W.

<<Ich verstehe das Argument der Autoren, Homöopathie durch die Tatsache dass Forschungsarbeiten durchgeführt werden und Behandlung von den Krankenkassen übernommen wird, geadelt wird. Die Autoren folgern daraus, dass das allgemein die wissenschaftlichen Methoden abwertet und weites mehr.
Ich teile diese Ansicht ja sogar - aber leider BELEGEN die Autoren nicht, ob das wirklich so ist. >>

Die Adelung der Homöopathie und das daraus resultierende Abwerten seriöser Forschungstätigkeit ist nur ein Teilaspekt des Problems. Das Hauptargument richtet sich auf das in der Gesellschaft verankerte Denken: _Die Rationalität eines Jeden_, der an Homöopathika glaubt wird untergraben, weil er nur an die Wirkung homöopathischer Mittel glauben kann, wenn er gleichzeitig glaubt, dass unser gesichertes Wissen falsch ist; wenn er also trotz bester Beweislage ohne konkreten Hinweis für sich in Anspruch nimmt, anderer Meinung sein zu können, ohne die Rationalität zu verlassen. Man könnte es auch Volksverdummung nennen.

Darüber hinaus führen die Autoren aber auch noch folgende Problematiken an:
- Erziehung zum Pillenschlucken bei jedem Wehwehchen
- Gefahr, dass auch in der Medizin unbestätigte Verfahren trotz des fehlenden Wirknachweises beibehalten werden
- unnötige Kosten
- Negativkonditionierung gegen Medizin durch Behauptung, es könne Wirkung ohne Nebenwirkung geben
...
Es geht in keiner Weise nur um ein für den Laien eh scheinbar nicht wichtiges Abwerten des Wissenschaftsbetriebs.

Beim ersten Punkt haben Sie noch nicht verstanden, worauf ich (und die Autoren) hinaus wollen.
<<"umstritten" war ein denkbar falsches Wort. Da gebe ich Ihnen Recht, ich ziehe das Wort zurück und ersetze es durch "naturwissenschaftlich nicht bestätigt oder widerlegt" >>
Es ist auch nicht "naturwissenschaftlich nicht bestätigt _oder_ widerlegt" , es ist "widerlegt" und nicht nur nicht bestätigt.

<<Die Homöopathie hat ein sehr lückenhaftes Gedankenkonstrukt. Aber das sagt nichts über ihre Wirkung aus.>>
Es gibt aber Grundprinzipien in der Homöopathie, ohne die das was, übrig bliebe keine Homöopathie mehr ist. Eines dieser Grundprinzipien ist die Potenzierung: dass man also Wirksubstanzen verdünnt und verdünnt und verdünnt, bis eben de facto kein Wirkstoffmolekül mehr auf den Globuli vorhanden ist. Und die Behauptung, diejenigen Globuli wären die stärksten Medikamente, die die höchsten Potenznummern hätten, also die am meisten verdünnten oder halt de facto diejenigen, die mit der größten Sicherheit kein einziges Wirkstoffmolekül im ganzen Fläschchen enthalten.
Und dem gegenüber steht das, was ich oben geschrieben habe: Die erprobte, immer und immer wieder bestätigte Erkenntnis "Die Dosis macht das Gift" (lapidar formuliert). Wir machen jeden einzelnen Tag die Erfahrung, dass Wirkungen verschwinden und eben gerade nicht verstärkt werden, wenn wir die Ursprungsstoffe entfernen. Deshalb waschen wir Obst vor dem Essen ab! Wir benutzen dieses Wissen jeden Tag. Auch Homöopathie-Anhänger.

