19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Überragend,
31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Warrior - Steelbook [Blu-ray] [Limited Edition] (Blu-ray)
Bewegend, mitreißend, unvorhersehbar, aufwühlend, tragisch, hochemotional!
Ich lasse mich bei Filmen selten zu Superlativen hinreißen, daher ist dies auch meine erste Filmrezension.
Was die Schauspieler hier abliefern ist einfach nur phänomenal!
Wer einen einfachen "Hau-drauf"-Film erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein, denn hier wird weit mehr gezeigt, als beeindruckende Kampfszenen, in denen vor allem Tom Hardy und Joel Edgerton ihre durchtrainierten Körper zeigen und eindrucksvoll demonstrieren, wie im Mixed Martials Arts gekämpft wird.
Das Sparta (ein neu ins Leben gerufenes Turnier, in dem sich 16 auserwählte Kämpfer einander gegenübertreten) bietet für die Brüder Tommy und Brandon vor allem eins: die Möglichkeit, sehr schnell an 5 Millionen Dollar zu kommen. Beide haben das Geld bitter nötig. Tommy versprach der Frau eines gefallenen Kameraden seine Siegprämie, damit sie sorgenlos ihre Kinder großziehen könne, Brandon und seine Frau müssen sich mit mehreren Jobs über Wasser halten, aber selbst seine Anstellung als Physiklehrer reicht nicht aus, um das mit Hypotheken belastete Haus länger als ein paar Wochen halten zu können. Kurze, nur in Gesprächen erwähnte Rückblenden der dramatischen Ereignisse in Tommys und Brandons Vergangenheit, verdichten die Stimmung ungemein und lassen den Erzählstrang und die Motivation der Protagonisten umso plausibler erscheinen. So wird in einem Gespräch zwischen Brandon und einem Bankangestellten deutlich, dass dieser Brandon dazu riet, sein Haus mehrfach zu refinanzieren. Als der Bankangestellte dann kurz rekapituliert, wofür Brandon eine beträchtliche Summe verwendete, nämlich seines Erachtens für eine neue Niere einer der beiden Töchter, verzweifelt Brandon fast, denn es war das Herz. An dieser Stelle des Films wird durch wenig Kopfschütteln und einige betroffen-resignierende Blicke ein exzellenter Seitenhieb auf Geschäftspraktiken von Banken quasi im Vorbeigehen erledigt, die sich letztlich nicht mit den Bedürfnissen ihrer Kunden identifizieren und individuelle sehr wichtige Details gerne zur unbeachteten Nebensache werden.
Als Brandon dann durch den ersten Kampf nach vielen Jahren vom Dienst an der Schule suspendiert wird, steigt der finanzielle Druck auf ihn natürlich umso mehr. Seine Frau zeigt sich aber geschockt von der "Arbeit" ihres Mannes und beschwört ihn, nicht mehr zu kämpfen. Auch dieser Erzählstrang wird während des gesamten Films kontinuiertlich verfolgt, mit teils lustigen, teils aufwühlenden Momenten.
Das zentralste und bereits von Beginn des Films an verfolgte Thema ist aber die schwierige Beziehung zwischen dem Vater, einem seit kanpp 1000 Tagen trockenen Alkoholiker, und seinen beiden Söhnen.
Durch einige schemenhafte Andeutungen und dann wieder konkreten sprachlichen Rückblenden in die Vergangenheit erfährt der Zuschauer, dass der Vater durch den Alkoholismus schwerste Fehler gemacht haben muss, die in der Flucht der Mutter mit ihrem Sohn Tommy gipfelte. Dieser macht seinen Vater für den grausamen Tod seiner Mutter und seinen eigenen desolaten Zustand verantwortlich. Brandon, der mit seinem Vater bis auf Telefonate oder Mails ebenfalls nichts mehr zu schaffen haben möchte, ist der gleichen Ansicht und versucht, seine Familie vor dem vermeintlich schädlichen Einfluss seines Vaters zu schützen, in dem er persönliche Kontakte strikt ablehnt.
Wiederum in einer Erzählpassage wird eindrucksvoll deutlich, dass sich der Vater auf die Förderung des stärkeren Tommys konzentriert hat, was dazu führte, dass Brandon bei seinem Vater blieb, um "ihn einfach mal ganz für sich selbst zu haben" und natürlich auch seine damalige Freundin nicht im Stich lassen wollte, die er später heiratete. Damit verlor er den Anschluss an Tommy und seine Mutter, was Tommy ihm niemals verzeite, denn als der große Bruder hätte sich Brandon seiner Ansicht nach für ihn und seine Mutter entscheiden müssen.
Der überragende Nick Nolte spielt derart ergreifend den geläuterten Vater, dass es herzzerreißend ist, wie er um die Liebe und Vergebung seiner Söhne kämpft und ich mir das Verdrücken einer Träne tatsächlich nicht verkneifen konnte.
Während des Turniers spitzt sich der Konflikt aber zu.
An dieser Stelle will und kann ich nicht weiter auf den Inhalt eingehen, um dem baldigen Zuschauer nicht die Spannung zu nehmen.
Es ist aber nicht vorhersehbar, wer am Ende als Sieger aus dem Turnier hervorgehen wird und es scheint aussichtslos, dass die Familie wieder zusammenfinden könnte. Zu tief scheinen Hass und Verletzung beieinander zu liegen.
Dieser Film überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute!
Unbedingt ansehen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?