<<Es gibt so unendlich viel, was die Naturwissenschaft nicht erklären und berechnen kann, teilweise sogar viele Jahre lang völlig widersprüchlich ist, und das trotzdem belegbar existiert. Natürlich trifft der zweite Teil des Satzes auf die Homöopathie nicht zu.>>
Und genau in diesem zweiten Satz liegt das Problem Ihrer Argumentation. Widersprüchlich sind nur Dinge, wenn es für beide Seiten rationale Argumente gibt. Wir müssen also - um im wissenschaftlichen Bild zu bleiben - erst einmal ein Phänomen beobachten, das wir von der Warte unseres gesicherten Wissens aus nicht erwarten, damit etwas als widersprüchlich wahrgenommen werden kann. Solange wir das nicht tun, haben wir keinen Widerspruch.
Und aus dieser Überlegung heraus: Das Bild, das wir von der Homöopathie haben, ist wissenschaftlich absolut stimmig:
- Wir haben die Grundprinzipien widerlegt, weil sie im Laufe der Jahre von den naturwissenschaftlichen Erkenntissen ausgeschlossen wurden. Sie stehen im Widerspruch zu unzähligen Messungen, Experimenten und sogar den Alltagserfahrungen.
- Wir können Erfolge des Gesamtsystems "Homöopathie" über Placebo Effekt, Konditionierung, Ritualisierung,... erklären
- Randomisierte doppelblinde Studien belegen, dass es keinen darüberhinausgehenden Wirkungseffekt gibt.
In Punkto Homöopathie passt also Theorie und Beobachtung hervorragend zusammen:
Es kann keine Rede davon sein, dass uns eine wissenschaftliche Erklärungsgrundlage fehlt. Eine Erklärung wofür?
Es existiert kein Widerspruch, wir beobachten exakt das, was wir nach gesichertem Wissen erwarten.

Gerade das folgende ist im Buch aber sehr ausführlich dargestellt: Dass man trotzdem den Eindruck hat, es könnte was "dran sein", liegt an den jetzt seit 150 fleißigen Umtrieben der Homöopathen, die Ärzten, Apothekern, Politikern,... etwas anderes einreden. Dass die Globuli in der Apotheke vertrieben werden müssen, weil sie nur lateinische Bezeichnungen der Inhaltsstoffe benutzen etwa, wie in Presse und Fernsehen immer wieder ihre Wirkung als Tatsache verbreitet wird,...
<< Schon jetzt scheint derjenige, der die Stimme der Vernunft erhebt und mit Zahlen und Fakten argumentiert, leicht auf verlorenem Posten zu stehen. (...) Es hat manchmal den Anschein, als wären rationale Argumente etwas Anstößiges...>> (S. 234)
<<Vielleicht trifft die Homöopathie mit ihrer Mischung aus Esoterik, Arzneikunde, Althergebrachtem und Sanftheit ganz besonders den Nerv einer alternativ eingestellten, aber gebildeten Klientel...>> (S. 238)
Das ganze Buch beschreibt, wie wir systematisch dazu gebracht werden, die Wirkung der Globuli nicht anzuzweifeln, obwohl es - wie dargestellt - keinerlei vernünftigen Grund dafür gibt, sie anzunehmen. Die Homöopathie-Lüge ist genau dieser Scheinwiderspruch, an den wir glauben sollen, der aber nicht existiert.

Grüße

Veröffentlicht am 20.01.2013 01:53:46 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.02.2013 13:49:30 GMT+01:00
Utimaus meint:
Als kleinen Gruß zum Ausgleich für meine Kritik ein Tipp, wie man die von Ihnen gesuchten Studien findet:

Ab Seite 60, sagten Sie: Da steht ein Zitat ("Placebos sind...") und danach <<schrieb ... 2010 ... Benedetti ... Neuropsychopharmacology Reviews...>>
Sie gehen auf Google, geben dort das Wort "scholar" ("Gelehrter") ein, dann bietet Ihnen Google die Scholar-Suche an. Dort geben Sie dann die 3 genannten Hinweise - Jahreszahl, Autor und Fachzeitschrift - ein. Der oberste Treffer ist:

http://www.nature.com/npp/journal/v36/n1/full/npp201081a.html

Da es im Text heißt, er hätte schon weitere Arbeiten zu diesem Thema gemacht, können Sie statt 2010 auch "placebo" eingeben. Sie finden dann auch ältere Arbeiten Benedettis zu diesem Thema usw.

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.01.2013 10:41:19 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 20.01.2013 10:42:57 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.01.2013 13:08:45 GMT+01:00
Melanie W. meint:
Das hier ist wirklich wie eine Diskussion mit Homöopathen. Faszinierend welche Lagerbildung hier herrscht.

> Visualiser33 meint: 20.01.2013 10:41:19
> Warum steht auch bei Ihnen wieder kein bestätigter Kauf?

Ach Gott, langsam wird es peinlich oder? Aber bitteschön - jetzt steht es da.

> Ale kleinen Gruß zum Ausgleich für meine Kritik ein Tipp, wie man die von Ihnen gesuchten Studien findet:

Können Sie das bitte anhand der Studie zu Gebärmutterhalskrebs (Seite 288 im Buch) erklären?
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